. «1 •, ^ - ' ..^^ '/i^.>*»^./.1il=*. * A ^-^ '**;)».' V-'' rix ? '■ ■ ' * F -* , . v '. >.< ■^- -i;; .r:^ r^j^tK^^ > V -A"* ^ THE UNIVERSITY OF ILLINOIS LIBRARY 580.5 OS V.5I OSTERREICHISCHE BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. REDIGIRT UND HERAUSGEGEBEN VON D« RICHARD R. v. WETTSTEIN PROFESSOR AN DER K. K. UNIVERSITÄT IN WIEN. LI. JAHRGANG. MIT 14 TEXTILLUSTRATIONEN (35 EINZELFIGÜREN) UND S TAFELN. WIEN. VERLAG UND DRUCK VON CARL GEROLD'S SOHN. 1901. OS ÖSTERREICHISCHE Herausgegeben und redigirt von Dr. Richard R. v. "Wettstein, Professor an der k. k. Universität in Wien. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. LI. Jahrgang, N*'- 1. Wien, Jänner 1901, Einige Bemerkungen über Anthokyanbildung. Dr. Ludwig Linsbauer (Pola). Es ist eine schon seit längerer Zeit bekannte und mehrfach beobachtete, aber wenig beachtete Thatsache, dass manche Pflanzen nach gewissen mechanischen Verletzungen einen rotheu Farbstoff im Zelisafte ausbilden, der in seinen Reactionen mit denjenigen Pigmenten übereinstimmt, welche man mit dem Namen Anthokyan bezeichnet. Auch ich hatte Gelegenheit, diese Erscheinung heuer zu untersuchen und einige diesbezügliche Versuche anzustellen. Beim nachträglichen Studium der einschlägigen Literatur, die mir allerdings nur zum Theile zugänglich war, und deren Angaben mit meinen Ergebnissen zum grössten Theile übereinstimmten, fand ich noch diverse Mittheilungen von Interesse, die mich ver- anlassten, das genannte Phänomen in seinen Beziehungen zu ver- schiedenen Factoren zu untersuchen, um womöglich einen Gesichts- punkt zu gewinnen, von dem aus der Process der Anthokyan- bildung wenigstens für eine Reihe von Fällen einer einheitlichen Erklärung zugeführt werden könnte. Die erste Angabe darüber, dass von den mechanisch ver- letzten Stellen mancher Pflanzenblätter herbstliche Röthung aus- geht, finde ich in der mir momentan zu Gebote stehenden Uteratur bei Wiesner (1871), nachdem von Oolladon (1868) ein Fall von Rothfärbung an vom Blitze getroffenen Reben berichtet worden war. Seither wurden ähnliche Beobachtungen wiederholt gemacht. Die dabei wahrzunehmenden Verletzungsgrade sind von ver- schiedener Intensität und finden sich an den Internodien, den Blattstielen und den Blattnerven vor. Ich fand als wirksam zur Erzielung von Rothfärbung: Abschürfung der Rinde, scharfes Um- biegen, Einschnüren, Einrisse, Durchtrennung der Gewebe, bis nur mehr ein schmaler Gewebestreif als Brücke zwischen den unver- letzten Partien übrig bleibt, endlich Quetschungen. Der Ursachen, die derartige Verletzungen herbeiführen können, gibt es viele. Vorbeistreifende Thiere und Menschen, Thierfrass an Oesterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft. 1901. 504709 bestimmten Stellen. Wind, Hagel und Blitzschläge können solche Verwundungen erzeugen. Das Aussehen von Sprossen, die sich nach mechanischer Schädigung (roth) verfärben, ist auffallend geoug. Es folgen näm- lich an einem derart verletzten Zweige mehr oder weniger, aber stets deutlich geröthete Blätter ganz unvermiitelt auf grüne. Die scharfe Grenze zwischen beiden Farben wird von der Wundstelle gebildet, oberhalb welcher, d. h. der Zweigspitze zu gekehrt, Anthükyanbildung auftritt, während die gegen die Zweigbasis be- findlichen Blätter grün sind. Dieser Gegensatz äussert sich ferner iu der Färbung des Blattstieles und der Einde des Stengels in genau derselben Weise, wie ich an Corniis sanguinea beobachten konnte. Nach einer Angabe Rathay's zeigte sich an den Knospen von Syringa vulgaris ebenfalls diese scharfe Trennung durch die Verletzungsstelle. Sogar späterhin, wenn auch die unteren Blätter in Folge normaler Herbstverfärbung sich rothen. bleibt noch lange t'in deutlicher Unterschied zwischen den oberhalb und den unter- halb der Wunde befindlichen Partien in der Intensität der Röthung bestehen. Der Beginn der Eothfärbung äussert sich häufig in der Aus- bildung rother Flecken, die sich allmählich über die ganze Blatt- fiäche ausbreiten. Am ehesten w^erden die älteren Blätter roth. dann der Reihe nach die jüngeren. Für die Rebe wird angegeben, dass das Anthokyan zuerst im Zellsafte der Palissadenzellen und erst später im Schwammparenehym entsteht. Das mag auch für andere Pflanzen zutrefifen, aber nur in den Fällen, wo das stärkere Licht die Blattoberseite trifft. Denn stets, wenn in Folge starker Knickung und üeberneigens der verletzten Sprosse die Blattunterseite der grösseren Lichtstärke ausgesetzt war, konnte ich auf dieser Seite intensive Röthung beobachten; in solchen Fällen bildet sich das Antho- kyan u. zw. in beträchtlichem Grade zuerst im Schwamm- parenchyme. Die Erscheinung, von der hier die Rede ist, hat man an Bäumen und Sträuchern, aber auch an krautigen Pflanzen beob- achtet, obwohl in Folge der geringeren Aufmerksamkeit, die letzteren zu Theil wurde, bisher nur wenige Beispiele von diesen bekannt geworden sind. Ich selbst habe zu den paar bereits bekannten Fällen in kürzester Zeit fünf neue Belege hinzufügen können, so dass die Liste der hieher gehörigen krautigen Pflanzen bei einiger Aufmerksamkeit sich bald beträchtlich wird vermehren lassen. Von einheimischen oder bei uns häufiger gepflanzten Bäumen und Sträuchern nenne ich folgende, theils von anderer Seite, theils von mir beobachtete: Cohaea scandens, Cornus sanguinea, Crataegus oxyacantha, Econymus verrucosus, Köhlreuteria paniculata, PhiladelpJius san- guinolentus, Firns communis, Prunus Cerasus {?), Prun. spinosa, Rosa pimpincUifolia , Syringa vulgaris, Vaccinium Myrtillus. 3 Viharnum Lantana, Vib. Opulus. Vitis silvestris, Vit. vinifera (und die amerikanischen Reben in bestimmten Sorten). Von einheimischen Kräutern werden angegeben: Geranium sanguineum und Sonclius olcraceiis. Ich füge nach eigener Beob- achtung folgende Pflanzen bei: Centaurea Scabiosa, Chrysanthemum sp. (cultivirt), Dnucus üarota, Medicago sativa, Serratiila tinctoria. Ferner sind zu erwähnen : Hgdrangea hortensis, Panicum variegatum und Fcireskia ncnleata. Es ist aufgefallen und von mehreren Seiten hervorgehoben worden, dass Rothfärbung bei Verletzung an solchen Pflanzen (Holzgewächsen) zu beobachten sei, die auch bei der herbstlichen Verfärbung diesen Farbenton annehmen. In der That ist das bei denjenigen Pflanzen, die man dabei gerade im Auge hatte, der Fall. Speciell für die Blätter der Weinrebe gibt Rathay ein solches Verhalten an. Eine weitere Bestätigung mag darin gefunden werden, dass. wie ich beobachtete, wiederholt geknickte oder sonstwie ver- letzte Zweige von gewissen Bäumen und Sträuchern zu finden sind, welche zur Zeit der Beobachtung ebensowenig Rothfärbung zeigten, als später bei der herbstlichen Laubverfärbung, bei der sie normal nur braun oder gelb werden. Indessen ist die Anthokyanbildung nach Verletzungen nicht ausschliesslich blos solchen Blättern eigen, welche, wie ihre herbst- liche Röthung beweist, die Fähigkeit und Veranlagung zur Erzeugung rothgefärbten Zellsaftes besitzen. Schon Wiesner weist auf eine Ausnahme hin, auf die Köldreuteria paniculata, welche auch in unserer Aufzählung genannt wird, und die sich normalerweise im Herbste gelb färbt. Dass aber Pflanzen ausnahmsweise Anthokyan ausbilden können, wenn sie es auch für gewöhnlich und im Herbste nicht thun, konnte ich an zahlreichen Exemplaren von Ulmus cam- pcstris var. suberosa sehen; ich fand hier sehr häufig Zweige mit unvermittelter Aufeinanderfolge grüner und rother Blätter (an- scheinend ganz ohne äusserlich sichtbare Ursache), während un- mittelbar daneben befindliche Sprosse desselben oder eines benach- barten Strauches die gewöhnliche Gelbfärbung des Herbstes zeigten. Der Vollständigkeit der hier zu besprechenden Eventualitäten halber sei hier kurz auf eine Bemerkung verton' s hingewiesen, dem- zufolge auch bei Pflanzen, die im Herbste natürlich roth werden, künsthche Anthokyanbildung nur dann zu gelingen scheint, wenn die Rothfärbung sieh im Mesophyll bildet, nicht aber dann, wenn sie in der Epidermis auftritt. Wir haben also folgende Oombinationen: 1. Blätter, welche sich im Herb.ste normal roth verfärben, werden bei mechanischen Verletzungen entweder ebenfalls roth oder auch nicht. 2. Von den Blättern, die sich herbstlich anders färben, als roth, werden die einen trotzdem roth, die anderen nehmen ihre gewöhnliche Herbst- farbe an, wenn sie verletzt werden. Es ist also nicht immer nothwendig, dass schon a priori eine gewisse „Disposition" zur Entstehung rothen Zellsaftes in der Pflanze gegeben ist, es ist nur nöthig, die Herbeiführung, bezw. das Zu- sammentreifen mehrerer bestimmter Umstände, um auch „aus- nahmsweise" Anthokyanbildung hervorzurufen. Erstere Annahme darf schon deshalb nicht auf alle Fälle ausgedehnt werden, da nicht nachgewiesen ist, dass das Anthokyan jederzeit und überall derselben Ursache seine Entstehung verdankt. Was die Jahreszeit anlangt, in welcher abnormerweise durch natürliche oder künstliche Verletzung Rothfärbung des Zellsaftes entsteht, so geht aus den von ßäthay mitgetheilten Berichten über Blitzschläge, sowie aus meinen und aus fremden Beobachtungen und Versuchen hervor, dass man solche frühzeitige Anthokyan- bildung von August ab constatirt hat. Ob sie auch früher auf- treten kann, ist derzeit mit Bestimmtheit weder zu bejahen, noch zu verneinen. Indess schliesse ich mich mit Beziehung auf einen von mir beobachteten Fall der Meinung Räthay's an, dass vor dem Hochsommer und Herbstanfang keine derartige Erscheinung auftreten dürfte, da man sonst ein so auffallendes Phänomen, wie das ganz unvermittelte Aufeinanderfolgen rother und grüner Blätter, im Sommer schon längst hätte beobachten müssen.^) Dieses Hinausschieben der Erscheinung gegen den Herbst zu weist aber darauf hin, dass erst um diese Zeit im Stoffwechsel der betreffenden Pfianzen solche Veränderungen eintreten, die zur Antho- kyanbildung führen können. In diesem Sinne liesse sich dann aller- dings von einer gewissen Disposition sprechen; dieselbe wäre aber dann eine temporäre und periodische, welche auf äussere Factoren zurückzuführen wäre. Wir hätten es also wenigstens nicht immer mit einer phylogenetisch erworbenen und hereditär befestigten Ver- anlagung zu thun, sondern es ist die Annahme gestattet, dass (zu- nächst die herbstliche) Eothfärbung mindestens der Hauptsache nach durch das Zusammenwirken bestimmter Umstände in der Ontogenese hervorgerufen wird, indem periodisch wiederkehrende Factoren einen Gesammtzustand in den Lebensprocessen erzeugen, der zur Antho- kyanbildung führt. Dieser Gesammtzustand ist aber normal nur im Herbste vorhanden. Sehr gut stimmt zu dieser Darlegung eine auf den ersten Blick widersprechende Angabe Overton's, welcher im- abhängig von der Jahreszeit Rothfärbung hervorrufen konnte. Denn gerade durch diese künstliche und zeitlich ganz abnorme Verfärbung zeigt sich so recht deutlich der ausserordentliche Einfiuss äusserer Factoren. Dass aber bei gewissen Pflanzen auch eine erblich fixirte Disposition mitwirken kann, könnte unter Anderem wohl auch aus den Angaben Räthay's vermuthet werden, wonach nur gewisse Rebensorten, die sich im Herbste roth verfärben, Anthokyan auch vorzeitig ausbilden können.") ^) Anmerkungsweise will ich bemerken, dass leb die Verfärbung der von mir beobachteten Krautartigen in der Zeit von September bis December wahr- nahm, allerdings früher darauf nicht geachtet hatte. 2) Ich brauche wohl nicht besonders zu betonen, dass diese Erörterungen nur für jene Fälle von Anthokyanbildung Geltung haben können, für die man dieselbe Entstehungsweise anzunehmen berechtigt ist. Ich stellte diverse Versuche an, um künstlich Anthokyan- bildung hervorzurufen, indem ich Verletzungen verschiedenen Grades ausführte. Besonders wichtig schienen mir Ringelungsversuche zu sein. Die genannten Experimente führte ich an frei exponirten Sträuchern von Cornus saiujuined aus, deren auf 3 cm Länge ge- ringelte Wundstelle mit einer mehrfachen Lage von Wachstuch »imhüllt wurde, dessen Ränder, mit Baumwachs überstrichen, am Zweige fest hafteten. Bei den geringelten Zweigen, sowie bei ge- knickten Sprossen trat höchst deutlich die Eingangs beschriebene Verfärbung über der Wundstelle auf, u. zw. schon nach einer Woche. Dieser Termin ist wohl der kürzeste Zeitraum, der als ausreichend zur Anthokyanbildung nach Verletzungen bisher festgestellt worden ist, muss aber noch keineswegs die unterste Grenze für die uöthige Einwirkungsdauer gewesen sein.^j Ich will an dieser Stelle erwähnen, dass die roth gewordenen Blätter viel früher abfielen als die grünen, u. zw. folgten sie dabei der Reihenfolge des Rothwerdens, so dass die jüngsten Blätter am längsten am Zweige bheben. Es hängt dies wohl damit zusammen, dass die rothen Blätter viel weniger transpiriren als die grünen und bekanntlich (Wiesner) Hemmung der Transpiration Laubfall her- vorruft. Diese Herabsetzung der Transpiration, die Räthay für Rebenblätter angibt (1. c. S. 11), habe auch ich, u. zw. an Cornus sanguiuia beobachten können. Fassen wir die Fälle in's Auge, bei welchen die mechanische Verletzung das luteruodium betroffen hat, so geht aus einer ver- gleichenden Betrachtung hervor, dass stets die Rinde des be- treftenden Zweiges mehr oder minder starke Beschädigungen er- litten hat. Die Ringelungsversuclie. wie z. B. ich sie mit sehr gutem Erfolge an Cornus saiiyuincd ausführen konnte, ergeben ferner, dass die Verletzung der Rinde auch vollständig hinreichend ist, um künstlich den Spross zu vorzeitiger Anthokyan- bildung zu veranlassen. Ich halte diese Ringelungsversuche, wie sie früher schon Räthay an Vitis anstellte, für entscheidend in der Frage nach der näheren Ursache der Anthokyanbildung. Bekanntlich wandern in den Elementen der Rinde verschiedene Stofife, welche durch Ringelung der Rinde in ihrer Wanderung mehr oder weniger aufgehalten werden müssen. Da nun die Ringelungsversuche und die Beobachtungen in der Natur gezeigt haben, dass in den Fällen, wo durch mechanische Verletzungen die in der Rinde wandernden Stoffe in der Weiter- leitung in bestimmtem Masse gehemmt oder ganz aufgehalten werden, Anthokyanbildung eingeleitet werden kann, so geht daraus hervor, dass diese beiden Processe miteinander m Beziehung stehen müssen. Üb die durch Verletzung der Leitungsbahnen der Rinde ij In denjenigen Fällen, wo die Rinde blos ein wenig abge.schürft war, war am 5. Oetober, nach etwa einem Monate, noch immer keine sichtbare Ver- änderung eingetreten. 6 bewirkte Anhäufung der Eiweisskörper. der Kohlehydrate, der Gerb- stoffe oder irgend eines anderen Stoffes allein schon ausreicht, um chemische Processe zu erzeugen, die zur Anthokyanbildung führen, ist damit zunächst ebenso wenig bewiesen, wie eine andere Mög- lichkeit, dass nämlich die Verwundung allerdings zwar naturgemäss die Stoffleitung in der Rinde alterirt, ausserdem aber gewisse Zustände auslöst, welche unter Umständen Anthokyanbildung zur Folge haben können. Davon noch später. Es ist hier der Ort, darauf hinzuweisen, dass genau dieselbe Auffassung zulässig ist, wenn Blätter an intacten Zweigen sich partiell durch Anthokyan röthen, wenn ihre Blattstiele oder die (grösseren) Blattnerven auf eine der früher genannten Weisen mechanisch verletzt werden. Auch in diesen Fällen tritt eben theil- weise oder gänzhche Hemmung in der Leitung gewisser Stoffe ein. u. zw. handelt es sich dabei nicht direet um die Schädigung der Wasserleitungsbahnen und die damit verbundene Herabsetzung der Wasserzufuhr, wie aus folgenden Erörterungen hervorgeht. M Für's Erste spricht gegen einen directen Zusammenhang der Anthokyanbildung mit dem Transpirationsstrome der Ausfall der ßingelungsversuche, da dabei der Holzkörper unverletzt bleibt und die über dem Ringelschnitte stehenden Blätter, wie ich bei meinen Versuchen beobachtet habe, völlig ebenso frisch aussahen, wie die grünen Blätter unterhalb der genannten Stelle. Wie ferner aus einer Analyse Räthay's hervorgeht, unterscheiden sich (wenigstens bei Viti!^) die Theile über und unter der verletzten Stelle in ihrem Wassergehalte fast gar nicht von einander. Es lassen sich ferner die hier zu behandelnden Erscheinungen ohne directe Wirkung der Wasserleitungsverhältnisse verstehen. Dass letztere gar keinen Ein- fluss ausüben, ist damit nicht behauptet. Die Thatsache, dass bisweilen die rothen Blätter oberhalb der Wunde mehr oder minder welk aussehen (was schon Molisch angibt) und. wie ich hinzufügen kann, nach einiger Zeit trocken werden können, hat ihren Grund darin, dass in solchen Fällen eben die Wasserleitungsbahnen verletzt sind. Das trifft sowohl für die Pflanzen zu, welche Moli seh in der Natur beobachtete, als auch für diejenigen seiner Versuchspflanzen, bei denen er entweder die Hauptnerven der Blätter in der Mitte durchschnitt, oder deren Zweige er durch einen queren, etwa bis zu zwei r)rittel ihres Holzkörpers eindringenden Schnitt einseitig verletzte. In jenen Fällen aber, wo das Xylem intact bleibt, ist das Welken nicht zu beobachten. .Jedenfalls ist der Gedanke an die erste der beiden früher genannten Möglichkeiten zunächst der näher liegende. Wir gelangen also zu folgender Annahme: Durch mechanische Verletzungen be- stimmter Art kann eine Störung in der Leitung derjenigen Stoffe 1) Weiter unten folgen einige Angaben, welche die hier gegebene Dar- stellung ergänzen. eintreten, welche in der Rinde, bezw. im Phlocmtiieile des Getäss- bündels oder in den leitenden Elementen des Nervenparenehyras wandern. Ist diese Annahme richtig, dann kommt man consequenter- weise zur Vermuthung-, dass überhaupt alle Umstände, welche gleichfalls eine Schädigung der genannten Leitungsbahnen, respective eine mehr oder weniger weitgehende Störung in der Stoffleitung im Gefolge haben, unter Umständen zur Anthokyanbildung Anlass geben können. Von diesem Gesichtspunkte aus sollen nun folgende Fälle in's Auge gefasst werden. Höchst wichtige Versuche zur künstlichen Hervorrufung von Anlhokyan verdanken wir verton.') Er constatirte, dass ver- schiedene Pflanzen, in Zuckerlösungen eingestellt oder eingelegt, nach einiger Zeit rothen Zellsaft (Anthokyan) ausbildeten, während isos- motische Lösungen anderer Stoffe diese Wirkungen nicht hatten. Overton drückt diese Thatsache folgendermassen aus: Bei vielen Pflanzen steht die Eothfärbung des Zellsaftes in enger Beziehung zum Zuckerreichthurae. Ich sehe in dem Ergebnisse dieser Versuche eine Bestätigung des durch die Ringelungsversuche erhaltenen Resultates, insoferne nach meiner Meinung die abnorme Anhäufung von Zucker in be- stimmten oder in allen Stengelquerschnitten in Overton's Ver- suchen nichts Anderes bedeutet, als eine Beeinflussung der Leitungs- bahnen für organische Stoffe in schädigender Weise, ähnlich wie sie auch durch mechanischen Eingriff erfolgen kann. Die Stoff- leitung ist jedenfalls ganz abnormal in einem solchen Falle; Pro- duction und Stoffleitung stehen in einem ganz unge- wöhnlichen Missverhältnisse zu einander. Overton hat bezüglich des Temperatureinflusses constatirt, dass niedrige Temperaturen die Rothfärbung begünstigen. Es kann das in dem Sinne ausgelegt werden, dass bei sinkender Temperatur eben die Stoffleitung herabgesetzt wird, wodurch natürlich (nach dem Ge- sagten) die Röthung thatsächlich begünstigt würde. Molisch kam auf den Gedanken, dass vielleicht verringerte Wasserzufuhr (ohne mechanische Verletzung) Rothfärbung erzeugen könnte, da seine Verletzungsversuche am besten ausfielen, wenn die später roth werdenden Blätter welk waren. Wirklich hatte schwaches Begiessen den erwarteten Erfolg.-) Jedoch muss derselbe nicht der mangelhaften Wasserzufuhr als solchen zugeschrieben werden, vielmehr ist, in Uebereinstimmung mit dem bisher Ge- sagten, die Deutung gestattet, dass durch die gehemmte Wasser- zufuhr auch die Wanderung der o.-ganischen Stoffe in den nicht mehr im gewöhnlichen und ausreicheodeu Grade irabibirten Geweben verzögert oder ganz unterdrückt wird. Es ist auch zu beachten, ') Er experimentirte mit LiliumMartagon,Ilex aquifoliumimd Hydrocharis. -) Molisch' Versuchspflanzen waren: PeiresJcia acnleata, Tradescantia zehrina, Panicum varieyatun und Fuchsia sp. Ich konnte dasselbe an einem abgeschnittenen und trocken gehaltenen Zweige von Myrtus Italica sehen. 8 dass iü den Ringelungsversucheii der Wasserstrom nicht unter- brochen war. Nach Obigem ist es ferner sehr erklärlich, warum in den Versuchen Molisch's Aiithokyaa auftrat, wenn er den Zweig bis auf zwei Drittel des Querdurchmessers einschnitt, da ja dadurch eben, wie gesagt, auch die Rinde verletzt wurde. Moli seh verdanken wir einige weitere, hochinteressante An- gaben. Er fand, dass junge Pflänzchen von Perilla uunkinensis und Iresine Lindeni in stickstofffreier Nährlösung auffallend röther wurden als in stickstoÖ'hältiger. Ob da dem Stickstofl'e eine specifische Bedeutung zukommt oder nur der Umstand massgebend ist. dass im ersten Falle die ungewöhnliche Zusammensetzung der Nährstofif- lösung auih eine Störung der Stofifleitung bewirkt, muss dahingestellt bleiben. Jedoch könnte man die letztere Erklärung heranziehen, um es plausibel zu machen, dass (nach Molisch) die Anthokyanbildung in jungen Keimlingen von Mais in den Wurzeln und im Stengel in dem Falle gefördert erscheint, wenn sie statt in Brunnenwasser sich in destillirtem Wasser befinden. Hieher gehört auch die That- sache. die verton berichtet, dass nämlich bei geringerem Gehalte an Nährsalzeu die Eothfärbung viel leichter eintritt. Dazu muss jedoch Folgendes bemerkt werden : Da im Allgemeinen Ooncentration der Nährsalze hemmend auf die Wasserverdunstung einwirkt, also den Transpirationsstrom herabsetzt, so wäre gerade im Gegentheile zu erwarten, dass in Lösungen mit schwächerem Salzgehalte die Rothfärbung keine För derung erfährt. Wenn Letzteres dennoch der Fall ist, so weist das darauf hin, dass wir die Ursache der Anthokyanbilduug in diesem Falle nicht einfach in einer Hemmung des Transpirationsstromes und dadurch herabgesetzter Leitungsfähigkeit für organische Sub- stanzen, sondern in einer anderen Richtung zu suchen haben. Möglicherweise kommt es nämlich auf eine ganz specifische Wirkung des einen oder des anderen Nährstoffes (oder mehrerer derselben) an. .Jedoch fehlen hierüber weitere Versuche, die vielleicht über die Bildungsgeschichte des Anthokyans wesentliche Aufschlüsse zu geben im Stande wären. Gerade so, wie einige Fälle bekannt geworden sind, in denen der Process der Chlorophyllbildung, in der Regel an eine bestimmte Lichtstärke gebunden, auch im Dunkeln vor sich geht, so wird auch angegeben, dass in gewissen Ausnahmsfällen das Anthokyan sich unabhängig vom Lichte bilden kann,'} während sonst bekanntlich im Schatten die Rothfärbung nicht oder wenigstens später und weniger intensiv als im Lichte auftritt. Es gehört für gewöhnlich eine Lichtintensität von bestimmter Höhe dazu, braucht aber keines- wegs sehr starkes oder gar directes Licht zu sein. Es genügt häufig diffuses Licht von massiger Stärke, besonders gegen den Herbst zu. Doch wirkt intensiveres Licht stärker als schwächeres. ') Derartige Fälle bei Laurent und Rätliay (1. c. S. G), welcher diese Unabhängigkeit vom Lichte für den Farbstoff der blauen Weinbeere angibt. '9 Ob man für beide Extreme dieselbe Endursache annehmen darf, bleibt zweifelhaft. Es fällt schwer, die fördernde Wirkung des Lichtes auf die Anthokyanbildnng vom Gesichtspunkte einer directen Hemmung der Stoffleitung zu erklären. Hingegen hätte die Annahme etwas für sich, dass die im Lichte geförderte Assimilation unter Umständen das normale Verhältniss zwischen Menge der Assimilationsproducte und Menge der wandernden Stoffe zu verschieben, deren Gleich- gewicht zu stören im Stande sei. Ob hieiuit schon der ganze Einfluss des Lichtes erschöpft und erklärt wäre, ist allerdmgs fraglich. Ob, beziehungsweise in welchem Verhältnisse die Anthokyan- bildnng zur Assimilation steht, ist noch genauer zu untersuchen. Es werden Fälle angeführt, welche theils für, theils gegen eine Beziehung des Chlorophylls zum genannten Processe sprechen. (Vergl. Käthay, 8. 5 und 6.) Moli seh hat durch seine Welkungs versuche gefunden, dass mangelhafte Wasserzufuhr Rothfärbung hervorruft. Wir haben, namentlich mit Rücksicht auf den Ausfall der Ringelungsversuche, jedoch den Schluss gezogen, dass der Wassermangel nicht direet, sondern erst mittelbar mit der Anthokyanbildung im Zusammen- hange steht, nämlich Störungen in der Stoff leitung verursachend. Molisch stellt vermuthungswcise auch die Möglichkeit auf, der Wassermangel rufe Assimilationsstörungen hervor, welche ihrerseits zur Rothfärbuug führten. Diese Möglichkeit ist nicht von Vorn- herein abzuweisen, doch darf sie auch nicht ohneweiters ver- allgemeinert werden. Denn speciell in meinen Ringelungsversuchen sind die sich röthenden Blätter nicht welk gewesen, und wenn sie auch in der Folge weniger transpirirten als grüne Blätter, so ver- fügten sie doch über eine genügende Wassermenge, die (nach Analysen Räthay's) hinter der der grünen Blätter nicht zurück- bleibt. Es ist also nicht recht einzusehen, weshalb in diesem Falle die Assimilation hätte funmittelbar) gestört sein sollen. Overton hat in seiner Arbeit über eine günstige Einwirkung von Lösungen von Aethyl- und Amylalkohol, Aceton und Aethyl- äther auf die Rothfärbung (bei Lilium Martagon) berichtet. Die dabei angewandte Oonceutration gibt er als hinreichend gross an, so dass dadurch die direet in die Lösung gebrachten Pflanzen nar- kotisirt werden konnten. Diese Versuche tührten ihn dazu, die Deutung zu versuchen, dass durch die oben genannten Lösungen in Folge Narkose oder noch tiefer greifender Schädigung der Zellen die Ableitung der Assimilationsproducte aus den Blättern stark verzögert oder ganz aufgehoben werde; eine will- kommene Uebereinstimraung mit meiner Anschauung. Es erübrigt noch, kurz die Erscheinungen der normalen Herbst- röthung in's Auge zu fassen. Wir finden zwischen dem Vorgange der Verfärbung nach mechanischen Verletzungen und dem Processe der herbstlichen Anthokyanbildung auffallende Aehnlichkeiten im äusseren Aussehen, 10 in der Reihenfolge des Sichverfärbens, in der Abhängigkeit von äusseren Umständen, speciell vom Lichte, zum Theile auch in der chemischen Zusammensetzung, wie im Besonderen ßathay be- züglich Säure- und Wassergehalt an Rebenblättern gezeigt hat. Diese Thatsachen gestatten uns auch, in beiden Fällen im Wesentlichen gleiche Ursachen als wirksam anzunehmen. Wir haben bei Verletzungen mechanischer Art die Roth- färbung zurückgeführt auf eine Herabsetzung der Leitungsfähigkeit für gewisse Stoffe, oder auf die Aus- bildung eines ungewöhnlichen, d. h. eines Missverhält- nisses zwischen Assimilation und Stoffleitung. Jedoch wird dasselbe bei den hohen Spätsommertemperaturen eben nur durch das gewaltsame Mittel der Verwundung herbeigeführt. Darum müssen im Herbste, bei verminderten Wärmeverhältnissen, natür- liche Mittel vorhanden sein, welche im Grossen und Ganzen die- selbe Störung bewirken. Es liegt nahe, an die geänderten Temperaturverhältnisse selbst zu denken. Niedrige Temperaturgrade haben nach Overton's zu allen Jahreszeiten gelungenen Versuchen die Anthokyanbildung günstig beeinflusst, so dass dieselbe Einwirkung auch bei der natür- lichen Herbstfärbung anzunehmen gestattet ist. Jedoch werden die Wärmeverhältnisse für die laubabwerfeuden somraergrünen Holz- gewächse unserer Flora nicht von derselben Bedeutung sein wie für die winterliche Röthung der Immergrünen. Das W^esentliche an der Wirkung verringerter Temperaturen dürfte wohl in der dadurch bedingten Verlangsamung des Stoffwechsels im Sinne der bisherigen Darstellung zu suchen sein, welche es uns somit gestattet hat, eine Reihe von Fällen von Anthokyanbildung von einem einheitlichen Ge- sichtspunkte ans zu betrachten und auch für den normalen Process der herbstlichen Rothtarbung einen damit im Einklänge stehenden Erklärungsversuch anzudeuten Literatur. Oolladon in Memoires de la societe de physique et histoire naturelle de Geneve, t. XXL Laurent in Comptes rondus de la Societe botan. de Belgique 1890. Molisch, Blattgrün und Blumenblau. [Schriften des Ver. zur Ver- breitung naturwiss. Kenntnisse, Wien 1889/90, XXX.] Overton, Beobachtungen und Versuche über das Auftreten von rothem Zellsaft bei den Pflanzen. [Pringsheim's Jahrbücher für wissen- schaftl. Botanik, Bd. XXXHI, H. 2.] — Hier auch Literaturübersicht. Rathay, Ueber eine merkwürdige, durch den BHtz an Vitis vinifera hervorgerufene Erscheinung. [Denkschriften der math. -naturwiss. Olasse der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, LVHI, 1891.] Wiesner, Untersuchungen über die herbstliche Entlaubung der Holzgewächse. [Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, LXIV, 1871.] 11 Zur Pilzflora Tirols. S Von H. imd P. Sydow (Berlin). Die in t'olgendera Verzeichnisse angeführten Arten wurden von mir im Monate Juli d. J. in den Tn^oler Alpen gesammelt. Aus- gangspunkt meiner Exeursion war Bozen, die Endstation der Blaser bei Steinach. Das grösste Interesse gewährten mir die Uredineen. und nehmen dieselben daher in dem Verzeichnisse auch die erste Stelle ein. Es glückte mir, mehrere für die Wissenschaft neue Arten aufzu- finden. Einige weitere Arten sind neu für die Pilzflora Oesterreichs, zu mehreren Arten konnten neue Nährpflanzen nachgewiesen werden. Von pflanzengeographischem Interesse sind besonders die bis- her nur aus Skandinavien bekannten Arten, Fuccinia Jndiana und P. septentrionalis. Auffallend war für mich die Pilzarmuth oberhalb der Baumgrenze; ich suchte in diesen Regionen oft stundenlang vergebens nach Parasiten. Die reine Bergesluft verbunden mit der verhältnissmässig niederen Temperatur sind hierfür wohl die mass- gebenden Factoren. Im Anschluss an das Verzeichniss der gesammelten Pilze folgt eine Uebersieht und Beschreibung aller bisher auf Crepis-Arten ge- fundenen Uredineen. Obgleich über die Cr^^'/s-Puccinien in neuerer Zeit mehrfach berichtet worden ist, so erschien doch eine Neu- bearbeitung nöthig. Gerade die Tiroler Funde beweisen, dass die Crepis-\J redineen in systematischer Hinsicht noch nicht genügend erforscht waren. Berlin, im November 1900. F. Sydow. Wir geben zunächst das Verzeichniss der in Tirol gesammelten Pilze. Hytnenoniycetes. Gyrocephalus (Pers.) 6r. ruf'iis (Jacq.) Bref. Auf Holzstückchen im Padasterthal bei Steinach. Exohasidiuni Woron. E. Voccinii Wor. Auf Ardostdphißos Uva-ursi bei Nesselbrunn bei Bozen. — Der Pilz ist wunderschön entwickelt. Er trat auf fast allen Blättern des etwa einen Quadratmeter Raum einnehmenden Exemplares der Nährpflanze auf und fiel schon von Weitem durch die intensive gelb- braune Farbe der Blattoberfläche auf. Die Sporen sind durchschnittlich grösser als bei den Formen auf Vaccinimn ]\IyrtUhimud V. Vitis- Idaec. Vielleicht ist diese Form als eigene Art zu betrachten. XJstilagineae. TJstilago Pers. U. perennans Rostr. Auf Arrlienaiherum elatiiis bei Brennerbad. 12 U. Scahiosae (Sow.) Wint. Awi Knantia arvensis var. dipsacifolia auf Wiesen im Gschnitz- thale. — Der Pilz trat hier recht häufig auf und hatte fast sämmt- liche Blütenköpfe der Nährpflanzen zerstört. U. Thlnspeos Beck. Auf Thlasju alpestre bei Gossensass. ü. Tragopogi (Pers.) Schroet. Auf Trngopogon major bei Gossensass. — Die Blätter und Stengel derselben Individuen, welche dieses üstilago trugen, waren reich von Purcinia Tragopogi befallen. ü. violacea (Pers.) Fuck. Auf Silene inflata. Seiseralpe. Cintractia Cornu. C. Caricis (Pers.) P. Magn. Auf Carex capillaris im Gschnitzthal; auf C. ßrma bei Brenner- bad; auf C. laevis am Blaser bei Steinach; auf C. montai/a auf der Seiseralpe; auf C. ornithopoda am Sehlern (Aufstieg von Völs) und im Gschnitzthal C. Ischaeml (Fckl.) Syd. Auf Andropogon Ischactnum recht häufig au der Wasser- strasse in Bozen. — Diese Art ist wohl besser zu dieser Gattung zu stellen; auch von Dietel wurde hierauf schon in Engler's Pflanzenfamilien hingewiesen. Entyloma De By. £'. Calendulas Oud. Auf Bellidiastrum 3Iicheli bei Gupp bei Sterzing. Selten. Vrocystis Rabh. U. Anemones (Pers.) Schroet. Auf Trollius europaens, Seiseralpe. Selten. Uredineae. Uromyces Lk. U. Älchemillae (Pers.) Fuck. — II, III. Auf Akhemllla vulgaris. Seiseralpe, Sterzing, Brennerbad, Blaser bei Steinach, — Der Pilz tritt recht häufig auf. Die be- falleneu Blätter sind gewöhnlich etwas länger gestielt, kleiner und fallen durch ihre bleiche Farbe auf. U. Cacaliae (DO) Ung. AuiAdenosfyles albifrons in der Gilfenklamm bei Sterzing, ferner im Padasterthale bei Steinach. Südlich von Sterzing wurde diese Art, welche in Nordtirol und besonders in den bayerischen Alpen sehr häufig auftritt, nicht beobachtet; dieselbe besitzt kein Aecidiura. U. caryoplnjllinus (Schrank) Wint. — II, III. Auf Dianthus silvestris bei Waidbruck; auf den Blättern und Stengeln von Tunica Saxifrnga auf einer Mauer an der Wasser- strasse in Bozen. — Beide Nährpflanzen sind neu für diesen Pilz. Auf letzterer tritt derselbe in recht charakteristischer Weise auf. Die üredosori sind oft von Darluca Filum Biv. befallen. 13 U. Fabae (Pers.) De By. — I, II, III. Auf Orobns niger bei Nesselbrunn bei Bozen ; auf Orohus variegatus bei Kollern bei Bozen und auf dem Mendelgebirge: auf Vicia Gtrardi auf dem Mendelgebirge (neue Nährpflanze). — Auf allen Nährpflanzen wurde die Aeeidiura-Generation zusammen mit der üredo- und Teleutosporenform gefunden. ü. Genistae-tindoriae (Pers.) Fuek. — II, III. Auf Cytisus falcatus und C. hirsuius auf dem Mendelgebirge bei Bozen; auf Gcnisfa germanica bei Virgl bei Bozen. ü. Hedysari-ohscuri DO. — I, III. Auf Hedysarum ohscuriim auf der Amthoralpe bei Gossen - sass. — Das Aecidium tritt in zwei Formen auf. Entweder sind die Aecidien einzeln unregelmässig über die untere Blattfläche zer- streut, oder sie stehen in kreisrunden, 1 — 3 mm messenden Gruppen beisammen. Beide Sporenformen treten zu gleicher Zeit auf. U. lapponicuH Lagh. — I, III. Auf Blättern und seltener Blattstielen von Astragidus alpinns auf der Seiseralpe. — Diese Art ist die häufigste üredinee auf der Seiseralpe; sie findet sich hier in Tausenden von Exemplaren. Schon von Weitem machen sich die bleichen, die Aecidien tragen- den Blätter bemerkbar. Fast stets sind sämmtliche Blätter der Nähr- pflanze vom Pilze befallen. Dies lässt auf ein perennirendes Mycel des Pilzes schliessen. Während die Aecidien nur auf den Theil- blättchen auttreten, findet man häufiger die Teleutosporen auch auf den Blattstielen. Lagerheim stellte (Bot. Not. 1890, p 272) zu seinem Uroniyces Uipponicus das Accidmm Astragali-aJ^^mi Erikss. Diese Zusammenstellung wurde von Eriksson (Bot. Not. 1891, p. 40) verworfen. Juel's Beobachtungen (Oefvers. k. Vet.-Akad. Förh. 1894, p. 416) lassen auf die Zusammengehörigkeit beider Formen schliessen. Bubak schreibt nun neuerdings (Oest. bot. Zeitschr. 1899, Nr. 4): „Ob dieses Aecidium, welches in den Alpen verbreitet zu sein scheint, wirklich zur Lagerheim'schen Art ge- hört, oder ob es ein selbstständiges, isolirtes Aecidium ist, oder ob es zu einer heteröcischen Art gehört, ist bisher nicht erwiesen worden." Ohne Zweifel ist diese Art in den Alpen weit verbreitet. Die auf der Seiseralpe gefundenen Exemplare zeigen auf's Deut- lichste, dass das Aecidium in den Entwic-klungskreis des üromyces gehört. Die Teleutosporensori stehen nicht nur zwischen den Aecidien, sondern sie brechen in vielen Fällen direct aus den alten Aecidien- bechern hervor. Durch diese Funde ist jeder Zweifel an der Zuge- hörigkeit beider Fruchtfornien gehoben, üredo besitzt die Art nicht. U. minor Schroet. — I. III. Auf Trifolium montanuni, Hühuerspiel und Amthoralpe bei Gossensass, Badalpe bei Brennerbad, Blaser bei Steinach. — Auf dem „Hühnerspiel" fand sich nur das Aecidium, auf dem „Blaser" dagegen nur die Teleutosporenform. ü. Silenes (Schlecht.) Fuck. — I, II, III. 14 Auf Silene italica an der Mendelstrasse bei Bozen; • aut S. nutans auf dem Kollern bei Bozen. U. SoUdaginis (Sommf.) Niessl. Auf Solidago Virgaiirea in der Gilfeuklamm bei Sterzing. U. TrifoUi (Hedw.) Lev. Auf Trifolium repens bei Nesselbrunn bei Bozen. JJ. Valerianae (Schum.) Fuck. — I. IL Auf Valeriana tripteris auf dem Mendelgebirge bei Bozen (II) und bei Gupp bei Sterzing (1). — Die Uredoform dieses Pilzes trat überall häufig auf, das Aeeidium scheint dagegen auf dieser Nährpfianze recht selten zu sein. JPuccinia Fers. P. Aecidii-Lmcantliemi £d. Fisch. — I. kni Lencanthenmm vulgare. Seiseralpe, Hühnerspiel beiGossen- sass, Badalpe bei Brennerbad. — Dies Aeeidium ist in den Alpen nicht selten, doch fand es sich stets nur zerstreut in einzelnen Exemplaren. P. Acgojwdii (Schm.) Lk. Auf Aegopodium Podagraria nur einmal im Padasterthale bei Brennerbad gefunden. P. Agrostidis Plowr. — I. Aeeidium auf Aquilegia atrata aut dem Mendelgebirge bei Bozen. P. alpestris Syd. u. sp. Auf Crepis alpestris auf der Seiseralpe. P, alpina Fuck. Auf Viola hiflora bei Brennerbad. — Die Art ist sehr häufig mit Synchytrium alpinum vergesellschaftet. P. Anemones-virginianae Schw. Auf Atragene alpina, Badalpe bei Brennerbad und Blaser bei Steinach. — Der Pilz wurde nur auf dieser Nährpflanze gefunden. Die in unmittelbarer Nähe wachsenden Pflanzen von Pulsatilla alpina waren völlig pilzfrei. Wir dürften es hier auch mit einer specialisirten Form dieser Art zu thun haben, welche nur auf dieser Nährpflanze auftritt. P. annularis (Str.) Wint. Auf Teucrium Chamaedrys an der Mendelstrasse bei Kaltem. P. Arenariae (Schum.) Schroet. Auf Moehringia muscosa im Grödener Thal bei St. Ulrich. P. ßistortae (Str.) DO. Auf Polygonum viviparum, Seiseralpe, Brennerbad, Gschnitz- thal etc. Wohl die häufigste Uredinee in den Tiroler Alpen. Eifrig wurde nach einem diese Art etwa begleitenden Aeeidium gesucht, doch war alle Mühe vergebens. Es werden von einigen Forschern verschiedene Aecidien auf Umbelliferen als in den Entwicklungs- kreis dieser Art gehörend gestellt, so z. B. die Aecidien auf Cono- podium denudatum, Angelica silvestris, Meum Mutellina. Die in 15 Tirol gemachten Beobachtungen lassen jedoch vermuthen, dass diese Art — wenigstens dort — kein Aecidium besitzt. Sollten die ge- nannten Aecidien wirklich zu der P. Bistortae gehören, so stellt letztere Art eine Sammelspecies dar, die dann je nach dem Vor- kommen ihrer Aecidien in verschiedene biologische Arten zu zer- legen wäre. Jedenfalls bedürfen die Umbelliferen-Aecidieu noch sehr sorgfältiger Untersuchungen; sie dürften leicht zu Täuschungen Ver- anlassung geben. P. hidlata (Pers.) Schroet. — II, III. Auf Pencedanum Ccrvaria häufig bei Virgl bei Bozen. P. Carduonim Jacky. — II, III. Auf Carduus defloratus, Seiseralpe; auf C. viridis in der Gilfenklamm bei Sterzing. P. Caricis-frigidae Ed. Fisch. — I. Auf üirsium spinosissimum auf der Seiseralpe. P. Carlinae Jacky. — II, III. Auf Carlina acaidis auf dem Blaser bei Steinach. P. Ccntaureae Mart. — II, III. Auf Centaurea coriacea. Seiseralpe. P. conglomerata (Str.) Kze. et Schm. Auf Homoyyne alpina auf dem Blaser bei Steinach. P. crepidicola Syd. n. sp. Auf Crepis taraxacifolia auf dem Blaser bei Steinach. 1'. dioicac P. Magn. — I, II, III. Aecidium auf Cirsiiim heterophylluni im Gschnitzthale, Uredo und selten Teleutosporen auf Carex Bavalliana ebenda. — Die Zu- gehörigkeit dieser beiden Fruchtformen ist zweifellos. Beide Nähr- pflanzen wuchsen an der Fundstelle in grosser Zahl. Doch nur diejenigen CiVsntm-Pflanzen wiesen das Aecidium auf, welche direct zwischen den mit Fuccinia befallenen Carcx-Fü^nzeu. standen, um- gekehrt zeigte das Aecidium stets auch die Anwesenheit der Pucci- nia an. Zwischen pilzfreien Care£c-Rasen wurde niemals das Aeci- dium auf Cirsium beobachtet. P. Epüobii-tetragoni (DC.) Wint. - I, II, III. Auf Epilohium alpinum in einer Schlucht bei Brennerbad: aui Epdoh. trigomim ebenda. — Auf beiden Nährpflauzen ist na- mentlich das Aecidium wunderschön entwickelt. Die ganze Unter- seite der Blätter ist von den einzelnen dicht beisammen stehenden Aecidienbechern bedeckt. Die vom Pilze befallenen Pflanzen von Epil. trigomim waren schlanker und höher als die gesunden Exem- plare, bei E. alpinum verursachte dagegen der Pilz meist nur eine zwerghafte Entwicklung der Nährpflanzen. P. Festucae Plowr. — I, II. Aecidium auf Lonicera Xylosteiim auf dem Kollern bei Bozen und bei Waidbruck, Uredo auf Festnca spec. bei Waidbruck. — Die Fcstuca-F Üanzen standen direct unter dem die Aecidien tragen- den LoniceraStrsiUche und sind wohl ohne Zweifel von diesem Aecidium inficirt worden. 16 P. flrma Diet. — I. Auf Bellidiastruni Michelii, Schiern, Seiseralpe etc., überall häufig. P. Gentianae (Str.) Lk. — I, II, III. Auf Genfiana excisa am Hühnerspiel bei Gossensass und auf der Badalpe bei Brennerbad. — Das Aecidiura tritt hier an den bereits abgeblühten Stengeln auf und ruft verschiedene Verkrüm- mungen derselben hervor. — Selten. P. graminis Pers. — I. Auf Berberis vulgaris bei Virgl bei Bozen und bei Waid- bruek. — Die Aeeidien von letzterem Orte waren von TuhercuUna persicina befallen. P. Hieracü Mart. — II, III. Auf Hierarhim spee. bei Bozen und an vielen anderen Orten. P. Huteri Syd. n. sp. Auf Sdxifraya mutata, Brennerbad. Soris teleutosporiferis amphigenis, sparsis v. aggregatis, in- terdum confluentibus, raediocribus, rotundatis v. irregularibus, epi- dermide vesiculosa cinerea diutius tectis. dein, ea fissa, cinctis, pulverulentis, fusco-ferrugineis; teleutosporis oblongis, apice semper papilla dilutiore usque 8 ft longa praeditis, medio constrictis, basi rotundatis v. saepius attenuatis, punctatis, flavo-brunneolis, 35 — 54 = I3V2 — 19; pedicello hyalino, tenui, dimidiara sporae aequante. Diese neue Art steht habituell der Fucc. Faeschkei Diet. auf Saxifraga elatior sehr nahe und ist äusserlich wohl gar nicht von derselben zu unterscheiden. Fucc. FozschJcei besitzt jedoch deutlich warzige, kleinere, am Scheitel nicht mit einer Papille versehene Sporen und ist also durch diese Merkmale von der neuen Fucc. Huteri hinreichend verschieden. Im Bau der Sporen nähert sich letz- tere Art dagegen mehr der Fucc. Jueliuna Diet. auf Saxifraga aisoides. Auch bei dieser Art besitzen die Teleutosporen am Scheitel eine Papille, welche jedoch kleiner ist und zuweilen ganz fehlt: ferner sind die Sporen dieser Art sehr feinwarzig, während Fucc. Huteri höchstens punktirte Sporen besitzt. Mit den übrigen auf Saxifraga vorkommenden Puecinien hat die neue Art keine Ver- wandtschaft. Wir benennen diese neue Art zu Ehren des Herrn E. Huter. des berühmten Erforschers der Tiroler Flora. P. Jueliana Diet. Auf Saxifraga aizoides in einer Schlucht bei Brennerbad. Selten. P. Lactucarmn Syd. nov. nom. Auf Blättern und Stengeln von Lactuca perennis bei Nessel- brunn bei Bozen und im Grödener Thale bei St. Ulrich. Gestützt auf seine Culturversuche trennt Jacky in seiner Be- arbeitung der Compositen bewohnenden Paccineen diese Art von Fucc. Frenanthis ab und führt sie unter dem Kamen Fucc. Chon- drillae Oda. auf. Er vereinigt mit dieser Art noch vorläufig die auf Chondrilla juncea vorkommende Fiiccinia. Beide Puecinien sind 17 jedoch zwei weit von einander verschiedene Arten, denn die auf Laduca-Arten wohnende Paccinia besitzt Aecidium, Uredo und Teleutosporen und gehört zum Typus der Face. Prenanthis, wäh- rend die auf Chondrilla juncea lebende Paccinia nur Uredo und Teleutosporen besitzt und zum Formenkreis der Pucc. Hieracii ge- hört. Für letztere Art existirt noch kein Name; sie mag daher als Paccinia Chondrillina Bubiik et Syd. nov. spec. bezeichnet werden. Für die Lactuca-Puccinia gibt es den von Oorda aufgestellten Namen Pucc. Chondrillae Cda. Diese Art fand Corda zuerst auf Chondrilla muralis = Lactuca muralis. Da jedoch jetzt niemand mehr die Lactuca- Arten mit dem Namen Chondrilla bezeichnet, so würde es nur Verwirrung geben, wollte man für die Lactuca- Puccinia den Corda'schen Namen lassen. Auch ein anderes Syno- nym dieser Art, Aecidium Lactucae Opiz., kann nicht für die Art- benennung in Betracht kommen, da es schon eine Pacc. Lactucae Diet. gibt. Die auf Lactuca- AriQn im mittleren Europa so häufig auftretende Paccinia ist deshalb mit dem neuen Namen Pacc. Lactucaram Syd. zu bezeichnen. P. Leontodontis Jacky. II, III. Auf Leontodon incanas bei St. Ulrich im Grödener Thale, auf L. pyrenaicas auf dem Kollern bei Bozen. P. Menthae Pers. — II, III. Auf Mentha aquatica bei Brennerbad. P. Uortlneri Koern. Auf Geraniiim silvaticum auf dem Mendelgebirge bei Bozen. Selten, nur auf einer Pflanze gefunden. P. Mougeotii Lagh. — 11, III. Auf Thesiam alpinum auf dem Blaser bei Steinach. Neu für Tirol. Eine gute, sehr leicht zu erkennende Art. P. ohlonyata (Lk.) Wint. — II, III. Auf Lusula nivea bei Virgl bei Bozen. Neue Nährpflanze. P. Oreoselini (Str.) Koern. — III. Auf Peucedanum Oreoselinum, Eunkelstein bei Bozen. P. Passerinii Schroet. — I, II, III. Auf Thesium montanum bei Virgl bei Bozen. Die Nährpflanze ist neu. Wir stellen diesen Pilz hierher, obgleich die Teleutosporen nicht völlig der Originaldiagnose entsprechen. Dieselben sind nur sehr feinwarzig. Bei der echten Art auf Thesium ebracteatum sind die Sporen bedeutend warziger. Die Art auf Th. montanum hält die Mitte zwischen P. Thesit und P. Passerinii. Vielleicht ist sie als eigene Art aufzufassen. P. Passchkei Diet. A\ii Saxifraga Aizoon im Padasterthal bei Steinach. Sehr selten. P. persistens Plowr. — I. Aecidium auf Thalictriim foetidum bei St. Ulrich im Grödener Thale. P. Poae Niels. - II, III. Auf Poa nemoralis var. firmula in der Gilfenklamra bei Sterzing. Oesterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft. 1901. 2 18 P. Pulsat illac Rostr. Auf Pulsatilla vernalis am Hühnerspiel bei Gossensass; auf P. montana bei Virgl bei Bozen. P. septentrionalis Juel — I, IL Aecidium auf Thalidnim alpinum auf der Seiseralpe, Uredo auf Polygonum Bistorta ebenda. Neu für Tirol. Die Art war bis- her nur aus Skandinavien bekannt. P. Scslcriae Reich. — I. Auf Pohaiinius stfxafilü auf dem Mendelgebirge bei Bozen. P. silvatica Schroet. — II, III. Auf Carex paUescjms bei Waidbruek. P. Soldanellae (DO.) Tuck. — I. Auf Soldanella alpina, montana, pusilla an vielen Orten be- obachtet. Der Pilz ist sehr häufig in Tirol, doch wurde stets nur das Aecidium angelroflfen. P. Tragopogonis (Pers.) Oda. — 11, III. Auf Tragopogon major im Gschnitzthale; ^nf T. pratensis hei Gossensass. P. Valantiae Pers. Auf Galium vernimm bei Waidbruek. P. Virgaurene (DG.) Lib. Auf Solidago VIrgaurea in der Gilfenklamm bei Sterzing. Melampsora Gast. M. farinosa (Pers.) Schroet. Auf Salix carsia im Gschnitzthale. M. Galii (Link) Wiut. — IL Auf Galium silvestre var. alpestre bei Brennerbad. M. Pirolae (Gmel.) Schroet. Auf Pirola secunda. Gupp bei Sterzing. M. Tremnlae Tul. Auf Populus Tre»mla auf dem Kollern bei Bozen, Pucciniastrum Otth. P.Epilohii (Chaill.) Otth. — IL Auf Epilohinm angustifoliwn, Gupp bei Sterzing. P. Polypodii (Pers.) Diet. — IL Auf Cijsiopteris fragilis, Gupp bei Sterzing. Calyptospora J. Kühn. C. Goeppertiana Kühn. Auf Vacciniuni Vitis Idaea, Gupp bei Sterzing. Chrysomyxa Ung. C.Rhododcnäri (DO.) De By. — IL IIL Auf Rhododendron ferrugineum und Jiirsutum am Schiern. Häufig. Gymnosporangium Hedw. G. JHiiiperinum (L.) Fr. — I. Auf Sorbus Aucuparia auf dem Kollern bei Bozen. 19 G. tremelloides AI. Br. — I. Auf Cotoneaster tomentosa und Sorhus Aria auf dem Mendel- gebirge bei Bozen. jPJiragfnidium Lk. Ph. fusifornie Schroet. — II, III. Auf Rosa alpina bei Gossensass und Brennerbad. Fh. Potentdlae (Pers.) Karst. — II. Auf PotentiUa impolita bei Nesselbrunn bei Bozen; auf P. minima. Hüiinerspiel bei Gossensass. Beides neue Nährpflanzen. Ph. Ruhi-Idaei (DO.) Karst. — I. Auf Eubus Idaeus bei Gossensass. Ph. violaceitm (Schultz.) Wint. — I. Auf Rtlbus candicans bei Virgl bei Bozen. Coleosporium Lev. C. Campantdae (Pers.) Lev. Auf Campanula Trachelium auf dem Mendelgebirge bei Bozen ; auf Phyteuma Micheln im Vennathale am Brenner. G. Gacaliae (DO.) Auf Adenostyles alhlfrons im Padasterthal bei Steinach. Triphragniium Lk. T. echinatum Lev. Auf Meum Mutellina auf dem Blaser bei Steinach. Caeoma Lk. C. Laricis (West.) Hartig. Auf Larix curopaea auf dem Kollern bei Bozen. Aecidium Pers. Ae. Aconiti-Napelli (DG.) Wint. Auf Aconitum Stoerkeanum., Seiseralpe. Ac. Adenostylis Syd. n. sp. Pycnidiis epiphyllis, in greges parvos dispositis, flavo-melleis; aecidiis hypophyllis, maculis orbicularibus flavo-brunneis usque 1 cm diam. insidentibus, in greges saepe totam maculam occupantes con- gestis, cupulato-explanatis, margine albido laciniato latiusculo; aeci- diosporis globosis v. angulato-globosis, subtiliter granulatis, auranti- acis, 17—26 |li diam. Auf Adenostyles alhifrons in der Gilfenklamm bei Sterzing. — Es ist dies das Aecidium, welches bisher zu Uromyces Gacaliae gerechnet wurde. Ed. Fischer zeigte durch Culturversuche, dass dieser Uromyces kein Aecidium besitzt, sondern dass die Teleuto- sporen desselben direct wieder Teleutosporeu erzeugen. Das Aeci- dium auf dieser Nährpflanze gehört demnach in den Entwicklungs- kreis einer bisher noch unbekannten Art oder es ist als ein voll- ständig isolirtes zu betrachten. Dies Aecidium tritt auch auf anderen Adenostyles- Kvien auf und ist schon mehrfach gefunden worden. Ae. Gardui Syd. n. sp. Pycnidiis epiphyllis, gregariis, flavo-melleis ; aecidiis hypo- phyllis. maculis orbicularibus v. irregularibus flavis vel flavo-brun- 2* 20 neis ea. V2 ^^ diam. insidentibus, in greges orbiculares totam maculam occupantes iosidentibus, cupulato-cylindraceis, margine albido, laciniato; aecidiosporis globoso-angulatis v. angulatis, sub- tiliter granulosis, aurantiacis, 18 — 22 jx diam. Auf Carduus defloratus, Seiseralpe. — Das erste auf Carduus beobachtete Aecidium, das wahrscheinlich in den JEntwicklungskreis einer heteröcischen Puccinia gehört. Ae. Crepidis-incarnatae Syd. n. sp. Auf Crepis incarnata, Seiseralpe. Äe. Pastinacae Eostr. Auf Pastinaca sa^n'a, Hühnerspiel beiGossensass u. Brennerbad. Äe, PetasiUdis Syd. n. sp. Pycnidiis epiphyllis, gregariis, fiavo-melleis; aecidiis hypophyllis, maculis orbicularibus v. irregularibus flavis v. flavo-brunneis usque 1 cm diam. insidentibus. in greges rotundatis dispositis, cupulato- explanatis, margine latiusculo, laciniato; aecidiosporis globosis v. angulatis, subtiliter granulatis. aurantiacis, 19 — 27 \x diam. Auf Petasites tomentosus, Bad St. Isidor bei Bozen. — Es ist dies das in den Alpen auf verschiedenen Petasites- kri^xi häufig auf- tretende Aecidium, das bisher zu der Sam.melart Aec. Compositarum Mart. gestellt wurde. Es gleicht fast vollkommen dem Aec. Ädenostylis, doch dürften beide Aecidien zu verschiedenen heteröcischen Puccinien gehören. Ae. Phytenmatis Ung. Auf Phyteuma orhiculare, Brennerbad und Blaser bei Steinach. — Die vom Pilze befallenen Blätter zeichnen sich durch ihre bleiche Färbung aus; sie sind meist etwas kleiner, dabei aber länger ge- stielt als die gesunden Blätter. Der Pilz ist in den Tiroler Alpen nicht selten; gewöhnlich aber findet man nur hier und da ein von dem Pilze besetztes Blättchen. Ae. Eanunctdacearum DO. Auf Ranunculiis aureus und rutaefolius am Schiern. Phycomyceten, Cystopus Lev. C. candidus (Pers.) Lev. Auf Biscutella laeviyata, Brennerbad, auf Hutchinsia alpina, Brennerbad. G. spinulosus De By. Auf Cirsium arvense im Grödener Thale. JPlasmopara Schroet. P. nivea (üng.) Schroet. Auf Archangclica officinalis, Gilfenklamm bei Sterzing. P. pygmaea (Ung.) Schroet. Auf Pulsatilla alpina, Seiseralpe. Synchytrium De By et Wor. S. alpinum Thomas. Auf Viola alpina, Seiseralpe. 21 S. aureum Schroet. Auf Crepis alpestris, Seiseralpe. Neue Nährpflanze. Urophlyctis P. Magn, U. Kriegeriana P. Magn. Auf Carum Carvi, Seiseralpe und Blaser bei Steinaeh; auf Pimpmella magna, Seiseralpe. Asconiyceten, JPoly Stigma Pers. P. rubrum (Pers.) DC. Auf Prunus domestica, Sterzing. Pseudoperd^a Fckl. F. Cerastiorum (Wallr.) Fckl. Auf Cerastium spec. im Padasterthale bei Steinach. P. Trifolii (Biv. Beruh.) Fuek. Auf Trifolium pratense, Waidbruck. Sclerotinia Fuek. S. haccarum Schroet. Auf Vaccinium 3Iyrtillus, Mendelgebirge bei Bozen. Euryachora Fckl. E. stellaris (Pers.) Fckl. Auf Phyteuma orhiculare, Brennerbad. Fungi imperfecti. Ovularia Sacc. 0. ovata (Fckl.) Sacc. Auf Salvia dumetorum, Mendelstrasse bei Bozen. In vorstehendem Verzeichnisse sind Puccinia alpestris, P. crepidicola und Aecidium Crepidis-incarnatae als nov. spec. auf- gestellt worden. Dies veranlasste uns, die auf Crepis-kviQiL auf- tretenden Uredineen einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen, und dies umsoraehr, als uns ein sehr reiches Material zur Ver- fügung stand. Wir geben in Folgendem eine üebersicht und Besclireibung säinmtliclier bisher auf der Grattung Crepis gefundenen Uredineen. Geschichtliches : Von älteren Autoren wurden die auf Crepis- Arten auftretenden Puccineen zu Puccinia flosculosorum (Alb. et Schw.) resp. P. Hieracii Mart. gestellt. Winter zweigte hiervon, veranlasst durch das eigenartige Auftreten des Aecidiums, die forma Crepidis-tectorum ab. Diese Form erhob Schroeter 1887 zur neuen Art P. Crepidis. Im Bull. Soc. Myc. France, Bd. III, be- schrieb Gaillard die Pucc. Crepidis-pygmacae. 1894 beschrieb Dietel die auf Crepis paludosa auftretende Art als P. major. P. Hennings beschrieb 1893 die P. Ascher soniana ?iVi{ Crepis Ruepp>ellii. Von Juel wurde 1896 die auf Crepis praemorsa gefundene Form 22 als P.variahilis forma Intyhi gedeutet. Endlieh nannte Bubäk 1898 eine auch auf Crepis hiennis auftretende Art P. praecox. Von isolirten Aecidien waren bis dahin auf Crepes- Arten zwei bekannt, nämlich ein in den Entwieklungskreis der Pucc. süvatica gehörendes Aecidium und das Aec. crepidicolum EU. et Gall. auf Crepis acuminata. Bubäk unterscheidet in seiner Arbeit „Ueber die Uredineen, welche in Europa auf Crepis- Ari^n vorkommen" folgende Arten : Fucc. Crepidis Schroet., P. major Diet., P. variabilis (Grev.) Plowr. f. Intyhi Juel, P. praecox Bubäk, P. Hieracii (Schum.) Mart. und Aecidium zu P. silvatica Schroet. Die von Gaillard aufgestellte Art P. Crepidis-pygmaeae wird von ihm nicht berücksichtigt. — Jacky geht in seiner Abhandlung der „Oorapositen bewohnenden Puecinien vom Typus der Pticcinia Hieracii"- auch auf die Crepis- Puccinien ein; doch ist seine Darstellung, so besonders in Bezug auf die P. Crepidis, nicht einwandfrei. üebersicht der auf Crepis- kri^u auftretenden Uredineen. Puccinia. I. Aecidien, üredo- und Teleutosporen vorhanden. A. Aecidien gleichmässig über die ganze Blattunterseite und meist über alle Blätter der Nährpflanze verbreitet. P. Crepidis Schroet. B. Aecidien in einzelnen mehr weniger rundliehen Gruppen stehend. a) Teleutosporen deutlich warzig P. alpestris Syd. 6) Teleutosporen sehr feinwarzig oder punktirt. a Teleutosporen grösser, 30 — 48 ji lang. 1. Auf Crepis paludosa . .P. major Diet. 2. Auf Crepis hiennis . . .P. praecox Bubäk. ß Teleutosporen kleiner, 24 — 37 \x lang. 1. Auf Crepis praemorsa .P. Intyhi (Juel) Syd. 2. Auf Crepis aurea . . .P. Crepidis- au reae Syd. 3. Auf Crepiis pygmaea . ,P. Crepidis-pygmaeae Gaill. II. Nur Uredo- und Teleutosporen vorhanden. Aecidien fehlend. A. Teleutosporen sehr kurz gestielt. Auf Crepis hiennis, hlattari- oides, foetida, parviflora, setosa, taraxacifolia, vesi- caria P. crepidicola Syd. B. Teleutosporen länger gestielt (bis 20 \x). 1. Auf Crepis acuminata ,P. Crepidis-acimiinatae Sjd. 2. Auf Crepis Ilueppellii. .P. Aschersoniana P. Henn. 3. Auf Crepis hursifolia . .P. Scaliana Syd. Aecidium. A. Zellen der Aecidiumwand breit elliptisch oder eiförmig, in regulären Eeihen liegend. Aecidium zu P. silvatica Schroet. B. Zellen der Aecidiurawand meist elliptisch oder lang deltoidisch, nicht in genau regulären Reihen liegend. 1. Auf Crepis acuminata .Ae.ciepidicolum Ell. et Gall. 2. Auf Crepis incarnata .Ae. Crepidis-incarnatae Sjd. 3. Auf Crepis montana . .Ae. Crepidis-moyitanae Syd. Beschreibung der Arten. Puccinia. Puccinia Crepidis Schroet. in Pilze Schles., p. 319. Litter. Sacc. Syll. VII, p. 607 ; Bubiik in Verh. naturf. Ver. Brunn, Bd. XXXVI; Rostr. Svampa fra Finraarken, p. 230; Oud. Rev. Ohamp., p. 517; Jacky, Composit.-Puccin., p. 47. Abbild. Jacky, 1. c. fig. 3. Exs. Jacz. Kom. et Tranzsch. Fg. Ross. 267; Karst. Fg. fenn. 686; Rabh. Herb. mye. 786; Rabh. Fg. eur. 4121; Schneid Herb. Schles. Pilze 629, 630; Schroet., Pilze Schles. 518; Syd. Myc. march. 512, 1029; Syd. Ured. 16, 116, 869; Thüra. Fg. austr. 941; Thüm. Myc. univ. 1634. Pycnidiis inter aecidia sparsis : aecidiis hypophyllis, confertis, aeque per totam paginam expansis, explanatis, margiue albo; aeci- diosporis globosis, aurantiacis, 15 — 17 |u diam. ; soris uredospori- feris plerumque hypophylhs, minutis, rotundatis, cinnamoraeo-brun- neis ; uredosporis globosis, ellipsoideis v. ovoideis, subtiliter acu- ieatis, dilute brunneis, 20 — 25 =: 16 — 20; soris teleutosporiferis hypophyllis, raro etiam epiphyllis, minutis, diu epidermide tectis, atro-brunneis; teleutosporis ellipsoideis v. ovatis, utrinque rotun- datis, medio vix v. non constrictis, subtilissirae punctatis, castaneo- brunneis, 20 — 30 = 17 — 22, episporio tenui; pedicello hyalino, gra- cillimo. Auf Blättern und Stengeln von Crepis tedorum und C. virens in Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Holland und Russland. Diese Art ist namentlich in ihrer Aecidiumgeneration sehr charakteristisch und leicht zu erkennen. Das Mycel durchzieht die ganze Nährpflanze. Daher treten meist auch an allen Blättern der- selben die Aecidien auf. Die befallenen Nährpflanzen fallen durch ihre bleiche Farbe auf; sie sind gewöhnhch schlanker, schmäch- tiger, höher als gesunde Exemplare. Die Aecidien entwickeln sich im zeitigen Frühjahre; in älteren Aecidienbechern und zwischen ihnen findet man bereits üredo und Teleutosporen. Jacky hat offenbar diese Art ganz falsch aufgefasst, da er zu derselben Formen auf Crepis praemorsa, montana, alpestris, hiennis bringt, auf welchen niemals die so charakteristische Aeci- diumform gefunden worden ist. Puccinia alpestris Syd. nov. spec. Exs. Syd. üred. 1474. Pycnidiis amphigenis, melleis; aecidiis hypophyllis, macuHs flavis orbicularibus insidentibus, in greges rotundatos vel ad nervös aut petiolos oblongos dispositis, cupuliformibus, flavis, margine re- 24 flexo, laciuiato; aeeidiosporis subglobosis vel globoso-angulatis, sub- tiliter verrucosis, hyalino-flavescentibus, 13 Vo — 19 M diam.; soris uredosporiferis amphigenis, pleruraque epiphyllis, sparsis, minutis, pukerulentis, cinnamomeis; uredosporis globosis, subglobosis vel late ellipsoideis, echinulatis, brunneis, 247, — 30 )u diam., episporio usque 27« M crasso ; soris teleutosporiferis amphigenis, plerumque epiphyllis, sparsis, minutis, pulverulentis, obscure brunneis ; teleutosporis ovatis vel oblongis, utrinque rotundatis, apice interdum leniter applanatis, medio non vel parum constrictis, verrucosis, obscure castaneo-brunneis, 30—41 = 24 — 30, episporio tenui: pedicello hyalino, brevissimo. Auf Blättern und Blattstielen von Crepis alpestris auf der Seiseralpe in Südtirol. Alle drei Sporenforraen treten zu gleicher Zeit auf. Die Zu- gehörigkeit des Aecidium zu der Uredo- und Teleutosporenforra ist zweifellos, da in älteren Aecidienbeehern und unmittelbar zwischen denselben sich schon die letzteren Sporenformen entwickelt haben. — Die Warzen der Teleutosporen sind bei dieser Art am stärksten entwickelt. Pticcinia major Diet. in Mittheil. Thür. Bot. Ver. Neue Folge, 1894, Heft vi. Litter. Diet. in Hedw. 1888, p. 303; Sace. Syll. XIY, p. 310; Jacky Composit. Puccin., p. 49. Synon. Puccinia Lampsanae (Schultz) Puck. var. major Diet. Hedw. 1888, p. 303. Exs. Fuck. Fg. rhen. 2423; Krieg. Fg. saxon. 1310. 1357; Rabh. Fg. eur. 4023. 4024; Schroet. Pilze Schles. 146; Schultz Herb. norm. 698; Syd. Myc. march. 2917, 4115; Syd. üred. 321, 920; Thüm. Myc. univ. 323; Vestergr. Mierom. 166. Pycnidiis plerumque hypophyllis, maculis flavis vel flavo-rubris insidentibus; aecidiis hypophyllis, eisdem maculis insidentibus, in greges rotundatos vel ad nervös aut petiolos oblongos dense con- fertis. humilibus, margine albo refiexo laciniato; aeeidiosporis poly- goniis, ovoideis vel rarius subglobosis, subtiliter verrucosis, auran- tiacis. 20—30 = 16 — 24; soris uredosporiferis amphigenis, minutis, cinnamomeis; uredosporis subglobosis, ellipsoideis vel ovoideis, echi- nulatis, brunneis, 24—30 = 21 — 26; soris teleutosporiferis amphi- genis, minutis, solitariis, maculis minutis luteohs vel nuHis insiden- tibus, atro-brunneis; teleutosporis ellipsoideis vel ovoideis, utrinque rotundatis, medio leniter constrictis, subtilissime verrucosis, castaneo- brunneis, 33 — 48 ^ 22—30, episporio tenui ; pedicello brevi, caduco. Auf Blättern von Crepis paludosa und C. grandiflora in Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Schweden, Norwegen. Diese früher zu Face. Lampsanae gestellte Art wurde von Dietel wegen der grösseren Sporendimensionen zunächst als var. major von P. Lampsanae abgezweigt, später aber als eigene Art beschrieben. Derselbe wies auch durch Oulturversuche die Zu- gehörigkeit der Aecidiumgeneration zu der Uredo- und Teleuto- sporenform nach. 25 Bubak stellte die Identität der auf Crepis grandiflora auf- tretenden Form mit der auf C. paludosa fest. Piiccinia praecox Bubai£ in Yerliandl. des naturf. Ver. in Brunn. Bd. XXXVI. 1898, p. 4 (extr.) Litter. Sacc. Syll. XIV, p. 309; Jacky Composit. Puccin., p. 49. Synon. Äecidium praecox Bubak in Verhandl. k. k. Zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1898, p. 20 (extr.). Exs. Syd. Ured. 1218. Pycnidiis inter aecidia sparsis, melleis; aecidiis amphigenis in maeulis luteolis vel rubescentibus irregularibus rarius orbicularibus congregatis, raro nervicolis, erumpentibus, parvis, cupuliformibus, margine reflexo denticulato; contextu cellulis plerumque ellipsoideis vel oblongo-deltoideis haud in series reguläres dispositis; aecidio- sporis polygono-globosiSjOvoideis vel oblongis, ITVo — 31 = ITy., — 22, aurantiacis, membrana achroa subtiliter eehinulata praeditis ; soris uredosporiferis amphigenis, maeulis luteolis insidentibus, rainutis, pulverulentis, brunneis; uredosporis castaneis, globosis, ellipsoideis vel ovoideis, aeuleatis, 22 — 33 = 20 — 29, poris germinationis duobus praeditis; soris teleutosporiferis amphigenis, maeulis luteolis insiden- tibus, minutis. solitariis v. saepius eonfluentibus, mox nudis, pulve- rulentis, atro-brunneis ; teleutosporis late ellipsoideis vel ovoideis, utrin- que rotundatis, medio vix vel non constrietis, subtiliter verruculosis, intense castaneis, 30 — 46 = 24—31, episporio tenui ; pedieello brevi, gracili, cadueo. Auf Blättern von Crepis hiennis bei Hohenstadt in Mähren von Bubak gefunden. Die Aeeidien dieser Art entwickeln sieh sehr frühzeitig, schon Ende März; sie erscheinen gewöhnlich auf den Spitzen der jungen Blätter. Das Mycel derselben ist localisirt und stirbt öfters sammt den Blättern bald ab. Die vom Autor angestellten Culturversuche ergaben, dass mit den Aecidiensporen dieser Art nur Crepis hiennis, nicht aber Carex-Arten inficirt werden konnten. Die üredoform ist niemals von Spermogonien begleitet. Hinsichtlich der Sporendimeu- sionen steht diese Art der P. major nahe, unterscheidet sich aber :i,usser durch die Nährpflanze auch durch kleinere, nicht dicht ge- drängte und auch nicht in Kreisen stehende Aeeidien. Auf derselben Nährptianze tritt noch ein zweites Aeeidium auf, das zu Pucc. silvatica Schroet. gehört. Beide Aeeidien lassen sich durch den Bau der Zellen der Aecidienwand gut unterscheiden. (Näheres hierüber unter Aeeidium.) Piiccinia Intyhi (Juel) Syd. Synon. Piiccinia variabilis (Grev.) Plowr. forma Intyhi Juel Mykol. Beitr. V in Oefvers. af K. Vetensk.-Akad. Förhandl. 1896, N. 3, p. 220. Exs. Syd. Ured. 1325 ; Vestergr. Microm. 5. Aecidiis hypophyllis, maeulis rainutis vel obsoletis insidentibus, paucis tantum (2 — 5) aggregatis vel etiam solitariis, cupuliformibus, flavis, margine reflexo, laciniato; aeeidiosporis globosis, sulglobosis 26 vel ovatis, subtiliter echinulatis, aurantiacis, 19 — 24 = 15 — 20; soris uredosporiferis amphigenis, in epiphyllo saepe magis evolutis, spar- sis, rainutis, punctiformibus, pulverulentis, cinnamomeis ; uredo- sporis globosis vel subglobosis, echinulatis, castaneo-brunneis, 24 — 30 )Li diam. ; soris teleutosporiferis conformibus, obscure brunneis ; teleutosporis ellipsoideis, ovatis vel oblongis, utrinque rotundatis, raedio vix vel leniter constrictis, subtiliter verrucosis, obscure casta- neo-brunneis, 27 — 37 -= 15 — 22, episporio tenui ; pedicello hyalino, brevissimo, eaduco. Auf Blättern von Crepis (Intyhus) praemorsa in Deutschland, Schweden. Die nur zu wenigen (2—5) beisammen oder auch völlig einzeln stehenden Aecidienbecher sind für diese Art charakteristisch. Puccinia CrepicUs-aureae Syd. nov. spec. Exs. Syd. Ured. 1267. Aeeidiis hypophyllis, macuhs orbicularibus flavis insidentibus, in greges rotundatos vel ad nervös aut petiolos oblongos dispositis, cupulatis, flavis, margine reflexo, laciniato; aecidiosporis globosis vel angulato-globosis, subtiüter verrucosis, hyaUno-flavescentibus, 15 — 20 |li diam. ; soris uredosporiferis amphigenis, sparsis, minutis, puncti- formibus, pulverulentis, cinnamomeis ; uredosporis globosis vel sub- globosis, echinulatis, paUide brunneis, 16 — 21 ^ diam.; soris teleuto- sporiferis conformibus, obscure brunneis ; teleutosporis ellipsoideis, ovatis vel ovato-oblongis, utrinque rotundatis, medio non vel parura constrictis, subtiliter punetatis, pallide brunneis, 24 — 32 = 18 — 24, episporio tenui; pedicello hyalino, brevissimo. Auf Blättern von Crepis aurea im Fimberthal in Tirol und bei Stuben in Vorarlberg. Auch bei dieser Art treten die drei Sporenformen zu gleicher Zeit auf. Habituell gleicht sie sehr der P, alpestris, ist aber von derselben durch die Sporen verschieden. Puccinia Crepidis-pijgmaeae Gaillard in Bull. Soc. Mvcol. France tom. III, p. 183. Litter. Sacc. Syll. VII, p. 608. Aeeidiis epiphyllis, rarius hypophyllis, maculis hypophyllis decoloratis insidentibus, cupuliformibus, margine dentatis, albis, in greges eirculares 4 — 5 mm latos congestis; aecidiosporis globosis vel angulatis, striatis ; hyalinis vel vix flavescentibus. guttulatis, 16 — 18 ft diam.; soris uredosporiferis epiphyllis, sparsis, minutis, atro-brunneis, primo subepidermicis ; uredosporis globosis, brunneis, subtiliter echinulatis, 19 — 21 ^ diam. ; soris teleutosporiferis epi- phyllis, minutis, 1 — 2 mm diam., atro-brunneis; teleutosporis ovo- ideis, obtusis vel mucronulatis, medio constrictis, levibus, brunneis, 24 — 27 = 18, episporio ubique aequicrasso; pedicello brevissimo, hyalino. Auf Blättern von Crepis pygmaea in den Pyrenäen. Leider gelang es nicht, diese Art zur Untersuchung zu er- halten. Die Diagnose ist nach Saccardo's Sylloge gegeben. 27 Fuccinia crepidicola Syd. nov. spec. Exs. Kze. Fg. sei. 41; Oud. Fg. neerl 36: Rabii. Fg. eur. 2083. Syd. üred. 1475. Soris uredosporiferis arnphigenis, sparsis, minutis, punctifor- mibus, pulverulentis, pallide einnamomeis; uredosporis globosis vel subglobosis, echinulatis, dilute brunneis, 19—26 ^ diam. ; soris te- leutosporiferis conformibus, obseure briinneis; teleutosporis ellipsoi- deis vel ovatis, pieruraque utrinque rotundatis, medio noii vel vix constrictis, punctatis, brunneis, 27—34=18—26, episporio tenui; pedicello hyalino, brevissimo. Auf Blättern und Stengeln von Crcpis biennis, Uattarioides, foetida, parviflora, setosa, taraxacifolia, vesicaria in Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Schweiz, Italien, Niederlande, Kleinasien, Si- birien vk-eit verbreitet. Die Sporen der auf den verschiedenen Nährpflanzen auftre- tenden Formen stimmen gut überein. Fuccinia Crepidis-acuminatae Syd. nov. spec. Exs. Oarletou Ured. 24. ' Soris uredosporiferis amphigenis vel caulicolis, sparsis, minutis. vel interdum mediocribus, rotundatis vel obiungis, pulverulentis, einnamomeis; uredosporis globosis vel subglobosis, subtiliter echinu- latis, dilute brunneis, 21 — 27 ft diam. ; soris teleutosporiferis amphi- genis vel caulicolis, sparsis vel interdum confluentibus, mediocribus, rotundatis vel oblongis, epidermide fissa cinctis, pulverulentis, atro- brunneis; teleutosporis ellipsoideis, ovatis vel oblongis, utrinque rotundatis, medio non constrictis, subtilissime punctatis vel sub- levibus, dilute brunneis, 30- 46 = 18—27, episporio tenui; pedicello hyalino, fragili, crasso, dimidiam sporae subaequante. Auf Blättern und Stengeln von Crepis acmninata in Cali- fornien von Holway gesammelt. Bei dieser Art ist der Stiel der Teleutosporen weit mehr ent- wickelt als bei den vorher genannten Arten, sie kommt in dieser Hinsicht der F. Ascliersoniana nahe. Auf derselben Nährptianze wurde in Montana das Aecidinm crepidicolum Ell. et Gall. gefunden. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass dasselbe zu dieser Fuccinia gehört. Fuccinia Aschersoniana P. Henn. in Engl. Bot. Jahrb. Bd. XVII, 1893, p. 13. Litter. Sacc. Syll. XI, p. 189. Abbild. P. Henn. 1. c. tab. V, fig. 9. Soris uredosporiferis amphigenis, sparsis, minutis, punctiformi- bus, epidermide rupta cinctis, pulverulentis, dilute brunneis ; uredo- sporis globosis, subglobosis vel ellipsoideis, echinulatis, flavo-brun- neis, 22 — 27 = 20 — 25; soris teleutosporiferis conformibus, brunneis ; teleutosporis late ellipsoideis vel subglobosis, utrinque rotundatis. medio non vel raro lenissime constrictis, levibus, brunneis, 28 — 36 = 22 — 29 ; episporio crassiusculo ; pedicello hyalino, usque 20^ longo, crasso. 28 Auf Blättern von Crepis Rueppellii bei Menacha, Yemen in Arabien von Schv^einfurth gesammelt. Von P. Crepidis-dcuniinatae unterscheidet sich diese Art durch kleiuere Sporenlager, ferner durch im Durchschnitt kleinere, aber breitere Teleutosporen, und auch durch das dickere Epispor derselben. Puccinia Scaliana Syd. nov. spec. Soris uredosporiferis amphigenis, plerumque hypophyllis, sine maculis, sparsis, minutis, pulverulentis. dilute brunneis ; uredosporis globosis V. subglobosis, echinulatis, dilute flavo-brunneis, 24 — 27 fi diam., episporio 27, ft lato ; soris teleutosporiferis amphigenis, plerumque hypophyllis, saepe nervicolis, minutis v, submediocribus, sparsis vel ad nervös confloentibus, rotundatis, pulverulentis, atris V. atro-brunneis; teleutosporis ellipsoideis, utrinque rotundatis medio non V. vix constrictis, subtilissime verrucoso-punotatis. castaneis, 32 — 47=^27 — 32. episporio crasso, usque 4;«.; pedicello hyalino, fragili. crasso, usque 26 ft longo, interdura oblique inserto. Auf Blättern von Crepis hursifoUa, Catania in Sicilien (Scalia). Die Art unterscheidet sich von Fucc. Crepidis-acuminatae durch die viel breiteren und mit dickem Epispor versehenen Teleuto- sporen von Fucc. Aschersoniana durch bedeutendere Grösse derselben. Aecidium. Aecidium crepidicolum Ell. et. Gall. in Journ. Mycol. 1890, p. 31. Litter. Sacc. Syll. IX. p. 324. Aecidiis amphigenis, in greges orbiculares vel irreguläres laxe dispositis, saepe circa spatiura centrale vacuum subcircinantibus, primo hemisphaericis et clausis, mox cupulatis, albis, margine re- flexo profunde lacerato fisso; aecidiosporis globosis, subglobosis vel ovatis, subtiliter verrucosis, fiavescentibus, 20 — 27 [i diam. vel 20—30 := 16—21, episporio circiter 272 f- crasso. Auf Blättern von Crepis acuminata in Montana, Nordamerika von Kelsey gesammelt. Die Aeeidienbecher stehen verhältnissmässig entfernt von einander. Aecidium Crepidis-incarnatae Syd. nov. spec. Exs. Syd. üred. 1498. Pycnidiis epiphyllis, melleis; aecidiis hypophyllis, rariusepi- phylUs, maculis orbicularibus flavis purpureo-margitiatis insiden- tibus, in greges rotundatos totam maculam 3—5 mm latam occu- pantes dense confertis, in nervo folii medio saepe greges elongatos efiformantibus, cupulatis, flavis, margine revoluto lacerato; aecidio- sporis globosis, subglobosis vel globoso-angulatis, subtiliter verru- cosis, aurantiacis, 16 — 21 ft diam. Auf Blättern von Crepis incarnata auf der Seiseralpe in Südtirol. Dies Aecidium gehört wahrscheinlich zu einer heteröcischen Puccinia. Auf Hunderten von Blättern, von denen viele schon theil- weise oder auch ganz abgestorben waren, fand sich nie eine andere Sporenform. 29 Die einzelnen Aecidien stehen in den Gruppen sehr dicht ge- drängt beisammen und lassen keinen Zwischenraum erkennen. Der Mittelnerv des Blattes ist an den Stellen, auf denen die Aecidien stehen, schwielig verdickt, auch die Aecidienfleeke sind dicker als die gesunden Partieen des Blattes. AecUlium Crepidis-montanae Syd. nov. spec. Exs. Syd. üred. 1299. Aecidiis araphigenis, maculis flavis orbicularibus vel suborbi- cularibus insidentibus, in greges rotundos vel irreguläres dispositis, eupulatis, flavis, margine reflexo, laciniato; aecidiosporis globosis vel subglobosis, subtiliter verrucosis, flavescentibus, 19 — 25 ^ diam. Auf Blättern von Crepis montana beim Aufstieg zum Kaiser- joch bei Pettneu in Nordtirol. Von Ae. Crepidis-incarnatae unterscheidet sich diese Art durch die nicht purpurn berandeten Blattflecke, die in kleineren Gruppen etwas lockerer stehenden Aecidienbecher, die nicht ver- dickten Blattflecke und etwas grössere Sporen. Auch dies Aecidium dürfte zu einer heteröeischen Puccinia gehören, da auf den zahl- reichen befallenen Nährpflanzen keine andere Sporenform beobachtet wurde. Aecidium zu Puccinia silvatica Schroet. Auf Crepis hiennis tritt ausser dem zu Fucc. praecox ge- hörendem Aecidium noch ein zweites auf, das nach den Unter- suchungen von Magnus und Bubak zu Fucc. silvatica Schroet. gehört. Dieses unterscheidet sich von den übrigen Crejns- Aecidien durch die breit elliptischen oder eiförmigen, in genau regulären Eeihen hegenden Zellen der Aecidienwand. Hierher gehört auch das Aecidium Rostrvpii Thuera. Achter Nachtrag zur Flora von Bulgarien. Von J. Velenovsky. Aus der letzten Sommersaison kann ich für die Flora von Bulgarien nur wenige Novitäten verzeichnen, wiewohl einige von denselben recht interessant sind. Exsiccatensammlungen sind mir diesmal von den Herren Tosev (Sofia), Davidov (Varna), Kova- cev (Rustschuk), Skorpil (Philippopel), ürumov (Pleven) zu- gekommen und eine besonders prächtig getrocknete grosse Pflanzen- collection erhielt ich aus dem Nachlasse des vorzeitig verschiedenen, fleissigen bulgarischen Botanikers J. Starabuliev, welcher vor Allem die hohen Balkanketten an der serbischen Grenze durch- forscht hat. Unzählige neue Standorte der schon aus Bulgarien bekannten Arten führe ich hier nicht an. Laserpitiuni prutenicum L. var. Stambulievi m. In sub- montanis prope Berkovce a. 1898 leg. Stambuliev. A plantis Europae mediae discedit: statura valde robusta, elata, segraentis lo 30 bisque foliorum latioribus subobtusis vel mucronatis (non adeo aeu- tatis), foliis vulgo grandioribus, jugis Dutnerosioribus. Revocat potius L. hispidum MB. et ulterias iisque observandum est. nam fructus nondum evoluti sunt. Saxifraga Aisoon Jcq. var. orbelica m. In m. ßilo a, 1900 leg. Tosev. Foliis paulo longioribus. breviter acutis, iofiorescentia confertiori, minus ramosa, ramis pro raore 1— 2floris. floribus et fructibus majoribus, calyce magis glanduloso. Statura sat robusta (formae norraalis). Moenchia graeca Boiss Hldr. var. serhica Adamovic 1896. In m. Vitosa prope Sofiam leg. David ov. Identica cum planta ad Vranja in Serbia lecta. Folygala supina Schreb. In ra. Vracanski Balkan a. 1899 leg. Stambuliev. ^Vicia hithynica L. In collinis ad Kukleny ra. ßhodope a. 1900 leg. Skorpil. Anemone apennina L. Meine aus Bulgarien angeführte An' (ipennina stimmt vollkommen mit der italienischen und dalmati- nischen Pflanze überein und weicht wesentlich ab von der A. blnnda Seh. et K., welche weiter in Griechenland verbreitet ist. ünbegreif- licherweise erklärt Georgiev in einer neulich erschienenen bul- garischen Abhandlung meine A. apennina für A. Uanda, obwohl er meine Pflanze nicht gesehen hat und obwohl das Vorkommen der beiden Rassen (es sind keine Arten) in Bulgarien nicht über- raschen muss. In derselben Weise erklärt Georgiev weiter, dass mein Delphinium fissum W. K. dem L). dinaricum B. Sz. angehört. Mein früher aus Bulgarien angeführtes D. fissum ist aber das richtige D. fissum Kitaibel's (mit behaarten Früchten). Die Pflanze von Trnovo (leg. Urumov) ist aber nach Fritsch D. dinaricum. Diese Pflanze Urumov's besitze ich aber in meinem Herbarium überhaupt nicht! Erst im Herbste dieses Jahres erhielt ich von Sumen von Urumov und Davidov getrocknete I)eJ2)hinium-'Exem\)\are, welche (Ur.) einmal ganz kahle Früchte und ein anderesmal behaarte Früchte (Dav.) tragen! Es kommen demnach beide „Arten". D. fissum W. K. und D. dinaricum B. Sz., in derselben Gegend vorl In anderen Merkmalen sind die beiden „Arten" vollkommen gleich. Es ist übrigens wohl bekannt, dass die Behaarung in der Gattung Delphinium. (vergl. z. B. orientalische Formen des gemeinen D. Consolida L.) und Aconitum eine sehr variable Eigenschaft ist. Das Thalictrum hnlgaricum Vel. erklärt weiter Georgiev für identisch mit T. lucidum, ohne diese Identität auf irgend welche Weise näher zu besprechen und zu erklären. Ich habe so wichtige Momente (welche theilweise sogar auch Fritsch anerkannt hat) für das T. hidgaricum hervorgehoben, dass es unmöglich ist, diese zwei Pflanzen zusammenzuziehen. 31 Dracocephalum Moldavlcum L. In cultis ad Dobric (leg. Bern- kopf). Pedicularis Grisebachil Wettst. Conf. Fl. big. Suppl. 220. In m. Vraöanski Balkan leg. Stambuliev. Mclampyrnm nemorosum L. In m. Berkovski Balkan (Stam- buliev). prope Ruscuk (Kovacev). Planta tjpica, ab ea Bohemiae nulla nota diversa. A formis latifoliis M. heracleotlci B. 0. (conf. Fl. big. Suppl.) dignoscitur jam satis fioribus fere duplo raajoribus. Species haec mihi hactenus e Bulgaria non occurrit. Veronica TJrumovi sp. n. Perenuis, caule elato simplici- folioso dense velutino-puberulo racemis lOnis paniculatira terminato, foliis oppositis utrinque asper ulo-hirtis virentibus, superioribus sessilibus inferioribus alatira petiolatis, omnibus profunde obtuse crenulatis obtusis, superioribus ovatis. inferioribus ovato- ellipticis basi truncatis, racemis densis, calyce bracteisque eglandulosis margine ciliatis (caeterum glabris). calycis laciuiis latiuscule ovato-ellipticis, pedicello brevissirao (calyce bre- viori), bracteis breviter lauceolatis pedicellura parum super- antibus (calyce semper brevioribus). Capsula minuta ovato-sub- rotunda turgida glabra parum retusa, coroUa cyanea minori lobis late ellipticis obtusis. Caulis 50 cm, folia inferiora 6X4 cm, superiora 3 X IV2 c™' calyx 2 mm longus, Capsula 3X2 mm. In graminosis ad Leskovec julio a. 1900 legit amicus Urumov. Eine wunderbare Pflanze, welche durch den hohen Wuchs und die rispenartige Inflorescenz an die Ver. spuria L. oder F. longifolia L. erinnert, durch die breiten, kurzen, steif behaarten und stumpfen Blätter sich mehr dem Typus der Ver. spicata L. oder F. orchidea Cr. nähert. Die Kapseln sind etwa von derselben Form wie bei F. spuria, die Blütenverhältnisse überhaupt kommen dieser Art sehr nahe, aber weder diese noch die verwandte F. foliosa W. K. oder F. Bachofenii Heuff. tragen solche Blätter wie die F. Urumovl. Die ganze Gruppe : F. spuria, V. foliosa, V. Bach- ofenii, V. longifolia hat mehr oder weniger verlängerte, zugespitzte und gesägte Blätter. Die andere Gruppe: F. spicata L. (und alle dazu gehörigen Rassen), F. orchidea Gr., F. crassifolia Wzb. und F. incana L. weichen von unserer Pflanze ab : durch eine einzige endständige (oder wenige seitliche) Blütenähre, durch grössere Blüten, durch sitzende Kelche, zugespitzte schmälere und in den Stiel keilförmig ver- schmälerte und gezähnte Blätter und durch gekräuselte Haare auf den Blättern. Uebrigens ist jede Art aus dieser Gruppe von F. Urumofi noch speciell weit verschieden. Dies bezieht sich insbe- sondere auf die in Bulgarien weit verbreiteten Arten F. orchidea und F. crassifolia. Die F. Urumovi steht etwa in der Mitte zwischen dem Typus F. longifolia und dem Typus F. spicata. Diese Veronica- Verwandt- 32 Schaft scheint im Banat, in Siebenbürgen, Serbien, Rumänien und Bulgarien sehr entwickelt zu sein. Colchicum bulgaricum sp, n. Cormi tunicis crassis supra Collum produetis non nitentibus, flore autumnali unico per- magno, tubo ejusdem crasso limbo 2 — 3plo longiore, limbi laci- niis late obovato-ellipticis (externis 4Y, — 5 X 3 cm, internis 4 X 2 cm) apiee obtuse rotundatis crasse venosis (nervillis transversis paucis) in fauce hirtulis roseo-lilacinis (non tesselatis), antheris luteis rectis, stylis antheras superantibus crassis superne valde curvatis decurrenti-stigmatosis. Prope Panaguriste a. 1900 legit amicus Skorpil. Die Benennung und Beschreibung dieser Art muss nur als provisorisch angesehen werden, w^eil wir weder Früchte noch Blätter besitzen (es gibt jedoch auch andere so mangelhaft beschriebene Arten). Die blühende Pflanze kann aber mit keiner Form des ge- raeinen Colch. autumnale L. verglichen werden. Die geöffnete Blüte hat grosse Aehnlichkeit mit den Gartentulpen. C. Jatifoliiim S. S. ist durch gewürfelte, deutlich zugespitzte Blütenzipfel und 1 — 4 Blüten, C. speciosum Stev. durch 1 — 4 grössere Blüten, kahle und schmälere Perigonzipfel und längere Blütenröhre verschieden. C. BornmüUeri Freyn (Amasia) scheint am nächsten verwandt zu sein, nur werden die Perigonzipfel länglich-elliptisch (7-2 X 2 "3 cm), die Antheren roth, die Knollenschuppen dünner (tunieae membrana- ceae) angegeben. Dadylis glomerata L. var. Jiispanica Roth. Sofia (Tosev), Philippop. (Sk.), Stanimaka (Vel.). A typo magis habitu quam notis discredit. Folia glaucescentia angustiora, culmus non raro gracilior, panicula terminalis dense spicato-ovata simplex vel ramo unico pa- tenti donata, spica compacta densa vis unilaterali. spiculis 4 — 6- floris. Videtur per Bulgariam vulgaris. Arbeiten des botanischen Institutes der k. k. deutschen Universität Prag, 2. Serie, LIV. üelber das sogenannte Bluten der Fruchtkörper von Stereum sanguinolentum Fries. Von Victor Kindermann (Prag). Es ist eine schon lange bekannte Thatsache, dass die Frucht- körper einiger Stereum- Axien, wie z. B. jener von Stereum spadi- ceum Fries und Stereum sangiiinolentum Fries, die Eigenthümlich- keit besitzen, bei Berührung oder Verletzung blutrothe Färbung anzunehmen. Diese auffäUige Erscheinung wurde zwar von allen Mycologen systematisch verwerthet, aber doch erst in neuerer Zeit auf ihren Ursprung geprüft. Am ausführlichsten berichten darüber noch Gjula Istvdnffy und Olav Johan-OIsen in ihrer Abhand- 33 lung „Ueber die Milchsaftbehälter und verwandte Bildungen bei den höheren Pilzen" ^). Kurze Bemerkungen finden sieh weiter noch bei Brefeld^) und bei Zopf^). Da Sterenm sangninolentum Fries auf Wurzelstöcken in Hain- buchenwäldern der Umgebung Prags häufig auftritt, bot sieh mir willkommene Gelegenheit, der Anregung meines hochverehrten Lehrers, Herrn Professor Dr. G. Beck Ritter v. Mannagetta. zu entsprechen und die Ursache des Blutens dieses Pilzes näher zu Studiren. Ich folgte derselben umso bereitwilliger, als die in der Literatur über diese Erscheinung vorhandenen Angaben in mehr- facher Hinsicht ergänzender Nachuntersuchungen bedurften. Zu meinen Untersuchungen verwendete ich lebendes, trockenes und nass conservirtes Material von Stereuiii sanguinolentum Fries. Als Conservirungsflüssigkeit kamen in Verwendung: Alkohol. Pfeiffer "sehe Flüssigkeit*) und eine Mischung von Wasser und Carbolsäure. Ein Theil des Materials wurde auch mit Flemming- scher Lösung fixirt, hierauf ausgewaschen und in einer Mischung von Wasser. Glycerin und Carbolsäure aufbewahrt. Letztere Methode hatte aber den Nachtheil, dass die „Gerbstoffhyphen", wie die den Farbstoff führenden Hyphen genannt sein mögen, ihre braune, von der Färbung des übrigen Plectenchyras im Fruchtkörper stark ab- weichende Färbung verloren und nur schwierig auffindbar wurden. Zur Untersuchung des trockenen Materials leistete hingegen die von J. Amann angegebene Methode^) vortreffliche Dienste. Die Vertheilung der „Gerbstoffhyphen" im Pruchtkörper des genannten Pilzes ist keine gleiehmässige. Während dieselben in der dem Substrat aufliegenden Gewebeschicht" nur spärlich vorhanden sind, erscheinen sie in der Subhymenialschicht dagegen sehr zahl- reich und sind dort mit den anderen Hyphen unregelmässig ver- flochten. Im Hymenium verlaufen sie parallel mit den Basidien und erheben sich bei älteren Fruchtkörpern mit ihren keuligen Enden etwas über das Hymenium. Die „Gerbstoffhyphen" sind in ihrer ganzen Länge gleich dicke, walzige Hyphen von etwa 455 (i Länge und darüber. Ihr Durchmesser (39 — 52 ^) ist in der Regel etwas grösser als der der anderen Hyphen im Fruchtkörper. Hin und wieder zeigen sie an einzelnen Stellen birnförmige Anschwellungen. Korkzieherartig, wie sie Istvänffy und Johan-Olsen beschrieben, fand ich sie nie- mals. Ein einziges Mal sah ich in einem Schnitte aus Trocken- material eine ähnlich gestaltete Hyphe ; deren schraubige Drehung jedoch zuversichtlieh eine Folge der vorhergehenden Austroeknung 1) G. Istvänffy u. 0, Johan-Olsen, Bot. Centralblatt, XXIX (1887), S. 372. ^) Brefeld, Untersuchungen aus dem Gesammtgebiete der Mycologie, VIII. Heft. 3) Zopf, „Die Pilze" in Schenk's Handbuch der Botanik, IV, S. 610. *) Pfeiffer in Oest. bot. Zeit. XLVIII (1898), S. 57. 5) Amann in Journ. de Botan., 1896, p. 187, 212. Oesterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft. 1901. 3 34 des Fruchtkörpers war. In einzelnen Hyphen fanden sich Quer- wände. Diese GUederung ist jedoch keine regehnässige. Die Spitze der „Gerbstoffhyphen" ist stets allmälig keuiig an- geschwollen und erhelot sich, wie hervorgehoben, bei älteren Frueht- körpern etwas über das Hymenium. Sie hat auch noch eine weitere Eigenthüralichkeit. Während die Membran nach der ganzen Länge der Hyphe gleich stark ist, verdünnt sich dieselbe gegen die Spitze der keuHgen Anschwellung in sehr auftauender Weise und wird so dünn, dass man manchmal in Zweifel geräth, ob nicht daselbst eine Oeffnung in der Membran vorhanden sei. Die Membran selbst zeigt bei Behandlung mit Kalilauge ein eigenthümhches Verhalten. Kocht man mit Kalilauge und wäscht mit Wasser aus, so färbt sieh die Membran der „Gerbstoffhyphen" bei Zusatz von Ohlorzinkjod licht violett. Bei Behandlung mit kalter Kalilauge^) tritt diese Färbung erst bei Zusatz von verdünnter H., SO^ ein. Auffallend dabei ist, dass die gewöhnliehen Hyphen des Pilzes nach dieser Behandlung keiner- lei Färbung zeigten. Man kann daraus wohl schliessen, dass die Membran der „Gerbstoffhyphen" weniger Chitin ent- hält, als die der übrigen Hyphen. Der Inhalt frischer „Gerbstoff- hyphen" zeigt unter dem Mikroskope eine rothbraune Färbung. Bei seinem Austritte aus der Hyphe wird derselbe offenbar durch einen Oxydationsprocess rasch blutroth. Er besteht aus einer homogenen Flüssigkeit, in der zahlreiche heller oder dunkler gefärbte Oeltropfen schwimmen. Letztere verschwanden sehr leicht durch die Einwirkung von abso- lutem Alkohol. Gerbstoffe bilden den Hauptbestandtheil dieser Flüssigkeit. Bei Behandlung mit Eisenchlorid larbte sich der Inhalt intensiv dunkelgrün. Auch die Gerbstoffreaction mit Kaliuraoxyd ge- lingt; sie ist jedoch schwerer zu be- obachten, weil die „Gerbstoffhyphen" schon von Natur aus eine rothbraune Färbung zeigen. Bezüglich der Entstehung der „Gerbstoffhyphen" ist wohl anzu- nehmen, dass sie durch chemischeümwandlung des Inhaltes aus gewöhn- lichen Hyphen entstehen. Dafür sprechen zwei Thatsachen. Erstens das spärliche Vorkommen der Hyphen iu der untersten Schichte des Fruchtkörpers; denn entstünden die „Gerbstoff'hyphen" schon vom Mycel aus als selbstständige Gebilde, so müssten sie iu der untersten % \ Figuren -Erklärung. 1. Schnitt durch das HymeniucQ des Fruchtkörpers von Ste- rcum satiguinolentum Fries. Vergr. 150. 2. Eine gegliederte Gerbstoff- hyphe. Vergr. 200. 3. Spitze derselben. 4. Dieselbe nach der Entleerung des Inhaltes. Vergr. 300. ^) Das Material muss mindestens 48 Stunden darin bleiben. 35 Schichte ebenso zahlreich sein, wie in den anderen Schichten. Zweitens findet man hin und wieder Hyphen, welche au ihrem unteren Knde einer gewöhnlichen Hyphe vollkommen gleichen, deren Inhalt sich aber nach aufwärts allmälig braun färbt und die schliesslich in eine „Gerbstoff hyphe" übergehen. Jedenfalls beginnt die Umwandlung von Hyphen in „Gerbstoff hyphen" schon sehr frühzeitig, weil letztere auch in sehr jungen Fruchtkörpern zu beobachten sind. Was ist nun die biologische Aufgabe der „Gerbstoff hyphen"? Da an älteren Fruchtkörpern die über das Hymenium hervorragen- den Anschwellungen der „Gerbstoffhyphen" sich öfi'nen und ihren Inhalt geradeso wie bei mechanischen Verletzungen (Reibung. Schnitt) entleeren, letzterer sodann die Fruchtkörper benetzt und zum Theil in dieselben eindringt, so ist es mit Rücksicht auf den Gerbstoffeharakter des Inhaltes klar, dass derselbe zur Bewahrung des Fruchtkörpers vor Fäulniss dient. Dies geht auch noch aus einem anderen Umstand hervor. Untersucht man das Holz, auf welchem der Pilz wächst, so findet man dasselbe in unmittelbarer Nähe des Fruchtkörpers roth gefärbt. Diese rothe Färbung ist ofi"en- bar auf den eingedrungenen gefärbten Inhalt der „Gerbstüflfhyphen" zurückzuführen, denn Mycelfäden waren in diesem Holze nicht zu sehen. Durch Alkohol konnte man dem Holze den Farbstofi" ent- ziehen. Liess man eine alkoholische Lösung davon stehen, so blieb nach dem Verdunsten des Alkohols ein schmieriger, rothbrauner Rückstand übrig, der sehr stark nach Zimmt roch und mit Salz- säure und Schwefelsäure aufbrauste. Der letztere Umstand lässt auf einen Gehalt von kohlensaurem Kalk schliessen. Das vom Farbstoff durchdrungene Holz zeigte sehr stark die Gerbstofifreaction. Ein weitere EigenthümUchkeit dieses Holzes lag darin, dass es eine grosse Härte erreichte, während das nicht vom Farbstoff durchdrungene bereits morsch und weich war. Auch dieser Umstand mag für die conser- virende Eigenschaft des Inhaltes der „Gerbstoffhyphen" sprechen. Zum Schlüsse meiner Arbeit erfülle ich eine angenehme Pflicht, wenn ich meinem hochverehrten Lehrer, Herrn Professor Dr. G. Beck Ritter v. Ma nnagetta, für die mir anlässlich dieser Unter- suchung zu Theil gewordene Unterstützung meinen ehrerbietigsten Dank ausspreche. Prag, im December 190Q. Akademien, Botanische Gesellschaften, Vereine, Congresse etc. Botanische Sectiou des natiirwissenschal'tHelieu Vereines für Steiermark in Grraz. Versammlung am 5. December 1900 im botanischen Laboratorium der k. k. Universität. Nachdem der Vorsitzende, Herr Sehulrath Prof. F. Krasan, als Obmann der Section die Anwesenden begrüsst hatte, hielt Herr 36 Otto Forsch, Assistent am botanischen Institute der k. k. Uni- versität, einen von zahh'eichen Demonstrationen begleiteten Vortrag über die Section Tetrahit der Gattung Gaieopsis. Ein sorgfältiges Studium sämmtlicher Merkmale an einem sehr umfängreichen lebenden und getrockneten Materiale hat ergeben, dass die bisher verwendeten vegetativen und quantitativen Merkmale bei der grossen Anpassungsfähigkeit dieser Untergattung an den Wandel der äusseren Daseinsbedingungen sich sowohl für eine un- zweideutige Charakteristik der einzelnen Arten als für die Erkenntniss ihres entvvicklungsgeschichtlicheu Zusararaeuhanges als vollkommen unzureichend erweisen. Dazu kommt, dass in Folge dieser An- passungsfiihigkeit bei sämmtlichen Arten als Reaction auf dieselben äusseren Factoren dieselben Anpassungsformen gebildet werden, wo- durch ihre Phylogenie verwischt wird. Im Gegensatz hiezu hat sich der bisher beinahe gänzlich vernachlässigte Zeichnungstypus der Blüte als ein von den äusseren Factoren vollkommen unabhängiges Merkmal bewährt. Das Studium desselben führt zur Aufstellung zweier Zeichnungstypen, welche eine ganz andere Gruppirung der Arten als die bisher übliche ergeben und durch Vererbung bereits derart gefestigt sind, dass eine Kreuzung zwischen zwei Vertretern eines und desselben Typus vollkommen fruchtbare, zwischen einem Vertreter des einen und einem des anderen Typus hingegen voll- kommen oder beinahe vollkommen unfruchtbare Kreuzungsproducte liefert. Auf dieser neuen Grundlage baut sich eine Phylogenie der Untergattung auf, welche durch die für die einzelnen Arten typische Variation in den vegetativen Merkmalen und besonders in der Zeichnung, die vor- und rückläufigen Annäherungsformen beider Zeichuungstypen. die Zeichnung der Bastarte, den Grad ihrer Frucht- barkeit, sowie die gesetzmässige Verbreitung reinen Albinismus im Einzelnen durchaus bestätigt wird. Die ausführliche Publication von 0. Forsch über diesen Ge- genstand wird demnächst an anderer Stelle erscheinen. Wiener Botanische Albende. Versammlung am 4. December 1900. — Vorsitzender: Herr Prof. v. Wett stein. Der diesmalige Abend war der Demonstration mikroskopischer Präparate mit Hilfe eines grossen, seinerzeit von Prof. Stricker construirten Projectionsapparates gewidmet. Herr Prof. v. Wett stein erläuterte vorerst eine Collection von prachtvollen Originalpräparaten Prof. Dr. S. Nawaschin's, be- treffend den Vorgang der doppelten Befruchtung und der Sperma- tozoidenbildung bei Angiospermen; die Originalpräparatte hatte Prof. Nawaschin in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt. 37 Eine zweite Serie voü mit vollendeter Technik hergestellten Präparaten hatte Herr Pfeiffer v. Well heim zur Verfügung ge- stellt. Sie betrafen den Bau des Erabryosackes von Liliaceen. ferner Karyokinesen und diverse Conjugaten. Dr. K. Linsbauer. Botanische Sammlungen, Museen. Institute etc. Arnold, Lichenes exsiccati. A. Nachträge zu früher angegebenen Nummern: 510 c Biiellia Schaereri De Not. An Lärchen gegen den Rhönberg auf der Mendel in Süd- tirol. 19. September 1900. 1157 & Callopisma haemacites Chaub. An Oelbaumzweigen bei Torbole in Südtirol. 12. Mai 1900. 16dSh Psoroma fulgens Suc. Auf Kalkboden der Slavini bei Mori in Südtirol. 8. Mai 1900. 1760& Ncqjhrominm laevigatum Ach. f. papyraceuju Hoflf. An dünnen Fichtenzweigen am oberen Karersee, Südtirol, 8. September 1900. 1787 c Lecidea parasema Ach. An Oelbaumzweigen bei Torbole in Südtirol. 12. Mai 1900. B. Fortsetzung. 1801 Alectoria jubata L. Auf Fichtenzweigen auf der Mendel in Südtirol. 18. Sept. 1900. 1802 Alectoria cana Ach. Auf Fichtenzweigen auf der Mendel in Südtirol. 18. Sept. 1900. \^02h Alectoria cana Ach. Auf Fichtenzweigen auf der Mendel in Südtirol. 18. Sept. 1900. 1803 Alectoria cana Ach. f. fnscidiüa Arn. Auf Fichtenzweigen auf der Mendel in Südtirol. 18. Sept. 1900. 1805 Imbricaria glahratula Lamy. An Tannen gegen den Karerpass in Südtirol. 6. Sept. 1900. 1806 Fsoroma lentigerum Web. Auf Kalkboden bei Torbole in Südtirol. 11. Mai 1900. 1807 OchrolecJiia npsaliensis L. An Fichtenästen bei Welschenofen. 7. September 1900. 1808 Lecanora cremilata Dicks. Bei St. Ulrich in Gröden. Tirol. 12. September 1900. 1811 Buellia puncfiformis Hoff. An Oelbaumzweigen bei Torbole in Südtirol. 12. Mai 1900. 1812 Verrncaria Dufonrei DG. Bei Torbole in Südtirol. 9. Mai 190U. 1818 Staurothele immersa Bagl. Kalkfelsen bei Torbole. 26. September 1900. 1814a Arthopyrenia tichothecioides Arn. An Kalkfelsen bei Torbole in Südtirol. 26. September 1900. 38 18146 Arthropyrenia tichothecioides Arn. An Kalkfelsen bei Torbeli in Südtirol. 27. September 1900. 1815 TheJochroa 3Iontinii Mass. An Kalkfelsen bei Torbole in Südtirol. 10. Mai 1900. Sämmtliehe Nuraraern von Arnold gesammelt. Personal-Nachrichten. Dr. A. Zahlb ruckner wurde zum Gustos am k. k. natur- historischen Hofmuseum in Wien befördert. Der kgl. Bezirksgeologe Dr. H. Potonie in Berlin wurde zum Professor ernannt. Dem Director der Samencontrol- Station in Wien Dr. Th. Ritter von Wein zier 1 wurde der Titel Hofrath verliehen. Herr 0. Porseh wurde zum Assistenten am botanischen In- stitute der Universität Graz. Dr. L. Lämraermayr zum Assistenten an der Hochschule für Bodencultur in Wien, Herr E. Zederbauer zum Demonstrator am botanischen Museum der Universität in Wien ernannt. Am 30. October 1900 verschied in Innsbruck (nicht in Wilten. wie Tagesblätter meldeten) Herr Johann Woynar, bekannt durch seine Bemühungen um die genauere Erforschung der Flora des nordtirolischen Unterinnthaies. Geboren am 7. Juli 1829 zu Punzau, Bezirk Teschen im österreichischen Schlesien, wurde er am 16. Juli 1855 in Wien als Magister der Pharmacie diplomirt und war vom 7. April 1858 bis 31. December 1898 Besitzer und Leiter der Stadt- apotheke von Rattenberg. Während dieser Zeit wendete der auch um das Gemeinwesen seines Wohnortes (als vieljähriger Bürger- meister, Gründer der Feuerwehr etc.) sehr verdiente Mann sein Augenmerk den Pflanzensehätzen jener von der Natur so überreich bedachten Gegend mit schönen Erfolgen zu. Die Ergebnisse seiner Thätigkeit, unter welchen speciell die Auffindung einiger Farn- hybriden: Aspidiiim remoium im Freundsheimer Moor, jisplenium Heufleri bei Zell (siehe Luerssen in Ber. Deutsch, bot. Ges. Bd. IV, 1886, p. 422 — 432) und Aspidhim lAierssenii = A. lohatum X Braunii in der Stillupp, sowie bei den Kriramler Wasserfällen, hervorzu- heben sind, liegen allerdings in seinen Publicationen (Flora der Umgebung von Rattenberg, Deutsche bot. Monatsschr. II.— IV. Jg. 1884 — 1886 und Correspondenzen in derselben Zeitschrift I. Jahrg. 1883, p. 172, III. Jahrg. 1885, p. 141) nur unvollkommen vor: speciell erstere Arbeit, welche ursprünglich für einen touristischen Führer durch jene Gegend bestimmt war, ist im Drucke nicht weiter als bis zur Gattung WiUemetia (nach dem De Oandolle'sehen System) gediehen und die Fortsetzung soll nach gefälliger Mit- 39 theilung- eines Sohnes des Verblichenen. Herrn Heinrich Woynar (Graz, Steyrergasse 11), nur in unzulänglichen Notizen vorhanden und für den Druck niciit ausgearbeitet sein. Woynar stand viele Jahre hindurch in lebhaftem Tausch- verkehr und war nach dem am 6. Juni 1888 erfolgten Ableben von Hylten-Oavallius in Lund mehrere Jahre Leiter des internatio- nalen botanischen Tauschvereines „Linnaea". Sein Herbar verbleibt im Besitze des genannten Herrn Sohnes. L. Graf v. Sarnthein. Innsbruck. Inhalt der Jänner-Nummer: Linsbauer Ludwig, Einige Bemerkungen über Anthokyan- bildung. S 1. — --ydow H. und P., Zur Pi]ztior:i Tirols*. S. ll — Veienovsky J., Acliter Nachtrag zur Flora von Bulgarien. S. 29. — Kindermann Victor, Arbeiten des botanischen Institutes der k. k. deutschen Universität Prag, 2. Serie, LIV. : üeber das sugenannte Bluten der Fruchtkorper von Stereum iamjuitiolentum Fri>-s. S. .'i2. — Akademien, botanisciie Gesell- schaften, Vereine, Congre.--se etc. 3. 35. — Botanische Sammlungen, Museen, Institute etc. S. 37. — Personalnachrichten. S. 38. Redacteur: Prof. Dr. R. v. Wettstein. Wien, 8/3, Rennweg U. Verantwortlicher Redacteur: J. Dörfler. Wien, III., Barichgasse 36. Verlas: von Carl Gerold's Sohn in Wien. Die „Oesterreichische botanische Zeitschrift" erscheint am Ersten eines jeden Monates und kostet ganzjäVirit: IH M;irk. Zu herabgesetzten Preisen sind noch folgende .lahrgänge der Zeitschrift zu haben: II und III ä 2 Mark, X-XU und XIV— XXX ä 4 Mark. XXXI -XLI ä 10 Mark. Exemplare, dit« frei durch die Post expedirt werden sollen, sind mittelst Postanweisung direct bei der Administration in Wien, I., Barbaragasse 2 (Firma Carl Gerold's Sohn), zupränumeriren. Einzelne Nummern, soweit noch vorräthig, ä 2 Mark Ankündigungen werden mit 30 Pfennigen für die durchlaufende Petitzeile berechnet. INSERATE. Ppeishepabsetzung älterer Jahrgänge der „Oesterr. botanischen Zeitschrift". Um Bibliotheken und Botanikern die Anschaffung älterer Jahrgänge der „Oesterr. botanischen Zeitschrift" zu erleichtern, setzen wir die Ladenpreise der Jahrgänge 1881—1893 (bisher ä Mk. 10.—) auf ä Mk. 4.— 1893-1897 ( „ „ „ 16.-) „ „ „ 10.- herab. Die Preise der Jahrgänge 1852. 1858 (ä Mark 3. -), 1860 bis 1862, 1864— 1869, 1871-1880 (ä Mark 4.-) blpiben unverändert. Die Jahrgänge 1851, 1854—1859, 1863 und 1870 sind vergriffen. Die früher als Beilage zur „Oesterr. botanischen Zeitschrift" erschienenen 37 Porträts herrorragender Botaniker kosten, so lange der Vorrath reicht, zusammen Mark 35. — netto. Jede Buchhandlung ist in der Lage, zu diesen Nettopreisen zu liefern. Wo eine solche nicht vorhanden, beliebe man sich direct zu wenden an die Verlagsbuchhandlung Carl Gerold's Sohn Wien, I., Barbaragasse 2. 40 )&^MM&& &M^^&^&&&^ Die directen P. T. Abonnenten der „Oesterreichischen botanischen Zeitschrift" ersuchen wir höflich um g^efällig^e rechtzeitig^e Erneuerung des Abonnements pro 1901 per Post- anweisung: an unsere Adresse. Abonnementspreis jährlich 16 Mark; nur g^anz^jährig^e Pränumerationen werden angenommen. Die Administration in Vitien I,, Barbarasrasse 2. wwwwwwww Im Verlage von Carl Gerold's Sohn in Wien, 1., Barbaragasse 2 (Postgasse), ist erschienen und kann durcli alle Buchhandlungen bezogen werden : Schulflora fiip die österreiehisehen Sudeten- und Alpenländep (mit Ausschluss des K-üstenlandes). Schulausgabe der „Excursionsflora für Österreich". Von Dr. Karl Fritscli, Universitätsprofessor. Umfang 26 7^ Bogen. Bequemes Taschenformat. Preis brochirt M. 3-60, gebunden M. 4* — . ExcuFsionsflora ftp Oesteppeißli [mit Ausschluss von Galizien, Bukowina und Dalmatien). Mit theilweiser Benützung des „Botanischen Excursionsbuches" von G. Lorinser, Von Dr. Karl Frltsch, üiiiversitfitsprofessor. 46 Bogen Octav. Bequemes Taschenformat. Preis brochirt M. 8" — . in elegantem Leinwandband M. 9' — . NB. Dieser Nummer ist ein Prospect der Wagner'schen Universitäts- Buchhandlung in Innsbruck, ferner für die Abnehmer des Jahrganges 1900 Titel und Index desselben beigegeben. ÖSTERREICHISCHE unmm immm. Herausgegeben und redigirt von Dr. Richard R, v. Wettstein, Professor an der k. k. Universität in Wien. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. LI. Jahrgang, N"- 2. Wien, Febrnar 1901. Untersuchungen über MörcMa Flotowlana und über das Verhältnis der Gattungen Mörckia Gott. und CaU/cularia Mitt. zu einander. Von Victor Schiffner (Prag). Angeregt wurde ich zu der nachstehenden kleinen Studie durch ein schönes Material von Mörckia Flotowiann. welches mir an einem neuen Standorte dieser seltenen Pflanze von meinem Freunde Dr. Victor Patzelt (Arzt in Briix, Böhmen) im Juh der Jahre 1899 und 1900 gesammelt wurde und welches in der dem- nächst zur Ausgabe gelangenden I. Serie meines Exsiccatenwerkes : „Hepaticae europeae exsiccatae" aufgelegt werden soll. Der Standort dieses Materiales ist folgender: Tirol, Gschnitzthal ; am Padasterbache unter der Brummwand auf feuchtem Boden zwischen Laubmoosen und Gräsern. Es war mir zunächst nur darum zu thun, zu untersuchen, ob man diese Pflanze als eigene Species gelten lassen kann und, nach- dem sich dies als richtig herausgestellt hatte, welchen Namen diese Species zu führen hat. Die letztere Frage konnte aber nur ent- schieden werden durch die Lösung einer anderen allgemeineren Frage, welche F. Stephani in den letzten Monaten zur Anregung gebracht hat. In seinem grossen Werke : Species Hepaticarum p. 356 (Sep.- Abdrücke aus Bull. [Memoires] de l'Herb. Boissier), vertritt er die Ansicht, dass unsere Mörckia- Kvi^xi zur Gattung Calycularia Mitt. gehören. Es musste also die Berechtigung dieser Ansicht geprüft werden und das Verhältniss von Mörckia und Calycularia festgestellt werden, worüber ich mich weiter aussprechen werde. Da diese Untersuchungen sich zu weit ausgedehnt haben, um in den „Kritischen Bemerkungen" zu meinem erwähnten Exsiccaten- werke Raum zu finden und auch allgemeineres Interesse zu haben schienen, will ich sie hiemit der Oeffentlichkeit übergeben. Wir wollen in unseren Betrachtungen zunächst von Mörckia Flotowlana ausgehen. Diese wurde in neuerer Zeit von M. h'ibernica Oesterr. botau. Zeitschrift. 2. Heft. 1901. 4 42 (=: Jungermania liihernica Hook., Brit. Jungerm. Tab. LXXVIII. et Suppl. Tab. IV.) nicht specifisch getrennt. Einzelne Autoren machen überhaupt keinen Unterschied zwischen beiden Formen; so führt z. B. J. Breidler in „Die Leberm. Steiermarks" (Mitth. d. naturw. Ver. f. Steierm. 30. Heft. Jahrg. 1893. p. 278 [1894].) nur 1\I. hibernica für dieses Gebiet an. während ein Exemplar meines Herbars von Breidler an dem citierten Standorte: Hagen- bachgraben bei Kalwang gesammelt und als M. liihernica bezeichnet, sicher 31. Flotowiana ist! Auch Massalongo, Repert, Epaticol. Ital. p. 45, Nr. 151, begreift unter „PaUavicinia Hibernica (Hook.) B. et Gr. emeud. Carringt." auch die Mörckia Flotowiana mit, wie aus der angeführten Synonymik hervorgeht. Auch Limpricht in Cohns Kryptfl. v. Schles. I. p. 325 fasst unter ^Mörckia hibernica (Hook.) Gott." beide Pflanzen zusammen, macht aber in seiner gründlichen Art in der Bemerkung auf die Trennung in die beiden Formen aufmerksam und sondert die Standorte dement- sprechend, wobei aber die beiden Gottsche'schen Varietätnamen Hoolieriana und Wilsouiana unglückseligerweise vertauscht worden sind, was zu einer Oonfusion der Synonymik Anlass gibt. Gott sehe (siehe unten) fasst JL hibernica als Species, der er zwei Varietäten subsumiert: a) Hookeriana und ß) Wilsoniana {= M. Flotoiviana). S. 0. Lindberg in Musci scand. p. 10 [1879] setzt umgekehrt „PaUavicinia Fhtotvii (Nees)" ^) als Species und zieht dazu „var. ß hibernica (Hook.)". Die skandinavischen Bryologen haben diese Anschauung Lindbergs angenommen und oft nicht einmal die Lin dberg'sche Varietät berücksichtigt. So be- sitze ich in meinem Herbar zweimal eine als „PaUavicinia Flotowii (Nees)" bezeichnete Pflanze von Stockholm: Uggleviken, 24. Aug. 1891 igt, Hugo Thedenius, die sicher Mörckia hibernica ist. Erst im vorigen Jahre hat C. Warnstorf mit allem Nach- drucke darauf hingewiesen, dass M. Flotoiviana und M. hibernica als zwei verschiedene Arten aufgefasst werden müssen (C. Warns- torf, Miscellen aus der europ. Moosflora. Sep.-Abdr. aus Kneuckers Allg. Bot. Zeitschr. 1899, Nr. 7, 8. p. 14— 16). 2) An dieser Stelle verdanken wir Warnstorf eine gute Be- schreibung unserer Pflanze und die Zusammenstellung der Unter- schiede derselben von M. hibernica, welche so überzeugend für 1) Man beachte die Schreibweise des Speciesnamens „Flotowii", was eine willkürliche Aenderung ist. lieber die Lindberg'sehe Gattungs-Nomenclatur siehe weiter unten, 2] Der Verf. stellt sich daselbst auf den oben erwähnten Standpunkt der Lindberg'schen Gattungsbezeichnung (Pollavicinia für PaUavicinia ist ein Druckfehler). Das Synonym p. 14: „Moerckia hibernica (Hook.) var. a. Hoolie- riana Gottsche" ist unrichtig; soll heissen var. (i. Wilsoniana Gottsehe, ebenso muss es p 15, Zeile 20 von unten heissen: „Jungermania hibernica Hook." (nicht Engl. Bot!) und weiter „{Mörckia hibernica (Hook.) var. a. Hookeriana Gottsche)" nicht var. ß. Wilsoniana] Warnstorf hat Jung, hibernica Hook, und Jung, hibernica Engl. Bot. verwechselt, die verschieden sind (letztere = Mörckia Flotoivianal), woher diese Confusion stammt, die übrigens Warns- torf wohl von Limpricht 1. c. übernommen hat. 43 das Artrecht beider Pflanzen sprechen, dass es keiner weiteren Beweise bedürfte ; jedoch möchte ich zur Festigung dieser Anschauung noch auf Folgendes aufmerksam machen. Mau könnte glauben, dass 31. hihernica und M. Flotowiana etwa in demselben Verhältnisse zu ein- ander stehen wie die Wasserformen (var. iindulata) zu unserer gewöhnlichen, typischen FeMia epqihylla. Ich glaube, dass dies unrichtig ist. Bei Pellia findet man bekanntlich überall nahe den Standorten der Wasserformen an trockeneren Stellen die typische Form. Es ist aber nirgends, soweit bekannt, an den sehr zer- streuten Standorten von Mörckia Flototviana in der Nähe die 31. hihernica und umgekehrt gefunden worden. Von 31. Flotowiana liegt mir unter dem Tiroler Material übrigens ein Basen einer augenscheinlich an excessiv nassem Orte gewachsenen Form vor, die gemischt mit einer Wasserform von Pellia wächst ; diese inter- essante Pflanze zeigt nun trotz der bedeutenden Langstreckung der Frons die normale Breite derselben und die welligen Bänder und alle sonstigen Eigenschaften der 31. Flotoiviana und hat mit 31. hihernica gar keine Aehnlichkeit. Es ist also nach alledem gar nicht zu zweifeln, dass Jl. Flotoiviana und 31. hihernica ver- schiedene Species sind. Die Species, mit welcher wir uns hier zunächst beschäftigen, muss den Namen: Mörchia Flotoiviana (N. ab E.) Schön, tragen, was aus der folgenden kritischen Auseinandersetzung hervorgehen wird, die schliesslich zu der Feststellung des Verhältnisses von Mörckia und Calycularia Anlass geben werden. Nees von Esenbeck beschrieb unsere Pflanze zuerst als Cordaea Flotoiviana^) (in Regensburger „Flora" 1833, IL p. 401), und im folgenden Jahre wurde sie auch von Hübener, Hepaticol. gerraan. p. 36 unter demselben Namen ausführlicher beschrieben und ebenso von Cor da in Sturm, Deutschi. Flora IL Heft 26, 27, p. 125 beschrieben und daselbst auf Tat. 36 gut abgebildet. Im III. Blinde seiner Naturgesch. d. europ. Leberm. (p. 335 Fuss- note) gibt aber Nees selbst seine Gattung Cordaea auf, was aus- drücklich bemerkt werden muss. da dadurch dieser Name bei der Beurtheilung des nach der Priorität giltigen Gattungsnamens in Wegfall kommt. Dabei ist es nicht von Belang, dass die neue, dort zum Ausdrucke gebrachte Ansicht von Nees, auf Grund deren er seine Gattung einzog, sich nach unserer gegenwärtigen Kenntnis als unrichtig erwiesen hat. Er zieht daselbst unsere Pflanze zu Diplolaena Lyellii als ß. Flotowiana und ganz analog erscheint sie in Syn. Hep. p. 475 als Blyttia Lyellii ß. Flotowiana und übereinstimmend wird in beiden Werken daneben var. y. Hihernica (=: Jungermania Hihernica Hook.. Brit. Jung. tab. LXXVIII) gestellt; als cc. major dieser Mischspecies ist in beiden Werken die Pflanze hingestellt, welche wir jetzt als Fallavicinia Lyellii 1) Nees schreibt den Speciesnamen hier und anderwärts „Flotoviana'* mit V, wozu unseres Erachtens J^ein Grund vorliegt. 4* 44 (Hook.) Gray bezeichnen. Als eine zweite Species dieser Gattung wird in beiden Werken angeführt: Diplolaena Blyttii, resp. in Syn. Hep. unter dem geänderten Genusnamen BlyÜia Mörhii}) Gottsche gebührt das grosse Verdienst, diese unrichtige Zusammenstellung von Pflanzen verschiedener Gattungen unter eine Species richtig erkannt und aufgeklärt zu haben (vgl. Gotisches Bemerkung zu Gott, et Eabenh., Hep. eur. exs. Nr. 121 [1850!]). Daselbst spaltet er auf Grund des Vorhandenseins oder Fehlens eines Centralstranges in der Mittelrippe des Laubes die bisherige Gattung ßlyttia in zwei: I. MörcJcia mit zwei Arten in der deutschen Flora, nämlich 1. M. norvegica Gott. (— - Blyttia Mörckii Syn. Hep. und 2. M. hihernica mit zwei Varietäten: a) Hookeriana (== Jung, hihernica Hook.) und b) Wilsoniana Gott. (= Cordaea Flotowiana N. ab E.). Die Gattung Mörchia ist also hier ausreichend begründet durch Anführung des entschei- denden Merkmales und Aufzählung von Arten und keineswegs als „nomen nudum-' aufzufassen. Später hat auch S. 0. Lindberg die gleiche Trennung vorgenommen (Musci scand. p. 10, Nr. 45 [1879]), aber dabei ganz unberechtigterweise die Nomenclatur Gottsches ingnoriert. Er stellt auf die Gattungen: \. Fallavicinia Gray. Liudb. mit P. Flotoivii und P. Blyüil {■= 3Iörkia norve- gica Gott.) und 2. Dilaena Dum. Lindb. mit dem Typus D. Lyellii. Diese Nomenclatur kann natürhch nicht auf Giltigkeit Anspruch erheben. Ich selbst habe in meiner Bearbeitung der Hepaticae in Engler-Prantl, Natürl. Pflanzenfam. p. 55 [1893] die Gattung Mörckia als Untergattung H. zu Pallavicinia gestellt, jedoch kann ich gegenwärtig diese Ansicht nicht mehr vertreten, sondern das Fehlen des Centralbündels, der abweichende Bau des Sporogons, die gabelige Verzweigung etc. scheinen mir ausreichend die Selb- ständigkeit der Gattung Mörckia zu begründen. In einer der letzten Serien seiner Species Hepaticarum (p. 355 ff. [1900]) vertritt Stephani die Ansicht, dass unsere europäischen Mörckia- Alien und eine damit verwandte Pflanze derselben Gattung angehören, welche W. Mitten in Hep. Ind. Orient, in Journ. Proc. Linn. Soc. V. p. 122 [1861]^) als Calycu- laria beschrieben hat und Stephani nennt 1. c. die von ihm neu umgrenzte Gattung: Calycularia. Selbst wenn diese Ansicht Ste- phanis richtig wäre, müsste die Gattung Mörckia (1860) und nicht Calycularia (1861) heissen. Nun zerfällt aber Calycularia im Sinne Stephanis in zwei Gruppen: „1. solche mit Halbring- fasern in den inneren Zellen der Kapselwand und lang stacheligen 1) Man beachte die verschiedene Schreibweise des Namens Mörk, Mörck, Moerk, Moerck etc.! Es müsste correct heissen Mörchii und Mörchia nach A. Mörch, einem Mitarbeiter der Flora Danica. Gottsche nannte die Gattung aber ausdrücklich und wiederholt: Mörckia, also kein blosser Druckfehler. 2) Diese Publication von Mitten datiert von 18G1, nicht 1860, wie Stephani 1. c. angibt! 45 Sporen" (hieher C. crispula Mitt. und C. laxa Lindb.), „2. solche ohne Halbringfasern und mit papillösen Sporen" (Steph. 1. c. p. 357), wozu gehören: C. radicidosa St., C. birmensis St., C. hibernica (Hook.) St. und C. Blyttii (Mörch) St.^). — Wenn die von Ste- phan i angegebenen unterschiede zwischen den beiden Pflanzen- gruppen thatsächlich die einzigen wären, so ijönnte man mit ihm einer Meinung sein ; dies ist aber keineswegs der Fall, wie ich sofort zeigen werde. Stephani sucht überdies die beiden von ihm erwähnten Unterschiede als von ganz untergeordneter Bedeutung hinzustellen durch folgenden Hinweis (1. c. p. 357) : „Angesichts der völligen sonstigen Uebereinstiramung des Baues dieser Pflanzen können die wenigen letztgenannten Unterschiede keinen Anlass geben, diese zwei Gruppen zu trennen; sind doch auch die Kapsel- wandungen bei Pellia verschieden und die Sporen der liicckn, dieser sehr einheitlichen Gruppe von Pflanzen, von überraschender Mannigfaltigkeit; es unterliegt daher keinem Zweifel, dass die der Ausstreuung der Sporenmasse und der Verbreitung der Sporen dienenden Organe Anpassungen unterworfen sind, welche jene Or- gane nicht immer wichtig für die systematische Stellung der Pflanzen erscheinen lassen; sie sind zur Charakterisierung des Genus nur mit Vorsicht zu benutzen." Die Unterschiede im Baue der Sporogone bei den Pellia-Axinw sind thatsächlich keine principielleu, sondern nur graduelle, und wir finden auch bei anderen ganz nahe verwandten Pflanzen, z. B. Arten von Marsupella, solche mit und solche ohne Halbringfasern der inneren Sporogonwandzellen. Ab- gesehen von solchen graduellen Unterschieden sind aber die Sporo- gone der Pcn.la-AYten im geschlossenen wie geöffneten Zustande in Form, Farbe, Anordnung der Elateren etc. vollkommen überein- stimmend. Ganz principiell verschieden sind aber die Sporogone der Vertreter der Gruppe A von Calycularia \m Sinne Steph anis {C. crispula und C. laxa umfassend) von denen der Gruppe B; nicht nur in ihrem anatomischen Bau, sondern auch schon makro- skopisch erweisen sie sich als total verschieden. Ich will zunächst den Befund bei den Vertretern der Gruppe A darstellen : C.crispulakonnte ich selbst genauuntersuchennach Exemplaren, die ich der Güte meines Freundes Dr. E. Levier in Florenz ver- danke; von C. laxa existiert eine so detaillierte Beschreibung (Lind- berg et Arnell, Musci Asiae bor. I. p. 06 [1889] in Kongl. Sv. Vet. Akad. Handlingar. Bd. 23. Nr. 5), dass derselben nichts hinzu- gefügt, werden kann, und meine Untersuchungen über C. crispula stimmen so vollkommen mit denen Lindbergs und ArneUs an C. laxa überein, dass die folgende Beschreibung des Sporogonbaues ganz genau für beide Pflanzen gilt; ich werde zur Bestätigung die parallelen Stellen aus der citietren lateinischen Beschreibung der C. laxa (in Klammern) neben meine Befunde bei C. crispula hinsetzen. ') Mörckia Flotowiana findet sich bei Stephani 1. c. nirgends er- wähnt, auch nicht einmal als Synonym. 46 Die Kapsel ist genau kugelig, im nicht aufgesprungenen Zustande schwarz, und springt sehr unregelmässig auf mit 5 — 6 Klappen, da die Klappen wieder einreissen. Die Klappen trennen sich vollständig bis zur Kapselbasis und breiten sich flach aus oder schlagen sich sogar etwas zurück („theca l'Tömm, perfecte globosa, nigra, opaca, in ipsa basi secta, valvulis 5 — 7, raro 4, iterum valde irregulariter lobatis, pellucidis, patentibus et margine involutis"). Die Klappen der geöffneten Kapsel sind zart, durchscheinend, gelblichbraun. Die Klappen bauen sich auf aus zwei Zellschichten; die Zellen beider sind gleich gross, etwa kubisch, dünnwandig. In beiden Schichten finden sich auf den Radialwänden und bisweilen auch an den oberen und un- teren Horizontalwänden entfernte, nicht reichliche hori- zontale, braune Verdickungsleisten, auf der Innenwand in beiden Schichten vollständige Halbringfasern, dieoft schräg verlaufen (valvulis „bi-. hie illic tristratis, strato externo tantum in membranis connatis et radialibus incrassationes abrupte nodiformes" [d. i. von der Fläche (Aussenseite) gesehen!] „ceteris (uno vel duobus) annulos optimos. densos et brunneos ostendentibus"). - Nicht selten ragen einzelne Innenzellen, die sich schlauchförmig verlängern, von der Wand aus in das Innere der Kapsel hinein; sie besitzen Eingfasern und auf kurze Strecken Spiralverdickungen. Von grösster Wichtigkeit ist das Vorhandensein von grunds tändigen Elaterenträgern bei Calycularid crispula und ü. laxa. Dieselben sind bereits von Lindberg bei letzterer con- statiert worden; er sagt darüber 1. c. p. 68: „elateres. .. uberrimi, medio baseos, i. e. apici setae, affixi. sed maximam partem facillime dissoluti". Stephani hat dieselben aber ganz übersehen, da er ihrer nirgends mit einem Worte erwähnt. Hätte er dieselben ge- sehen, so hätte er den Sporogonbau bei seinen beiden Gruppen von Calycularia nicht so sehr übereinstimmend gefunden. Bei C. crispula sind die Elaterenträger in ziemlich grosser Zahl vor- handen und ragen von der Kapselbasis als elaterenähnliehe Schläuche mit doppelter Spira, die bis in die Spitze reicht, in das Innere der Kapsel empor. Die Elateren sind bei G. crispula gegen die Enden kaum verdünnt, mit doppelter, bis in die Spitzen reichender Spifa (bei C. laxa nach Lindberg: „fere recti, ut pauUum arcuato- flexi, obtusi, spiris binis dense convolutis, semiteretibus, continuis. brunneis membrana tenuissima, hyalina", also wie bei C. crispida). Die Sporen sind bei C. crispula mit langen (länger als der halbe Sporendurchmesser), stumpf heben Stacheln bedeckt; bei C. laxa beschreibt Lindberg die Sporen wie folgt: „spori V25 — V30 ""^' globosi, brunnei, pellucidi, remote echinati, echinis V5 spori altis, rectis, subconico-cylindricis, ut ex apice ad basim indistincte sen- simque crassioribus, obtusis. apice ultimo leniter emarginatis, cruribus vix divergentibus". Die Sporen bei dieser Speeies sind also eben- falls stachelig, jedoch die Stacheln kürzer als bei G. crispula. 47 Aus der Gruppe B (nach Stephani) habe ich folgende Arten genau untersucht: Calycularia radiculosa Steph.. jlörckia Blytlii und M. Flotowlana, von letzterer standen mir frelHch nur einige überreife Sporogone zur Verfügung, die ich in dem oben erwähnten Materiale aus dem Gschnitzthale in Tirol, von meinem Freunde Dr. V. Patzelt gesammelt, vorfand, jedoch reichte dieses Materiale hin, um zu constatieren . dass hier die Verhältnisse ganz ähnliehe sind, wie bei M. Blytlii. Bei der folgenden Darstellung will ich von Cal. radiculosa ausgehen und bei den einzelnen Punkten die etwaigen Abweichungen von diesem Typus einschalten , welche Mörchia Bhjttii und M. Flotowiana aufweisen. Schon makroskopisch betrachtet erweist sich die Kapsel als total verschieden von der bei G. crispida. Dieselbe ist nicht kugelig wie bei dieser und schwarz (im unaufgesprungenen Zu- stande), sondern länglich -eiförmig, sehr gross, etwa 4 mm lang und 2*7 mm breit, von dunkel karminbrauner Farbe ^). Sie springt in vier regelmässigen Klappen auf, die aber an der Spitze längere Zeit alle vier oder zu 2—8 vereinigt bleiben. Die Klappen zeigen einen wesentlich anderen Bau als bei Calycidaria crispida und C. laxa; die Wand setzt sich aus fünfZellschichten zusammen. Die Aussenschichte besteht aus sehr grossen, fast kubischen Zellen, die vier Innen schichten bestehen aus lang- gestreckten Zellen, deren Lumen auf dem Querschnitte kaum halb so breit ist, als das der Aussenzellen. Die Aussen- zellen zeigen nur auf den Radial wänden horizontal-streifig unterbrochene Verdickungen (horizontale, unregelmässige Leisten), die Zellen der Innenschichten zeigen auf den Radialwänden schwächere Verdickungen, die auf dem Querschnitte besonders in den Ecken deutlich erscheinen. Alle diese Verdickungen haben ebenso wie die Spiren der Elateren eine karminbraune Farbe. Der Scheitel der Kapselwand ist dick, mehrschichtig, alle Zellen isodiametrisch und den Zellen der Aussenschichte ganz ähnlich, jedoch sind die Verdickungen in ihnen weniger deutlich. Bei Mörckia Blyttii ist der Sporogonbau ganz analog und ebenso bei M. Floto'wiana; der einzige Unterschied besteht darin, dass die Verdickungen der Radialwände der Aussenschichte nicht querstreifig unterbrochen sind, sondern die Verdickungsschichte überzieht fast gleichmässig die ganzen Radialwände. Die Verdickungen sind von mehr kastanienbrauner Farbe. Von grösster Wichtigkeit ist das gänzliche Fehlen von Elaterenträgern bei Cal. radicidosn, Mörckid Blyttii und 31. Flotowiana. worin ein weiterer wesent- licher Unterschied gegenüber Cal. crispida und C. laxa liegt. Die Elateren bei Cal. radiculosa sind lang und geschlängelt, gegen die Enden etwas verdünnt, mit zwei fade nfi^rni igen Spiren. Sporen 1) Die Seta ist etwa zwei- bis dreimal so lang als die Kapsel, der Fuss dick, kreiseiförmig, sein oberer scharfer, etwas crenulierter Rand umgibt die Basis der Seta manchettenförmig. 48 rothbraun mit grossen rundlichen Warzen (von fast brombeer- artigem Aussehen). Bei Mörckia Bhjttii sind die Sporen ganz anders; hier verlaufen auf der Oberfläche unterbrochene niedrige Leisten, die keine regelmässige Sculptur bewirken; bei M. Floto- wiana sind die Sporen im Princip ganz ähnlich, aber die Leisten hängen zusammen, sind sehr deutlich und bewirken eine Sculptur, die der bei den Sporen von Fossombronia cristata äusserst ähnlich ist (nur der Rand der Spore zeigt nicht das kammförmige Aussehen wie bei Foss. cristata). Schon C. Warnstorf hat (1. supra cit.) auf diese Sporensculptur hingewiesen. Es ist also höchst ungenau, wenn Stephani seine Gruppe B von Calycularia charakterisiert als „Sporis papillatis"' mit „papillösen Sporen"; denn bei C.crispula sind sie „grobwarzig" (nicht papillös) und bei den anderen Arten sind sie mit Leisten versehen (also ebenfalls nicht papillös). Aus der vorangehenden Untersuchung geht also mit aller Bestimmtheit hervor, dass zwischen der Beschaffenheit des Sporo- gones von Cal. crispula und G. laxa einerseits and Cal. radiculosa, Mörckia Blyttii und M. Flotowiana anderseits, auffallende und principielle Verschiedenheiten herrschen und nicht etwa nur graduelle wie zwischen den Sporogonen der Arten von Pellia. Es ist also vollkommen sicher, dass die beiden genannten Artengruppen nicht ein und derselben Gattung angehören können. Für die erste Gruppe ist der Gattungsname Calycularia sicherstehend und die drei hieher ge- hörigen Arten sind: 1. Cal. crispula Mitt. 2. C. laxa Lindb. et Arn. 3. C. hirmensis Steph. ^). Für die zweite Gruppe (= Gruppe B der Gattung Calycularia im Sinne Stephanis) gilt, wie sich aus den obigen Darstellungen ergibt, der Gattungsname Mörckia. Von letzterer Gattung kennen wir gegenwärtig folgende Arten: \. Mörckia Blyttii (Mörch) Gott. 2. 31. Flotowiana (N. ab E.) Schffn. 3. 31. hibernica (Hook.) Gott. 4. M. radiculosa (Steph.) Schflfn. (= Calycularia radiculosa Steph.). Dass auch Stephani die grosse Wichtigkeit dieser (von ihm freilich bei seinen Calycularia- Avten übersehenen) Unterschiede für die Systematik vollinhaltlich anerkennt, geht aus folgender Be- merkung zur Gattung 31akinoa hervor (1. c. p. 361): „Diese eigen- artige Gattung steht hinsichtlich der vegetativen Organe dem Genus Pellia zwar nahe, die Form der Kapsel bringt sie aber zu den- ^) Stephani reclinet die C. hirmensis zur Gruppe B. „Sporis papillatis'^, obwohl von dieser Pflanze bisher nur junge $ Inflor., also keine Sporogone bekannt sind. Ich halte dieselbe für eine echte Calycularia, schon wegen der flächenförmig ausgebildeten sogenannten Amphigasfcrien. Bei allen Mörckia- Arten sind diese Organe als gegliederte Haare entwickelt. 49 jenigen Gattungen, die Schiffner bereits als Leptotheceae zu- sammengefasst hat\); die nächstfolgenden Gattungen haben alle sphärische Kapseln und lassen sich ungezwungen in zwei Gruppen theilen :" „1. Solehe mit Elaterenträgern : Blasia (und wahrscheinlich auch Calycularia), Pellia und Androcryphia -)." „2. Solche ohne Elaterenträger und deren Kapselsehalen in Stücke zerfallen: Treuhia, Petalopliyllum und Fossomhronia.^ Diese Gattungen „mit sphärischen Kapseln" setzen die sehr natürliche Gruppe der Codotiioideae zusammen (u. zw. genau in der Begrenzung, die ich dieser Gruppe in meiner Bearbeitung der Hepaticae in den Natürl. Pflanzenfam. gegeben habe). In dieser Schrift habe ich die Gattung Calycularia in die Gruppe der Codonioideae zwischen Blasia und Noteroclada eingereiht, und diese Stellung müssen wir der Gattung Calycularia (bestehend aus C. crispnla, C. laxa und C. birmensis, also nicht im Sinne Stephanis) auch gegenwärtig noch, nachdem wir dieselbe genauer kennen gelernt haben, anweisen. Die kugelige Kapsel, deren Bau und Dehiscenz, sowie das Vorhandensein von grundständigen Elateren- trägern, die nur in der Gruppe Codonioideae vorkommen, lassen keinen Zweifel darüber, dass Calycularia hieher gehört. Die Beschreibung der Gattung Calycularia, die ich 1. c. ge- geben habe, ist im Allgemeinen ganz richtig; sie ist nach der aus- führlichen Beschreibung in Lindberg et Arnell, Musci Asiae bor. I. p. 66 angefertigt. Doch habe ich auf Stephanis Auto- rität hin auch die Calycularia radicidosa Steph. hieher gestellt, dieStephani damals noch für identisch hielt mit Blyttia radictdosa Sande Lac, was er aber später selbst als irrthümlich corrigiert hat. Calyctdaria radiculosa Steph. hatte ich damals noch nicht gesehen; nun kenne ich diese überaus seltene Pflanze genau ^) und habe sie in allen Details mit dem Prisma gezeichnet. Es ist nach dem, was ich oben über dieselbe mitgetheilt habe, ganz zweifel- los, dass sie nicht zu Calycularia, sondern zu Mörchia ge- hört. Die Gattung Mörckia gehört aber ganz ohne jeden Zweifel in die Gruppe der Leptotheceae, u. zw. in die Nähe von Pallavicinia, zu welcher ich sie in meiner oben citierten Schrift nach dem Vor- 1) Die Gruppe der Leptotheceae hat, zuerst K. Spruce aufgestellt, und ich habe dieselbe iu meiner Bearbeitung der Hepaticae in Engler -Prantl, Nat. Pflanzenfam. 1893, nur vollkommen ausgestaltet. Der Spruce'sche Name „LeptotJieceae^, der sich auf die dünne Kapselwand bezieht, ist freilich ein recht unglücklich gewählter in Anbetracht der zweifellos hieher gehörigen Mörckia-Arten, die eine füufschichtige Kapselwand besitzen. ^) Es muss ausdrücklich hervorgehoben werden, dass bei allen diesen „grundständige" Elaterenträger vorhanden sind. Bei Blasia sind dieselben nicht zahlreich, aber deutlich vorhanden; es ist daher sehr befremdlich, dass John Andreas, dem wir vorzügliche Untersuchungen über den Sporogonbau zahlreicher Lebermoose verdanken (Flora 1899, Heft 2), die Gattung Blasia zu denen ohne Elaterenträger stellt. 3) Ich habe sie auch selbst auf Java (allerdings sehr spärlich) gesammelt. 50 gange Lindbergs u. A. als Untergattung gestellt habe. Gegen- wärtig bin ich überzeugt, dass sie eine eigene Gattung darstellt, die von Fallavicinia durch anderen Habitus, das Fehlen des Cen- tralstranges , der Eippe, die fünfschichtige Kapselwand (bei Pull. normal zweischichtig) u. a. Merkmale hinreichend verschieden ist. Schliesshch möge noch ein Wort über die Aehnlichkeit der Vegetationsorgane bei den Arten you CnlycuJaria (nicht im Sinne Stephanis!) und Mörckia gesagt werden. Im Allgemeinen sind die Vegetationskörper bei beiden Gat- tungen freilich äusserst ähnlich, auch in ihrem anatomischen Bau. Daraus lässt sich aber gar nicht auf die Zusammengehörigkeit schliessen, denn ganz ähnlich gebaute Frons besitzen auch die Gattungen Fellia, 3Iaki)ioa u. a. Die letztere besitzt sogar genau die gleichen sogenannten „Amphigastrien" wie Mörckia, die eben- falls als geghederte Haare mit schwach keuliger Endzelle aus- gebildet sind. In diesen Organen scheint mir immerhin ein nennenswerther Unterschied zwischen Calycnlaria und Mörckia zu liegen. Bei ersterer sind die „Amphigastrien" als lanzettliche Blätt- chen (fläehenförmig) entwickeh, bei letzterer stets als geghederte Haare. In der Hülle des Sporogons (Oaulocalyx, „Perianthium") und der Anordnung der Antheridien, die auf der Fronsoberiiäche zwischen zerschlitzten Schuppen stehen, ist freihch eine ziemhch grosse Aehnlichkeit zwischen den Gattungen Calycularia und Mörckia vorhanden ; aber auch bei Fossombronia sind diese Ver- hältnisse im Wesentlichen ganz die gleichen. Es ist gar nicht zu zweifeln, dass diese Aehnlichkeiten nicht der Ausdruck naher systematischer Verwandtschaft sind, sondern Oonvergenzerschei- nungen. Gerade bei den Lebermoosen findet man oft Organe, die demselben Zwecke dienen, bei nicht näher verwandten Finanzen ganz ähnlich, ja sogar dann, wenn diese Organe ganz verschiedenen Ursprunges sind, z. B. der Caulocalix von Fossombronia und das Perianthium von Nardia fossombronioides (Aust.) S. 0. Lindb., die Wassersäcke der Blätter von Lepidolaemi und Fndlania, der merkwürdige Parallelismus der Formgestaltung in den Gattungen Hymenophytuni, Fallavicinia und Symphogyna etc. etc. Die wesentlichsten Resultate der vorstehenden Untersuchungen sind folgende: L Die von Nees zuerst als Cordaea Fiotowiana beschriebene Pflanze ist eine selbständige Art der Gattung Mörckia, also M. Flotoiviana (N. ab E.) Schflfn. 2. Die von Stephani (Spec. Hep. p. 355 [1900]) in der Gattung Calycularia vereinigten Arten gehören zwei ganz ver- schiedenen Gattungen an, was sich aus dem principiell verschie- denen Baue des Sporogons ergibt; sie gehören sogar zu ganz verschiedenen Gruppen der Jungermaniaceae anakrogynac. 3. Die eine dieser beiden Gattungen: Mörckia Gott, gehört zu den Leptotheceae und umfasst folgende Arten: M. Blyttii 51 (Möreh) Gott., 31. Flotowiana (N. ab E.) Schffn.. M. hibernica (Hook.) Gott., M. radicidosa (Steph.) Schffn. 4. Die andere Gattung: CalycuUiria Mitt. gehört zu den Codo- nioideae (und zwar zu den Gattungen dieser Gruppe mit grundständi- gen Elaterenträgern) und setzt sich zusammen aus folgenden Arten : C. crispida Mitt., C. hinnensis Steph. uud C. laxa Lindb. et Arn. 5. üeber den Sporogonbau der genannten Pflanzen werden neue Beobachtungen mitgetheilt und einige mangelhafte frühere Angaben berichtigt. Kerntheilung und Vermehrung der Polytoma, Von S. Prowazek (Wien). Mit einer Tafel (I). Um die feineren Kernverhältnisse der Flagellaten sowie ihr weiteres Verhalten während der Theilung einem genaueren Studium zu unterziehen, wurden von einer reichhaltigen Cultur der Folytoma uveUa Ehrb. mehrere Separatculturen angelegt und ihre Ver- mehrungsverhältnisse eingehender untersucht. Die besagte Plagel- latenforra fand in ßaoul France einen trefflichen Moiiographen, auf dessen Darstellung einzugehen ich vielfach die Gelegenheit be- nützen werde. Die Bewegung der Polytoma uvella ist sehr charakteristisch ; die beiden terminal sich nur in unbedeutender Weise verschmä- lernden, peitschenförmigen Geissein sind in eigenthümlicher Weise nach hinten gerichtet, und von ihrem Insertionspole aus betrachtet, erscheinen sie oft im Uhrzeigersinne nach zwei verschiedenen Rieh- tungen gewendet, so dass durch die folgenden peitschenden Be- wegungen eine eigenartige, rasche, anscheinend pendelnde Körper- rotation. die die ovoide Zellgestalt noch in ihrer Art unterstützt, zu Stande kommt. Rückwärtsbeweguugen. die bekanntlich bei ande- ren Flagellatenformen recht häufig sind, erfolgen hier viel seltener — nur in älteren, erschöpften Culturen schien dies häufiger der Fall zu sein — offenbar erfolgte hier durch die Function eine Art von „locomo- torischer physiologischer Bahnung" in den elementaren Constituenten der Geissei, derzufolge die Oontractionswelle, auf die die Bewe- gung der Geissöl zurückzuführen ist, fast stets nach einer Richtung und in einer Art sich vollzieht. — Es sei hier anschliessend zu- nächst noch eines bemerkenswerthen Tropismus unserer Flagel- laten gedacht. Lässt man einen offenen Tropfen mit Polytomen im Dunklen unter gleichbleibenden Verhältnissen und normaler Zimmer- temperatur eine Zeit lang stehen, so sammeln sich bald die Flagel- laten an einzelnen Stellen und Randpartien des Tropfens in ungeheuren Mengen an und finden hier bei vorschreitender Verdunstung den Tod. Es sind dies vornehmlich diejenigen Stellen des Tropfens, wo der Tropfenrand weniger gespannt ist und flacher erscheint, sowie mehr im centrifugalen Sinne vor- 52 gerückt ist — das Verhältniss bleibt dasselbe, selbst wenn man den Objectträger geneigt hinlegt, so dass der Tropfen auf der einen Seite stärker gespannt ist — auch hier sammeln sich die Polytomen an besonderen Stellen der optimalen Spannung, die oft gerade der Stelle stärkerer Spannung entgegengesetzt ist; dieses Phänomen lässt sich auch umkehren und kehrt selbst nach mannigfachen Variationen der äusseren Bedingungen in seiner charakteristischen Weise immer wieder. Vielleicht lässt sich diese Erscheinung als eine Art von Spannungstropismus, als eine Contactwirkung auffassen, von der ja auch der Thigmotropis- mus bei den Protisten schon bekannt ist. Verv^orn führt in seinen psycho -physiologischen Protistenstudien als thigmotropisch Dia- tomeen, Oscillarien, hypotriche Infusorien und Dewitz, vielleicht mit Unrecht, die Spermien der Periplaneta orientalis an. Die Geissein der Polytoma sind ziemUch homogen, grünlich schimmernd, zucken nach dem Abreissen mehrmals und verquellen dann unter terminalen Blasenbildungen. Au der Basis der mit Picrinsublimatosmiumessigsäure (nach Eath) conservierten Geissein glaube ich eine minutiöse, körnige Netzstructur wahr- genommen zu haben, die nach Möglichkeit in Fig. 10 skizziert wurde. Die Geissein entspringen einer knöpf form igen, mitEisen- haematoxylin schwarz sich färbenden, aber leichter in der Beize sich wieder entfärbenden plasmatischen Differenzierung, von der man auf günstigen Schnittpräparaten eine feine faden- förmige, anscheinend aber noch zusammengesetzte Structur- ausbildung gegen den Kern zu verlaufen sieht; sie endet an einer dunkleren, calottenartigen Plasmadififerenzierung um den Kern (Fig. 16); noch besser kann man diese Structur an conservierten (mit dem oben genannten Eath'schen Gemisch), aber nicht weiter behandelten Flagellaten erkennen; in diesem Falle verläuft dann ein äusserst zarter, fibrillärer Strahlenkegel von der Geissei- basis gegen den Kern; diese Structureigenthümlichkeit wird noch in den Anfangsstadien der Theilung, sobald der Kern terminal rückt, besser sichtbar. Die knopfartige Plasmadiffereuzierung, die France offenbar schon beobachtet hat („Dielnsertionsstelle der Geissein ist. . . durch ein kleines über die Körperoberfläche hervorragendes Wärzchen besonders gekennzeichnet"), ist insofern von theoretischem Interesse, als sie mit den Basalkörperchen vieler Flimmerepithelien der Metazoen verglichen werden kann, die nach der Theorie von Henneguy und Lenhossek mit den Centralkörperchen zu vergleichen wären und gewissermassen Differenzierungen des Kinoplasmas sind. Ein Flimmerhaar würde in diesem Sinne zu seiner Bewegungsfunction weder des Plasmas noch des Kernes, sondern nur der Basal- körperchen bedürfen. Der physiologische Theil der hier nur angedeuteten Theorie, der in der Auffassung der Körnchen als kinetischer Centren ausklingt, lässt sich wohl schwer nach- weisen. — Versuche von Peter würden wohl für eine derartige An- nahme sprechen, dagegen sprechen aber Versuche von Meves 53 und Experimente an Flagellateii und Protozoen, die mehrere Pro- tozoenforscher angestellt haben; auch würden hier im gleichen Sinne eigene üntersuchungsresultate, die an Convolutafliramern, Protozoen und Dinophiluscilien gewonnen wurden, anzuführen sein. — Es ist hiebei in erster Linie der Umstand zu berücksichtigen, dass die Operation (Schnitt oder Druck) auf so zarte, sonst auf Reize so fein reagierende, eindimensionale Plasmadifferenzierungen zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen in mannigfacher Weise und oft recht heftig (tödtend, lähmend) einwirken wird, so dass die Deutung der Versuchsresultate immer unsicher bleiben wird, — ferner muss aber in Erwägung gezogen werden, dass die Geissei aus contractilem Plasma besteht, dass sie ferner auf Grund von zahlreichen directen Beobachtungen zuweilen nur terminal flimmert und so ihr selbst entschieden eine Auto- nomie der Bewegung zukommt und dass die eventuellen Basal- körperchen sammt noch weiteren Differenzierungen, die bei vielen anderen Formen in der letzten Zeit Henri que Plenge nach- gewiesen hat, nur zur weiteren Regulierung und theilweisen Ernährung des Geisseiapparates dienen sollen. — Auf den morpho- logischen Theil der Theorie mag hier nicht eingegangen werden. Zum Zwecke der Kernuntersuchung wurden die Polytomeen in Gläschen, die zur Untersuchung der Harnsedimente verwendet werden, mit dem Rath'schen Gemisch conserviert, dann mit der Cori'schen Handcentrifuge centrifugiert und in demselben Gläschen bis zur Paraffineinbettung weiter behandelt und schliesslich in 2, 3 und 4 fi dicke Schnitte zerlegt und auf dem Objectträger mit dem Heidenhain'schen Eisenhaematoxylin (s. Lee-Mayer, Mikroskop. Technik) mit oder ohne Bordeauxrothvorfärbung gefärbt. Der Kern der Flagellaten ist rundlich, liegt in der Mittellinie der Geisseibasis etwas genähert und ist von einem dichter struc- turierten. annähernd netzig-körnigen Plasma umgeben. Die Membran ist als ein deutlicher zarter Strich wahrnehmbar, ihr anliegend findet man gerade noch sichtbare chromatische Granulationen, von denen hier und dort undeutliche Fäden oder vielleicht Septen gegen einen mit Eisenhaematoxylin tief schwarz sich färbenden, compacten Körper — den wir vorläufig mit dem indifferenten Namen Innen- oder Binnenkörper belegen wollen — hinziehen. Der Kern unserer Form ist demgemäss ziemlich primitiv structuriert und gehört einer Uebergangsform der bläschenförmigen, mit einer Kern- saftzone ausgestatteten Zellkerne der niederen Flagellaten an, denen sich dann Kerne mit einem Innenkörper und deuthcherera peripherem chromatischem Gerüstwerk, wie etwa die der Chilomonas, an- schliessen ; den höchst differenzierten Mastigophorenkern besitzt wohl Euglena mit den ihr verwandten Formen. Unser besonderes Interesse erregt aber ein mit Obj. 7 schon recht gut wahrnehmbares, kleines rundliches Körnchen, das auf den primitiven Stadien durch eine Art von „Stielbildung" mit 54 dem Innenkörper im Zusammenhange steht und von dem unten noch weiter die Rede sein wird. Was die Vermehrung der Volytoma anbelangt, so erfolgt sie bekanntlieh durch mehrere aufeinanderfolgende Theiluugen im frei- beweglichen Zustand innerhalb der schon mehrfach beschriebenen äusseren Pellicularhaut; auf dem Höhepunkt der Entwicklung entstehen durch fortgesetzte Theilungen innerhalb der Mutterhülle acht Sprösslinge; später, sobald die Theilungsenergie im Sinken begrifien ist, bilden sich auch nur vier, ja zwei Tochter- individuen aus. Da nun nach Krassilstschik und France (obzwar die beiden Autoren bezüglich des Zeitpunktes nicht tiber- einstimmen) nach diesen Theilungen eine Copulation erfolgen soll, die ich aber, abgesehen von einigen zweifelhaften Fällen, nicht einmal nach Anwendung von morphogenen Reizen beobachtet habe, die ich jedoch trotzdem nicht in Abrede stellen möchte. — so könnte man wenigstens in den letzten Theilungen eine Art von vorbereitendem Reductionsprocess der später copulie- renden Kerne nach Analogie der Spermatocytenreduction der Thiere vermuthen ; leider kann man die Zahl der Chromosomen bei den früheren Theilungen wegen ihrer Kleinheit nicht mit der gewünschten Sicherheit feststellen, und wir müssen uns demgemäss hier auf die blosse Vermuthung und den Hinweis einer nur quanti- tativen Reduction der Tochterkerne, die kleiner und chroraatin- ärmer sind, beschränken. Den äusseren Verlauf der Theilung. die eine modifieierte Längstheilung ist. bringen die Fig. 1—11, die alle nach dem lebenden Material gezeichnet wurden, zur Anschauung. Vor der Theilung wird zunächst die Kernsaftzone grösser und das früher erwähnte Körnchen beginnt sich zu strecken, bis die „Stielbildung", die es anscheinend mit dem Innenkörper ver- band, schliesslich schwindet (26«) und es sogar in einer Hervor- ragung der Kernsaftzone frei daliegt (266); sodann wandert es gegen die Membran, durchdringt diese (27), erregt im äusseren Plasma zu- weilen eine minutiöse „Hof"- Bildung und beginnt sich unter eigenen Dehnungserscheinungen einzuschnüren und zu zertheiien. Stadien, die in ihrer jedesmaligen charakteristischen Ausbildung in den Fig. 28 — 32 abgebildet wurden; das weitere Verhalten des an- scheinend sich theilenden Körnchens ist von da an etwas unklar, doch wurde es dem jedesmaligen Thatbestande gemäss genau in seiner Ausbildung auf den folgenden Stadien gezeichnet. Der Kern verändert sich nun deutlicher und nimmt im Sinne der Zellachse eine ovoide Gestalt mit polaren körnigen Verdichtungen an, die sodann in eine „Spindelform" übergeht (Fig. 34), wobei gleich- zeitig der Kern gegen die Geisseibasis und ihre plasma- tische D ifferenzierung hinwandert. Bald darauf lichtet sich der nur spindelförmige Innenkörper vom Centrum aus. wird feinkörnig und zertheilt sich über ein nun sichtbares Reticulura (Fig. 35), aus dem die Fasern der künftigen Spindel hervorgehen (Fig. 36, 37). 55 Der Kern theilt sich also auf dem Wege der indirecten Thei- lung, von der schon Bloch mann ein Bild in einer kurzen Notiz (im Biologischen Centralblatt) geliefert hat. Die Chromosomen der Spindel (Fig. 21, 37. 38« und />, 39) bestehen aus wenig Körnchen, sind compact, färben sich intensiv und laufen in Vielen Fällen polar etwas spitz aus; ihre Zahl dürfte 10 nicht um Vieles überragen. Die Zertheilung der Spindel wurde in den Fig. 38 — 43 genau dai- gestellt, so dass nicht viel über ihren Verlauf zu schreiben übrig bleibt. Die Kernwand scheint hier nie vollkommen zu schwinden, und wir würden in dieser Kerntheilung abermals eine Analogie zu der iutranuclearen Spindel des Kleinkernes der Ciliaten besitzen. Erwähnung verdient noch die Detailbeobachtung, derzufolge die Spindelreste, die sich zwischen den Tochterkernen noch aus- dehnen, im Verlaufe ihrer Dehnung zwei knotige Verdickungen etwa im Sinne der Spindelplatte Hoffmanns erhalten, die aber genetisch eben auf Grund ihrer Lagebeziehung mit den früher schon erwähnten räthselhaften Körnchen nichts zu thun haben. Hiemit hätten wir aber gleichzeitig den interessantesten Punkt der vorliegenden Untersuchung gestreift und legen uns gleich die be- stimmte Frage vor — wie soll das oben geschilderte Korngebilde aufgefasst und gedeutet werden? — Auf Grund seiner Aus- wanderung, seiner zeitweiligen „Hofbildung" und seiner Zertheilung möchteich es mit einer Zelldifferenzierung im Sinne eines Oentrosomas vergleichen, wiewohl gerade die entscheidende Beob- achtung — und dies mag hier noch einmal ausdrücklich betont werden, — das Verhalten des Körnchens bei der eigentlichen Spindel- bildung nämhch trotz vielfacher Bemühungen nicht einwandsfrei (siehe Zeichnungen) angestellt werden konnte. — Bei den niedersten Formen der Flagellaten und Rhizopoden liegen in dem erörterten Sinne höchst interessante und anscheinend primitive Verhältnisse vor, die allerdings im Allgemeinen viel zu wenig untersucht wurden, als dass man jetzt schon aus den einzelnen Beobachtungen weit- gehende Schlüsse zu ziehen berechtigt wäre. Bei den niedersten F^'lagellaten scheint nach den älteren Unter- suchungen von Fisch bei einigen Formen eine Art von Nucleo- centrosoma vorzuliegen, gegen das polar auf gewissen Theilungs- stadien chromatische Körnchenzüge convergieren. Es möge aber hierauch darauf aufmerksam gemacht werden, dass gerade schon bei niederen Formen, wie Monas, üxyrrhis u. a., Andeutungen einer indirecten Theilung beschrieben wurden. Genau wurde die Structur und das Verhalten des Nucleocentrosomas von Keuten und Bloch mann bei der Theilung der Eugloia untersucht. Im Sinne seiner Function erscheint es mir im Hinblick auf weitere Vergleiche von Wichtigkeit, dass das Nucleocentrosom bei der Theilung mehr „drückt" und „stemmt" und nicht etwa im Sinne einer Zugfunction thätig ist. Das Nucleocentrosoma der Euglena ist mit den centrosomalen Differenzierungen sammt der sich dazwischen ausspannenden Central- 56 Spindel des Kleinkerues der üiliaten zu vergleichen, die sich aber bei diesen selbständig ohne weitere Anknüpfungspunkte in diesem Sinne ins Extreme ausgebildet haben. Um das phylo- genetische Verhalten der Oentrosomen der Metazoen zu ermitteln, ist es wohl richtiger, die diesbezüglichen Verhältnisse bei den höheren Plagellaten genauer zu studieren und zu vergleichen. Höchst interessante Beobachtungen stellte in diesem Sinne Seh au d in n an dem Nueleocentrosoraa der Oxyrrhis marina an: „Hält man die Flagellaten in stark verdünntem Seewasser, so wird das Nucleolocentrosom gegenüber dem chromatischen Theil des Kernes sehr gross und rückt nicht selten an die Oberfläche oder auch ganz aus dem Kern heraus. Bei dem Beginn der Kerntheilung bildet dasselbe eine sehr grosse Spindel, während das Ohromatin als winziger ßiug den Aequator der Spindel umgibt; nach der Durchschnürung liegen die beiden Theilhälften des Nucleolocen- trosoms neben der nicht getheilten Ohromatinkugel. Das entgegen- gesetzte Verhalten konnte ich bei Oulturen in sehr starkem salz- haltigem Meerwasser beobachten" etc. Von diesem, zeitweise heraus- wandernden Nucleocentrosom wäre dann einerseits als eine nur auf die Centrosomen reducierte Bildung das strittige Körnchen der Polytomeap. das später auswandert, abzuleiten, andererseits darauf aber der schon neben dem Kern gelegene Central kör per der Diatomeae zurückzuführen, von dem nach der Beobachtung Lauter- borns die Centralspindel entsteht, die sodann als ein Garben- gebilde in den Kern eindringt. — Karsten möchte das Vor- kommen der Centrosomen der Surlrella saxonica im Zellplasma nicht als so bestimmt behaupten und lässt derart die Möglichkeit eines üebertrittes des Centrosomas in das Plasma zu Beginn der Theilung zu. Für den Ursprung des Centrosomas aus dem Kern- innern würde phylogenetisch auch der Centralkörper der Hello zoen und der Umstand sprechen, dass bei der Spermatogenese der Metazoen (Helix) der proximale Centrosomtheil in das Kern- innere eindringt. Auch bei den in Salzlösungen parthenogenetisch sich entwickelnden Seeigeleiern (Loeb) entsteht vermuthlich das neue Ovocentrum aus dem Kern. — In diesem Sinne werden aber erst weitere Beobachtungen die nöthige Aufklärung bringen. Der hier nur flüchtig entworfenen Vergleichung würde aber der von Schau dinn bei der Paramoeha Eilhardi entdeckte Nebenkörper insofern eine gewisse Schwierigkeit entgegenstellen, als er selbst kernähnlich aussieht und erst im Flagellatenzustand dieser inter- essanten Amoeba als Centralspindel functioniert ; man muss wohl zu der Annahme die Zuflucht nehmen, dass dieser Körper abweichend von all' den oben geschilderten Gebilden phylogenetisch selbst- ständig entstanden ist und auf einen zweiten Zellkern zurück- zuführen ist oder dass das Nueleocentrosoraa sieh in diesem Falle, was allerdings etwas unwahrscheinlich khngt, nur so aberrant kernähnlich entwickelt hat oder dass schliesslich dieser Nebenkörper zwar auf einen Tochterkern zurückzuführen ist, der 57 aber mit dem Mutterkern nicht aequipotent war, sondern nur die kinetischen Eigenschaften aus jenem in sich übernommen und ihn so gewissermassen der Rolle als Oentronucleus beraubt hat. Einen ähnlichen Nebenkörper, der bei weitgehender Eisen- haematoxylin-Diflferenzierung centralwärts eine Kornansammlung führte und der in der Nähe der Geisseibasis sich vorfand, konnte ich bei einer leider nur auf Schnitten näher bestimmten Flagellatenforra — einem Phylomitus — constatieren ; sein Verhalten auf einem Stadium der Kerntheilung zeigt Fig. 24. — Diese Mannig- faltigkeit und Verschiedenheit eines so wichtigen Zellleiborganes innerhalb einer Gruppe, wie es die Mastigophoren sind, muss einen jeden Phylogenetiker bei der Verwendung solcher Zellorgane für seine Speculationen zu einer besonderen Vorsicht gemahnen und dies in unserem Falle umsomehr, als viele Zelldififerenzierungen ge- legentlich ein gleichartiges Aussehen gewinnen und ein Ausgangs- punkt für Strahlungserscheinungen, die man nach den Unter- suchungen Morgans auch künstlich hervorrufen kann, sein können. — Abschliessend mit dieser hier nur skizzierten Betrachtung möchte ich noch auf die Fig. 15 die Aufmerksamkeit lenken, wo ein pathologischer Theilungszustand mit zwei deuthchen Körnchen und dementsprechend ausgebildeter Membran abgebildet wurde. Hier anschliessend wollen wir noch den Verlauf der Zell- theilung der Polytoma in Bezug auf die Polarität der Tochter- zellen betrachten. Wie schon France hervorhebt, ist die Polytoma nach dem monaxonen Typus aufgebaut. Bei der Theilung rückt zunächst der sich vergrössernde Kern gegen die Geisseibasis wogegen sich die hernach ausgebildete Spindel stets gegen die eine Seite (Fig. 3, 4, 20 — 23) anlegt, deren Peripherie auch bald eine stärkere Span- nung und Aenderung im Lichtbrechungs vermögen er- leidet, so dass man nicht im Stande ist, genau festzustellen, ob das Basalkörperchen auch einer Theilung unterworfen war und nun das eine Theilstück dieses gegen den neuen Apicalpol hinwandert. In- zwischen stellt sich die Spindel, beziehungsweise ihre Descendenten wiederum senkrecht, und von der ihr näheren Seite beginnt sich eine Zellleib-Einschnüruug auszubilden, die Anfangs schief, später aber horizontal ist. Die Pole der zwei Tochterzellen markieren wohl am besten die bald einseitig auftauchenden Vacuolen, die leicht zu beiden Seiten der horizontalen Einschnürung mittelst einer stärkeren Vergrösserung nachweisbar sind. Die Theilungsfläche der Viertheilung steht zu der hier eben betrachteten Horizontalfläche der Zweitheilung senkrecht^); in der Fig. 8 wurden durch die 4- die künftigen nebstdem durch Vacuolen gekennzeichneten Geissel- 1) In einzelnen Fällen bildete sie wohl einen spitzen Winkel, ja in drei Fällen entstanden auf diese ins Extrem gerückte Art und Weise kleine unan- sehnliche Zwergzellen, deren Existenz und Auftreten mit Rücksicht auf das Reductionsproblem sehr interessant ist. Oesterr. botan. Zeitschrift. 2. Heft. 1901. 5 58 pole markiert; die Pfeile geben die Richtung der Wanderung des ursprünglichen Poles an. Auf diese Weise ist es verständlich, dass auf vielen Viertheilungsstadien zwei Tochterzellen mit ihren breiteren, die Amylumkörner bergenden, distalen Enden der Geis sei basis der gemeinsamen Mutterhülle anliegen. Stets liegt aber das eine Indi- viduum etwas weiter über der Geisseibasis, die ja einer Plasma- tuberkel ansitzt, von der aber überdies noch ein feines Fädchen, das ich mit starken Immersionsysteraen (Vis^ Compen. Ocul. 12) mehrfach beobachten konnte, stets gegen das eine Tochter- individuum verläuft, das nun die Locomotion der ganzen Gruppe besorgt. In diesem Sinne wäre die Vermuthung Bütschlis und Steins, dass die beiden Geissein mit dem einen „Sprössling im Zusammenhang bleiben", gegenüber der Angabe von France bestätigt. — Wir sehen hier, dass im Laufe der Ent- wicklung stets eine Aenderung in der Zellpolarität, der im Hinblick auf die Art der Zelltheilungen bekaunthch manche Mor- phologen in etwas übertriebener Weise das Primat unter den Dififerenzierungsprincipien zuzusprechen geneigt wären, eintritt, die wohl durch einen langsamen Rotationsstrom des Plasmas im Inneren des Zellleibes wie bei manchen Entwicklungsprocessen der Metazoen- eier eingeleitet wird. Aenderungen der Zellpolarität treten viel- fach bei Zelltheilungen, bei Regenerationen im Thier- und Pflanzen- reich ein und sind wohl regelmässig bei der Spermatogenese vieler Metazoen. Treten auf dem oben betrachteten, umpolarisierten Viertheilungs- stadium keine weiteren Theilungen ein, so bildet sich zunächst auf dem Apicalpol der Tochterzellen eine Plasmatuberkel aus, von der die Anfangs noch kurzen, nicht so versteiften, leicht flimmernden Geissein entstehen. Auf diese Art erhält auch das die Mutterhülle in Bewegung setzende Tochterindividuum auf der Gegen- seite eine Geissei, die aber zunächst nicht synchron mit der Muttergeissel schwingt. Vor dem Auskriechen der Sprosse werden die beständigen rotierenden Bewegungen etwas sistiert, die Schläge der Geissei unregelmässig, und schliesslich platzt die Hüllhaut, die zart punktiert erscheint, auf der einen Seite, und die Tochterzellen schwärmen langsam in Pausen aus; zuletzt verlässt die die Loco- motion besorgende Tochterzelle die gemeinsame Hülle, wobei sie sich unter einem deutlich wahrnehmbaren Ruck von der Geissei- basis losreisst — in Kurzem hört auch der Schlag der Mutter geissein auf, die nun mit ihren etwas keuligen Enden aus einer Vertiefung der leeren Hüllhaut entspringen. Da den Tochterindividuen auch eine gewisse metabolische BewegUchkeit zukommt, so werden sie oft in der gemeinsamen Hüllhaut verschieden orientiert, eine Erscheinung, die auf Acht- theilungsstadien deutlicher wird. Zum Schlüsse seien noch einige morphologische und physio- logische Detailbeobachtungen erwähnt. 59 Peripher bemerkt man aa der Polytomazelle mittelst stärkerer Vergrösserungen einen körnigen Saum, der auf eine Art von Alveolar säum hindeutet (Fig. 4). Flach von dem Microtom- messer getroffene Pellicularhäute der Polytoma zeigten nach der Eisenhaematoxylinfärbung eine oberflächliche runzelige, unregel- raässige Sculptur, die je nach dem Grade der Eiseuhaematoxylin- dififerenzierung schwarz oder hellgrau war (Fig. 14). Sie dürfte, wiewohl sie ein Kunstproduct ist, doch auf tiefere Structureigen- thümlichkeiten hindeuten. Polytoraen, die unter dem Deckglase in der feuchten Kammer in stetig an Nahrung ärmer werdenden Culturen gehalten wurden, zeigten alsbald eigenartige Degenerationserscheinungen; zunächst wurden die Einschlüsse corrodiert, verkleinert und rückten mehr gegen den Kern oder die Vacuole zu. Die Pigmentosa des Augen- fleckes zerfiel in einzelne hellgelbliche Tröpfchen, und das Plasma nahm, wie unter der Einwirkung gewisser Salze, ein homogeneres grünliches Aussehen an; vielfach traten seitlich alveoläre Räume auf. die zuweilen eine schaumartige Structur besassen (Fig. 12). In vielen Fällen wurden die Amyl umkörn er in eine dunkel- violette, feine, krümelige Masse verwandelt, die in höchst charakteristischer Weise an einzelnen Stellen, die sich später ver- breiterten, unter der Pellicularhülle zur Abscheidung gelangte (Fig. 13). Die Vacuolen der Polytoma pulsieren in circa 20 sec (Zimmer- temperatur) im abwechselnden Rhythmus — ihre Bildungsweise wurde zutrefi'end von France in einer Monographie der Poly- tomeen geschildert; was den zu der sich bildenden Vacuole hin- führenden „zuleitenden Gang" anbelangt, so konnte ich eine der- artige Bildung nur in der Gestalt einer zwei Vacuolendurchmesser etwa in der Längenausdehnung betragenden Spalte constatieren. Figuren-Erklärung (Taf. I). 1. Kern einer normalen, conservierten Polytoma uvella. 2. Kern vor der Theilung. 3. Ausbildung der Spindel. 4. Andeutung eines Alveolarsaumes. 5 — 7. Weitere Theilungsstadien. 8—9. Viertheilungsstadium. 10. Mutterhülle mit den basalen Geisseltheilen ; das eine Tochterindi- viduum ist im Auskriechen begriiFen. 11. Achttheilungsstadium. 12. Degenerationsstadium. Vacuolen und Schaumbildungen. 13. „ Absonderung einer violetten Substanz. 14. Sculpturen eines Theiles der flach angeschnittenen Pellicularhülle. 15. Abnormes Theilungsstadium; dieses wie alle (mit Ausnahme von 17, 20, 22) folgenden Stadien sind mit Eisenhaematoxylin gefärbt (3 (i dicke Schnitte). 16. Andeutung eines fibrillären Zusammenhanges der Geisseibasis mit dem Kern. 17. Dasselbe, vor der Kerntheilung. Fibrillen-Konus. Vital. 5* 60 18. Normaler, gefärbter Plagellat. 19. Ausbildung der Spindel. 20. Spindelstadium, vital. 21. Dasselbe, 2 [i dicker Schnitt. Eisenhaematoxylia. 22. Zertheilung der Spindel, vital. 23. Weiter vorgeschrittenes Stadium. 24. Analoges, nur noch etwas weiter vorgeschrittenes Stadium eines im selben Präparate vorkommenden Phyllomitusflagellaten mit besonderer „Neben- kerndifferenzierung". Ansicht von oben. 25. Normaler Kern der Polytoma mit dem „gestielten" fraglichen Körnchen. 26 a u. h. Auswanderungsstadien. 28 — 32. Theilungsstadien dieses Korngebildes. 33. Eigenartige Gestalt vor der Theilung. 34 a— &. Der Kern nimmt eine ovoide, dann c, d, e spindelförmige Gestalt an und wandert gleichzeitig zur Geisseibasis hin. 35. und 36. Vorbereitung des Kernes zur Spindelbildung. 37. Aelteres Stadium. 38 a u. h. Spindelstadium. 39. Wanderung der Chromosomen. 40. Aelteres Stadium — dasselbe. 41. 42, 43. Bildung der Tochterkerne. — Spindelreste mit doppelter centraler, minutiöser Anschwellung. 44. Hart aneinanderliegende Tochterkerne. Alle Figuren mit der Leiz V12 Oelimmersion Apert. 130 und Fig. 1 — 9, 11—16, 18—19, 23, 25—28, 33-35, 41 u. 44 Compen. ocular. 8. Fig. 10, 17, 20—22, 24, -29—32, 36—40, 42, 43 mit 12 Compen. ocular gezeichnet. Literatur- Ueb ersieht. 1. France Raoul. Die Polytomen, eine morpholog. entwicklung-s- geschichtliche Studie. Taf. XV— XVIII u. 11 Textfig. p. 295. Jahrbücher f. wissenschaftl. Botanik. 26. Bd. 1894. Dort ist auch die frühere, hier im Besonderen nicht citierte Literatur angeführt. 2. Blochraanu F. Kl. Mittheilungen über Protozoen, 2. Kern- theilung v. Polytoma uvella. Bioiog. Oentralbl. 1894. Heft 3. p. 87—88. 3. Keuten J. Die Kerntheilung der Euglena viridis. Zeitschr. f. wissenschaftl. Zoologie. Bd. 60. p. 215. 1895. 4. Schaudinn F. Ueber Kerntheilung mit nachfolgender Körper- theilung bei Amoeba crystalligera. Sitzungsberichte d. kgl. Preuss. Akad. d. Wiss. 1894. XXXVIII. 5. — lieber den Zeugungskreis v. Par amoeba Eilhardi n. g. n. sp. Sitzungsberichte d. kgl. Preuss. Akad. d. Wiss. 1896. IL 6. — Ueber das Oentralkorn der Heliozoen etc. Verhandl. der deutschen zoologischen Gesellschaft. 1896. 7. Karsten G. Die Auxosporenbild. der Gattungen Coccone'is, Surirella etc. Flora 1900. 87. Bd. 3. Heft. 8. Plenge H. Ueb. d. Verbindungen zw. Geissei u. Kern etc. Verhandl. d. nat.-raed. Vereines zu Heidelberg. N. F. 6. Bd. 3. Heft. 1899. 61 Literatur - üebersicht'). November und December 1900. Bauer E. Neue Beiträge zur Kenntnis der Moosflora Westböhmens und des Erzgebirges. (Deutsche botan. Monatsschr. XVIII. Jahrg. No. 12. S. 177—183.) 8°. Beck G. R. v. Mannagetta. Bemerkungen zur Nomenelatur der in Niederösterreich vorkommenden Campanida pscudolanceolata. (Verh. d. zool. bot. Ges. L. Bd. Heft 9. S. 465-470.) 8". Borbäs V. Pirostobzu Karpdti fenyö. {Ahies Carpatica Loud.) (A Kert. 1900. Decemb.) 8". 3 S. Bresadola J. Hymenomycetes fuegiani. (Nordenskiöld, Wissensch. Ergebnisse der schwedischen Expedition nach den Magellans- ländern 1895—1897. S. 267-272.) 8^ Bresadola J. Fungi Tridentini uovi vel nondum delineati des- cripti et iconibus iilustrati. Fase. XIV. Tridentii (Tip. J. Zippel) ^ 8". p. 83-118. Tab. CXCVI-COXVII. - ^ 12. Celakovsky L. J. Neue Beiträge zum Verständnis der Frucht- schuppe der Coniferen. (Jahrb. f. wissensch. Bot. Bd. XXXV. Heft 3.) 8". S. 407-448. 2 Taf. Verf. bi-ingt hier im Nachtrage zu seinen früheren Gymnospermen- studien die Resultate einer erneuten Untersuchung des Gefässbündelverlaufes in den Fruchtschuppen. Die Resultate stehen mit seiner auch sonst so sehr ansprechenden Theorie, nach der das Fruchtblatt ein Symphyllodium ist, in voller Uebereiustimmung. Mit Recht bedauert der Verf., dass seine Theorie gegenüber der Sachs -Ei chler'schen Excrescenz-Theorie nicht durchzu- dringen vermochte. In gewissen Fragen sind wissenschaftliche Kreise unge- heuer conservativ, in anderen allerdings umso rascher zur Annahme von Aenderungen bereit. Dalla Torre K. W. und Sarnthein L. Graf. Flora der Graf- schaft Tirol, des Landes Vorarlberg und des Fürsteuthums Liechtenstein. I. Bd. Die Literatur der Flora von Tirol, Vorarl- berg und Liechtenstein. Innsbruck (Wagner). 8". 400 S. — K 12. Beginn des Erscheinens eines Werkes, das dazu berufen sein dürfte, eine bedeutende Rolle in der pflanzengeographischen Literatur zu spielen. Zu den pflanzengeographisch wichtigsten Ländern Europas gehört Tirol. An der Grenze der Ost- und Westalpen liegend und floristisch die beiden Theile der Alpen verbindend, mit seinem nördlichsten und insbesondere nordwest- lichen Theil deutliche pflanzengeugraphische Beziehungen zu Süddeutschland aufweisend, im Süden mediterrane Flora in berühmter Ueppigkeit beher- bergend, enthält das Gebiet in botanischer Hinsicht die Schlüssel zur Auf- klärung manches Räthsels, das uns die Flora der benachbarten Gebiete noch bietet. Eine gründliche Bearbeitung der Flora Tirols wird also in hohem Masse anregend und fördernd wirken. Und eine derartige Bearbeitung dürfte nach dem vorliegenden Bande das Buch der Verf. werden. Dieser 1. Band bringt eine Sammlung der auf die Flora des Landes Bezug habenden Lite- 1) Die „Literatur-Uebcr sieht" strebt Vollständigkeit nur mit Rücksicht auf jene Abhandlungen an, die entweder in Oesterreich-Ungarn er- scheinen oder sich auf die Flora dieses Gebietes direct oder indirect beziehen, ferner auf selbständige Werke des Auslandes. Zur Erzieluug thun- lichster Vollständigkeit werden die Herren Autoren und Verleger um Einsendung von neu erschienenen Arbeiten oder wenigstens um eine Anzeige über solche höflichst ersucht. Die Redactioa. 62 ratur mit kritischen Bemerkungen. Man staunt beim Durchblättern dieses Bandes den Umfang dieser Literatur und noch mehr die Gründlichkeit der Verf. an, welche unermüdlich bei der Verwerthung der entlegensten Quellen waren. Der 2. Band soll die Algen, der S. die Pilze, der 4. die Flechten, der 5. die Moose und der 6. die Pteridophyten und Siphonogamen bringen. Mit Freude sehen wir dem Erscheinen der weiteren Bände des werthvollen Werkes entgegen, das wesentlich dazu beitragen wird, die botanische Durch- forschung der Alpen neu zu beleben und in geordnete Bahnen zu lenken. Dörfler J. Schedae ad centuriam XL herbarii normalis. Vindobonae (Selbstverlag). 8». p. 327—354. Wie die früheren Hefte den grossen Werth des Exsiccatenwerkes und die gewissenhafte Bearbeitung der ausgegebenen Pflanzen beweisend. Aus- führlichere Notizen über: Taraxacum Pacheri C. H. Schultz von Hellweger, Hieracium Illyricum ssp. Trilacense von J. Murr, Salix daiihnoides Vill. var. Fomeranica von Kupffer, 5". pirolifolia von Teploukhoff. — Vom Originalstandorte erscheinen folgende seltene Arten ausgegeben : Vardamine glauca, Brassica Cretica, B. Gravinae, Alyssmn cuneifolium, Potentilla Silesiaca, P. pseudo-serpentina, P. laiicifolia, P. Apeimina, P. spuria, Galium Reiseri, G. puherulum,, G. Magellense, G. Baldense, Asperula Baetica, Taraxacum Neyrauti, Hieracium Dollineri ssp. Tridentinum var. rupestre, H. dentatum ssp. expallens var. Breunium, Pulmonaria Kerneri, P. Stiriaca, Salix nigricans var. glaucescens, Althenia Barran- donii, Crocus Tournefortii, C. Imperati. C. Etruricus. Ginzb arger A. Das Spaltungsgesetz der Bastarde. (Naturw. Wochenschr. XV. Bd. Nr. 49.) 4". 4 S. Klares und übersichtliches Eeferat über die neueren Untersuchungen, betreifend den im Titel genannten gesetzmässigen Vorgang. Ha ekel E. Die Zwerg- Alpenrose. (Mitth. der Sect. für Naturk. d. Oesterr. Tour.- Club. XII. Jahrg. Nr. 10. S. 61—66.) 8". Biologisches über Bhodothamiius Chamaecistus; Angaben über die Gattungsumgrenzung, über die Abhängigkeit der Rhododendron-Arten der Alpen vom Substrate. Hansgirg A. Zur Biologie der Laubblätter. (Sitzungsber. d. k. bühm. Ges. d. Wissensch. 1900.) 8». 142 S. Eine Uebersicht der oekologischen Typen des Laubblattes mit Berück- sichtigung eines ungemein reichen Materiales. Die Arbeit ist in Folge dessen nicht bloss in oekologischer, sondern durch die zahlreichen eingestreuten morphologischen Bemerkungen auch in organographischer Hinsicht wichtig. Istvänffi Gy. de. üne visite au jardin botanique de l'universite royale Hongroise de Kolozsvar. Budapest 1900. 23 p. 10 Fig. 1 Plan. Karasek A. und Hruschka J. Ein österreichischer botanischer Garten in den Tropen. (Wiener ihustr. Garten-Zeitung. 1900. XII. Heft. S. 400-402.) LütkeniüUer J. Desmidiaceen aus den Ningpo- Mountains in Centralchina. (Anna!, d. naturh. Hofmus. Wien. XV. Bd. Heft 2.) gr. 8". S. 115-126. 1 Taf. Verf. untersuchte die Fangblasen einer im angegebenen Gebiete von Paber gesammelten Utricularia flexuosa und constatirte 13 Genera mit 89 Arten, darunter 5 neue {Cosmurium Faberi Lütk., Staurastrum sineuse Lütk., St. ZaJilhruckneri Lütki, Closterium svnense Lütk., Arthrodervius leptodermus Lütk.), sowie zahlreiche neue Varietäten. Murr J. Beiträge zur Flora von Tirol und Vorarlberg. XII. (Sehluss). (Deutsche botan. Monatsschr. XVIII. Jahrg. Nr. 12. S. 193—196.) 8". 63 Nemec B. Studie o drazdivosti rostlinna plasmy. Prag. 8". 74 p. 3 Ta)3. 4 Textbild. Handelt über reizleitende Plasmastnicturen. Molisch H. Eine Wanderung durch den javanischen Urwald. (Sammlung gemeinnütziger Vorträge. Prag. Nr. 267.) 8^ 12 S. Palla E. Die Gattungen der mitteleuropäischen Scirpoideen. Forts. (Allg. botan. Zeitschr. 1900. Nr. II.) 8°. S. 213—217. Vergl. diese Zeitschr. 1900. Nr. XII, S. 450, ferner: 2. Eucypereen Rikli. 5. Eucyperiis Rikli {E. fuscus [L]l. 6. Scirpus L. {S. silvaticus L., S. radicans Schrk., S. maritimus L.) 7. Eriopliorum L. [E. latifolium Hoppe, E gracile Koch, E. angusti- folium Roth, E. Scheuchzeri Hoppe, E. vacjinatum L.) 8. Holoschoenus Lk. (H. vulgaris Link, H. australis (L.), H. romauus CL). 9. Trichophorum Pers. {T. austriacum Palla, T. germaniciim Palla, 2'. alpinum (L.), T. atrichum Palla.) 10. Blysmus Panz. [B. compressics (L.), B. rufus (fluds). 11. Schoenoplectus Palla {S. lacustris (L.), S. Tabernaemontani (Gm.), S. carinatus (Sm.), S. Kalmussii (Aschers, et cons.), S. triqueter (L.), S. pungens Vahl, S. litoralis (Schrad.), S. mucronatus (L.), S. supinus (S.). 12. Isolepis R. Br. (I. setacea (L.), /. fluitans (L.). 13. Heleocharis R. Br. (H. palustris (L.), H. uniglumis (Link), H. mul- ticaulis A. Dietri, H. pauciflora (Lightf.), H. ovata (Roth), H. acicularis (L.), H. carnioliea Koch, H. parvula (R. S.), H.Lereschii Shuttl). II. Caricoideen. 14. Cladium Schrad. — 15. Bhynchospora Vahl. — 16. Schoenus L. — 17. Elyna Schrad. — 18. Kobresia W. — 19. Uncinia Pers. — 20. Carex L. Protic G. Zur Kenntnis der Flora der Umgebung von Vares in Bosnien. (Wissensch. Mitth. aus Bosnien und der Hercegovina. VIT. Bd. 1900.) gr. 8". S. 1-28, 137—149. Sabidussi H. Die Fortschritte der Wasserpest in Kärnten. (Ca- rinthia IL Nr. 5. S. 177—179.) 8«. — Bildungsabweichung bei Geum rivale. (A. a. P. S. 182 — 183.) 8°. Schübe Th. und Dalla Torre K. W. Phanerogamen. (Bericht der Commission für die Flora von Deutschland über neue Beobach- tungen aus den Jahren 1896 — 1898.) (Ber. d. deutschen bot. Ges. XVIII.) 8*^. 63 S. Der Bericht zeichnet sich durch grosse Vollständigkeit und Ueber- sichtlichkeit aus. Durch Beschränkung auf das Wichtigste und ungemein raumersparende Anordnung ist er so kurz geworden, dass wohl die Opposition gegen diesen sehr zweckmässigen und für viele Botaniker kaum entbehr- lichen Bericht auch in den Kreisen der deutschen botanischen Gesellschaft fallen gelassen werden könnte. Stapf 0. Dicdlandra^look.i. and Fliaeoneuron Gilg(Melastomaceae). (Jouru. of the Linn. Soc. Vol. XXXIV. Nr. 241. p. 482—494.) 8". 1 Taf. Wettstein E. v. Descendenztheoretische Untersuchungen. I. Unter- suchungen über den Saison-Dimorphismus im Pflanzenreiche. (Denkschriften der Akad. d. Wissenseh. Wien. Math.-naturw. Ol. LXX. Bd.) 4". 42 S. 6 Taf. und 8 Textillustr. Vergl. diese Zeitschr. Jahrg. 1900, S. 25. 64 Wettstein B. v. Die wissenschaftlicheu Aufgaben alpiner Versuchs- gärten. (Zeitschrift d. deutsch, u. österr. Alpenver. Bd. XXXI. S. 8—14.) gr. 8^ — Die Pflanzenwelt der Polargegenden. (Vortr. d. Ver. zur Verbr. naturw. Kenntn. in Wien. XL. Jahrg. Heft 2.) kl. 8°. 25 S. 4 Abb. Zahlbruckner A. Schedae ad „Kryptogamas exsiccatas". Oen- turiae V— VI. (Annal. des naturh. Hofraus. Wien. XV. Bd. Heft 2.) S''. S. 169-215. Die beiden Centurien enthalten zahlreiche seltene Arten, der Text zahlreiche systematische und nomeuclatorische Ausführungen. Neu beschrieben werden: Nostoc rivuiare Filarszky, Scytonema Stei)idachneri Krass., Der- matina rucmidea (Nyl.) Zahlbr. — Zwei neue Wahlenbergien. (Verh. d. zool. bot. Ges. L. Bd. Heft 9. S. 517—518.) 8". W. Schwaclceana. A, Zahlbr. Brasilien, Minas Geraes, Caedas. — W. intermedia. A. Zahlbr. Brasilien, Minas Geraes. — Flechten. Bericht der Oommission für die Flora von Deutsch- land pro 1896—1898. IX. (Ber. d. deutsch, botan. Ges. XVIII. Bd.) 8°. HS. Allescher A. Fungi imperfecti. Eabenhorsts Kryptogamen- Flora von Deutsehland etc. 7. Aufl. 74. Lief Leipzig (E. Kummer). 8". S. 961—1016. Schluss der 6. Abtheilg. - Schluss der Gattg. Stia-upera, ferner Stagonospora, Mastomyces, Kellermania, Index, Titelbild. Ascherson P, Uebersicht der Pteridophyten und Siphonogamen Helgolands. (Wissensch. Meeres-Üntersuchungen. Neue Folge. IV. Bd.) 4°. S. 91—140. Aufzählung der Flora (mit der aus dem Titel zu entnehmenden Ein- schränkung) der Insel nach eigenen Beobachtungen und mit Verwerthung der Literatur und der Herbarien. Ausführlichere Besprechung finden Brassica oleracea (mit zwei hübschen Photographien), Linaria repcns X L. Linaria Aschers. — Unter 337 aufgeführten Arten hält Verf. 186 für nicht ein- geschleppt. Beauverd G. Sur une variete de Stellaria nemorum L. (Bull, de l'herb. Boiss. See. Ser. Tom. I. p. 108-114.) 8°. 3 Fig. Verf. beschreibt eine var. saxicola der im Titel genannten Pflanze, welche er auf dem Mont-Soudine iH. Save) bei 1700 m Höhe beobachtete und welche einen schönen Fall „directer Anpassung" darzustellen scheint. Benecke W. Ueber farblose Diatomeen der Kieler Föhrde. (Jahr- buch f. wissensch. Bot. Bd. XXXV. Heft 3. S. 535—572.) 8". 1 Taf. Durch Cohn, Prowazek und Lansi ist die Existenz apochloro- tischer Diatomaceen bekannt geworden, die einen überaus interessanten Parallelismus zu den nssimilierenden Diatomeen darstellen und darum für die Art der Entstehung von „Pilztypen" lehrreiche Gesichtspunkte abgeben. Verf. hat nun zwei weitere derartige Formen entdeckt {Nitzschia leuco- sigma xmd N. putrida) und theilt hier die Resultate ihrer Untersuchung mit. Boerlage J. G. Handleiding tot de Keunis der Flora van Neder- landsch Indie. Derde Deel. Eerste Stuk. Dicotyledones Mono- chlamydeae. Farn. Olli. Xydaginaceae — fam. OXXIX. Casuarina- ceae. Leiden (Brill). 8". 418 S. XXX p. 65 Bulletin de l'herbier Boissier. Seconde serie. Tom. I. 8". 116 p. 6 PL Diese Zeitschrift, welche am 1. Jänner 1900 aufgelassen wurde, er- scheint nun wieder weiter in demselben Umfange und in der gleichen Aus- stattung wie früher. Es kann dies nur freudigst begrüsst werden. Burck W. Preservatives on the Stigma against the germiaatiou of foreign Pollen. (Proc. Konigl. Akad. van Vetensch. te Amster- dam 1900. 8". 12 p. Christ H. Die Farnkräuter der Schweiz. (Beitr. zur Krjptogamen- flora d. Schweiz. Bd. I. Heft 2.) 8". 199 S. 28 Fig. Schöne monographische Bearbeitung mit werthvollen allgemein syste- matischen Bemerkungen (S. 1 — 38). Correns 0. Ueber den Einfluss, welchen die Zahl der zur Be- stäubung verwendeten Pollenkörner auf die Nachkommenschaft hat. (Berichte der deutsch, bot. Ges. XVIII. Bd. Heft 9. S. 423 bis 435.) S". Verf. selbst fasst die wichtigsten Ergebnisse in folgende Sätze zu- sammen: Es ist nur ein Theil der Pollenkörner und der Samenanlagen zur Befruchtung tauglich. Deshalb steigen mit der Zahl der zur Befruchtung verwendeten Pollenkörner die Chancen, dass die Befruchtung eintritt. — Be- stäubt man die Narben mit einer grossen Menge von Pollenkörnern, so sind die Nachkommen stärker (schwerer) — wegen der Concurrenz der taug- lichen Pollenkörner untereinander. — Ueber Levkoyenbastarde. Zur Kenntnis der Grenzen der Mendel'sehen Regeln. (Botau. Centralbl. Bd. LXXXIV.) 8". 16 S. Eine für die in neuerer Zeit von neuen Gesichtspunkten aus behandelte Bastardfrage wichtige Arbeit. Verf. hat mit zwei Sippen von Muttliiola (incuna und glahra) experimentiert und gezeigt, dass die Merkmalspaare, durch die sieh dieselben unterscheiden, sich bezüglich ihres Auftretens im Bastard verschieden verhalten, die einen Paare besitzen einen dominierenden Paarling, die anderen nicht; nur für erstere gilt die Mendel'sche Regel. Wir werden also bezüglich der Giltigkeit dieser Regel drei Typen von Bastardie- rungen zu unterscheiden haben: Bastardierung zwischen Sippen mit dominie- renden Merkmalspaarlingen ; hier gilt die Mendel'sche Regel ganz ; ferner Bastardierungen zwischen Sippen, bei denen nur einzelne dominierende Merk- malspaarlinge vorhanden sind; die Mendel'sche Regel gilt zum Theil; endlich Bastardierungen zwischen Sippen ohne dominierende Merkmalspaarlinge ; hier trifft die Mendel'sche Regel überhaupt nicht zu. Es liegt nahe, an einen Zu- sammenhang zwischen diesen drei Typen und den verschiedenen systematischen Werthigkeiten der Sippen zu denken. Die Arbeit beweist, wie Recht Verf. hatte, als er vor sofortiger Verallgemeinerung der „Spaltungs-Regeln" warnte; sie lässt erwarten, dass eine Portführung einschlägiger Untersuchungen be- deutungsvolle Aufklärungen über das Wesen der Formenbildung geben wird. Engler A. Das Pflanzenreich. 3. Heft. Pandanaceae von 0. War- burg. Leipzig (W. Engelmann). 8«. 97. 22 Fig. — JT 6-72. — Die natürlichen Pflanzenfamilien. Leipzig (W. Engelmann). 8". Lief. 205. S. 529—576, 35 Fig. Sadebeck R. JEquisetaceae. Potonie H.Fossile Equisetaceae, Calamariaceae, Protocalajnariaceae. Pritzel E. Lycopudiaceae. Lief. 208. S. 577—624, 23 Fig. Pritzel E. Lycopodiaceae, Psilotaceae. Potonie H. Fossile Psilotaceae. Hieronymus G. Selaginellaceae. Giltay E. Leitfaden beim Prakticura in der botanischen Mikro- skopie. Leiden (Brill). 4". 68 ^. — K 4 80. 66 Girard H. Aide-memoire de Botauique. Paris (Baiiliere et F.) 16". 336 p. 297 Fig. — K 12. Gran H. H. Diatomaceae from the Ice-floes and Plankton of the arctic ocean. (Nansen Fridtjof. The norwegian north-polar Expedition 1893-1896. Scientific results XL) 4^ 74 p. 3 Taf. — and Hjort J. Hydrographic-biological Investigations of the Skagerrak and the Christiania fiord. (Eep. on Norweg. Fishery- and Marine Investigat. Vol. I. 1900. Nr. 2.) 8°. 41 p. tab. — Hydrographic-biological Studies of the north atlantic Ocean and the coast of Nordland. (Rep. on Norweg. Fishery- and Marine Investig. Vol. I. Nr. 5.) 8". 92 p. XXXVIII. hydrogr. tabl. XIII. Plankton tabl., 2 pl. Gross L. und Kneucker A. Unsere Reise nach Italien, Dal- matien, Montenegro, der Hercegoviua und Bosnien im Juli und August 1900. (Forts.) (Allg. botan. Zeitschr. 1900. Nr. 12. S. 236-238.) S'. Ha liier H. üeber Kautschukliauen und andere Apocyneen nebst Bemerkungen über Hevea und einem Versuch zur Lösung der Nomenclaturfrage. (Jahrb. d. Hamburg. Wissensch. Anst. XVII. 1899.) 8». S. 20-216. 4 Taf. Eingehende monographische Bearbeitung der Gattungen Landolphia, Carpodinus, Cylindropsis, Willughbeia. Chilocarpus, Otopetalum. Melo- diiius, Leuconotis, Zschol'kea , Winchia, Craspidosperrmwi , Garissa, Hinxteria. — Anhangsweise finden wir beachtenswerthe Bemerkungen über Hevea, über die Beziehungen von Hevea zu den Sterculiaceen, der Euphor- biaceen zu den Salicineen, der Hydnoraceeu und Rafflesiaceen zu den Anonaceen und Nymphaeaceni, der Apetalen zu anderen Gruppen über- haupt u. s. w. Verf. fasst die Chalazogamen nicht als einen ursprünglichen, sondern als einen abgeleiteten Typus auf. Hildebrand Fr. üeber Haemanthus tigrinus, besonders dessen Lebensweise. (Ber. d. deutsch, bot. Ges. Bd. XVIII. Heft 8. S. 372—385.) 8". 1 Taf. Hochreu tin er B. P. G. Revision du genre Hibiscus. (Ann. du Conserv. et du jard. bot. de Geneve. IV. p. 23—191.) 8'\ Kneucker A. Bemerkungen zu den „Gramineae exsiccatae"* III. und IV. Lieferung. (Allg. bot. Zeitschr. 1900. Nr. 12. S. 240 bis 244.) 8^ Abdruck von Etiquetten Nr. 61 — 88. Aus Oesterreich-Ungarn erscheinen ausgegeben: Erianthus strictus Bluff u. Fingerh. Slavonien, bei Kamenitz, leg. Degen. — Andropogon Halepensis Brot. var. genuina Hack. Eiva, leg. Porta. — Andropogon hirtus L. f. inter. var. genuinum et var. pubescens. Kagusa, leg. Gross et Kneucker. — A. contortus L. var. glaber Hack., subvar. Allionii Hack., Eiva, leg. Porta. — Panieum san- guinale L. var. ciliare (Retz.), Eiva, leg. Porta. — Hierochloa australis E. A. Seh. Bozen, leg. Gross. — Stupa pennata L. ssp. Joannis, Ofen, leg. Degen et Flatt. — S. pennata L. ssp. imlcherrima Koch, Ofen, leg. Degen et Flatt. — Oryzopsis virescens Beck, Ungarn, Brück a. L., leg. Hayek. Kraepelin K. Naturstudien im Garten. Plaudereien am Sonntag Nachmittag. Leipzig (B. G. Teubner). 8°. 187 S. Abb. — M. 3-60. Des Verf. „Naturstudien im Hause" sind ein beliebtes, anregendes Unterrichtsmittel für Kinder zwischen 8 und 15 Jahren, und das vorliegende 67 Buch dürfte sich auch hiezu ganz vorzüglich eignen. Es bringt in Form eines Dialoges zwischen Vater und Söhnen in recht geschickter Weise eine grosse Menge naturgeschichtlicher Thatsachen. Krause E. H. L. Floristische Notizen. XII. Tuhiflorac. (Bot. Oentralbl. Beihefte Bd. IX. Heft 7.) 8». 30 S. Verf. publiciert bekanntlich unter obigem Titel seit einiger Zeit Notizen über Exemplare seines Herbars. Sie enthalten wichtige floristische und syste- matische Angaben, aber auch Bemerkungen, die kaum viel Beifall finden werden. Zu letzteren zählt Ref. alle jene, die zu weitgehende Vorschläge, betreffend die Zusammenziehung von Gattungen, Familien u. dgl., machen. Was soll es für unsere Erkenntnis für einen Vortheil bieten, wenn wir z. R alle Familien der Tubifloren in eine grosse Familie vereinigen und dann jeden- falls doch wieder ünterfamilien, die etwa den heutigen Familien entsprechen, unterscheiden. Dass entwicklungsgeschichtlich alle diese Formen in einem Zusammenhange stehen, das wissen wir ja und drücken es durch Zusammen- fassung in die Reihe der Tubiflorae aus. Kuntze 0. Vorarbeiten zum Nomenclatur-Congress in Wien 1905. (Deutsche botan. Monatsschr. XVIII. Jahrg. Nr. 12. S. 183 bis 188.) 8^ Magnus P. J. Bornmüller, Iter Syriacura 1897. Fund. (Verh. d. zool. bot. Ges. Wien. L. Bd. 8. Heft. S. 432—449.) 8". 2 Taf Müller C. Genera Muscorum frondosorum. classes Schistocarporum, Cleistocarporum, Stegocarporum complectentia excej^tis Ortho- trichaceis et Pleurocarpis. Leipzig (E. Kummer). S'^. 474 S. Ein Buch, dessen Manuscript im Nachlasse des vor Kurzem ver- storbenen, bekannten Bryologen sich fand. Es umfasst nicht die ganzen Laubmoose, da die Pleurocarpeen nicht mehr bearbeitet werden konnten, ist aber von grossem Werthe einerseits durch die Fülle historischer, syste- matischer und geographischer Daten, anderseits dadurch, dass ein Forscher, der sein ganzes Leben der Bryologie widmete, hier seine Anschauungen niederlegte. Pirotta E. e Chiovenda E. Illustrazione di alcuni erbarii antichi Romaui. (Malpighia. Vol. XIII.) 8». 160 p. 5 Tab. Besprechung des aus dem 17. Jahrhundert stammenden „Hortus hie- malis" von G. B. Triumfetti. Pirotta R. e. Longo B. Osservazione e ricerche sulle Cynomo- riaceae con considerazioni sul percorso del tubo pollinico nelle Angiosperme inferiori. (Ann. del Istit. Bot. di Roma. Ann. X. fasc. 2.) 4". 19 p. 2 Tav. Die Verf. weisen der Familie der Cynomoriaceae auf Grund des Ver- haltens des Pollenschlauches (Acrogamie, aber nicht durch die Micropyle), eine Stellung zwischen den Cannabinaceae und Fagaceae ein. Schwendener S. Die Divergenzänderungen an den Blütenköpfeu der Sonnenblumen im Verlaufe ihrer Entwicklung. (Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch. BerHn. 1900. XLVII.) 8l 19 S. Schumann K. Justs Botanischer Jahresbericht. XXVI. Jahrg. 2. Abth. 2. Heft. Leipzig (Gebr. Bornträger). 8". S. 161—320. — M. 7-65. Inhalt: Gurke M. Technische und Colonial-Botanik. — Otto R. Chemische Physiologie. — Küster E. Morphologie der Gewebe. — Jahn E. Allg. und spec. Morphologie und Systematik der Phanerogamen. — Pfitzer. Bacillariaceae. — Sorauer P. Pflanzenkrankheiten. 68 Schumann K. Justs Botanischer Jahresbericht. XXVII. Jahrg.(1899). 1. Abth. 1. Heft. Leipzig (Gebr. Bornträgerj. 8^ 160 S. — M. 7-65. Inhalt: Lindau G. Schizomyceten. — Sydow P. Pilze. — Möbius M. Algen. — und Lauterbach K. Die Flora der deutschen Schutzgebiete in der Südsee. Leipzig (Gebr. Bornträger), gr. 8". 613 S. 1 Karte. 23 Taf. — K 48. Zusammenfassende Bearbeitung der bisher aus dem Gebiete (Nord-Ost- Neu-Guinea und benachbarte Inseln) vorliegenden Pflanzen in glänzender Ausstattung. Das Werk zählt 2200 Arten auf, darunter zahlreiche neue. (Algen 222, Pilze 226, Moose 200, Pteridophyta 155, Gymnospermen 12, Monocotyledonen 393, Archichlamydeae 674, Metachlamydeen 326). Die Bearbeitung der Pilze erfolgte durch Hennings, jene der Algen durch Schmiedle und Heydrich, der Farne durch Christ und Diels, der Orchidaeeen durch Kränzlin, der Myristacaceen durch Warburg, der Meliaceen durch Harms. — Blühende Kakteen (Iconographia Cactacearum). Im Auftrage der deutschen Kakteen -Gesellschaft herausgegeben. Lieferung 1. Neudamm (J. Neumann). 4". 4 Farbentaf. mit Text. — M. 4. Beginn eines vielversprechenden Bilderwerkes. Nach Erscheinen von Schumanns „Gesammtbeschreibung der Cacteen" ist ein derartiges Werk als Ergänzung hochwillkommen und wird gewiss wesentlich dazu beitragen, die ohnedies wieder zunehmende Liebhaberei für Cacteen wesentlich zu steigern. Die Ausführung der nach Originalen von Frau T. Gurke hergestellten Farbenbilder ist eine tadellose. St ras bürg er E. Einige Bemerkungen zur Frage der „doppelten Befruchtung" bei den Angiospermen. (Bot. Zeitg. 1900. Nr. 19/20.) A\ 24 Sp. Eine sehr beachtenswerthe Zusammenfassung der neuesten Erfahrungen betreffend den Befruchtungsvorgang der Angiospermen, nicht nur beachtens- werth wegen der Ermöglichung einer Orientierung über die einschlägige Lite- ratur, sondern insbesondere wegen der originellen Ideen, welche hier aus- gesprochen werden von Demjenigen, auf dessen Einfluss und Anregung wesent- lich der neue Aufschwung der ganzen Forschungsrichtung zurückzuführen ist. Tschirch A. und Oesterle 0. Anatomischer Atlas der Pharma- kognosie und Nahrungsmittelkunde. Lieferung 16/17 (Schluss). Leipzig (Tauchnitz). 4^ Taf. 76—80?*. Indices. Titel. Tubeuf Preih. v. Studien über die Schüttekrankheit der Kiefer. (Arbeiten der biolog. Abth. f. Land- und Porstwirthschaft am kaiserl. Gesundheitsamte. IL Bd. 1. Heft.) gr. 8^ 178 S. 7 Taf. Textill. ~ M. 10. Monographische Behandlung der durch Lophodermium Pinastri ver- ursachten Erkrankung der Kiefer. Der Verf. bespricht eingehendst die Morpho- logie, Biologie und systematische Stellung des Pilzes, ferner die bisher ver- wendeten und vom Verf. neu erprobten Bekämpfungsmittel. Es bewährte sich am besten Bespritzung mit Kupfersalzlösungen. Bezüglich der Art der Einwirkung der Kupfersalze überhaupt gelangt Verf. zur Ueberzeugung, dass dieselben nicht indirect (durch Stärkung der Naturpflanze), sondern direct (durch Tödtuug des Pilzes) wirken. Anhangsweise sind einige Parasiten be- handelt, welche der durch Lojjliodermium verursachten Schütte ähnliche Erkrankungen veranlassen, ferner folgen die Resultate ausgedehnter Er- hebungen über das Auftreten der Erkrankung in Deutschland. Eine schöne Monographie, deren Lecture jenen Behörden in Oesterreich, welchen die Fürsorge für die Pflege der Phytopathologie (zunächst durch Besetzung zweier Lehrkanzeln) obliegt, nur wärmstens empfohlen werden kann. 69 Yries H. de. Die Mutationstheorie. Versuche und Beobachtungen über die Entstehung von Arten im Pflanzenreiche. I. Bd. 1 Lief. Leipzig (Veit et Comp.) 8". 192 S. 46 Fig. 3 Farbeutal". Seit langer Zeit wieder ein Versuch eines Botanikers, die Frage nach der Bildung neuer Arten im Pflanzenreiche zusammenfassend zu behandeln. Der Versuch ist umso bemerkenswerther, als er von einem Manne ausgeht, der bekanntlich seit Jahren experimentell einschlägige Untersuchungen an- stellt. Da das Buch noch nicht vollständig vorliegt, so ist es schwer, zu einem abschliessenden Urtheile über dasselbe zu gelangen; nur soviel lässt schon die erste Lieferung erkennen, dass der Verf. ein extremer Vertreter^ der Lehre von der Neubildung von Formen durch Heterogenese (Mutation) ist und dass er die directe Anpassung vollständig leugnet. In dem Beibringen überaus werthvoUen Materiales für die Mutationslehre liegt der Werth des Buches, in der Unkenntniss oder Geringschätzung der für die directe An- passung sprechenden Thatsachen die schwache Seite desselben. Nach dem Prospecte soll der erste Band des Werkes „Die Entstehung der Arten durch Mutation", der zweite „Die Principien der JBastardlehre" behandeln. — üeber erbungleiche Kreuzungen. Vorläufige Mittheilung. (Be- richt der deutsch, botan. Ges. XVIIL Bd. Heft 9. S. 435—443.) 8". Verf. constatiert in Uebereinstimmung mit Correns, dass nicht alle Bastarde im Hinblick auf das Spaltungsgesetz sich gleich verhalten. Er nennt Bastarde, deren Producte dem Mendel'schen Principe folgen, erb- gleich oder isogon, solche, deren Producte sich nicht oder nach anderen Regeln spalten, anisogone oder erbungleiche. Weniger glücklich sind die vom Verf. im Anschlüsse an Miliar de t angewendeten Bezeichnungen „echte Bastarde" für die ersteren, „unechte Bastarde" für die letzteren. — Otlionna crassifolia. (Botan. .Jaarbock. Dodonaea. 1900. p. 20 bis 39.) 8^ 1 Taf Verf. berichtet über ein Experiment mit der im Titel genannten Pflanze. Er theilte 1895 ein Exemplar und cultivierte seither die Hälften, sie vegetativ weiter vermehrend. Die eine Hälfte wurde im Glashaus bei grosser Trockenheit culti viert, die zweite im Freiland auf feuchtem Boden. 1899 wurde die Zahl der Strahlblüten gezählt; die Köpfchen der ersten Culturen ergaben 9 — 14 (Durchschnitt 12), die der zweiten Cultur 9 — 16 (Durchschnitt 13) Strahlblüten; also Förderung der Strahlblütenzahl durch Cultur im feuchten Medium. Worouin E. Ueber Sclerotinia cinerea nnd Sc. friidigena. (Mem. de l'Acad. d. sc. de St. Petersb. Vol. X. Nr. 5.) 4^ 38 S. Ü Taf. Wildeman F. de et Durand Th. lUustrations de la Flore du Congo. Tom. I. fasc. 6. (Annal. d. Musee du Congo. Bot. Ser. L) 4°. tab. LXI-LXXIL p. 121-144. — — Contributions a la flore du Congo. Tom. I. Fasc. 2. (2. Partie.) Bruxelles (Ann. du Mus. du Congo.) 4". p. 49—83. Akademien, Botanische Gesellschaften, Vereine, Congresse etc. K. k. Zoologisch-botanische Gresellschaft in Wien. Versammlung am 18. Jänner 1901. Zu Beginn der Sitzung hält Herr Dr. A. v. Hayek einen Vortrag über die Eintheilung der Gattung Hieracium. Hieran schliesst sich ein Vortrag des Herrn Dr. R. Wagner über die Familie der Bruniaceen. 70 Ferner hielt Herr Dr. F. Vierhapper einen Vortrag über die Flora des Lungau. Schliesslich macht Herr E. Galvagni eine kurze Mittheilung über seine phaenologischen Beobachtungen im vorigen Spätherbste in der Umgegend von Wien. Botanische Sammlungen, Museen, Institute etc. Baenitz 0. Herbarium Dendrologicum. Lief. I (Nr. 1—93) Mk. 14, II (Nr. 94-175) Mk. 12, III (Nr. 176-275) Mk. 15, IV (Nr. 276—361) Mk. 13, V (Nr. 362—413) Mk. 8. Baenitz C. Herbarium Europaeum. Cent. CXXII (Spanien, Algier, Kleinasien), Nr. 43. Mk. 10. Verzeichnis käuflicher Herbarexemplare aus Europa, Algier, Kleinasien, Persien und Nordamerika. Abth. I— XXVIII. (Dr. 0. Baenitz, Breslau. Marienstrasse 1 f ) 14. Offerten-Liste des „Thüringischen botanischen Tausch- vereines". (Prof. Dr. Sagorski, Naumburg a/S. in Thüringen.) Schulz P. F. F. 2. Verzeichnis der Tauschvermittlung für Herbarpflanzen. (Berlin NO, Virchowstrasse 9.) Alle seh er A. u. Schnabl J. N. Fungi bavarici exsiccati. 7. Centurie. München 1900. Jaczewski. Komarov u. Tranzschel. Fungi Rossiae exsiccati. Fase. VI. u. VIL Eehm. Ascomycetes exsiccati. Fase. 27. Haglund A. und Kall ström Joh. Katalog getrockneter Pflanzen aus Skandinavien (Falun, Schweden). Dörfler J. Herbarium normale. Cent. XL. Becker W. Violae exsieeatae. 1. Lief. 1900. Nr. 1 — 25. Aus Oesterreich-Ungarn wurden ausgegeben: Nr. 13 Viola palustris L. Kärnten: Klagenfurt, Ebenthal. (lg. R. V. Benz), Nr. 17 Viola canina L. var. Einseieana F. Schultz. Kärnten: Falkensteiner Moor b. Klagenfurt. (leg. R. v. Benz), Nr. 23 Viola heterophylla Bert. Südtirol: Val di Ledro, Monte Gui (leg. Rob. Landauer). M. Besehe relies Herbarium exotischer Moose und Leber- moose wurde vom British Museum erworben. 71 Botanische Forschungsreise, Die kais. Akademie der Wissenschaften veranstaltet im Jahre 1901 eine botanische Forschungsreise nach Süd)3rasiHen. An der- selben werden sich betheihgen: Prof. Dr. R. v. Wett stein und Prof Dr. V. Seh i ff n er als Botaniker, Dr. Fr. R. v. Kerner als Geograph, Meteorologe und Arzt und Herr August Wie mann, Obergärtner am Wiener botanischen Garten, dem die gärtnerischen Aufgaben zufallen werden. Die Expedition begibt sich im April nach Säo Paulo und hat die Durchforschung der Sierra d. Parana- piacaba, sowie der angrenzenden Gebiete zum Hauptzwecke. Die Rückreise dürfte über Ouritiba im Staate Parana stattfinden. Personal-Nachrichten. Die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien hat Prof. Dr. R. V. Wettstein zum Präsidenten gewählt. Die Academie des Sciences in Paris hat Herrn Prof. Dr. Bruch mann in Gotha für seine Untersuchungen über die Ljco- podiaceen-Prothallien einen „Prix Desraazieres" verliehen. Zum Präsidenten der deutschen botanischen Gesell- schaft wurde S. Schwendener wiedergewählt. Zum corre- spondierenden Mitgliede der Gesellschaft wurde J. Korschinski in Petersburg gewählt. Gestorben sind: Der bekannte österreichische Gartenbesitzer und Züchter D. Forster in Scheibbs, Nied.-Oesterreich. Prof. Dr. Serg. Korschinsky am 1. December 1900. Prof. Jac. Georg Agardh in Luud. Inhalt der Febrnar-Nnminer : Schiffner Victor, Untersuchnngen über Mörckia Flotowiana und über das Verhältnis der Oattuiigen Mörckia Gott, und Calycularia Mitt. zu einander. S. 41. - Prowazek S., Kerntheilung und Vermehrung der toiytoma. S. 51. — Literatur- Uebersicht. S. 61. — Akademien, botaniscne Gesellschaften, Vereine, Congresse etc. 8. 69. — Botanische Sammlungen, Museen, Institute etc. S. 70. — Botanische Forschungsreise, 3. 71. — Personalnachrichten. S. 71. ßedactenr: Prof. Dr. B. t. Wettstein, Wien, 3/3, Rennweg 14. Verantwortlicher Redacteur: J. Dörfler, Wien, III., Barichgasse 36. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. Die „Oesterreichische botanische Zeitschrift" erschoint am Ersten eines jeden Moniites und kostet ganzjährig 16 Mark. Zu herabgesetzten Preisen sind noch folgende Jahrgänge der Zeitschrift zu haben: II und III ä 2 Mark, X— XII und XIV— XXX ä 4 Mark, XXXI— XLI ä 10 Mark. Exemplare, die frei durch die Post expedirt werden sollen, sind mittelst Postanweisung direct bei der Administration in Wien, I., Barbaragasse 2 (Firma Carl Gerold's Sohn), zupränumeriren Einzelne Nummern, soweit noch vorräthig, ä 2 Mark. Ankündigungen weiden mit 30 Pfennigen für die durchlaufende Petitzeile berechnet. 72 INSERATE. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiii Im Verlage von Carl Gerold's Sohn in Wien, I., Barbaragasse 2 (Postgasse), ist erschienen und kann durch alle Buchhandlungen bezogen werden: Excupsionsflopa für OestePFeich (mit Ausschluss von Galizien, Bukowina und Oalmatien). Mit theilweiser Benützung des „Botanisehen Exeursionsbuehes" von G. Lorinser. Von Dr. Karl Fritsch, Universitätsprofessor. 46 Bogen Octav. Bequemes Taschenformat. Preis brochirt M. 8* — , in elegantem Leinwandband M. 9- — . iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiii »4>^ »~4^< #-4^-« »^^-^ »-X^ »^I>-< »4-^ »-4^-» »-4^^ »-^^ ^:^k* «-j-* •-^'^ »-^^ »-y« »-4^-» »-4>-« »-4>^ »-^--^ »-vl^-* »-l--^ »4>^ »-j.-» Preishepabsetzung älterer Jahrgänge der ,,Oesterr. botanischen Zeitschrift". Um Bibliotheken und Botanikern die Anschaffung älterer Jahrgänge der „Oesterr. botanischen Zeitschrift" zu erleichtern, setzen wir die Ladenpreise der Jahrgänge 1881—1892 (bisher ä Mk. 10.—) auf ä Mk. 4.— 1893-1897 ( „ „ „ 16.-) „ „ „ 10.- herab. Die Preise der Jahrgänge 1853. 1853 (ä Mark 3. -), 1860 bis 1863, 1864—1869, 1871-1880 (ä Mark 4.-) bleiben unverändert. Die Jahrgänge 1851, 1854—1859, 1863 und 1870 sind vergriffen. Die früher als Beilage zur „Oesterr. botanischen Zeitschrift" erschienenen 37 Porträts herTorragender Botaniker kosten, so lange der Vorrath reicht, zusammen Mark 35. — netto. Jede Buchhandlung ist in der Lage, zu diesen Nettopreisen zu liefern. Wo eine solche nicht vorhanden, beliebe man sich direct zu wenden an die Verlagsbuchhandlung Carl Gerold's Sohn Wien, I., Barbaragasse 2. NB. Dieser Nummer ist Tafel I (Prowazek) beigegeben. ÖSTERREICHISCHE BOTAiisciE immm. Herausgegeben und redigirt von Dr. Richard R. v. Wettstein, Professor an der k. k. Universität in Wien. Verlag von Carl Gerold's Sohn in "Wien. LI. Jahrgang, N»- 3. Wien, März 1901. Vorläufige Mittheilung über das Plankton des Attersees in Oberösterreich. Von J. Brunnthaler (Wien), S. Prowazek (Wien) und R. v. Wettstein (Wien). Im Laufe des Studienjahres 1899/1900 fanden mehrfache BerathuDgen einer Comraission, bestehend aus den Professoren der Wiener Universität Dr. H. Hartl, Dr. B. Hatschek, Dr. A. Penck und Dr. ß. v. Wettstein und dem Professor der Grazer Universität Dr. E. Eichter, zu dem Zwecke statt, um die Frage einer planmässigen, allgemein naturwissenschaftlichen Erforschung der österreichischen Alpenseen zu erörtern und eventuell einer Beantwortung zuzuführen. Bevor au die Aufstellung eines bestimmten Prograrames geschritten wurde, erschien es wünschenswerth, ge- wisse Vorstudien zu machen. Für dieselben wurde als Object der Attersee in Oberösterreich gewählt, der mit Bücksicht auf seine Zu- und Abfluss-Verhältnisse hierzu besonders geeignet erschien; die Durchführung der Vorstudien wurde durch die Gewährung einer Subvention seitens des deutschen und österreichischen Alpenvereines, dem hiefür an dieser Stelle der Dank aus- gesprochen sei, ermöglicht. Zum Zwecke einer allgemeinen Orientierung und zur Durch- führung eines Theiles der Vorstudien unternahm der Verfasser dieser Einleitung in den Tagen vom 1. — 5. Juni des Vorjahres in Begleitung der Herren J. Brunnthaler, Dr. A. Ginzberger, Dr. F. V. Pausinger, Dr. S. Prowazek, Dr. 0. ßechinger, stud. phil. Siegmund, Dr. F. Vierhapper, Dr. ß. Wagner und stud. phil. E. Zeder bau er einen Besuch des Attersees. Durch die Theilnehmer an der Excursion wurde eine allgemeine Aufnahme der Ufer- und Strandzonenvegetation durchgeführt und überdies wurde durch gleichzeitige Fänge im nördlichsten (bei Kammer) und südlichsten (bei Unterach) Theile des Sees eine all- gemeine Orientierung über die Zusammensetzung des Plankton angestrebt. Oesterr. botan. Zeitschrift. 3. Heft. 1901. 6 74 oai ^ irr- Cu S S fB B. P » Sgl? ET. S P S u> - w h-» p" D- 05 i-» o Üt er B c-^ «^ " 3^ E^ HS H3 o B p-a. l-tj "•' f^ CO - rf»- £ CO ick Tagsüber sonnig und warm. In der Fang- zeit windstill. Kein Mondschein. yc OC •<1 w e» t« p- P- Ci< o "'►^ II ÜX^ B^ B ^1 B' (Tt' S' 03 Sc^ ^.B CO • rv 03 CD • CD CD P C" .*■ w r«' «1 to OC p-| er =r G- w W g Cj: et ^S C C O g ?!^'Bg -'S ,^^ «^ S ih^S 3 '^ B^ Sa:B'S,g f5 ^ ll CD >= 5' i-t; cd CD — 00 o CO I o o « CD .. S CR cc K> B 2 CD ?r2 ^ CD er :?-§§ er; >• er; crö CD CD P fo ^ tr • rt- I-- CD CO CD „. S «^§ r:. P 1-1 CO ^ B CO a> c CO (~, fJ-i c^ i_i B ^ O B-ÖS CO - 03 < c» CO ^ C. B 2. — • f5 5 ^ ^^^^ g-p'g 3 ' • «> CD ■ • Vortag: sonnig und warm, schwacher NW. Während der Fänge neblig, vollkommene Windstille. Das weisse Fangnetz ist bis zu einer Tiefe von 9 m sichtbar. o r-. B B -• b'b'I^ CD CD "^ •^ cö" C l-H 5' P «" CD c* '~'| B 05 CD Z CD 5 ^ ^' 2 CD P B fs» >' £= N CD B^^g ^ B-B CD cTp-C ri CD td Ol .^ B © ^ >r ?5 3 B S tg- ä ^ o 51 5' ^ •^ CD p= 3 0P5 •^ g 4^ CP? w b 95 a er ^ -5 o ^ § a Co ,g ^ B- s i-< B CD B O P' B' hi o ^ o -^1 d o GO 11 o ^ c ^ =0 'u Ö 3 Ol 5ta OJ ? 11 S 3 aca F-^ ct3 3 3 'SjoIZi :o3 ' a ä < 2 cä 1 • s3 S3 W) c .s 3^ 1 a Ol -7. ^ .2 a > cc- 2^^ i (D tX) ^% I -ij'^ S^ >- 'S 8 tlß > S CC cc 3 ^ *H a3 e ffi ..^ 'a-ö ^£ a rt .2 S a^ -d a ^ a-S C3 .2^ ^ o 'S « S-S o o ü a ^ ,o . Ö a a Ol ^? o l=L, ■^b, a> PL, 'S M . o c5^ Ti ■ö a a 5j o 3 CO 8 |§ o s «i- SSh Ai n.2 e e •^ p<'S ^:^ q ^M t>% ü -« a O 13 o a t3 (V hD " ca a 3^ -« a - o S a« gQ '5 =5 ^ >ß 5 Ol bßT3 ^ a e.2 3 ^^ . a a a a^s» ^ 3 S ;S - 'T3 .2 ^ a c oj a O CO ? w 3 •:? i; ö N ä: kS O) o) ? Z a ce a> o ^ tsi a .SP -a t, C/D ^ OJ CO a Qj ^ "s a 3 -^ a ^ o a bX) 1 = ts] a ~j 53 H S tS! a -^ " .2 'S ™ cß O _M CQ s cd H o CO -.CS bc5ö ..2 a^ ä a S=2 .'s a> ce a, >o !zio ;h a a > o iH o C<5 ■pH ^ .a 03 OS iH lO •*' lO O b-' '■^ tH '^ T-( .5 •• " :« .^ -^ t-i a 3 0) (C -^.2 ■Ö.2 ?H S^ ^a ^a j3 O a 2 iO o Cti ja ,a rH 1-H ^ '^ Ol O '^ (M a> ^ O ji s a =M 3 t, 6CI-S o es . >■ -^ a aS S-i o > a 76 üeber die Ergebnisse der letzterwähnten Untersuchungen soll hier kurz Bericht erstattet werden. Es lag im Rahmen der Aufgabe, nur eine Orientierung über die qualitative Beschaffenheit des Plankton zu erzielen. Dem Charakter der Untersuchungen als vor- läufiger, nur allgemein orientierender wird es entsprechen, wenn von Geltendmachung allgemeiner Gesichtspunkte hier ganz abgesehen wird und nur die Resultate der Beobachtungen kurz wiedergegeben werden. Es wird ja hoffentlich sich die Gelegenheit bieten, noch mehrfach auf dieselben zurückzukommen. In den beigegebenen Tabellen soll zunächst eine Uebersicht der Fänge gegeben werden, da dieselben eine allgemeine Ueber- sicht der Verbreitung des Plankton und der meteorologisch- physikalischen Verhältnisse geben. I. Liste der im Attersee am 3., 3. uud 4. Juni 1900 gefischten Tliiere ; Von Dr. S. Prowazek. 1. Unterach. A. Frotozoa-. *Heliozoa: AcantJiocystis lemani Pen. Neben den kurzen, weit- trichterförmigen Radiärstacheln kommen 12, aber bei grösseren Individuen auch 50—60 lange, hohle, oben erweiterte Stacheln vor; central eine^undeutliche Strahlung. *Auf der Asterionella gracilUma kommt eine kleine Salpingoeca mit eiförmigem Gehäuse vor, der der doppelte Kragen, welcher die sonst auch hier vorkommende Di. plosiga frequentissima Zacharias auszeichnet, fehlt. Auf Fragilaria schmarotzt gewöhnlich eine einzige kurzstielige, glockenförmige Vorticelle und eine Bicosoeca, die sich aber von der B. oculata, die Zacharias beschrieben hat, insofern unter- scheidet, als das Gehäuse noch mehr verengt ist, das contractile Plasmafädchen länger ist und den mit der Pfeiffer'schen Flüssigkeit conservierten Thieren das „Stigma" fehlt. In Folge der Conservierung konnte man bezüglich dieser Form zu keiner bestimmten Vorstellung gelangen, B. Rotatoria: *Asplancha priodonta Gosse selten. *Polyarthra platyptera Ehrbg. häufig. Triarthra longiseta Ehrbg. einzelne Exemplare. *Not}iolca longispina Kellicott. häufiger. *Notholca acuminata Ehrbg. selten, einzelne Exemplare. * Gastropus stylifer Imhof. häufiger. * Chromogaster testudo Lauterborn nicht selten (vgl. Zoolog. Jahrb. S. VII, p. 263 u. 266). 77 C. Crustacea. Von diesen überwiegen die Diaptomiden, denen gegenüber die Cyclopiden stark zurücktreten; die Oladoceren sind spärlich, Copepoda : *Cyclops oithenoides Sars spüriicli. ^•Cyclops strenuHS Fischer. ^'Cyclops viridis, einzelne Exemplare. ^Diaptomus gracilis Sars. häufig. *Diaptoinus graciloides Lilljeborg, wenige Exemplare. *Diaptomus laciniatus Lillj. selten. Oladoceren: *Bosmina longirostris Lejd. *Bosmina pelagica Stingelin. selten. ^Bosmina bohemica Hellich. Da2)hnia hyalina Leyd und D. hyalina 1. (Apstein p. 1G7). ^Daphnia longispina V. 0. Müller. An den wenigen abgestorbenen Schilfsstengeln der üferzone wurden gefunden: Zahlreiche kleine Amoeben, eine kleine Difflugiaform, ein Cochliopodiuni, das vom ü. pcilucidum Hertwig et Less. oder bilimhosum Leidy insofern abweicht, als das Gehäuse mehr gelb- lich gefärbt ist und der Protoplast selbst braungelbe, helle Ein- schlüsse in sich birgt. Actinophrys sol Ehrbg. Lionotus unser 0. F. Müll, Condylostoma vorticella Ehrbg, kleine Individuen, üroleptus muscidiis Ehrbg. Stylonychia mytilus Ehrbg. Podophrya fixa eine kurzstielige Form. II. Bei Kammer am Attersee wurden neben den mit einem * bezeichneten Thieren noch folgende gefunden: Rotatorien: Synchaeta sp. mehrere Exemplare, Anurea cochlearis Gosse häutiger. Oladoceren: Leptodora hyalina Lillj. ca. 14 Exemplare in einem 10 m-Fang um 11 Uhr 15 Minuten Nachts. Vergleicht man die Listen der gefangenen Thiere der ver- schiedenen Oertlichkeiten , an denen gefischt wurde, so fällt in erster Linie in den einzelnen Fängen, die bei Unter ach gemacht wurden, zunächst das Ueberwiegen der Diaptomiden, dann in gleicher Weise der Oeratien und schliesslich der Asterio- nellen neben Fragilarien auf, wogegen bei Kammer die 78 Ceratien mehr iu den Hintergrund treten und einzelnen Ro- tatorien, sowie schliesslich Oladoceren, die aber immerhin \rerhältnisraässig äusserst spärlich an Zahl vertreten sind, den Platz machen. Dieses Verhältnis lässt sich rücksichtlich der Fänge bei Unter ach vielleicht bis zu einem gewissen Grade aus der grösseren Tiefe in der Nähe des Zuflusses von Seite des Mondsees, der Nähe einer grösseren Ortschaft, wie es Unterach ist, das knapp am See liegt und die Abfälle (Blut der Schlachtthiere etc.) dem See zu- kommen lässt, sowie aus dem Vorhandensein von mit Laubbäumen bewachsenen Seeufern erklären, wogegen bei Kammer die Ufer flach sind und der See nur langsam an Tiefe gewinnt. Soviel man bis jetzt aus den Stufenfängen allein ersehen kann, schwankt bei Untprach durchschnittlich beim Tag das Maxi- mum der Krebse vor Allem der Diaptomiden zwischen 5 — 10 m und nimmt gegen 15 m ab; die Entwicklungsstadien dieser halten sich in etwas der Oberfläche näher gerückten Schichten auf. Von den Rotatorien kam bei Unterach vornehmlich die Polyathra beim Tage zwischen 5 — 10 m vor; das Oberflächenplankton wird am Tage von Ceratien, denen sich Pragilarien und Asterionellen anschliessen, gebildet. Zur Nachtzeit erleidet die oben erwähnte Diaptomidenmasimumzone eine langsame Verschiebung gegen die Oberfläche zu. Auch in der Gegend des Sees bei Kammer schwebt die Hauptmasse der Diaptomiden neben den Cyclopiden zwischen 5 bis fast 10 m, um dann zur Nachtzeit auch gegen die Überfläche zu wandern. Im Allgemeinen bilden neben den pflanzlichen Organismen die Diaptomusformen die Hauptmasse des Plankton, das im Attersee vom 2.-5. Juni 1900 gefischt wurde. — Schliesslich sei noch hervorgehoben, dass bei Kammer am 5. Juni in einem 10 m-Fang um 10 Uhr 30 Minuten fast alle Crustaceen, vornehmlich aber die Oyclopsformen rothe Oelkugeln und Tropfen enthielten, so dass der ganze Fang eine eigenartige carotinrothe Färbung besass. Die Diaptomiden, dann die Polyathera und ihre Eier, sowie die pflanzlichen Planktonformen liefern um diese Zeit die Hauptnahrung für die Fische, die nach der Aussage eines Fischers : Lachse, Hechte, Huchen, Forellen, Saiblinge sind. Die meiste organische Substanz bieten wohl die Diaptomiden dar. II. Zusammensetzung des Phytoplanktou. Von J. Brunnthaler. 1. Chlorophyceae : Cosmariuni Phaseolus Breb. selten , mit Gallerthülle bis 40 (i er- reichend. B otryococciis Braimii Kütz. verbreitet aber nicht häufig, bei Kammer in grösseren Mengen als bei Unterach, Pandorina Morum (Müll.) Bory, vereinzelt. 79 2. B aciliar iaceae: Fragilaria crotonensis Kitton bilc^et mit Asterionella die Haupt- masse. Frustein meist 95 — 114 ;[*, etwas gedreht; es finden sich ausserdem bei Kammer Exemplare von nur 60 /* Länge und robusterem Bau und gehören selbe jedenfalls einer anderen Ent- wicklungsreihe an. Frayilaria capucina Desm. selten. Asterionella formosa Hoss. var. gracillima (Hantzsch) Grün, typisch ausgebildet, meist 62 — 72 ft, häufig. Tabellaria fenestrata (Lyngb.) Kütz. selten. Tahellaria flocculosa (Roth) Kütz. selten. Synedra delicatissima W. Sm. ziemlich häufig, bis 435 (i lang. Cyclotella comta (Ehrb.) Kütz. selten. Cyclotella comta (Ehrb.) Kütz. var. radiosa Grün, nicht häufig. Cyclotella comta (Ehrb.) Kütz. var. melosiroides Kirchner selten. Cyclotella hodanica Eulenst. selten, besitzt sehr schwache, schwer sichtbare Gallerthülle. Cyclotella plunctonica n. sp. Cyclotella planctonica Brunnth. Fig. 1. Stück der Schalenansicht. — Fig. 2. Stück einer Colonie; Schalen etwas schematisirt. Schalenansicht kreisförmig 28—36 (ti, Gürtelbandansicht rechteckig- mit abgerundeten Ecken, 12 ju dick, Mitte vorgewölbt; Schalen Vs oder darüber mit radialen Tüpfeln besetzt, die Mitte narbenartig; äusserer Band fein gestreift, gegen den Rand mit Knötchen an den Streifen, 14 — 17 Streifen auf 10 /u. Chromatophoren dicht liegende Blättchen. Einzelfrusteln durch Gallertfäden zu fadenförmigen Oolonien verbunden, Zwischenraum zwischen den Einzelindividuen 18—20 /u.. Die neue Art gehört in die Section Lindavia Schutt und steht der von Kirchner in: Vegetation des Bodensees (Bodensee- ForschuDgen, 9. Absch., Lindau 1896), p. 36 als Cyclotella comta var, radiosa angeführten, von Schutt in Ber. D. Bot. Ges. XVIL 1899. p. 220 und Pringsheim, Jahrb. f. wiss. Bot. 1899. Taf. VII. Fig. 23—25 und Taf. VIII, Fig. 37—40 als Cyclotella socialis n. sp. beschriebenen und abgebildeten Art am nächsten. Schröter hat in: Die Schwebeflora unserer Seen (Neujahrs- blatt Naturf. Ges. Zürich 1897, XCIX), p. 33 eine Varietät der Cyclotella comta als qnadrijuncta beschrieben und Fig. 58 abge- bildet. Dieselbe besteht meist aus vier Exemplaren, welche durch Gallerte in ähnlicher Weise verbunden sind wie die vorliegende 80 und hieher gehören dürfte. Die neue Art ist grösser als die im Bodensee vorkommende, Schutt und Kirchner vorgelegenen, kommt immer in geraden, fadenförmigen Colonien vor und bildet weder Schrauben noch Scheiben. Die Anzahl der Individuen in einer Colonie beträgt 8, 16, 32 oder 64, meist jedoch 32. Schutt schreibt seiner G. socialis feine, unverkieselte Nadeln zu. Ich konnte selbst gesammeltes, in gleicher Weise mit dem Pfeiffer'schen Formol-Holzessig-Methylalkoholgemiseh fixiertes Material aus dem Bodensee mit der vorliegenden Art vergleichen und fand nur, dass wir es hier mit einer ähnUchen Gallerte zu thun haben, wie eine solche bei den Desmidiaceen, z. B. bei Hyalotheca dissiliens vor- kommt. Die Verbindung besteht nicht in einzelnen Fäden, sondern einem soliden Körper aus Galiertfäden gebildet und dessen Durch- messer gleich demjenigen der Diatomee ist. Ausführliches über die Gallerte beabsichtige ich anderwärts zu veröflfeutlicheu. Stephanodiscus Hantzscliianus var. pusila Grün, selten. 5. Peridiniaceae : Ceratium liirundinella 0. F. M. In grossen Mengen vorkommend, 180 — 200 fi lang; ziemlich breite Form, zwei- und dreikörnig, das dritte Hörn jedoch immer klein, mit allen Uebergäugen. Peridinium cinctum Wßrhg. Bei Kammer häufiger als im übrigen See. 4. Flagellatae. Dinohryon slipitatum Stein. Die häufigste Art. Dinohryon sertularia Ehrbg. vereinzelt. Dinohryon tliyrsoideum Ohodat sehr selten. Dinohryon divergens Imhof. In zwei Formen: typische üolonien und ans wenigen Indi- viduen bestehende; deren Gehäuse schlank, 48—53 (i lang, obere Oeffnung 7-5 — 10 ft, an der Ausbauchung schwach unduliert und etwas an Dinohryon Schauinslandi Lemmerm. erinnernd. Seligo (Ueber einige Flagellaten des Süsswassers, Danzig 1893) dürfte eine ähnliche, stärker undulierte Form vorgelegen haben, welche er als var. undidatum zu Dinohryon sertularia zieht. Als Passiv-Plankton wäre auf den massenhaft an der See- oberfläche schwimmenden Pollen von Pinus: Phizopkidum pollinis (A. Br.) zu erwähnen. Die Hauptmasse des Plankton besteht aus FragiJaria, Asterionella und Ceratium. Alle anderen Arten kommen erst in zweiter Linie in Betracht. Was die Vertheiluug des Phytoplankton betrifft, gibt uns folgende Zusammenstellung über das Vorkommen einiger Planktonten einen vorläufigen Ueberblick. 81 1 Botryococcus Braunii ;2i o -)- 1 4— 4— 1 1 1 1 o o 4— 1 1 1 -1— -!- 4- 1 o o O Ceratium hirund. ._ . 'S" -t— -1— -J— 1 4— 1 1 i -t— -4- -)- -)— -1— 4— 4— 4— 4— 4— 1 1 i -4— 4— O 4— ^ 4— -a 4— O 4- 4- -1- -1— 4— 4— 4— 1 1 1 -1- ■i- 4— O t: 1 1 1 ^ !>." 4Z -I- 4— 4— 4— 4— 4— 4- 'S 1 J O ^ 4- -K- 1 4- |- 1 1 1= 4— O 1 1 1 -1— 4- O 4- 4- O O 'S 1 4— 4— 4— 1 4— 4— 4- 1 j 1 -1— -1— 4— 4— 4— 4— 4— 4— 4— 4- 4- 4— 1 1 i t 1 H- -^ -t— -1^ 1 4— 4— 4— 4— 4— ^ 4- -a 4— O 4— -^ 4— 4— 4— 4— ^ S o ES ^25 t: 1 1 4— 4— 4— 1 1 1 tt tttt tttt 4— 4- 1 ' 1 > 4— -1— -1- 1 t3 4— 4— 1 i 1 c c i i O a o a a o a o a o ÖD ,.• O 4 1—4 1— 82 Wir seheo, dass die Hauptmasse von Fragilaria und Äster io- nella in den oberen Schichten vertheilt ist, und zwar in grösserer Menge in den Morgenstunden an der Oberfläche. Ceratium hat sein Maximum bei ca. 2 — 5 m Cyclotella plandonica an der Oberfläche. Botryococcus findet sich bei Tag an der Oberfläche und sinkt Nachts in die Tiefe. Die bei 20 ra vorkommenden Maxima von Ceratium, Fragilaria und Asterionella beruhen darauf, dass wir hier todte Schalen, resp. Panzer in grossen Megen antreffen. Dinohryon ist vertheilt und nicht markant. Der See ist (wenigstens in der angegebenen Jahreszeit) ausgezeichnet durch das vollständige Fehlen der Melo- siren und Cy anophyceen. Einige Untersuchungen über die Gattung Makinoa, Von Victor Schiffner (Prag). (Mit Tafel II.) Die erste Nachricht über die einzige bisher bekannte Art der Gattung Maliinoa verdanken wir Stephani, welcher sie nur in sterilen Exemplaren mit junger $ Inflor. vorliegen hatte und sie in seiner Schrift „Hepaticae Japonicae" (Bull. Herb. Boissier Vol. V. p. 103 [1897]) als Fellia crispata beschrieb. Im Jahre 1898 fand Herr T. Makino vom botan. Institute in Tokyo die Pflanze fruch- tend am Berge Kiyosumi in der Provinz Awa (Japan) und Prof. K. Miyake untersuchte die Pflanze und fand, dass sie eine neue, höchst interessante Gattung repräsentire, die er Makinoa nannte und deren Beschreibung und Abbildung er publicirte: „Makinoa, a News Genus of Hepaticae" (Botan. Magazine, Tokyo, Vol. XIII. Nr. 144. Tab. III [1899]), im selben Jahre erschien eine Beschrei- bung der Pflanze in deutscher Sprache und einer Tafel, die die- selben Details in etwa.s anderer Ausführung darstellt, im XXXVIII. Bande der „Hedwigia" ([1899] p. 201—203, Tab. IX) unter dem Titel : Makinoa, eine neue Gattung der Lebermoose aus Japan. Von K. Miyake. Eine der ursprünglichen Tafel ganz ähnliche erschien endlich auch in Matsumura et Miyoshi, Cryptog. Japonicae. Vol. I. Nr. 7 (29. December 1899), Tab. XXXV. Der Text dazu in japanischer Sprache. Endlich hat auch Stephani in seinen Species Hepati- carum, p, 361 die Gattung Makinoa ausführlich beschrieben und die Beobachtungen Miyake's durch einige wichtige neue Daten ergänzt. Ich erhielt ein prächtig fruchtendes Originalexemplar (vom Berge Kiyosumi, Igt. Makino) durch die Güte des Herrn Prof. Miyake in Tokyo und ausserdem die Pflanze von noch zwei wei- teren Standorten, die ich in meiner Schrift: „lieber einige Hepaticae aus Japan" (Oesterr. bot. Zeitschr. 1899, Nr. 11) publicirt habe. Dieses vorzügliche Material habe ich sorgfältigst untersucht und meine Resultate mit den vorhandenen Beschreibungen genau ver- 83 glichen; dabei hat sich gezeigt, dass diese Beschreibungen in einigen sehr wesenthchen Punkten der Ergänzung, resp. Correctur bedürfen. Ich werde daher anknüpfend an die vorhandenen Beschreibungen einige neue Mittheilungen über diese interessante Gattung machen, welche unsere Kenntniss derselben in befriedigender Weise com- pletiren. Die Beschaflfenheit der Frons ist von Miyake und besonders von Stephani sehr gut beschrieben, nirgends aber wird eines sehr wichtigen Umstandes erwähnt, nämlich des Vorhandenseins sogenannter „Amphigastrien". Diese Organe sind ganz gleich beschaffen, wie die bei der Gattung Mürckin. Es sind kurze gegliederte Haare, gewöhnlich aus einer Reihe von fünf Zellen bestehend. Der kurzen Basalzelle setzen sich drei lang- gestreckte, cylindrische Zellen an; die Endzelle ist keulig und etwas gebräunt, während die übrigen Zellen hyalin zu sein pflegen (Fig. 1). Diese sogenannten „Amphigastrien" sind zahlreich vor- handen und stehen in jedreiuuregelmässigen Längs reihen beiderseits von der Rippe. An den jungen Fronstheilen sind sie mehr gedrängt und die eben in der Entstehung begriffenen drängen sich in grösserer Zahl um den Vegetationspunkt zusammen. Diese letzteren scheint Stephani gesehen zu haben, jedoch hielt er sie für Schleimpapillen („Keulenpapillen" nach Leitgeb), wie solche z. B. auch an den Sprossscheiteln von Metzijeria und an den Spitzen der jungen Blätter der akrogynen Jungermaniaceen vorkommen. Er sagt darüber von der Rippe: .... apice cellulis clavatis muciferis obtecta". Wenn man mit der Unterseite der Frons von Mahinoa die von Mörclüa Blyttii vergleicht, so sind 'beide täuschend ähnlieh, die „Amphigastrien'' sind bei beiden zum Ver- wechseln ähnlich in Gestalt und Grösse, nur ist deren Anordnung bei Mörcl:ia BJyttii noch weniger regelmässig. Die grosse Aehn- lichkeit beider wird noch erhöht durch die intensiv braunen Rhizoiden und den wellig-krausen Fonsrand. Der Beschreibung der weiblichen Inflorescenz ist nur wenig beizufügen. Die Schuppe, welche die Archegongruppe vom Rücken her deckt, ist oft tief mehrlappig eingeschnitten, die Lappen sehr wellig, seicht rundlich gelappt. Höchst wichtig ist die Thatsache, dass bei Makinoa keine Hülle („Perianth") um das heranreifende Sporogon gebildet wird, wie bei MörcJcia, sondern die Verhältnisse sind hier wie bei Treubia und Symphyofjyna , indem hier eine thalamogene, mächtige Calyptra das junge Sporogen schützt '). Die ') Die anakrogynen Jungermaniaceen sind eine höchst interessante Gruppe, wegen der auffallenden Convergenzerscheinungen , die sieh bei ganz verschiedenen (nicht nahe verwandten) Formen wiederfinden, z. B. der auffallende Parallelismus der Formengestaltung in den Gattungen Hymenoplujton, Palla- ricinia und Symphyoyyna, die Aehnlichkeit der Vegetationsorgane von Pellia, 3Iörckia und Makinua (auch Monoclea), der übereinstimmende Schutz des jungen Sporogones durch die thalamogene Calyptra bei Symphyogyna, Makinoa und Treubia, die Uebereinstimmung der basalen Elateren'träger bei Pellia, Calycularia und Noteroclada etc. 84 Calyptra ist aufgebaut aus langgestreckten Zellen, sehr dick, in der Mitte sieben- bis aehtschichtig, die innerste Schichte meist wie zerdrückt, aussen ist sie glatt und die sehr langen, unbefruchtet gebliebenen Archegonien stehen bis auf die Spitze der Calyptra zerstreut. Die Spitze der Calyptra ist dünner und reisst beim Durch- bruch des Sporogones sehr unregelraässig auf. Die eiförmig-cylindrische Gestalt der kastanienbraunen Sporogonkapsel ist ein ungemein wichtiges Merkmal, auf welches schon Miyake und Stephani gebührend hingewiesen haben. Auch dass die Kapselklappen paarweise verbunden bleiben, hat schon Stephani richtig mitgetheilt („Capsula oblongo-cyündrica, 5 mm longa, usque ad basin bivalvata"). Üefters schlitzt die Kapsel auch nur auf einer Seite auf und aus dem Längsspalt drängt sich die kastanienbraune Masse der Elateren und Sporen als grosse Flocke hervor und diese Flocke bleibt lange Zeit am Scheitel des Kapselinnern ziemlich fest haften. Ich habe auch den Fall gesehen, dass die beiden Kapselhälften nach dem Aufspringen an der Spitze verbunden bleiben. Ueber den anatomischen Bau der Kapselklappen wird über- einstimmend angegeben, dass sie aus zwei Zellschichten bestehen, was richtig ist, nur muss bemerkt werden, dass die Innenschichte stellenweise auch doppelt ist. Der histologische Aufbau der Kapsel- klappen ist ein Moment von grosster Wichtigkeit; derselbe ist von Miyake überhaupt nicht näher erörtert, von Stephani aber ganz unrichtig beschrieben worden. Er sagt darüber Folgendes: „cellulae externae oblongo-hexagonae, validissimae, parietibus brun- neis ubique maxime aequaliterque incrassatis; cellulae internae angustiores, longissiraae, parietibus minus validis, semiannulatim incrassatis." Ich werde meine mehrfach wiederholten, sehr genauen Unter- suchungen über den Bau der Sporogonwand ausführlich mittheilen und will vorausschicken, dass zur sicheren Beurtheilung der Be- schaffenheit der Sporogonklappen folgende Untersuchungen unerläss- hch sind: 1. Betrachtung der Klappen von der Aussenfläche bei starken Vergrösser ungen; 2. ebenso von der Innenfläche (zur Constatierung von etwa vorhandenen Verdickungen auf den inneren Tangentialwänden der Innenschichte); 3. Betrachtung des Quer- schnittes; 4. des Längsschnittes. Aus dem Vergleich der so erhal- tenen Bilder, und nur dadurch, kann man in allen Fällen eine ein- wandfreie Darstellung der histologischen Verhältnisse gewinnen. Die Aussenschichte besteht aus sehr grossen, länglich-recht- eckigen bis länglich-sechseckigen Zellen, deren Radialdurchmesser um das Vierfache den der Zellen der Innenschichte übertrifft. Die Zellwände der Aussenzellen sind hyalin und ziemlich derb und der Querschnitt (Fig. 3) zeigt, dass die Radialwände nach aussen und nach innen etwas an Dicke zunehmen (auf dem Querschnitte als kleine hyaline Dreiecke sichtbar). Diesen Radial wänden sind innen braungefärbte Zellwandverdickungen angelagert, 85 die sich auf dem Längsschnitte als horizontale Querbalken darstellen, die ein wenig (mit schmalen Füssehen) auf die innere Tangential- wand übergreifen , daselbst sind diese Querbalken am schärfsten conturiert und am dunkelsten gefärbt (weil sie daselbst am dicksten sind), sie nehmen aber in ihrem Verlaufe quer über die Radialwand an Schärfe ab, werden allmälig blässer und breiter und fliessen endlich, bevor sie noch die äussere Tangentialwand erreicht haben, seitlich zusammen, so dass sich auf die äussere Tangentialwand eine ununterbrochene, sehr dünne und daher nur blass gelblieh gefärbte Verdickungsplatte hinzieht. Diese eigenthümliehen, sonst bisher nirgends beobachteten Verdickungsverbältnisse sind sehr klar auf guten Längsschnitten zu sehen (Fig. 4) und erinnern etwas an die analogen einseitigen Verdickungen bei den Elateren von Makinoa crispata ^). Aus dieser Darstellung und die sorgfältig mit dem Prisma gezeichneten Fig. 3 und 4, durch welche erstere sofort verständlich sein wird, geht hervor, dass die Beschreibung Ste- )3hanis: „cellulae externae .... parietibus brunneis ubique maxime aqualiterque incrassatis" vollkommen unrichtig ist. Die Innenschichte besteht aus sehr langgestreckten, nahezu prosenchymatischen Zellen (an den Enden meist deutlich zugespitzt), die auf dem Querschnitte, wie schon erwähnt, nur V* des Kadialdurchmessers und nur etwa 7, des Querdurchmessers der Aussenzellen aufweisen. Die Zell wände sind sehr zart, den Eadialwänden sind dünne (auf dem Längsschnitte blassgelblich erscheinende) ununterbrochene Verdickungen angelagert, die Tangentialwände sind ganz ohne jede Verdickung. Die Angabe Stephanis über die Innenzellen; „parietibus . . . semiannu- latim incrassatis" ist also ebenfalls völlig unrichtig! Es ist schon erwähnt worden, dass stellenweise bisweilen die Innenzellen zweischichtig auftreten (eine solche Stelle ist in Fig. 3 dargestellt). Die ganze Innenschichte löst sich leicht von der Aussen- schichte los. Eine weitere, höchst bedeutungsvolle Thatsache, welche von den früheren Beobachtern ganz übersehen worden ist, ist das Vorhandensein apicaler Elaterenträger in den Sporogonen von Malünoa, welche die Ursache der oben erörterten Erscheinung sind, dass die Elateren und Sporenmassen lange an der Spitze des Sporogons haften bleiben. Die Spitze des Sporogons wird gebildet aus drei bis vier Schichten fast cubischer Zellen; die innen ober- flächlich gelagerten wachsen zu Elaterenträgern aus. Einzelne der- selben verlängern sich nur kegelförmig, andere spalten sich aber schon kurz über der kegelförmigen Basis in zwei bis vier Fasern, die wie Glasfäden unendlich fein ausgezogen erscheinen (Fig. 5) und dieselben hängen vom Scheitel der Kapsel in grosser Zahl bis über die Kapselmitte herab (Fig. 2). Diesen Fasern schmiegen sich ') Letztere sind schon von Miyake gut beschrieben und abgebildet worden (vergl. auch Fig. 1). 86 die Elateren mit ihrem borstenförmigen Ende seitlieh fest an. In einzehien Fällen wandelt sich der Trägerfaden aber an seinem Ende direct in einen Elater um (Fig. 5) (oder mit anderen Worten, er schwillt etwas spindelförmig an und diese Anschwellung erhält die- selben charakteristischen einseitigen Verdickungen, wie die anderen Elateren. und verjüngt sich am äusserstenEnde wieder ebenso borsten- förmig, wie die übrigen freien Elateren). Diese Elateren sind noch viel länger, als die von Miyake abgebildeten. Schliesslich sei noch bemerkt, dass die Elaterenträger eine bräunlichgelbe Farbe auf- weisen und keinerlei Ring- oder Spiralverdickungen zeigen. Die Elateren sind schon von Miyake vorzüglich beschrieben und mit ihren merkwürdigen Verdickungen in der Mitte sehr gut abgebildet worden. Es ist dazu nur zu bemerken, dass die säramt- lichen Elateren in der nicht aufgesprungenen Kapsel parallel der Längsachse der Kapsel (resp. parallel den Elaterenträgern) gelagert sind. Ferner möchte ich darauf aufmerksam machen, dass sich ein- zelne freie Elateren ganz ähnlich verhalten wie die Fasern der Elaterenträger. Solche Elateren zeichnen sich durch besondere Länge aus und ihr eines Ende spitzt sich unendlich fein zu, wie ein ausgezogener Glasfaden (sonst unterscheiden sie sich in nichts von den übrigen Elateren), und dieses Ende schmiegt sich an die borstenförraige Spitze eines normalen Elaters so innig an, dass beide zusammenhängen, genau wie die Fasern der Elaterenträger mit den Elateren (Fig. 6). Diese „Haftelateren" (wie man sie nennen könnte), sowie die lange borstenförmige Zuspitzung der Enden der normalen Elateren sind Vorkommnisse, die bisher bei keiner anderen Gattung beobachtet worden sind und sie haben im Verein mit den Elaterenträgern augenscheinlich den Zweck, die Elateren möglichst lange in ihrer ursprünglichen Lage zu erhalten und dadurch die Ausstreuung der dazwischen liegenden Sporen möglichst zu verzögern. Eine ebenfalls bei keiner anderen Gattung derHepaticae beobach- tete Erscheinungsind die öfters erwähnten merkwürdigen Verdickungen der Elateren. Diese finden sich nur in dem etwas verdickten mittleren Theile des Elaters (etwa Y3 der Gesammtlänge) und bestehen aus zwei sich kreuzenden Spiren, die aber auf einer Flanke des Elaters völlig zusammenfliessen, so dass sie daselbst eine einseitige ununter- brochene Verdickungsplatte bilden (Fig. 7). Ausser den normalen Elateren. welche nach beiden Enden lang borstenförmig zugespitzt sind (vgl. Fig. 6), findet man bisweilen einige ganz kurze, die etwa dem Mittelstücke eines normalen Elaters entsprechen und an den Enden schief und kurz zugespitzt sind; die Verdickungen sind hier wie bei den normalen Elateren und reichen bis in die Spitzen (Fig. 9). Uebergänge von diesen abnormen , kurzen Elateren und normalen findet man auch bisweilen in Form von solchen, die nur nach einem Ende hin in eine lange, borstenförmige Spitze ausgezogen sind. 87 Die einseitigen Verdickungen der Elateren iiaben eine bio- logische Bedeutung, indem sie eine hygroskopische Krümmung derselben ermöglichen, die in ganz bestimmter Weise erfolgt, wie man sich leicht durch das Experiment überzeugen kann. Im feuchten Zustande sind die Elateren vollkommen gerade gestreckt und halten die zwischen ihnen liegenden Sporen zurück. Im trockenen Zustande krümmt sich der mittlere (mit Spiren ver- sehene) Theil etwa halbkreisförmig, und zwar constant so. dass die continuierlich verdickte (durch Zusammenfliessen der Spiren) Flanke des Elaters die Convexseite des Bogens bildet. Durch diese bogige Krümmung der Elateren bei Trockenheit entstehen Lücken zwischen denselben, durch welche die Sporen leicht aus- fallen und von der trockenen Luft weithin verbreitet werden können. Der geschilderte Mechanismus ist also sehr wirksam in demselben Sinne thätig wie alle anderen Ausstreuungsmechanismen, die wir bei den Bryophyten können, die alle dahin wirken, die Sporen bei feuchtem Wetter möglichst zurückzuhalten und bei trockenem zu entlassen. Von den Elateren wissen wir längst, dass sie nicht etwa elastische Schleudern zur Sporenaussaat sind, sondern im Gegentheil ein feines Geflecht, welches die Sporen möglichst zurückhält bei feuchtem Wetter. Ebenso wirken die Kapselklappen der vierklappig aufspringenden Lebermoossporogone, die bei Feuchtigkeit zusammen- neigen, bei Trockenheit sich kreuzförmig ausbreiten oder gar zurück- schlagen und ganz genau auf demselben Effect hin wirken die hygroskopischen Krümmungen der Peristomzähne bei den Laub- moosen. Die Sporen von Makinoa sollen nach Miyake eine sehr dicke Membran besitzen, die einseitig dicker ist und aussen sollen sie Spuren von Netzleisten zeigen. Von alledem ist nun in Wirk- lichkeit nichts vorhanden. Die Membran ist verhältnismässig dünn und der LTthum Miyakes dadurch herbeigeführt, dass sich im frischen Zustande (wie oft auch in anderen Lebermoossporen) im Inneren ein grosser, etwas escentrisch gelagerter Oeltropfen be- findet. Die Oberfläche wird bereits von Stephani 1. c. ganz richtig als „papillulis aspera" angegeben; von Netzleisten ist auch bei stärksten Vergrösserungen nichts zu sehen. Die Grösse der Sporen ist von Miyake (20 — 25 ^) und von Stephani (bis 27 jx.) zu gering angegeben; sie sind bis 29 (i im Durchmesser (Fig. 8). Das eioenthümliche Andröceum ist von Miyake und von Stephani gut beschrieben, einer besonderen Erörterung bedarf aber die Beschaffenheit der Antheridenkammern. Aus den Zeich- nungen von Miyake des Längsschnittes des Andröceums in Bot. Magaz. Tokyo 1. c. und Hedwigia 1. c. gewinnt man die Vorstellung, dass die Decke der Antheridienkammern (wenigstens ursprünglich) vollkommen geschlossen ist. Das ist nun nicht der Fall, sondern das runde Loch der in der Mitte einzellschichtigen Decke der Antheridienkammer ist von Anfang an vorhanden und sind die Antheridienkammern in jeder Beziehung ganz gleich mit denen von 88 Pellia, Riccardia und Androcryphia (= Neteroclada) ^). Denken wir uns die auf der Fronsoberfläche zerstreuten Antheridienkammern von Pellia so dicht nebeneinander gedrängt, dass die seitlichen Scheidewände zwischen je zwei Kammern in der Mitte nur zwei Zellschichten dick sind, so haben wir eine richtige Vorstellung des Andröceuras von Makinoa. Noch ähnlicher sind die Verhältnisse bei Riccardia, wo aber bei fast allen Arten die Antheridienkammern in zwei alternierenden Reihen geordnet sind. In Matsumura und Miyoshi, Crypt. Japonicae. Vol. I. Tab. XXXV, ist das Bild des Längsschnittes des Andröceuras entsprechend richtiggestellt worden und gibt eine richtigere Vorstellung von den Verhältnissen. Die grossen Antheridien haben eine auffallend dicke Aussenwand; die Zellen derselben sind nicht plattenförmig wie zumeist bei anderen Lebermoosen, sondern kubisch (wie der Querschnitt durch die Wand zeigt, und wie auf den Zeichnungen von Miyake richtig dargestellt ist). Nachdem wir gegenwärtig die Morphologie der Pflanze, welche die hochinteressante Gattung MaJcinoa bildet, sehr genau kennen, dürfen wir hofi'en, die Frage nach der systematischen Stellung derselben in befriedigender Weise beantworten zu können. Miyake (in Hedwigia 1. c.) meint, dass Mahinoa „der Gattung Pellia am nächsten steht", was sicher unrichtig ist, und schon Miyake selbst macht auf einen der wesentlichsten Unterschiede aufmerksam, indem er sagt: „Die Form der Kapsel ist bei Pellia kugelig und hie- von weicht also unsere Pflanze augenfällig ab". Makinoa kann schon darum und auch aus anderen Gründen nicht zu der Gruppe der Codonioideae gehören. Stephani hat die Zugehörigkeit unserer Gattung zu der Gruppe der Leptotheceae bereits richtig erkannt; er äussert sich darüber in Spec. Hep. p. 361: „Diese eigenartige Gattung steht hinsichtlich der vegetativen Organe dem Genus Pellia zwar nahe, die Form der Kapsel bringt sie aber zu denjenigen Gattungen, die Schiffner bereits als Lyptotheceae zusammengefasst hat". Dass diese Ansicht richtig ist, dafür spricht die Gestalt und Dehiscenz der Sporogonkapsel, der anatomische Bau und die Gestalt der Frons, die fast genau mit der von Mörckia übereinstimmt, die Stellung der 9 und c^ Geschlechtsorgane auf dem Rücken gewöhn- licher (nicht verkürzter) Fronssprosse. Das letztgenannte Merkmal schliesst die Möglichkeit aus, unsere Pflanze in die Gruppe der Meizgerioideae zu stellen, die alle die Geschlechtsorgane auf sehr verkürzten Sprossen tragen, obwohl Makinoa viel Uebereinstimmung im Sporogonbau mit Hymenophyton ßabellatum ^) zeigt und eine ^) Wir haben also hier abermals (bezüglich der Versenkung der Anthe- ridien und der Ausbildung der Antheridienkammern) bei vier Gattungen, die drei verschiedenen Gruppen angehören, ausserordentlich auffallende Convergenz- erscheinungen vorliegen. 2) Vgl. John Andreas, „lieber den Bau der Wand und die OefFnungs- weise des Lebermoossporogons". (S. A. aus „Flora" 1899, Heft 2), p. 39. ( 89 ganze Reihe wichtiger Merkmale mit Riccardia theilt, u. zw.: Den Bau des Sporogons im allgemeinen und das Vorhandensein apicaler Elaterenträger, den Schutz des jungen Sporogons durch eine thala- mogene Calyptra, die Versenkung der Antheridien in das Frons- gewebe und die gleiche Beschaffenheit der Antheridienkammern etc. : trotzdem glaube ich aber nicht, dass eine wirkhche nähere Ver- wandtschaft zwischen Makinoa und Riccardia existiert, sondern erstere muss nothwendig in die Gruppe der Leptotheceae gestellt werden und es würde sich nur noch fragen, welche Stellung Makinoa in der Reihe der Leptotheceae einzunehmen hat, resp. welcher Gattung derselben sie am nächsten steht. Es kann da meiner Meinung nach nur Symphyogyna in Betracht kommen, die in der $ Inflorescenz, den langen Archegonien, der thalamogenen Oalyplra, der Gestalt und Dehiscenz der Kapsel übereinstimmt und in der Section „Repentes" eine grosse Aehnlichkeit der Vegetations- organe aufweist. Auch die apicalen Elaterenträger finden sich wenigstens andeutungsweise bei Symphyogyna (vergl. Andreas, I. c. p. 41), die bei den anderen Gattungen vollständig fehlen. Immerhin nimmt Makinoa unter den übrigen Leptotheceae eine sehr isolierte Stellung ein, da sie sich von allen anderen durch folgende, sehr wichtige Merkmale unterscheidet: 1. Das Vorhanden- sein mächtig entwickelter, apicaler Elaterenträger; 2. die Beschaffenheit derElateren, die von denen aller anderen bekannten Lebermoose sehr abweichen; 3. die zu geschlossenen Ständen geordneten Antheridien, welche der Frons eingesenkt sind. Erklärung der Tafel II {Makinoa crispatd). Fig. 1. Sogenanntes „Ämphigastrium" von der Unterseite der Frons. Vergr. "0:1. Fig. 2. Sporogun im Längsschnitte mit den apicalen Elaterenträgern. Vergr. 10: 1. Fig. 3. Stück des Querschnittes durch die Sporogonwand. Nach oben zu liegt die Aussenschichte, nach unten zu die an dieser Stelle theilweise doppel- schichtige Innenschichte. Vergr. 410 : 1. Fig. 4. Stück des Längsschnittes der Sporogonwand. Eechts die Aussenschichte, nach links die Innenschichte. Vergr. 410 : 1. Fig. 5. Elaterenträger. Der Faden links geht an seiner Spitze in einen Elater über. Vergr. 270 : 1. Fig. 6. Hälfte eines normalen Elaters, an welchen sich ein sogenannter „Haft- elater" anlegt. Vergr. 270 : 1. Fig. 7. Mittlere Partie eines normalen Elaters, um die Verdickungen zu zeigen. Vergr. 410 : 1. Fig. 8. Spore. Vergr. 410 : 1. Fig. 9. Abnormer (kurzer) Elater. Vergr. 410 : 1. Ein Beitrag zur Greschichte der Unterscheidung des Kronenrostes der Gräser in mehrere Arten. Von P. Magnus (Berlin). Bekanntlich hat H. Kleb ahn 1892 in der von P. Sorauer herausgegebenen Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten, Bd. IL, S. 337—342, und 1893 in derselben Zeitschrift, Bd. IV., S. 129—136, 7 90 durch genaue Impfversuehe überzeugend dargelegt, dass der auf den Gräsern auftretende Kronenrost, den man bisher als eine einzige Art betrachtet und meist als Puccinia coronata Cda. bezeichnet hatte, in mindestens zwei Arten getrennt werden muss. Die eine Art hängt mit dem Accidium FranguJae Schura. auf Frangnla Alnns Mitt. zusammen ; er lässt ihr den alten Namen Puccinia coronata Cda. (emendj; sie tritt mit ihren Stylo- und Teleutosporen auf Agrostis vulgaris With., Calaniagrostis, Holcus lanatus L. und H. moUis L. und anderen Gräsern auf. Die zweite von Klebahn unterschiedene Art bildet ihr Aecidium Siu{ Ehamnus cathartica L. ; es ist das Aec. Bhamni Gmel. Er bezeichnet sie als Puccina coroniccfera Kleb, und hat sie auf Loliuni jierenne L., Holcus lanatus L., Arrhenathernm elatius Mert. & Koch und Festuca elatior L. durch genaue Culturen festgestellt. Auch sie tritt sicherlich noch auf vielen anderen Gräsern auf, z. B. auf Avena sativa L. nach den von Klebahn citirten Versuchen Cornus und Nielsens. Schon als ich 1892 Klebahns Abhandlung las, wusste ich ganz genau, dass Nielsen schon vorher dieselbe Unterscheidung der Arten erkannt und die Arten benannt hatte. Doch konnte ich nicht finden, wo es Nielsen publiciert hatte. Schon Klebahn selbst citirt Nielsen mit den seinen übereinstimmende Versuche 1. e. 1892, S. 339, die N. in der Botanik Tidskritt 3 raekke 2. Bd. 1877, S. 39 u. 40 veröffentlicht hat. Aber Nielsen betont dort zwar die Verschiedenheit der beiden Arten, namentlich auch der auf Rhamens Frangnla und Rh. catharticus L. auftretenden Aecidien, nennt aber dort keinen Namen der zweiten Art und erwähnt auch nicht, dass er zwei Jahre vorher die Arten specifisch unterschieden und benannt hatte. Als ich behufs einer anderen, leider noch nicht zu einem Abschlüsse gelangten Arbeit die citirte Nielsen'sche Arbeit durchlas, fand ich, dass er S. 35 bei Besprechung der Unter- scheidung der Puccinia anomala Rostr. von Puccinia straminis seine in der Ugeskrift for Landmaend. Iste^) Band 1875 veröffent- lichte Arbeit citirt. und als ich diese durchlas, fand ich dort S. 549—55(5 die Unterscheidung beider Arten veröffentlicht und auf genaue Culturversuche begründet. Da diese Zeitschrift recht selten in Deutschland sein möchte, so will ich einige einschlagende Stellen des Nielsen'schen Textes hier mittheilen. Der in der Ugeskrift for Landmaend. Fjerde ßaekkes niende Bind Nr. 18 — 21, 5te Mai — 27te Mai 1875 von Nielsen veröffentlichte Aufsatz lieisst: De for Landbruget farligste Rustarter og Midiere imod dem. p]r sagt dort, nachdem er de Barys Resultate dargelegt hat, S. 550. „Det vil her vaere paa sin Plads at omtale et Forsog, der staar i iiöje Forbindelse med det ovennaevnte: Den 15. Juni indsamledes ^) So — als Iste Band — ist es merkwürdiger Weise bei Nielsen 1. c. citiert. In Wahrheit ist es Fjerde Raekkes niende Bind. 91 Blade of Törstetrae (Rhammis Frangula), Vrietorn (Rhamnuft cathartica) Stikkesbaer (Rihs Grossidaria) og Fölfod, hvilke alle vare befaengte med Skaalrust (Aecidiura). 4 Urtepotter med iinge ßajgraesplaoter (Lolüan), opelskede af Frö, stode rede til at raodtage en üdsaed of Skaalrustsporer fra de 4 ovennaevnte Arter. Den 16. Juni foretoges Udsaeden. Skaalrustsporer fra Vrietornens Blade overförtes paa Eajgraesplanterne i den enc Urtepotte, den anden besaaedes med Törstestraaets Skaalrustsporer, den 3 og 4 modtog Udsaed henholdsois of Skaalrustsporer fra Stikkesbaer og Fölfod, hvorefter ßajgraesplanterne beduggedes og daekkedes med Glasklokker, efterhaanden som Rüsten var overfört paa dem, og saratidig med at de henstilledes i samme Vindue. Tre Dage efter borttoges Glasklokkerne, og Planterne behandledes herefter som ondre Potteplanter. Den 25. Juni, alsaa 9 Dage efter at Udsaeden var foretaget, viste sig talrige Rustpletter paa Bladene of de Raj- grasplanter, hoorpaa Skaalrustsporer of Vrietornen vare overförte. Fra ßajgraesset overförtes Snylternes Sommersporer paa Bladene of nogle i Potter dyrkede Havreplanter, der netop vare ved at skride igjennem. '7 Dage efter viste sig Rustpletter med Sommer- sporer paa de besaaede Bladpartier, og allerede inden 14 Dages Forlöb var der begyndt at danne sig talrige Pletter of Vintersporer paa Bladenes Underflade. Paa de övrige Planter fremkom deimod ingen Rust (kein Rost), og endnu 2 Maaneder efter, da Forsöget afsluttedes, befandtes de rustfri. 4. Raygraesrust {Fuccinia Lolii) — som jeg indtil videre vil kalde denne Snyttesvamp, hvad euten det nu er en Form af Kronrust eller en selvstaendig Art — snylter altsaa som Skaalrust paa Bladene of Vrietorn — "Nielsen beschreibt dann ausführlich das Uebergehen der Aecidien von Rhamnus cathartica auf das Rajgras und die Verbreitung des so auf ihm entstandenen Rostes. Es geht also hieraus hervor, dass Nielsen diesen Rajgras- rost als systematische Einheit unterscheidet, und es nur dahin- gestellt lassen will, ob es eine Form des Kronrostes oder eine selbstständige Art ist. Dass Nielsen 1877 in der Botanisk Tids- krift 1. c. diesen Namen nicht erwähnt, beweist keineswegs, dass er diesen in der ügeskrift for Landmaend veröffenthchten Namen als nicht richtig publicirt betrachtet. Denn er erwähnt dort S. 35 seine in der ügeskrift for Landmaend 1. c. S. 567 aufgestellte Art ürontyces Hordei, um auseinanderzusetzen, dass sein Name den von Rostrup und von Koer nicke dieser Art gegebenen Namen weichen muss, weil letztere die Priorität haben. Auch habe ich von ihm durch Aussaat des Aecidium Rhamni Gmel. auf Lolium, gezogenen Rost als Puccinia Lolii mitgetheilt erhalten. Fuccinia Lolii Nielsen fällt daher vollständig zusammen mit der sehr viel später veröffentlichten Puccinia conorifera Kleb., und müsste diese Art nach meiner Meinung forthin als Puccinia Lolii Nielsen bezeichnet werden. 17* 92 Von einem anderen auf Festiica ovina L. und F. diiriuscula L. auftretenden Kronenroste hat Plowright 1890 nachgewiesen, dass er zum Aecidium Peridymeni Schum. auf Lonicera-Arten gehört, und H. Klebahn und Ed. Fischer haben das durch Culturversuche bestätigt. Der Pappus als Verbreitungsmittel der Compositen- früchte. Von Robert Frieb (Wien). Obwohl gerade in der Famihe der Compositen die Zahl der in morphologischer Hinsicht verschiedenartigen Vorrichtungen zur Verbreitung der Früchte eine ziemlich bedeutende ist (Hildebrand zählt 18 verschiedene Formen der Verbreitung, wobei er noch die durch bewegtes Wasser unberücksichtigt lässt), so zeigt sich doch bei genauerer Betrachtung, dass im Allgemeinen der Pappus hie- be! die weitaus bedeutendste Eolle spielt. Die Untersuchungen zahlreicher Forscher — in erster Linie Hildebrands („Verbrei- tungsmittel der Pflanzen", „lieber die Verbreitungsmittel der Com- positenfrüchte"), Kerners („lieber den Einfluss der Winde auf die Verbreitung der Samen im Hochgebirge"), Kronfelds („üeber einige Verbreitungsmittel der Compositenfrüchte") — bestätigen auch, dass diese Einrichtung in der ganzen Familie ein hervor- ragendes und vortreffhches Verbreitungsmittel bildet. Morphologisch ist der Pappus auf den Kelch zurückzuführen und besteht in der Regel aus einer grösseren Anzahl schirmförmig angeordneter, haariger oder federiger Anhänge, die, wie sich Kerner ausdrückt, „eine derartige bewundernswerthe Structur haben, dass sie bei möglichst geringer Masse und möglichst geringem Gewichte der Luft eine möghchst grosse Angriffsfläche darbieten". Und es ist auch sicher, dass in den meisten Fällen eine Verbreitung durch den Wind stattfindet, da sich bei vielen Arten schon bei dem leisesten Windhauche die Achaenen vom Frucht- boden loslösen und mit dem Winde davonschweben. Dies gilt insbesondere von den Gattungen Senecio, Aster, Leontodon, Crepis n. a. m. Doch scheint auch die Verschleppung durch Thiere bei der Verbreitung keine geringe Eolle zu spielen ; denn innerhalb vieler Gattungen finden wir Arten, deren Früchte tief in den Spät- herbst, ja selbst in den Winter hinein, in ihren Fruchtständen vereinigt bleiben und so also dem Winde Trotz bieten — jedoch leicht von Thieren, an deren Felle sie sich mittelst verschieden- artiger Vorrichtungen festhaften, verbreitet werden. Dieser letzteren Thatsache wurde bisher eigentlich wenig Rechnung getragen. De C and olle bestreitet sogar diese Art der Verbreitung (Geographie botanique), was wohl jedenfalls darauf zurückzuführen ist, dass er mehr den äusserlich auf die Ver- breitung der Früchte Einfluss übenden Agentien seine Aufmerksamkeit widmet und auf die Verbreitungsausrüstungen, als für die wirkliche 93 Verbreitung geringer wichtig, weniger achtet. Hildebrand legt wohl der Verbreitung durch Thiere Wichtigkeit bei — in seiner Untersuchung „üeber die Verbreitungsmittel der Corapositenfrüchte" schreibt er: „Dieses Mittel der Verbreitung ist ein ungemein weitgrei- fendes, denn die in der freien Natur umherschweifenden Thiere werden bald hier bald dort ein Achaenium von ihrem Pelze verlieren, einzelne wohl sogar Tage lang mit sich herumschleppen und hier- bei an Orte bringen, bis zu welchen die Wirkung des Windes kaum reichen dürfte — ", doch scheint er diese Verbreitungsforra auf wenige Gattungen zu beschränken: Bldens, Heterospermum, Verhesina und wenige andere von den Pappus tragenden Formen. Arten mit vielstrahligem, schirmförmigen Pappus zählt er nicht in den Kreis dieser Verbreitungsart. Kronfeld („lieber einige Verbreitungsraittel der Compositen- früchte") ist der Einzige unter Denjenigen, welche sich mit diesem Thema beschäftigten, der auf die Verbreitung der pappustragenden Compositenfrüchte durch Thiere Gewicht legt. Ebenso scheinen mir von nicht geringerem biologischen Interesse jene Formen zu sein, bei welchen besondere Anpassung an beide Verbreitungsformen vorliegt. Im Verlaufe meiner Betrachtung werde ich auf diese Fälle zurückkommen. In den vorliegenden Blättern habe ich, gestützt auf die Unter- suchung einer grösseren Anzahl von Arten, die Verbreitungsform auf die Eigenthümlichkeiten der Pappustypen zurückzuführen ver- sucht. In erster Linie erstreckte sich diese Untersuchung auf Formen, deren Fruchtstände ich im Freien beobachten konnte : Arten der Gattungen Senecio, Solidago, Hieracium, Leoniodon, Aster. Eiipatorium, Biotia, Inula u. a. m. Eine grössere Anzahl von Formen untersuchte ich innerhalb der Gattungen Senecio und Hieracium, um mir über die Oonstanz der Verbreitungsvorrichtungen innerhalb einer Gattung Klarheit zu verschaffen. Auf Grund dieser Untersuchung gelangte ich zu folgendem Ergebnis: Im Allgemeinen lassen sich die zartstrahligen Pappusformen auf drei Typen zurückführen. 1. Die Bekleidungszellen der Pappusstrahlen treten an ihren Querscheidewänden als Stacheln oder Zähnchen hervor. Diese Pappusform tritt in den weitaus meisten Fällen auf und findet sich z. B. ausschliesslich bei Hieracium, Solidago, Senecio, Crepis, Aster, Eupatorium , Erigeron, Inida u. a. ra. (Fig. 1 — 4). In einzelnen Füllen, wie z. B. Chrysocoma (Fig. 5) und Silybum, erscheinen einzelne Zellen ganz zu Stacheln ausgebildet. Bei diesem Typus ist eine zweifache Verbreitungsweise sehr naheliegend. Die Stacheln des Pappus bewirken eine bedeutende Oberflächen- erweiterung, sind daher ein ausgezeichneter Factor beider Wind- verbreitung, andererseits sind dieselben sicherlich auch von Ein- fluss auf die Verbreitung durch Thiere, welch' letzteres wohl besonders dann der Fall ist, wenn sich dieselben, wie ich bei einigen 94 Formen beobachtete, hakenförmig krümmen, wie z. B. bei Solidago latifolia (Fig. 4). l. 5. Pappusstrahlen. Fig. 1. Solidago Canadensis. — Fig. 2. Senecio aquatieus. — Fig. 3. S. eraticus. — Fig. 4. Solidago latifolia. — Fig. 5. Chnjsocoma sp. — Fig. 6. Leontodon incanus. — Fig. 7. Centaurea sp. — Fig. 8. Podo- sperrmim canum. — Fig. 9. Lactuca virosa. — Fig. 10. Scorzonera cristata. Jedenfalls muss aber in all' diesen Fällen das Eutwieklungs- verhältnis von Pappus und Achaene in Rechnung gezogen werden. Eine häufige Erscheinung ist die, dass die Achaene bezüglich ihrer 95 Grösse und ihres Gewichtes stärker entwickelt ist als der Pappus und letzterer oft bedeutend reduciert erscheint, so dass die Früchte ziemlich schwer wegfliegen, jedoch beim leisesten Anstreifen sich an den Kleidern festhaften. Diese Verhältnisse beobachtete ich besonders bei Arten von Solidago und Hierackmi (z. B. S. lati- folia, S. Canadensis, S. petiolaris, H. pallidiflorum). Bei anderen Formen, wie Aster glahelhiSy Aster squarrosus, Biotia macropltißla u. a., ist der Pappus im Verhältnis zur Achaene viel stärker ent- wickelt, daher hier wohl Wiudverbreitung vorherrschend ist. Dies letztere dürfte wohl auch der Fall sein bei solchen Arten, bei welchen die äusseren Verlängerungen der Bekleidungszellen der Pappusfäden blos schwach zahn- oder papillenförmig ausgebildet sind, wie z. B. bei Lactuca virosa (Fig. 9) und Biotia macrophylla. Bei den Gattungen Senecio und Hieracium, die ich hinsicht- lich der Pappustypen eingehender untersuchte, fand ich eine ziem- liche Constanz der Forraenverhältnisse und nur geringe Ab- weichungen von dem für diese Gruppe typischen Soli dagotypu s. Jedenfalls haben wir die Stachelbildungen bei diesem Typus als eine weitgehende Anpassung an die Verbreitung durch Thiere aufzufassen, was natürlich aber nicht ausschliesst, dass in all' diesen Fälleii auch Windverbreitung neben der ersteren auf- treten kann. Krön fei d, der dieser Verbreitungsausrüstung auch seine Aufmerksamkeit widmet, ist ebenfalls der Meinung, dass wir es hier mit einer secundären, aber äusserst wichtigen Verbreitungs- ausrüstung zu thun haben: „Wir sehen hier wieder klar, dass kein morphologisches Merkmal, und sei es auch noch so „gering- fügig" wie die aufwärts gerichtete Stellung der Haarzähnchen am Pappus, für die Biologie belanglos ist." 2. Weniger häufig und im Grunde blos eine Variation der ersten Form ist der Typus, wie er bei Centaurea (Fig. 7), Scrratuhi u. a, vorkommt. Es erscheinen hier alle Bekleidungszellen zu Fortsätzen ausgezogen, so dass die Pappusstrahlen eine gefiederte Structur annehmen. Diese bedeutende Obertlächenvergrösserung der Pappusstrahlen lässt wohl keine andere Deutung zu, als die, dass wir es hier mit reinen Flugorganen zu thun haben. 3. Die letzte Grundform des Pappus repräsentiert sich uns als die weitgehendste Anpassung an die Windverbreitung. Die Pappusfäden erscheinen hier besetzt mit Trichombildungen, welche eine ziemlich bedeutende Länge erreichen können. Formen von diesen Habitus finden sich z. B. bei Podospermum canuni, (Fig. 8), Chamepeuce casahona, Cirsium Candolleanuin, ürospermum picroides, Cnicus Andersoni u. a. m. Von biologischem Interesse sind Combinationen dieses Typus mit dem Solidagotypus. Solche finden sich zum Beispiel bei Leontodon incanus (Fig. 8), bei welcher Form neben Stacheln auch Trichome auftreten, oder bei Scorzonera crisfata (Fig. 10), bei welcher die Pappusstrahlen in 96 ihrem Verlaufe mit Trichomen bedeckt sind und blos die Spitze frei und mit Staehelbildungen besetzt ist. Wir haben es also im Pappus mit einer eminent wichtigen Ausrüstungsvorrichtung für die Verbreitung der Art zu thun, die in ihrer Mannigfaltigkeit auf den ersten Blick fast als eine Ver- schwendung der Natur erscheint; sie ersetzt der Pflanze dadurch in hohem Grade die mangelnde freie Beweglichkeit und steuert dadurch den verschiedenen Naehtheilen, die der Art durch fort- gesetztes Beibehalten desselben Standortes drohen. Ein Nachtrag zu meinem Prodromns der Algenflora von Böhmen. Von Prof. Dr. Anton Hansgirg (Prag). Da ich in Folge meines im Jahre 1892 gefassten Entschlusses^) an der von mir vom Jahre 1880 bis 1892 fortgeführten algolo- gischen Durchforschung Böhmens mich nicht mehr betheiUgen werde, so mögen hier blos folgende Schlussbemerkungen zu meinem Prodromus mitgetheilt werden. Unter den von mir Herrn K. Hirn zugesandten und von diesem Algologen in seiner im Jahre 1900 erschienenen schönen Arbeit „Monographie und Iconographie der Oedogoniaceen" be- schriebenen Oedogoniaceen-Arten, welche ich in Böhmen gesammelt habe, sind folgende Arten und Varitäten für Böhmen neu: 1. Oedogonium hohemiciim sp. nov. Hirn 1. c. p. 170 cum icone. Bisher blos aus Sümpfen bei Lomnitz nächst Wittingau bekannt. 2. Oe. rupestre sp. nov. Hirn 1. c. p. 169. Von mir an feuchten Felsen bei Podmoran nächst Eostok gesammelt. 3. Oe. concatenatum (Hass) Wittr. In Sümpfen bei Brüx von mir gesammelt, 4. Oe. vircehurgense Hirn 1. c. p. 301. In Sümpfen bei Libochowitz (leg. A. Hansgirg). 5. Oe. rufescens Wittr. F. LundelUi Hirn I. c. p. 77. Bei Neratowitz in Böhmen von mir gesammelt. Die von mir in meinem Prodromus, I. Theil, p. 221, 260 unter dem Namen var. rufescens beschriebene neue Oedogonium- Form, welche ich mit der Species Oe. riifesceus Wittr. vereinigt habe, ist von dieser Art zu trennen und kann unter dem Namen Oedogonium saxaüle nob. als eine seltene, auf feuchten Felsen vegetirende Art aufgestellt werden.^) 1) Siehe des Verfassers „Prodromus", IL Theil, 1892, pag. 268. 2) Alle übrigen, in Hirns obengenannter Monographie aus Böhmen citierten, von Hirn revidierten Oedogonium- und Btdbochaete- Arten habe ich in meinem Prodromus beschrieben, und zwar nicht blos von den in Hirns Arbeit genannten, sondern meist noch von zahlreichen anderen böhmischen Standorten. 97 Akademien, Botanische Gesellschaften, Vereine, Congresse etc. Kais. Akademie der IVissenschaften in Wien. Sitzung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe vom 24. Jänner 1901. Das w. M. Herr Director Prof. E. v. Wettstein legt eine Mittheilung von Herrn Dr. ßudolf Wagner vor, betitelt: „Diag- nosen neuer Polycarjmea -Arten von Sokotra und Abd el Küri". Polycarpaea kuriensis n. sp. Perennis subcaespitosa glabra; caulibus lignosis ramosis prostratis vel subterraneis; fohis crassis linearibus vel anguste spathulatis; stipulis acuminatis; floribus sessilibus in spicas paucifloras ad apices rhachium folia aequantium vel vix doplo longiorum eongestis ; sepalis scariosis acuminatis quam petala longioribus. Capsula deest. Perennis 10 — 15 cm alta. Gaules lignosi cum basibus folio- rum persistentibus arcte vestiti; ramuli annui recti vix anfractuosi inter folia dense rosulata adscendendes vel erecti. Folia basalia 1— 3'5 cm longa anguste spathulata vel linearia 2 — 5 mm lata in petiolura longum sensim attenuata abrupte acuminata, ramulorum cum ramificationis generatione sember breviora atque brevius petio- lata, nunquam filiformia. foliis secundariis minoribus ad axillas fasciculatis pseudoverticillatis. Stipulae rainutae 1 mm longae acutae margine hyalina. Internodia foliis sesquilongiora vel duplo longiora. Flor es sessiles in spicas densas paucifloras ad apices rhachium folia aequantium vel vix duplo longiorum termina- lium vel axillarium congestas dispositi. Bracteolae fusco-rufae lata ovatae nervo medio prominente margine angusta hyalina. Sepala ovata acuminata scariosa fusca bracteolis duplo fere longiora nervo medio colorato carinata apice colorata basi late marginata margine hyalina. Petala sepalis breviora Staminum filamenta basin versus sensim arapliata. Stylus cum Stigmata ovario duplo fere longior. Hab.: Africae orientalis insula Abd el Küri, ubi leg. Prof. Dr. 0. Simony, 18. Jan, 1899. Ueber den Standort theilt der Entdecker Folgendes mit: Die Polycarpaea kuriensis R. Wagner wächst an sandigen Stellen unterhalb des westlichen Gipfelplateaus (516 7n) des beim Hafen von Abd el Küri sich bis zu einer Höhe von etwa 570 m erheben- den Djebel Säleh; habituell erinnerte sie ihn an die im Anaga- Gebirge auf Teneriffa häufig vorkommende Polycurpaea Teneriffae Lam., eine von de laHaye, dem Gärtner der Entrecasteau sehen Expedition zuerst gesammelte, übrigens sehr vielgestaltige Art, die namentlich mit Pol. latifolia Poir. durch Zwischenformen viel- fach verbunden scheint. 98 Entschieden näher als die Pol. Teneriffae Lam. steht der Polycarpacd hirioisis die in Leopold v. Buchs Beschreibung der Canarischen Inseln (1825, S. 142) beschriebene Pol. Smithii Link {Paronyrh.ia SmHhii Choisy ex Link 1. c), welche bezüglich der Biälter und auch im Allgemeinen habituell völlig übereinstimmt, jedoch prima vista durch ihre weit reicher verzweigte Inflorescenz, die mehr an diejenige der Pol. Teneriffae Lara, erinnert, zu unterscheiden ist. Exemplare von Pol. SniitJiü Link finden sieh im k. k. naturhistorischen Hofmuseum; das eine ist von Karl Bolle 1854 auf Palma gesammelt, das andere, gleichfalls auf Palma „ad convallium rupes", hat Bourgeau in seinen „Plantac Canarienses" unter Nr. 131 ausgegeben. Eine Abbildung der Pflanze findet sieh in der Phytogrnphia canariensis, vol. 3, p. 160, tab. 23. (Webb et Berthelot, Histoire naturelle des iles Canaries. Tome III, deuxieme partie. Phyt. Oanar.) Die andere, von der Expedition der kaiserl. Akademie der Wissenschaften mitgebrachte neue Polycarpaed ist PolycAirpaca Paiddyana n. sp. Annua (?) glabra ramosissima divaricata erecta vel adscendens sesquipedalis; foliis papyraceis spathulatis longe petiolatis abrupte acuminatis; stipulis minutis acutis hyalinis; floribus 3 mm longis sessilibus in spicas paucas 2— 10-floras ad apices rhachium longorum gracilium dispositas aggregatis; sepatis hyalinis bracteolas duplo superanlibus Capsula longioribus. Herba tenuis pallida viridis oranino glabra ramosissima ramis gracilibus anfractuosis et geniculatis. Foliabasalia..., raraulorum late spathulata cum ramificationis generatione minora, maximis 6 cm longis 1*5 cm latis petiolo 4 cm longo, subacuminatis. lamina abrupte in petiolum basin versus sensim angustiorem angustatis, minimis anguste oblanceolatis siccis fere filiforraibus 3 mm longis. 05 mm latis, ad nodum quemque fasciculata pseudo- verticillata. Stipulae minutae acutae hyalinae media nervo fusco. Internodia foliis duplo vel triplo longioribus. Flores sessiies in spicas paucas laxiusculas 2 — 10-floras ad extremitates rhachiun) longorurti filiformium folia duplo vel triplo superantium congestas dispositi. Bracteolae hyalinae acutae nervo medio fusco promi- nente carinatae. Sepala ovata apice rotundata, nervo medio eva- nescente hyalina capsulam atque petala capsulam aequantia super- antia. Stylus cum stigmate ovarium subaequans. Hab. Sokotra. Küstengebiet bei Ras Kattanen (29. Jcänner 1899) und Ras Mümi (3. Februar 1899) an steinigen Stellen. Diese von Dr. St. Paulay entdeckte Art schliesst sich gleich- falls an makaronesische Formen an, namentlich bezüglich der Blattform an P. camosa Smith, sowie an P. Teneriffae Lam.; am meisten Aehnlichkeit haben die Blätter mit der von Willdeno w im Hortus Berolinensis, tab. XI unter dem Namen MoUia diffusa abgebildeten Form. 99 Sitzung der mathem. -naturwissenschaftlichen Classe vom 15. Februar 1901. Herr Dr. Ludwig Lämraermayr, Assistent an der Lehr- iianzel für Botaniii der k. k. Hochschule für Bodencultur in Wien, legt eine im pflanzenphysiologischen Institute der k. k. Wiener Universität von ihm ausgeführte Arbeit vor, betitelt: „Beiträge zur Kenntnis der Heterotrophie von Holz und Rinde." Botanische Section des naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark in Graz. Versammlung am 19. December 1900. Herr Prof. K. Fritsch legte den Jahrgang 1900 der „Oester- reichischen botanischen Zeitschrift" vor und machte insbesondere auf die in demselben enthaltenen, für die Kenntnis der steier- raärkischen Landesflora wichtigen „weiteren Beiträge zur Flora von Steiermark" von J. Freyn aufmerksam. Hierauflegte der Obmann der Section. Herr Prof. F. Krasan, eine Anzahl seltener und interessanterer Pflanzen vor, welche von Herrn B. Fest in den Umgebungen von Murau (West-Steiermark) gesammelt und an die botanische Section eingesendet worden waren. Versammlung am 9. Jänner 1901. Zu Beginn der Versammlung erklärte der abtretende Obmann, Herr Schulrath Prof. F. Krasan, eine Wiederwahl nicht mehr annehmen zu wollen. Li Folge dessen wurde für das Jahr 1901 Prof. K. Fritsch zum Obmann der Section gewählt. Zum Schrift- führer der Section wurde für dieselbe Functionsdauer Herr Prof. F. Krasan gewählt. Hierauf hielt Herr Prof. K. Fritsch einen von Demonstrationen begleiteten Vortrag über Gynodioeeie bei 31yosotis palustris (L.). Die Untersuchungen des Vortragenden, welche an anderer Stelle^) veröfl'entlicht wurden, ergaben der Hauptsache nach folgende Resultate: Myosotis palustris (L.) — im weiteren Sinne — ist eine gynodioecische Pflanze, eine Thatsache, die schon von Mac Leod in Belgien beobachtet worden war. Die weibliche Pflanze hat auffallend kleine Blüten und wurde daher von mehreren Autoren als „var. parviflora"- beschrieben. Die Antheren der weiblichen Pflanze sind während der Anthese dem Rande der Blumenkronenröhre ange- drückt, während jene der Zwitterblüten — um von den die Blüten besuchenden Insecten gestreift zu werden — eine Schrägsteflung gegen die Mitte der Blüten zu einnehmen. Früchte entwickelt sowohl die zwitterige als auch die weibliche Pflanze in reichlicher Menge. 1) Berichte der deutschen botanischen Gesellschaft XVIII, pag. 472 (December 1900). 100 Bei den anderen einheimischen 3Iyosotis- Arten gelang es bisher noch nicht, Gynodioecie nachzuweisen. Schliesslich setzte Prof. F. Krasan die Demonstration der von B. Fest gesammelten Murauer Pflanzen fort. Versammlung am 23. Jänner 1901. Herr 0. Porsch besprach, anknüpfend an seinen am 5. Decem- ber 1900 gehaltenen Vortragt), die vegetativen Organe der Galeopsis -Arten aus der Section Tetrahit und wies darauf hin, dass in Folge starker Anpassungsfähigkeit die an den vege- tativen Organen beobachteten Merkmale keine sichere Unterschei- dung der einzelnen Arten der Section gestatten. Ferner legte Herr Prof. Krasan zwei extreme Formen von Teucrium montannm L. aus Steiermark vor. Die eine breitblättrig, von lockerrasigem Wuchs, mit ausgebreiteten Stämmchen. Die Blätter derselben sind weich, lanzettlich, flach, am Rande wenig oder gar nicht umgerollt, die Triebachsen und Blätter auf der Unterseite nur sehr schwach filzig behaart. Diese Form ist im östlichen und südlichen Theile von Steiermark, so weit das Kalk- gebirge reicht, verbreitet und dort vorherrschend. Im nordwestlichen Theiie Steiermarks scheint dagegen, beson- ders in der Gegend von Aussee und am Dachstein, eine sehr schmal- blättrige Form von gedrungenem Wuchs die häufigere zu sein. Diese Form ist durch schmale, linealische steife Blätter, die am Rande stark zurückgerollt sind, und die dichtfilzigen Triebspitzeu ausgezeichnet. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich deutlich die Inconsequenz, welche aus dem Gebrauche der üblichen Bezeichnung „Varietät" sich ergibt. Wer in Steiermark das Teacrkim nioiitcomm. zuerst im Süden oder Osten in der breitblättrigen Form kennen gelernt hat, wird diese als die Hauptform, und die nur hie und da vorkommende schmalblättrige, wahrscheinlich als Varietät ansehen ; wer aber mit dieser Teucrium- Art zuerst im Nordwesten Bekannt- schaft gemacht hat, wo die schmalblättrige Form die vorherr- schende ist, wird zu der umgekehrten Auffassung geneigt sein, in in der Meinung, dass sich die breitblättrige durch Variation aus der schmalblättrigen herausgebildet habe, oder vielleicht im Glauben, dass überall die letztere die vorherrschende ist; darum bleibt nichts Anderes übrig, als das Wort Varietät nur dort zu gebrauchen, wo man in Folge eines experimentellen Beweises hiezu berechtigt ist, sonst aber mit dem neutralen Wort „Form" sich zu behelfen. Versammlung am 6. Februar 1901. Herr Prof. K. Fritsch legte zunächst neue Literatur vor und besprach insbesondere die neueste Lieferung der „Synopsis" von Ascherson und Gräbner, welche den Beginn der Rosaceen 1) Vgl. diese Zeitschrift 1901, Nr. 1, pag. 36. 101 enthält, und den ersten (Literatur-) Band der Flora von Tirol von Della Torre und Sarnthein. Hierauf legte derselbe die eben erschienene 33. und 34. Centurie der „Flora exsiccata Austro- Hungarica"' vor und besprach die bemerkeuswertheren Arten dieser Ausgabe. Schliesslich zeigte Herr Prof F. K ras an eine weitere Serie der von B. Fest bei Murau gesammelten Pflanzen. Von der im Verlage der königl. botanischen Gresell- schaft zu Begensburg erscheinenden Flora exsiccata Bavarica sind nunmehr die zwei ersten Lieferungen der Bryophyta zur Ausgabe gelangt. Dieselben enthalten je 25 Arten, nämlich 6 Sphagmim-Arten, 1 Ändreaea, 16 Acrocarpae, 15 Fleurocarpae und 12 Hepaticae. Die einzelnen Arten sind säramtlich in Enveloppes aus starkem Packpapier, jede Lieferung in einem Pappkasten untergebracht. Die Bryophyten können sowohl durch Kauf (pro Exemplar einschliesslich Ausstattung und Verpackung zum Preise von 15 Reichspfennigen) als auch durch Lieferung getrockneten Mate- riales (jede Art in 30 Exemplaren) erworben werden. Diesbezüg- liche Anfragen wollen an den Herausgeber der Bryophyten Herrn Dr. phil. J. Pamiller in Karthau s-Pr tili bei Regensburg, gerichtet werden. Dr. Poeverlein. Wiener Botanische Abende. Versammlung am 9. Jänner 1901. — • Vorsitzender Herr Prof. Wilhelm. Die Sitzung eröflFnete ein Vortrag von Herrn Dr. R. Wagner „Zur Frage der Ableitung des adossierten Vorblattes". Es ist bisher eine offene Frage geblieben, ob das zweikielige adossierte Vorblatt mancher Liliaceen ein einheitliches Gebilde darstellt, oder ob dasselbe als Verwachsungsproduct zweier trans- versaler, nach hinten convergierender Vorblätter aufzufassen sei. Für einige in der Gattung Smilax L. vorkommenden Fälle war auf Grund der Stellungsverhältnisse der Beweis zu erbringen, dass mit grösster Wahrscheinlichkeit zwei transversale Vorblätter anzu- nehmen sind, beziehungsweise dass das adossierte Vorblatt als Doppelblatt aufgefasst werden muss (s. Smilax Helferi A. DO., Sm. p)rolifera Roxb., Sm. Roxhuryhiana Wall.). Besonders inter- essant ist der Fall vonSm. zeylanica L., wo ein Gegensatz zwischen vegetativen Achselsprossen und den gleichfalls axillären Inflores- cenzen in dem Sinne besteht, dass letztere mit zwei getrennten, nur wenig nach hinten convergierender, ganz von der Basis in- serierten tranversalen Vorblättern einsetzen, während die vege- tativen Sprosse ein gleichfalls besonders adossiertes Vorblatt be- sitzen. Das erste auf die Vorblätter folgende Blatt fällt in allen 102 Fällen wieder nach hinten ; es wäre also dem adossierten Vorblatt superponiert, wenn letzteres ein einziges Blatt darstellen würde. Thatsäehlich handelt es sich um eine Pseudosuperposition. Näheres über zahlreiche andere Fälle wird an anderer Stelle mitgetheilt werden. Herr Dr. A. v. Hayek sprach sodann „über die pon tisch- subalpine Mischflora in Südsteiermark. Die pannonische Flora nimmt in Steiermark ein kleines Areal im Osten und Süden, besonders im Pettauer Feld und streckenweise im Murthale ein, während sich die Vegetation des übrigen Landes- theiles aus Elementen der baltischen und alpinen Flora zusammen- setzt. Im Gebiete südlich vom Bachergebirge und der Drau findet man nun eine Vegetation, die mau weder dem baltischen, noch dem pontischen Florengebiete zuzählen kann, sondern welche sich aus Elementen beider zusammensetzt. Ausserdem findet man ein- zelne Anklänge an die Mediterranflora, wie Aspliodelus albus Mill.. Genista radiuUt Scop., Ceterach offinarum W. Die der pontischen Flora angehörigen Gewächse sind jenem Theil derselben zuzuweisen, die Kern er als den illyrischen Gau bezeichnet hat, die baltischen hingegen dem subalpinen Gau dieser Flora (nach Kerner) '), Im Allgemeinen lassen sich in diesem Gebiete zwei Vegetationsforma- tionen unterscheiden: der Kastanien wald und die Formation des Perückenstrauches. Der Kastanienwald ist ein vorwiegend aus Laubholz bestehender Mischwald, den hauptsächlich Eichen, Fichten, Tannen, Hainbuchen und Edelkastanien zusammensetzen, während der Niederwuchs wesentlich aus DiantJms harbatus L., Cytisus supinus L., C. nigricans L., Hacquetia Epipactis D.O., Ruscus Hypoglossum L. (pontisch) und Aposeris foetida Cass., Vicia orohoides Wolf etc. (baltisch) besteht. Dieser Kastanienwald bedeckt vor Allem die Berge rings um Cilli bis an den Fuss der Sannthaler Alpen, während das Buschwerk an den Abhängen des Sann- und Savethales und einiger anderer Stellen die Formation des Perücken- strauches darstellt. Diese setzt sich zusammen aus Cotinus Coggyria Scop., Ostryn carpinifolia Scop., Fraxinus ürnus L., Rhamnus Carniolica Kern, (illyrisch) und Amelanchicr ovalis Med., Cornus sanguinea L. (subalpin), während der Niederwuchs von Rannnculus scutatus W. K., Allium ocliroleiwum W. K., Centaurea variegata Lam., Scabiosa Hladnikiana Host (iilyrisch) und Campanula tkyrsoidea L., Saxifraga incrustata Vest., Gcntiana vulgaris (Neilr.), Rhododendron hirsutum L. (subalpin) gebildet wird. Wenn wir die Frage nach der Entwicklungsgeschichte dieser eigenthümlichen Mischflora aufwerfen, so kommt zuerst die Frage in Betracht, ob wir es nicht hier, wie an manchen anderen Orten, mit einem gegenwärtigen Vordringen der pontischen, resp. illyrischen Flora zu thun haben. Die am weitesten nach Westen an den Fuss ^) Dieser subalpine Gau ist nicht zu verwechseln mit der subalpinen Kegion, welche in jedem Florengebiete in entsprechender Höhenlage auftritt. 103 der Sannthaler Alpen vordringenden Gewächse sind jedoch nicht, wie man es in einem solchen Falle erwarten müsste, annuelle Pflanzen, sondern strauehige und Zwiebelgewächse (Rhamnus Carniolica Kern., Lilium Carniolicum Bernh., Allium ochroleucum W. K., Asparagus tenuifoUns Lara,). Dies , sowie das vereinzelte Vorkommen der oben erwähnten Mediterranpflanzen machen es vielmehr wahrscheinlich, dass das ganze Gebiet früher von einer an ein wärmeres Klima gebundenen Flora bewohnt war, welche zur Eiszeit zurückgedrängt wurde, während die Elemente der balti- schen Flora in das Gebiet einwanderten, so dass wir die pontischen und mediterranen Gewächse jener Gegend als ßeste aus der prae- glacialen Zeit zu betrachten haben. Zum Schlüsse hielt Herr Dr. F. Vierhapper an der Hand instructiven Herbarmateriales einen Vortrag „üeber Soldanella minima und Sold, pnsilla^ . Vortragender hält die alte Theilung der Gattung Soldanella in zwei von einander scharf geschiedene Gruppen aufrecht. Die Arten der Section (Ä alpina, montana. Hungarica u. s. w.) haben Schlundschuppen in der CoroUe, während den Arten der anderen Section (S. minima und j^usilla) diese Gebilde fehlen. Er erläutert dann die morphologischen unterschiede und die geographische Verbreitung der beiden letztgenannten zu- sammengehörigen Arten und hebt hervor, dass alle Angaben von einem Vorkommen der S. pusilla in Niederösterreich falsch sind, da sie auf einer Verwechslung derselben mit dem hier häufigen Bastarde S. minima X ciljrina (S. Ganderi Huter) beruhen. Grosses Interesse fand eine ßeihe mikroskopischer Präparate be- treffend die Spermatozoiden und den Befruchtungsvorgang bei Cycus revoluta, Originale, welche S. Ikeno (Tokio) in zuvorkommendster Weise zur Verfügung gestellt hatte, und welche Herr Prof. Wettstein demonstrierte. Endlich kam eine Oollection von Vegetationsbildern aus Cihcien, aufgenommen von W. Siehe (Mersina), zur Demonstration. Versammlung am 6. Februar 1901. — Vorsitzender Herr Prof. Dr. P. Pfurtscheller. Herr Dr. L. Lämmermayr hielt einen Vortrag „lieber Heterotrophie von Holz und Binde". Nach einer kurzen Einleitung über das Wesen der Hetero- trophie bespricht Vortragender zunächst den anatomischen Charakter der Heterotrophie des Holzes bei Dicotylen und Coniferen, ins- besondere den Bau des „Rothholzes", dessen Bildung er an der Unterseite aller mehrjährigen und zum Theil auch einjähriger Coniferensprosse, sowie in seltenen Fällen auch an geneigten Coni- ferenwurzeln beobachten konnte. Auf die Heterotrophie der Wurzel übergehend, kommt er auf Grund des ihm zur Verfügung stehenden Materiales zu dem Schlüsse, dass geneigte Wurzeln von Coniferen und Dicotylen in der Nähe der Insertion einen epitrophen, in weiterer Entfernung davon einen hypolrophen Holzkörper ausbilden. 104 Es werden sodann einige von einheimischen Holzgewächsen gebil- dete Bretterwurzeln (Picea, Fagus) demonstriert und besonders auf das hier zu beobachtende völlige Aussetzen der Jahrringe an der nicht geförderten Seite hingewiesen. Sodann bespricht Vortragender die Heterotrophie der Rinde, und hebt die constante, neuerlich be- stätigte Epitrophie der Rinde parallel der des Holzes bei allen Tiliaceen und Anonaceen hervor. Zum Schlüsse gedenkt der- selbe noch der anatomischen Ausprägung der Rinden-Heterotrophie und erwähnt, dass er bei Tilia auch eine Antheilnahme des Peri- derms an der Epitrophie beobachten konnte. Zur Illustrierung des Vortrages waren auch einige mikroskopische Präparate, Rothholz und das „Auskeilen" der Jahrringe betreffend, exponiert. Hierauf bespricht Herr Priv.-Doc. Dr. Wilhelm Figdor die Frage: „Sind Gramineen-Blätter heliotropisch empfind- lich oder nicht?" Der Vortragende beantwortet sie auf Grund einer experimentellen Untersuchung im bejahenden Sinne. Er stellte fest, dass der Vaginaltheil der Blätter verschiedener Gramineen (Avena sativa , Hordeimi vulgare etc.) bei geeigneter Versuchs- anstellung befähigt ist, heliotropische Krümmungen auszuführen, üeber die Perceptron des heliotropischen Reizes seitens der Gras- blätter, sowie über einige andere einschlägige Verhältnisse wird an einem anderen Orte ausführlich berichtet werden. Zum Schlüsse referierte Dr. K. Lins bau er über die Arbeit von B. Nemec: „Die Reizleitung und die reizleitenden Structuren bei den Pflanzen". Er demonstrierte hierauf eine Reihe von diesbezüghchen Originalpräparaten, welche Herr Priv.- Doc. Dr. Nemec in dankenswerther Weise zue Verfügung gestellt hatte und welche allgemeines Interesse erweckten. EndHch gelangte noch eine Reihe von Vegetationsbildern aus verschiedenen Gebieten zur Exposition. K. Linsbauer. K. k. Zoologisch-botanische Gresellschaft in Wien. Section für Botanik und für Kryptogamenkunde. Versammlung am 22. Februar 1901. Prof. R. v. Wettstein hielt einen Vortrag unter dem Titel: „Ueber die Stellung einiger Sporozoen im Pflanzenreiche". Der Vortragende wies auf die grossen Analogien hin, welche einzelne zu den Sporozoen unter die Protozoen gestellte Organismen, wie z. B. der unter dem Namen Flasmodiwn 3Ialariae bekannte Erreger der Malaria mit den Volvocineen aufweisen, und erörterte kurz die Gründe, welche die Abtrennung dieser Organismen von den Protozoen und deren Einfügung unter die Pilze als eine den Volvocineen parallele Reihe rechtfertigen würden. 105 Botanische Sammlungen, Museen, Institute etc. Herbarium cecidiolo^icum, begründet von Hieronymus und Pas, fortgesetzt von Dittrieh lind Pax. Nr. 251—276. Die vorliegende Lieferung enthält folgende Oecidien aus Oester- reieh-üngarn : VaUrianella dentata Fall. Hemipterocecidium: Vergrössening der Blüten etc. durch Trioza Centranthi Vall. Niederösterreich, Neulengbach. leg. M. F. Müllner. Solanum Didcaniara L. Fhytoptocecidium. Abnorme Behaarung. Tirol, Schönau bei Meran. leg. K. Kec hinger. Salvia silvestris L. Fhytoptocecidium. Ausstülpung der Blattflächen nach oben. Nieder- österreich, Bisamberg. leg. iM. F. Müllner. Salix Caprea L. Hymeiiopterocecidium, durch Nematus hellus Ttodd. Niederösterreich, Mauer bei Wien. leg. M. F. Müllner. Prunus Maltaleb L. Hemipterocecidium. Blasige Zusaramenziehung der Endblätter durch Aphis Mahaleb Koch. Niederösterreich, bei Winzendorf. leg. K. ßechinger. Prunus avium L. Hemipterocecidium,. Bildung eines Blattschopfes am Ende der heurigen Zweige durch Älyzits Cerasi Fabr. Wien, botanischer Garten. leg. K. Rechinger. Pistacia Terehinthus L. Phytoptocecidium. Vergrünung der Blüten. Tstrien bei Abbazia. leg. M. F. Müllner. Acer campcstre L. Phytoptocecidium. Kahnförraige Ausbuchtung der Blattflächen nach unten. Niederösterreich. Winzendorf. leg. M. F. Müllner. Buxus sempervirens L. Hemipterocecidium. durch Psylla Buxi L. Wien, Park von Schön- brunn, leg. M. F. Müllner. Coronilla Emerus L. Dipterocecidium'. Taschenförmige Gallen, gebildet aus Terminal- und Axillarknospen durch Asphondylia Coronillae Vallot. Istrien, bei Abbazia. leg. M. F. Müllner. 106 Erica arhorea L. Dipteroccciditim. Kleine Blätterschöpfe an den Triebspitzon durch Diplosis mediterranea F, Low. Istrien, Insel Lussin. leg. M. P. Mülluer. Evonymus verrucosus Scop. Phytoptocecidium. Abnorme Behaarung- auf der Blattunterseite. Niederösterreich, bei Vöslau. leg. K. Rechinge r. Helichrysum italkum Guss. Bipterocecidium . Blattrollen an verkümmerten Zweigspitzen durch Urellia Mamniulae Frauen f. Istrien, Insel Lussin. leg. M. F. Müllner. Larix decidua Mi 11. Dipterocecidium. Blattknospen kugelig angeschwollen, durch Ceci- domyia Laricis F. Low. Niederösterreich, Mauer bei Wien. leg. M. F. Müllner. Laurus nohilis L. Phytoptocecidium. Deformierte Blüten zu Ballen gehäuft. Istrien, bei Abbazia. leg. M. F. Müllner. W. Becker, Violae exsiccatae. Für dieses Werk werden noch Mitarbeiter gesucht. Jeder erhält annähernd ebensoviel Nummern, als er Exemplare einer Form geliefert hat, ungefähr S0%. Präpariert er mehrere Formen, so hat er Anspruch auf ebensoviel Lieferungen. \b — 20^ werden für Druck und sonstige Unkosten abgezogen. Jeder Botaniker, der sich bei diesem Vortheil bringenden Exsiccatenwerke betheiligen will, möge dem Unterzeichneten mittheilen, welche Arten, Varietäten oder Hybriden er in 50 Exemplaren in diesem oder dem nächsten Jahre bestimmt liefern kann. Es wird ihm alsdann rechtzeitig Mit- theilung zugehen, wie viel Exemplare er bis zu einer bestimmten Zeit einsenden soll. Damit das Exsiccatenwerk recht vollständig wird, werden auch gewöhnliche Arten aus den verschiedenen Ländern, also von mehreren Standorten, angenommen. Nur gut präparierte Exemplare sind erwünscht. Standort, Datum des Ein- sammelns, Bodennnterlage, Höhe, Begleitpfianzen und sonstige Be- merkungen über Synonymik, Systematik etc. sind anzugeben. Von Liefg. 1 sind noch einige Exemplare zum Pr. von 8 Mk. abzugeben. W. Becker, Wettelroda bei Sangerhauseo, Prov. Sachsen. Herr Dr. Jakob v. Sterneck in Trautenau hat ein sehr be- achtenswerthes und nachahmungswürdiges Unternehmen begonnen. Er erliess einen Aufruf an die Lehrer seines Bezirkes, in welchem 107 diese zum Einsammeln einzelner Pflanzenarten in je 25 Exemplaren aufgefordert werden. Aus den einlaufenden Materialien beabsichtigt er Herbarien des Gebietes für die Schulen desselben zusammen- zustellen. Personal-Nachrichten. Priv.-Doc. Dr. E. Palla wurde zum Adjuncten an der Uni- versität in Graz ernannt und erhielt den Titel eines ausserordent- lichen Professors. A. 0. Prof. Dr. F. Reinitzer wurde zum ordentlichen Pro- fessor an der Technik in Graz ernannt. Inhalt der März-Nummer: Brunnthaler J., Prowazek S. und Wettstein B. v., Vorläufige Mittheilung über das Plankton des Attersees. S. 73. — Schiffner V., Einige Untersuchungen über die Gattung Mnkinon. S. 82. — Magnus P,, Ein Beitrag zur Geschichte der Unter- scheidung des Kronenrostes der Gräser in mehrere Arten. S. 89. — Frieb R., Der Pappus ala Verbreitungsinittel der Compositenfrüchte. S. 92. Hansgi rg A., Ein Nachtrag zu meinem Prodromus der Algenlora von Böhmen. S. 96. — Akademien, botaniucne Gesellschaften, Vereine etc. 3. 97. — Botanische Sammlungen etc S. 105. — Personalnachrichten. S. 107. Bedactenr: Prof. Dr. R. t. Wettstein, Wien, 3/3, Rennweg 14. Verantwortlicher Redactenr: J. Dörfler, Wien, III., Barichgasse 36. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. Die „Oesterreichische botanische Zeitschrift" erscheint am Ersten eines jeden Monutes und kostet ganzjährig '*> Mark. Zu herabgesetzten Preisen sind noch folgende Jahrgänge der Zeitschrift zu haben: II und III ä 2 Mark, X— XII und XIV— XXX ä 4 Mark, XXXI-XLI ä 10 Mark. Exemplare, die frei durch die Post expedirt werden sollen, sind mittelst Postanweisung directbei der Administration in Wien, I., Barbaragasse 2 (Firma C:irl Gerold's Sohn), zupränumeriren. Einzelne Nummern, soweit noch vorräthig, ä 2 Mark Ankündigungen werden mit 30 Pfennigen für die durchlaufende Petitzeile berechnet. INSERATE. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Im Verlage von Carl Gerold's Si)hii in Wien, 1., Barbaragasse 2 (Postgasse), ist erschienen und kann durch alle Buchhandlungen bezogen werden: Schulflora nir die öslerreiehisehen Sudeten- und ÄipeDländer (mit Ausschluss des Küstenlandes). Schulausgabe der „Excursionsflora für Österreich". Von Dr. Karl Frltsch, Universitätsprofessor. Umfang 2674 Bogen. Bequemes Taschenformat. Preis brochirt M. 3-60, gebunden M. 4-— . iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii 108 In Commission bei Wilhelm Engelmann in Leipzig. (Notizblatt des Königl. botanischen Gartens und Museums zu Berlin, Appendix VII.) Soeben erschien: Die Pflanzen-Formationen und die pflanzenyeographische Cliederung der Alpenkette erläutert von A. E n g i e r an der Alpenanlage des neuen Königl. botanischen Gartens zu Dahlem-Steglitz bei Berlin 6 Druckbogen und 2 Orientirungskarten. Gr. 8. Preis M. 2.40. 'm 'H»' 'v 'iii"«i»"n»' 'iji' '«»»' 'w' 'v' 'w' 'n»' '«»»' 'w' '«»■ 'ij»' 'n»' 'ij»' '*' ','i^^S)f^ •-4^ »-4-^ •~l^ »-4^ ^4-* »N^ »-4-^ »-4^ •4-» »Sk-« »Nr-* »-4^ »-J^ »4^ •■^^ •-4-» »4^ »-nP-» *4^ »-J-* «-4-« »-1^ »4^ Ppeishepabsetznng älterer Jahrgänge der ,,Oesterr. botanischen Zeitschrift". üra Bibliotheken und Botanikern die AnschaflFnng älterer Jahrgänge der „Oesterr. botanischen Zeitschrift" zu erleichtern, setzen wir die Ladenpreise der .Jahrgänge 1881—1893 (bisher ä iVlk. 10.-) auf ä Mk. 4.— 1893-1897 ( „ „ „ 16.-) „ „ „ 10.- herab. Die Preise der Jahrgänge 1853, 1853 (ä Mark 3. -), 1860 bis 1863, 1864—1869, 1871-1880 (ä Mark 4.-) bleiben unverändert. Die Jahrgänge 1851, 1854—1859, 1868 und 1870 sind vergriffen. Die früher als Beilage zur „Oesterr. botanischen Zeitschrift" erschienenen 87 Porträts hervorragender Botaniker kosten, so lange der Vorrath reicht, zusammen Mark 85. — netto. Jede Buchhandlung ist in der Lage, zu diesen Nettopreisen zu liefern. Wo eine solche nicht vorhanden, beliebe man sich direct zu vs^enden an die Verlagsbuchhandlung Carl Gerold's Sohn Wien, I., Barbaragasse 2. .>t~. .^t--. .-t-« »-f-* M^ .->-• M^ »^t-* .--l-. ^^t~* •^^i^."»^iC*^*>J-^ .-N« .^J^.. .-t-. .'t-. .^t-. .-!-. .'t-. M^ M^* *'t~* NB. Dieser Nummer ist Tafel II (Schltfner) beigegeben. ÖSTERREICHISCHE wmm immm. Herausgegeben und redigirt von Dr. Richard R. v. Wettstein, Professor an der k. k. Universität in Wien. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. LI. Jahrgang, N°- 4. Wien, April 1901. An die P. T. Mitarbeiter der „Oesterreichischen botanischen Zeitschrift"! Der Gefertigte tritt Anfangs April d. J. eine Reise nach Brasilien an, von der er Anfangs November d. J. znrtickzakehren gedenkt. Er bittet, in der Zeit vom 1. April bis 1. November alle die Zeitschrift betrelfendon Zusendungen an Herrn J. Dörfler. Wien, III.. Barichgasse 36. gelangen zu lassen. Prof. Dr. R. v. Wettstein. Nene Pflanzenformen ans den Karpathen.') III. Von F. Pax (Breslau). I. Saocifraga Aizoon X luteov iridis. Bei einer am 22. August 1900 unternommenen Exeursion in das Gebiet des Königsteins (Kiriily Kö) im ßurzenländer Gebirge sammelte ich an den feuchten Kalkfelsen der Crepatura eine Saxi- fraga, die bei näherer Prüfung als eine bisher noch nicht gefundene Kreuzung sich ergab; sie wuchs dort, allerdings äusserst sparsam, zwischen den beiden Stammarten S. Aizoon Jacq. und S. liäeoviridis Schott. Von ersterer Species sind bereits Bastarde wiederholt und mit mehreren Arten nachgewiesen worden'); die geringe Ver- breitung von S. luteoviridis in der europäischen Flora macht es erklärlich, dass Kreuzungen von ihr mit anderen Arten bisher nicht zur Beachtung gelangten. Die neue Form wird durch folgende Diagnose charakterisiert : Cauhs erectus fohosus pilis glanduliferis dense hirsutus superne eymoso-paniculatus. Folia basaha explanato-depressa leviter 1) Vgl. Oesterr. botan. Ztschr. 1885, S. 26; 1897, S. 193. ^) Vgl. Engler, in Natürl. Pflanzenfamilien. III. 2 a. S. 59. Oesterr. botan. Zeitschrift. 4. Heft. 1901. 9 110 glaucescentia integerrima anguste lingulata anguste car- tilagineo-marginata acutiuscula juxta marginem 10 — 12 fovearum Serie notata vix calcareo-erustata; caulina anguste spathu- lata viscido-hirsuta; pedunculi calycesque glandulosi; flores ignoti. Auf den ersten Blick gleicht die vorstehend beschriebene Pflanze in hohem Masse der S. luteoviridis, und die Mischung der Charaktere bringt sich vielleicht am besten dadurch zum Ausdruck, dass die grundständige Eosette, wenn sie auch Merkmale von S. luteoviridis zeigt, doch mehr an S. Aisoon erinnert, während die aufrechten Stengel, die freilich nur abgeblühte Blumen tragen, in höherem Masse der anderen Stammart sieh nähern. Der kräftigere Wuchs — die Pflanze wird 10 — 12 cm hoch — , die nicht intensiv blaugrün gefärbten Blätter, welche bei einer Länge von bis 2 cm eine Breite von 4 — 5 mm erreichen, lassen die Pflanze leicht von S. luteoviridis unterscheiden, deren Rosetten kaum den halben Durchmesser derjenigen des Bastards erreichen; dagegen erinnert er durch die dichte Drüsenbekleidung und durch die ganzrandigen Blätter in hohem Masse an die genannte Art. Die Bildung des Bastards scheint nach meinen mehrjährigen Beobachtungen in den Kalkgebirgen der südöstlichen Karpathen nicht leicht zu erfolgen, obwohl die beiden Stammarten häufig die- selben Standorte theilen; ich fand ihn nur ein einziges Mal, an der oben angegebenen Stelle, in einer Höhe von etwa 1500 m. II. Hieraciuni Na^slinszkyi Pax. Grundzüge d. Pflanzenverbreit. Karpath. I. 140 (nomen). Phyllopodum eaule gracili fistuloso substriato plus minus v i 1 1 o- sopiloso apieem versus pilis stellatis floccoso eglan- duloso 3 — 6-cephalo, peduncuhs gracilibus arcuato - adscen- dentibus floccosis parce pilosis eglandulosis; foliis tenuiter membranaceis obscure reticulatis subtus molHter pilosis margine ciliatis minute denticulatis, basilaribus ovatis a cutis in peti- olum abrupte angustatis, cauHnis 4 — 5, infimo basilaribus similis, ceteris sessilibus ovatis semiamplexieaulibus, summis decrescentibus ; pediceUis squamosis; capituh ovahs squamis ni- gricantibus obtusiusculise floccosis eglandulosis parce pilosis saepe fere glabris interioribus dilutius marginatis; ligulis aureis; achaeniis badiis. Diese neue Art aus der Gruppe der Älpestria, dieindensieben- bürgisehen Randgebirgen recht sparsam entwickelt sind, gleicht im Habitus dem H. Fatrae Pax oder Wimmeri üechtr. und er- reicht eine Höhe von 20 — 35—40 cm, ist gewöhnUch aber weit zarter gebaut als jene. Die unteren Blätter sind 6 cm lang und 2 — 3 cm breit, die Stengelblätter kleiner ; ihre grösste Breite liegt wenig über dem Grunde. Schwache Individuen tragen nur drei Stengelblätter, kräftigere deren bis fünf; erst darüber liegt die Region der stark reducierten Hochblätter. Köpfe mittelgross. Der gänzliche Mangel an Drüsenhaaren lässt H. Ha^slinszkyi als nächst verwandt erscheinen mit dem für die Fatra Oberungarns charakteristischen H. Fatrae Pax, doch bietet die Textur des Blattes, der Umriss desselben, die Bekleidung der Schuppen dia- gnostische Unterschiede dar. Bihargebirge: Wälder im Aränyosthal oberhalb Lepus, etwa 1000 m (F. Pax — 5. Aug. 1897). - Burzenländer Ge- birge, Fichtenwald an der Orepatura, auf Kalk, 1000—1200 m (F. Pax — 23. Aug. 1896 u. 22. Aug. 1900). In anderen Theilen Siebenbürgens von mir nicht gesammelt und auch in Herbarpflanzen bisher nicht gesehen! III. Hieracium Vagneri Pax. Grundzüge der Pflanzen verbr. Karp. I. 154 (nomen). Phyllopodum cinereo-glaucescens caule gracili inferne leviter villoso-piloso glabrescente 1 — 3-cephalo, pedunculis pilis nigris sparsis glandulisque brevibus obsitis; foliis basi- laribus membranaceis leviter albo-pilosis lanceolatis acutis in petiolum lamina breviorem pilosum attenuatis glan- duloso-dentatis, caulinis 1 — 3, infirao jam quam basilaria minore, ceteris valde decrescentibus linearibus; capituli deflorati basi truncati squamis exterioribus brevibus, interioribus multo longioribus, omnibus longe acuminatis capitulum vir- gineum superantibus pilis sparsis nigris glanduUsque paucis prae- ditis saepius glabrescen tibus vel subglabris; achaeniis atro- brunneis. Vom Habitus des H. glandulosodentatum Uechtr., mit dem die neue Art nächst verwandt erscheint, mit graugrünem Laube und 20 — 25 cm hohen Stengeln, die nur im oberen Theile sich verzweigen; während die grundständigen Blätter mit weichen Haaren bekleidet sind, verschwindet die Bekleidung am Stengel nach oberwärts und nur die 3 — 4 cm langen Köpfchenstiele sind spärlich mit schwarzen Haaren, einzelnen Drüsen und wenigen Sternhaaren besetzt. Blätter etwa 5—6 cm lang und IV2 — 2 cm breit; von den stengelständigen ist nur das unterste wenig kleiner als die der Grundrosette, die übrigen viel kürzer und schmäler. Köpfchenschuppen (die inneren) etwa 10 mm lang und wenig über 1 mm breit. Gut t in: Trachytfelsen in der Nähe des Gipfels, bei 1440 m (F. Pax — 17. Aug. 1895). — Bistritzer Alpen: Felsen am Kelemen Cserbuk, 1700 m (F. Pax — 10. Aug. 1896). — Die Pflanze scheint auf die Trachytgebirge des nördlichen Sieben- bürgens beschränkt zu sein. 9* 112 t |IV. Bastarde^des H. transsylvanicum Heuff. Während deutlich erkennbare Bastarde zwischen Arten der Archhieracien nicht so häufig sind, wie hybride Zwischenformen der Piloselloideu, und vielfach, bei Verbindungsgliedern nahe ver- wandter Typen, auch als nicht hybrider Herkunft angesehen werden können, treten Bastarde des H. transsylvanicum gar nicht selten auf; es gewinnt diese Thatsache umsomehr an Bedeutung, als die genannte Art der Ostkarpathen ein europäischer Endemismus von völlig isoHerter Stellung ist, der durch die weiche, bald rost- farben werdende Bekleidung der Blattrosetten, die schmal cylindrischen Köpfchen und den schneeweissen Pappus im hohen Masse von dem sonst ähnlichen H. murorum L. er- heblich abweicht. Gerade die genannten Merkmale ermöglichen aber leicht eine Erkennung hybrider Formen. (Vgl. hierzu Fax, Pflanzenverbr. in den Karp. I. p. 136, 204). Ohne auf eine Be- schreibung derselben hier einzugehen, mögen im Folgenden die von mir beobachteten Bastarde des H. transsylvanicum aufgezählt werden : a) H. alpinum X transsylvanicum, dichte, sehr reichblätte- rige Easen bildend, mit gabelig verzweigten Stengeln; Köpfe kleiner als bei H. alpinum und bedeutend schmäler. Rod- naer Alpen, Prislop, 1400 ra (F. Pax — 6. Aug. 1896). Hierher auch die von Zapaiowicz auf der Oserna hora (1. Juli 1882) gesammelte Pflanze!, und die von Reh mann auf der Alpe Siwula als H. „nigrescens X leptocephalum" gedeuteten Formen ! (Vgl. Oesterr. bot. Ztschr. 1873, p. 184.) h) H. murorum X transsylvanicum, schon von Simonkai (Enumeratio p. 374) als H. tömösense Simk. richtig gedeutet ; unter den Eltern anscheinend nicht selten, so schon von Reh- mann bei Mikuliczyn gesammelt. Rodnaer Alpen, oberhalb Rodna im Szamosthal (F. Pax — 7. Aug. 1896) — Borszek, in Fichtenwäldern (F. Pax — 10. Aug. 1900). c) H. caesium X transsylvanicum, von vor. namentlich durch die fast drüsenlosen Köpfchenstiele und Köpfchen ver- schieden. Beblätterung an H. caesium erinnernd. Rodnaer Alpen, Waldränder bei Rodna (Porcius). d) H. umhellatum X transsylvanicum. Köpfchenstand an H. umhellatum erinnernd, ohne Grundblätter, aber Köpf- chen kleiner und schmäler; rostbraune, wollige Bekleidung der grundständigen Knospen von H. transsylvanicum. Rodnaer Alpen, lichte Wälder am Stanalui Verticu oberhalb Borsabänya. (F. Pax — Anf. Aug. 1895). 113 Arbeiten des k. k. botanischen Institutes der Deutschen Universität zu Prag. Ein Beitrag zur Flora von Madeira, Teneriffa und Oran- Canaria. Von V. Schiffner (Prag). Die Moosflora der Atlantischen Inseln mit ihren Endemismen. von denen einige sich afrikanischen, andere südamerikanischen Typen annähern, einzelne sogar Formen des indischen Monsungebietes^) und der australischen Flora-J nahe stehen, ist für die Pflanzen- geographie von höchstem Interesse und eignet sich gewiss zu Ver- gleichen ebensosehr als die Phanerogamenflora dieses Uebergangs- gebietes, welche übrigens bekanntlich ganz analoge Besonderheiten aufweist, wie solche soeben von der Moosflora erwähnt wurden. Freilich hat die Pflanzengeographie ihre Vergleiche und Schlüsse bisher nur auf das Gebiet der Phanerogamenflora beschränkt, ob- wohl gerade die Bryophyten dazu gewiss nicht minder geeignet sind, ja in gewisser Beziehung noch viel zuverlässigere Anhalts- punkte bieten. Es sei in dieser Hinsicht nur auf folgende Punkte hingewiesen. Die Samen und Früchte sehr vieler Phanerogamen sind befähigt, über weite Landstriche, ja sogar über das Meer ver- schleppt oder verbreitet zu werden und viele besitzen bekaunthch zu diesem Zwecke sehr wirksame Mittel, die durch Anpassung er- worben wurden. Die Folge davon ist, dass wir unter den Phanero- gamen eine recht grosse Zahl kosmopolitischer oder doch über sehr weite Gebiete verbreiteter Pflanzen finden, deren eigenthche Heimat nicht mehr leicht festzustellen ist. Solche Vorkommnisse sind natürlich für die Beurtheilung der Abgrenzung von Floren- gebieten, für die Feststellung von Vegetationscentren etc. etc. sehr unbequem und können leicht zu ganz unrichtigen Schlüssen ver- leiten. In ähnlicher Weise können die freiwillig oder indirect durch mensehhche Cultur in fremden Florengebieten angesiedelten (sub- spontanen) Phanerogamen sehr verwirrend in pflanzengeographischen Fragen wirken. ^) Bei den Bryophyten stellen sich die Verbreitungs- gebiete viel reiner dar, und solche bei den Phanerogamen so zahl- 1) Z. B. Chiloscyphus denticulatus Mitt. — nahe verwandt mit Ch. argutus. 2) Z. B. Sciaromiiim spinosum (Mitt.) Par. — dem neuseeländischen Sc. hispidum nahe stehend. 3) Um aus der Unzahl solcher Fälle einige herauszugreifen, möge darauf hingewiesen werden, dass die neotropische Mimosa pudica in Ostindien an ge- wissen Localitäten geradezu eine Charakterpflanze ist und von mir sogar in niedrig gelegenen Urwäldern gefunden wurde. Ebenso charakteristisch sind für die Physiognomie der südlichen Mediterrangebiete Agave und Opuntta, und doch wäre es gefehlt, durch solche Vorkommnisse einen Zusammenhang der neotropischen Floren mit der ostindischen und mediterranen zu vermuthen, was in unseren Fällen Niemand thun wird, da wir die wahre Heimat dieser Pflanzen kennen. 114 reiche Fälle, die zu Trugschlüssen Anlass geben könnten, sind hier fast ganz ausgeschlossen. Dabei ist allerdings zu betonen, dass ältere floristische Angaben nur mit grösster Vorsicht zu pflanzen- geographischen Schlüssen zu verwenden sind, da bekanntlich frühere Autoren vielfach zwischen ähnlich aussehenden Arten keinen Unter- schied machten, und daher sich die Ansicht herausbildete von der nahezu unbegrenzten Verbreitungsmöglichkeit zahlreicher Arten von Leber- und Laubmoosen.^) Die Unrichtigkeit dieser Ansicht konnte nur durch die subtilste Genauigkeit bei der Untersuchung exo- tischer Materialien bis in die feinsten anatomischen und histolo- gischen Details und durch die unendlich mühsame Nachprüfung der älteren Original-Exemplare, auf denen diese falschen Angaben beruhen-), nachgewiesen werden, und dieser Nachweis ist zweifel- los die bedeutendste Errungenschaft der gegenwärtigen Bryologie. Diese mühevolle Arbeit der Bryologen in den letzten zwanzig Jahren ist von mancher Seite freihch nicht anerkannt, ja sogar in völliger Unkenntnis von der Wichtigkeit ihrer Ziele sogar bagateUisiert worden, obwohl diese solide wissenschaftliche Kleinarbeit gewiss nicht minder werthvoll ist, als so manche in Referaten und Tagesblättern viel gepriesene Entdeckung auf anderen Gebieten der Botanik. Die unrichtige Ansicht, dass bei den Bryophyten eine nahezu unbegrenzte Verbreitung möglich sei, muss natürlich bei den Pflanzeugeographen die Meinung befestigt haben, dass die Ver- breitung der Bryophyten für Vergleiche und Schlüsse auf diesem Gebiete ganz und gar nicht geeignet sei ; diese Meinung wird aber erschüttert werden, wenn nachgewiesen ist, dass die Arten der Bryophyten ebenso begrenzte Verbreitungsgebiete bewohnen, wie die Phanerogamen, ja zu den betreff'enden Zwecken sich (wie oben ange- deutet wurde) aus gewissen Gründen noch besser eignen. Der Ver- such, aus bryogeographischen Thatsachen allgemeinere pflanzen-geo- graphische Schlüsse zu ziehen, ist bisher noch nicht gemacht worden. Um einen solchen Versuch zu machen, würde sich kein Ge- biet so ausgezeichnet eignen, als die Atlantischen Inseln (das ma- caronesische Gebiet nach Engler) oder vielleicht noch besser vor- läufig Madeira oder die Canarischen Inseln aUeiu, weil über diese bezüglich der Phanerogamen bereits sehr gute pflanzengeographische Daten vorliegen ^), die zum Vergleiche unbedingt nöthig sind, um 1) Auf diesem Standpunkte stehen u. A. auch die Verfasser der Synopsis Hepaticarum und Sande-Lacoste in seiner Synops. Hepat. Javan. 2) Um ein Beispiel anzuführen, so habe ich nachgewiesen, dass die sehr zahlreictien Angaben über das Vorkommen europäischer Lebermoosarten in der Flora von Java und den anderen Inseln des Indischen Archipels seitens älterer Autoren (Nee s, Gottsche, Sande-Lacoste etc.) fast durchwegs auf falschen Bestimmungen beruhen und von solchen Arten, die beiden Gebieten gemeinsam sind bei genauer Prüfung, kaum ein halbes Dutzend übrig bleiben (Marchantia polymorplia scheint noch dazu auf Java eingeschleppt zu sein). °) Am ungünstigsten steht es mit unserer Kenntnis der Flora der Cap- verdischen Inseln; besonders die Moosflora derselben ist nur recht fragmen- tarisch bekannt. Es würde sich daher vielleicht empfehlen, diese Inseln vor- läufig nicht mit in Betracht zu ziehen. 115 zu eonstatieren, ob man bezüglich der Brjophyten zu ähnlichen Resultaten oder zu verschiedenen Schlussfolgerungen kommt, wie durch Betrachtung der Phanerogamen. Um einigermassen sichere Schlüsse ziehen zu können, wird es nöthig sein, die Moosflora der betreffenden Gebiete möglichst gut zu kennen, und jeder neue Beitrag, der diese Kenntnis zu för- dern vermag, muss sehr willkommen sein. Ich bin in der Lage, in den folgenden Zeilen einen neuen, nicht unwesenthchen Beitrag zur Moosflora von Madeira und Teneriffa der Oeffentlichkeit zu übergeben, welcher neue Documente beibringt und einige ältere Irrihümer aufklären dürfte. Ich will es mir versagen, in der vorliegenden Schrift bereits auf pflanzengeographische Vergleiche einzugehen, sondern hier nur den erwähnten floristisehen Beitrag vorausschicken, zu dem mir die sehr schönen und reichlichen Materialien von Herrn J. Born- müller zur Bearbeitung übergeben wurden: dieselben wurden von ihm auf seiner Reise im Jahre 1900 gesammelt und sollen die Species, welche in grösserer Masse vorhanden sind, in den Exsic- catenwerken: „J. Bornmüller, Flora exsiccata Madeirensis 1900" und „J. Bornmüller, Plantae exsiccatae Canarienses 1900" ausgegeben werden. Ich werde die Nummern der genannten Exsiccaten (in Klammern) nach den betreffenden Standorten eitleren und dabei für die Bezeichnung der beiden Exsiccaten folgende Ab- kürzungen gebrauchen: „Exs. Mad." und „Exs. Oanar.". In einer späteren Abhandlung^) werde ich dann alle bisher bekannten Daten über die Moosflora der genannten Atlantischen Inseln zusammenstellen, und zwar: 1. Ein Verzeichnis der Lite- ratur; 2. einen kritischen Katalog aller bisher von dort bekannten Formen der Hepaticae und 3Iusci, und 3. eventuelle pflanzengeo- graphische Vergleiche. Verzeichnis der von J. Bornmüller im Jahre 1900 auf Madeira und Teneriffa gesammelten Bryophyten. I. Hepaticae. 1. Tarqionia liypopliylla L. — Madeira: Curralinho bei Funchal, c. fr., 600—700 m, 27. III. 1900. (Exs. Mad. Nr. 173, 174, 175.) 2. Plagiochasma rupestre (Forster) Steph. — Madeira: Fun- chal, an Mauern. 25. IIL 1900 (Exs. Mad. Nr. 176, 177). — Fun- chal, an Gartenmauern; pl. $. 21. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 167). 3. Finihriaria Äfricana Mout. (= RJtacotheca Azorica Bisch.). — Madeira: Funchal, im OurraUnho, c. fr. 27. IIL 1900 TExs. Mad. Nr. 178). 4. Conocephaliis coniciis (L.) Dum, — Madeira: Funchal, am Raba^al, 900-1000 m; ster. VII. 1900. (Exs. Mad. Nr. 180). — Madeira: CurraUnho, 600— 700 m; ster. 29. IIL 1900 (Exs. Mad. ^) Die Materialien dazu liegen mir bereits vor. 116 Nr. 166). — Madeira: Nordküste, im ßibeiro Inferas, 100 ra; pl. d. VII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 181). 5. Lunularia cruciata (L.) Dum. — Madeira: Funehal, an Mauern, pl. $. 21. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 168). 6. Marchantia polymorpha L. var. aquatica N. ab E. — Ma- deira: Funehal. im Ourralinho. ster. 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 197).^) 7. Fossonibronia anguJosa (Dicks.) Eaddi. — Madeira : Funehal. „Monte", 650 m, e. fr. mit Calypoyeia ericetorum, 22. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 162 und 79). — Madeira: Funehal, oberhalb der Bergkirche „Monte", 900 m; ster. mit Kantia Galypocfea. 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 169). — Madeira: Funehal, im' Curralinho ; ster. unter Calypogeia ericetorum und Weisia viridula var. cißin- drica, 22. III. 1900 (sine Nr.). 8. Marsupella emarginata (Ehr.) Dum. — Madeira: Ourra- linho bei Funehal, 600—700; fl. $ vidi! mit Scapania conipacta und Calypogeia ericetorum (Exs. Mad. Nr. 188 b und sub Nr. 190). 9. Nardia hyalina (Lvell) Lindb. — Madeira: Encumiada de Säo Vieente, 1000 m; c. fr.'mat. 19. IL 1900 (Exs. Mad. Nr. 193). — Madeira: Pico Grande 1400 m: c. fr. mit Nardia scalaris. 19. IV. 1900 (sine Nr.). 10. Nardia scalaris (Schrad.) Gray. — Madeira: Pico Grande, 1400 m; c. fr. mat., mit Nardia hyalina. 19. IV. 1900 (sine Nr.). 11. Calypogeia ericetorum Raddi. — Madeira: Funehal, Ourra- linho, 600 — 700 m, mit Marsupella emarginata, Scapania com- pacta, Fossomhronia angulosa etc. (Exs. Mad. Nr. 189, 190. 191 und unter 188b). — Madeira: Funehal, im Ourralinho, 600—700 m; mit Radula ovata 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 182). — Madeira: Funehal „Monte", 650 ra; zwischen Fossomhronia angulosa. 22. III. 1900 (Exs. Mad. 162 p. p.). 12. Plagiochila punctata Tayl. — Madeira : Portella-Pass. 300 — 400 m. Wenige sterile Stämmchen zwischen Fridlania poly- sticta. 2. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 165 p. p.). 13. Lopliocolea hidentata (L.) Dum. — Madeira : Raba^-al. 900 m; ster. 16. VII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 194). 14. Chiloscyphus denticulatus Mitt. — Madeira: Nordküste, bei Boaventura, 1000 m; ster. und ziemlich spärlich mit >S'acco^?/;ia viticiüosa. Pogonatum aloides, Pterygophyllum lucens etc. 23. VII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 159). 15. Saccogyna viticulosa (Dicks.) Dum. — Madeira: Am Poizo-Pass, an nassen, quelligen Plätzen mit Scapania undulata. 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 187). — Madeira: Nordküste, bei 1) Bei dieser Gelej^euheit will ich einer seltenen Pflanze erwähnen, die mir seinerzeit von Herrn Prof. Grafen zu Solms-Laubach zur Bestimmung übersandt wurde: Marchantia paleacea Bertol. — Azores, Furnas Igt. Bruno Carreiro 1888. — Da 31. paleacea und 31. nitida L. et L. unbedenklich als identisch betrachtet werden können, so wäre diese Species vcn den Atlantischen Inseln durch das Mediterrangebiet, den Kaukasus, Himalaya bis nach Java ver- breitet. 117 Boaventura, 1000 ra ; mit Chiloscyphus denticulatus etc. 23. VII. 1900 (Exs. Mad. 159 p. p.). — Madeira: Ribeirio frio, Levada; ster. mit Madotheca Canarlensis und Scapania gracilis. 1. V. 1900 (sine Nr.). Var. minor Syn. Hep. (= Lophocolea Preauxiana Mont.). — Teneriffa: Wald von Mercedes, 700— 900 m; in grossen, sterilen Rasen. 1. VI. 1900 (Exs. Can. Nr. 185). 16. Kanüa üalypogea (Raddi) Lindb. — Teneriffa: Agua Garcia, in lauretis, 800 m ; ster. 3. VI. 1900 (Exs. Canar. Nr. 170). — Madeira: Funchal, oberhalb der Bergkirche „Monte", 900 m; ster. unter Fossombronia angnlosa. 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 169 p. p.). Anmerkung: Obwohl diese Pflanzen leider ganz steril sind, so weist doch die Beschaffenheit der Araphigastrien mit grosser Bestimmtheit auf K. Calypogea und nicht auf K. Trichomanis. 17. Scapania compacta (Roth) Dum. — Madeira: Ourralinho bei Funchal, 600 — 700 m ; ster. mit Calypogeia ericetorum und Marsupella emarginata. 22. III. 1900 (Exs. Mad. 188, auch unter Nr. 191). 18. Scapania gracilis (Lindb.). — Madeira: Ribeirio frio. Levada, 900 m. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 100 b). — Ebenda, mit Madotheca Canariensis. VII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 155). — Ebenda '), mit Leucohryum Madeirense. VII. 1900 (sine Nr.). — Madeira : Furado, Levada, 900 m. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 163). — Ebenda, mit Madotheca Canariensis. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 154). — Madeira: Portella-Pass zwischen Machico und Fayal. 2. V. 1900 (sine Nr.). 19. Scapania undnlata (L.) Dum. — Madeira: Am Poizo- Pass, nasse, queUige Plätze, 1300 m: ster. 14. IV. 1900 (Ex. Mad. Nr. 187 b). 20. Badula Lindbergiana Gott. — Madeira : Funchal. im Curralinho, 650 m; zwischen Madotheca Canariensis. 22. III. 1900 (sine Nr. und Nr. 196 p. p.). 21. Radida ovata Jack. — Madeira: Funchal, Curralinho, 600—700 m ; ster. 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 183). — Madeira : Ribeiro frio, Levada. VII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 160 pl. cf, sine Nr. ster.). 22. Madotheca Canariensis N. ab E. — Madeira: Funchal, im Curralinho, 650 m; ster. 22. IIL 1900 (sine Nr.). — Ebenda; c. fl. $. 22. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 196. 164). — Ebenda, 600— 700 m; c. per. 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 198, 199). — Madeira: Ribeiro frio, Levada; pl. d^. VII. 1900 (sine Nr.). — Ebenda. 900 m, in den Lorbeerwäldern; c. per. 1, V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 200). — Teneriffa: Wald von Mercedes, 800— 900 m; reichlich, S" und c. fr. mat. 1. VL 1900 (Exs. Can. Nr. 202). 1) Die jüngsten Blätter dieser Pflanze zeigen am Rande reichliche Keim- körner. Diese sind einzellig, länglich birnförmig und meist zu vielen auseinander hervorspi'ossend, so dass sie oft 6—8 Zellen lange, Opunt ia-'A\iXi\\(i\i verzweigte Gruppen bilden. Die Farbe der Keimkörner ist blassgrün. 118 Anmerkung: Madotheca Canariensis ist habituell äusserst variabel ebenso in Farbe und Glanz; grosse, mehr glänzende Pflanzen ähneln sehr der M. laevigata und dürften sich die An- gaben letzterer von den Atlantischen Inseln wohl auf solche Exem- plare der M. Canariensis beziehen. Kleinere Pflanzen, welche stark gebräunt sind und ganzrandige (oder nahezu ganzrandige) Blätter und LobuU haben, sind leicht mit M. Thuja zu verwechseln. Die Formen von M. laevigata mit nahezu ganzrandigen Blättern und Lobulis (var. Thuja N. ab E.) sind im sterilen Zustande überhaupt nicht von M. Canariensis zu unterscheiden. In den Fructifications- organen scheinen aber einige gute Unterschiede zu liegen: bei M. Canariensis tragen die Invohicralblätter wenige, aber grobe Zähne, das Involucralamphigastrium ist mit dem einen Lobulus an der Basis oft verwachsen, die weite Perianthmündung ist tief in etwa 12 grosse, lanzettliche Lappen getheilt, welche grob eiliiert sind. Bei M. laevigata var. Thuja tragen die Invohicral- blätter zahlreiche kleine (kurz cilienförmige) Zähncheu, die Perianthmündung ist in kurze, unregelmässige, ebenso gezähnelte Läppchen getheilt. Es ist mir noch zweifelhaft, ob nicht doch M. Canariensis mit M. laevigata var. Thuja durch üebergänge verbunden ist; so zeigt u. a. die Pflanze Exs. Mad. Nr. 100 in ge- wissen Punkten eine Annäherung an letztere. 23. Madotheca platyphißla (L.) Dum. — Tenerifi"a: Cruz da Taganana. 900— 1000 m, an Zweigen von Visnea Mocanera gemein- sam mit Frullania Teneriffae, Leptodon longisetus, Sticta anrata, St. damaecornis und Anaptychia leucomela. VI. 1900 (sine Nr.). 24. Lejeunea cavifolia (Ehr.) Lindb. — Teneriffa: Wald von Mercedes, 700 — 900 m; spärlich zwischen Saccogyna viticidosa. 1. VL 1900 (Exs. Oan. Nr. 185 p. p.). Madeira: Furada do Lama- eeiros in einer Schlucht, ca. 900 m; an Thamnium alopecurimi. 1. V. 1900 (Exs. Mad. unter 213). 25. Lopholejeunea Johnsoniana (Mitt.) Schffn. — Madeira: Nordküste, Arco de Säo Jorge; c. per. 18. VL 1900 (Exs. Mad. Nr. 156. 157). — Madeira: Pico Grande, 1400 m; c. per. 19. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 158). Anmerkung: Diese Pflanze stimmt in der Blattform, dem Lobulus, dem Perianth so sehr mit den anderen Arten von Lophole- jeunea überein, dass ich sie ohne Bedenken in diese Gattung einreihe, obwohl sie in einem wesentlichen Punkte abweicht; unterhalb der 9 In- flor. (resp. dem Perianth) finden sich hier nämlich immer zwei Inno- vationen, wie bei Marchesinia (= Homalolejeunea) und Dicrano- lejeunea; wenn man auf dieses Merkmal besonderes Gewicht legt, so könnte man unsere Pflanze vielleicht zu Bier anale jeunea stellen. 26. Frullania polysticta Lndnb. — Madeira: Portella-Pass, 300— 400 m; c. fl. $. 2. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 165). - Ma- deira : Eibeiro frio, in Lorbeerwäldern bei Furado, 900 m ; pl. H^ 1. V. 1900 (sine Nr.). — Teneriffa: Bei Laguna. 4. VI. 1900 (sine Nr.). 119 27. Frullania Teneriffas N. ab E. — Madeira: ßibeiro frio, Levada, 900 m ; pl. cf . 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 184). — Ebenda ; c. per. et cf. I. Y. 1900 (Exs. Mad. Nr. 200c). — Madeira: Ri- beiro frio, in Lorbeerwäldern bei Purado ; c. fr. mat. 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 186). — Ebenda; c. per. et rf. 1. V. 1900 (sine Nr.). — Madeira: Furado, Levada, 900 m; e. fr. (Exs. Mad. Nr. 161). — Madeira: Torrinhas. 23. VII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 195). Teneriffa: Wald von Mercedes 700 — 800 m; c. per. unter Mado- tJieca Canariensis. 1. VI. 1900 (Exs. Can. Nr. 202b). — Teneriffa: Cruz da Taganaua, an Zweigen von Visnea Mocanera mit Lepto- don longisetus und Madotheca platyphylla. VI. 1900 (sine Nr.). 28. AntJioceros dichotomus Eaddi. — Madeira: Funchal, Ourra- iinho, 600 — 700 m ; c. fr. und cf (diöciseh) und mit Wurzelknölleben. 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 172). 29. Anthoceros Husnoti Steph. — Madeira: Abhänge ober- halb Porto da Cruz gegen Portella hin, oft fussbreite Rasen bildend, circa 300—400 m; reich fruchtend. 2. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 171). — Madeira: Funchal, 600 — 700 ra; spärlich in Rasen von Änth. dichotomus untermischt. 27. III. 1900 (Exs. Mad. unter Nr. 172). Anmerkung: Dieselbe Pflanze hat Herr F. Stephani als AntJioceros fusiformis Aust. bestimmt. Es ist wahrscheinlich, dass A. Husnoti mit A. fusiformis überhaupt identisch sei, jedoch besitze ich von letzterem leider kein authentisches Vergleichsmaterial. In meinem Herbar finde ich eine von Stephani selbst als A. Husnoti bestimmte Pflanze aus Madeira (aus dem Herb. Bescher eile), die mit der uuserigen sicher identisch ist. II, llusci frondosi. 30. Weisia viridula (L.) Hed. var. cylindrica Schmp. — Madeira: Funchal, Curralinho; c. fr. gemeinsam mit Fossomhronia angulosa. 22. III. 1900 (sine Nr.) — Ebenda; mit Fissideus palli- dicaulis. 22. III. 1900 (sine Nr.). 31. Dicranuni Scottianum Turn. — Madeira: Ribeiro frio, in Lorbeerwäldern, circa 900 — 1000 m; c. fr. semimat. I. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 221). Anmerkung: Die Blattspitze ist hier keineswegs ganzrandig, sondern schwach, aber deutlich gezähnt. Auch die Blattrippe ist am Rücken gegen die Spitze mit entfernten zähnchenartigen Mamillen versehen. Ganz dasselbe finde ich bei Exemplaren von Westfrank- reich, Finistere. Die Exemplare von Irland haben aber nahezu vollkommen ganzrandige Blätter. 32. Dicranuni scopariiim (L.) Hed. — Teneriffa: Im Walde „Agua Garcia", 700 m; ster. 4. 1900 (Exs. Can. Nr. 220). 33. Leucobryum Madeirense Schffn. n. sp. — Viel kleiner und zarter als L. glaiicum, im frischen Zustande inten- siver grün. Blätter meist etwas einseitswendig. aus eilanzettlicher Basis scharf gespitzt, viel kleiner als bei L. glauciim, bis 5 mm lang und kaum 1 mm breit (bei L. glaucum bis gegen 8 mm lang 120 und gegen 2 ram breit). Hyalinzellen zweischichtig. Blattsaum 10 — 12 Zellen breit, Vs der Blattbreite (bei L. glaucum 5 — 6 Zellen breit. Vi« der Blattbreite). Bisher nur steril bekannt. Unsere Pflanze dürfte kaum mit Lencohrymn juniperokleum (Brid.) 0. Müll. Syn. I. p. 78 identisch sein, da die sehr dürftige Beschreibung auf unsere Pflanze in wesentlichen Punkten nicht stimmt. üeber das Vorkommen dieser Pflanze schreibt Herr J. Born- müller: „Auf Madeira sehr selten und an tiefschattigen Plätzen zwischen HymenophyUum Timhridgense und H. unilaterale nur ganz wenige kleine Polster angetroffen". Ausser den genannten Pflanzen fand ich den Easen beigemischt: Racomitrium canescens var. ericoides, Scarpania gracilis, Saccogyna viticulosa, Madotheca Canariensis. Die näheren Standorte sind: Madeira, Ribeiro frio, Levada; spärHch unter Scaj). gracilis. VII. 1900. (sine Nr.). — Madeira: Levada im Ribeiro frio. 1. V. 1900 (Exs Mad. Nr. 222). 34. Fissidens asplenioides (Sw.) Hed. — Madeira : Funchal im Curralinho; ster.^) 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 227). — Ebenda, 600—700 m; mit Philonotis rigida etc. 22. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 234). — Ebenda, 700 m; mit Tricliostomum nuitabile etc. 27. III. 1900 (Exs. Mad. unter Nr. 233 b). 35. Fissidens pallidicaulis Mitt. — Madeira: Funchal, im Curralinho, 600 — 700 m; ster. mit Weisia virklida var. cijlin- drica. 22. III. 1900 (sine Nr.). — Teneriffa: In Lorbeerwäldern bei Las Mercedes, 700 m; c. fr. 1. VI. 1900 (Exs. Oan. Nr. 226). — Teneriffa: Agua Garcia, 800 m; c. fr. 3. VL 1900 (sine Nr.). Anmerkung: Ich habe diese Species auch für Europa nach- gewiesen, und zwar gehört hieher folgende Pflanze meines Herbars: Itahen; Prov. Mailand, Cavriano. 23. L 1899 Igt. F. A. Artaria sub. nom. Fiss. taxifolius. Diese Species dürfte in Südeuropa ver- breitet sein und ist daselbst wohl sehr oft mit F. taxifolius ver- wechselt worden, der sich aber sofort u. a. durch die fast doppelt so grossen Blattzellen unterscheidet. 36. Fissidens serrulaius Brid. — Madeira : Ribeiro frio. längs der Levada, 900 m; c. fl. $. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 224). — Madeira: Am „Caminho do Meio" im Curralinho bei Funchal (nach Angabe von J. Bornmüller. Exemplare nicht gesehen). — Teneriffa: In Lorbeerwäldern bei Las Mercedes, circa 700 m; c. fr. mit Saccogyna viticulosa gemeinsam. 1. VI. 1900 (Exs. Can. Nr. 225). 37. Trichostommn mutdbile Bruch. — Madeira: Funchal, im Curralinho, 700 m ; ster. mit Barhula vinealis, Fissidens asplenioides und Philonotis rigida. 27. III. 1900 (Exs. Mad. 233 b). 1) M i 1 1 e n identificiert F. fldbellalus Hornsch. mit F. asplenioides (Sw.) Hed. , was wohl nicht richtig ist (vgl. Mitten in Godman, Nat. hist. of the Azores, p. 314). Ueber das Vorkommen theilt Herr J. Bornmüller mit: „Auf Madeira verbreitet, so auch (ganz die gleiche Pflanze!) am Curral das Freiras gesammelt". 121 o8. Tricliostomum nitidum (Lindb.) Schmp. — Gran Canaria: An Mauern bei „Monte" nächst Tafira; ster. 14. V. 1900 (Exs. Can. Nr. 141). 39. Tortella squarrosa (Brid.) Lirapr. — Gran Canaria: An Mauern bei Tafira, circa 400 — 500 m; ein Stengel trug eine alte Seta. 14. V. 1900 (Exs. Can. Nr. 143). 40. Tortula aestiva (Brid.) Pal. B. — Madeira: Funchal, an Mauern; c. fr. spärlich mit Funaria hygrometrica; ist neu für die Flora von Madeira. 21. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 168 b). 41. Barhula vinealis Brid. — Madeira: Funchal, im Curra- linho, 700 m; späriich aber auch einige fruchtende Stämmchen unter Tricliostomum mutahile, Philonotis riyida und Fissidens asplenioides. Die Species ist neu für die Flora der Atlantischen Inseln. 27. III. 1900 (Exs. Mad. unter Nr. 233 b). 42. Racomitrium canescens (Weis) Brid. var. ericoides (Web.) Br. eur. — Madeira: Hochebene am Poizo im oberen Ribeiro frio, massenhaft; ster. 11-1300 m. 1. Y. 1900 (Exs. Mad. Nr. 228). — Madeira: Eucumiadapass bei Säo Vicente. 900—1000 m; ster. 1. VIII. 1900 (Exe. Mad. Nr. 229). 43. Racomitrium heterostichum (Red.) Brid. — Madeira: Am Abstiege nach Furado do Lamaceiros; c. fr. 1, Y. 1900 (Exe, Mad. Nr. 139). 44. Ftychomüriiim nigricans (Kze.) Schmp. — (= Glyplio- mitrium pulvinare Mitt.) — Madeira: Eibeira de Santa Luzia, 800 bis 1000 m; c. fr. gemeinsam mit Ft. polyphijllum. 11. VIII. 1900 (sine Nr.). — Gran Canaria: An Mauern bei Tafira („Monte") oberhalb Las Palmas; c. fr. 14. Y. 1900 (Exs. Can. Nr. 140). 45. FtycJiomitrium polyplujUiim (Dicks.) Br. eur. — Madeira: Eibeira de Santa Luzia, circa 800—1000 m; c. fr. 11. VIII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 137). — Madeira: Pico Arrieiro, 1600—1700 m; c. fr. VIL 1900 (Exs. Mad. Nr 236). — Madeira: Poizo-Pass und oberes Eibeiro frio; c, fr. 1. V. 1900 (sine Nr.). — Madeira: Am Poizo-Pass, 1300—1400 m; c. fr. 1. Y. 1900 (Exs. Mad. Nr. 138). 46. Hedwigia albicans (Web.) Lindb. — Madeira : Encumiada- Pass bei Säo Vicente, circa 950 m. 1. VIII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 144). 47. TJlota calvescens Wils. (=: U. vittata Mitt.). — Madeira: Poizo-Pass, am Geäste des mannshohen Vaccinium Äladerense, circa 1000—1100 m; c. fr. 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 142). 48. Webera proligera (Lindb.) var. tenella Schffn. n. var. — Zart, grün, kaum glänzend, Blätter minder dicht, viel schmäler. Brutkörper zahlreich, mit denen der Normalform ganz übereinstim- mend. Diese Species ist neu für die Flora der Atlantischen Inseln. Madeira: Funchal, im Curralinho, 600-700 m; ster. 22. III. 1900 (sine Nr.). 49. Bryum Canariense Brid. — Gran Canaria: Las Palmas, an Mauern bei Tafira, circa 400 m; c. fr. gemeinsam mit Ftycho- mitrium nigricans. 14. Y. 1900 (ßks. Can. Nr. 232). 50. Bryuni plaiijloma Schwgr. (= Br. capillare L. var. jüatyloma (Schwgr.) Schmp.). — Madeira: Pico Grande, 1200 bis 1400 m; c. fr. spärlich zwischen Lopliolejeimea Jolmsoniana. 19. IV. 1900 (sine Nr.). 51. Mnium affine Bland. — Tenerififa: In Lorbeerwäldern bei Mercedes; pl. c^ 1- VI. 1900 (sine Nr.). 52. Bartramia stricta Brid. — Madeira: Funchal, im Curra- iinho, 700 m; c. fr. 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 233). — Madeira: Levada do Lamaceiros. an quelligen Plätzen, 1300 ra; c. fr. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 223). 53. ÄnacoUa Wehbii Schmp. — Madeira: Funchal, an Felsen in der Schlucht Curralinho, circa 700 m ; ster. 27. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 216). — Madeira: Curral das Freiras. 1000—1100 m; ster. 2. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 217). — Madeira: Pass Poizo und Ribeiro frio. 1300 m; ster. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 218). — Madeira: Pico Grande, 1300—1400 m; c. fr. 1. VIII. 1900 (Exe. Mad. Nr. 219). 54. Philonotis rigicla Brid. — Madeira: Funchal, im Curra- linho, 600 — 700 m ; c. fr. mit Fissidens asplenioides. 22. III. 1900 (Exs. Mad. unter Nr. 234). — Ebenda, 700 m; c. fr. mit Tricho- stomum mutahüe, Barbida vinealis, Fissidens asplenioides. 27. III. 1900 (Exs. Mad. unter Nr. 233 b). 55. Pogonatum aloides (Hed.) Pal. B. — Madeira: Nord- seite, zwischen Torrinhas und Boaventura, 1200 m; c. fr. ge- meinsam mit Selaginella denticidata und ÄntJioceros Husnoti. 23. VII. 1900 (Exs. Mad. Nr. 230). 56. Polytrichum juniperinum Willd. — Madeira : Nordseite, Bibeira oberhalb Boaventura, circa 200 m; c. fr. 18. IV. 1900 (sine Nr.). 57. Polytrichum piliferum Schreb. — Madeira: Am Poizo- Pass, circa 1300 m; ster. mit Bacomitrium canescens var. ericoides. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 231). 58. Astrodontium Canariense Schwgr. — Teneriffa: In Lor- beerwäldern bei „Las Mercedes" ; c. fr. VI. 1900 (Exs. Oan. Nr. 204). Teneriffa: Cruz de Taganana, circa 900 m; steril an Zweigen von Visnea Mocanera mit Frullania Teneriffae. VII. 1900 (sine Nr.). 59. Äntitrichia curtipendula (Hed.) Brid. — Madeira: Furada de Lamaceiros in Lorbeerwäldern, circa 900 m; ster. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 205, 205 b). — Madeira: Pico Grande, 1200 bis 1400 m; ster. 19. IV. 1900 (sine Nr.). 60. Leptodon longisetus Mont. (= Neckera lotig ipedunculata C. Müll., Syn. IL p. 119 Nr. 135). — Teneriffa: Cruz da Taganana, circa 900—1000 m; steril und in geringer Quantität an Visnea Mocanera mit Frullania Teneriffae und Madotlieca platyphylla. VI. 1900 (sine Nr.). 61. Neckera elegans Jur. — Madeira: Pico Grande, in Lor- beerwäldern beim „Carainho central", 1200—1400 m; reichlich und c. fr. 19. IV. 1900 (Exs. Mad." Nr. 201). — Madeira: Furada de Lamaceiras, in Lorbeerwäldern, 900 — 1000 m; ster. c. fl. $. VI. 1900 (Exs. Mad. Nr. 203). — Teneriffa: In Lorbeerwäldern bei „Las Mercedes", circa 800 — 900 rn; sehr gemein und stellenweise cfr. 1. VI. 1900 (Exs. Can. Nr. 202). Var. laevifolia Schffn. n. var. — Man würde diese Form auf den ersten Blick nicht als zu N. elegans gehörig ansehen, da sie habituell total verschieden ist; bei genauerer Untersuchung stimmt sie aber vollkommen mit dieser in den anatomischen Details überein. Sie gleicht eher einem riesigen Hypnum aus der Gruppe der H. cupressi forme, als der normalen Neckera elegans. Stengel verlängert, Aeste entfernt, bisweile;i peitschenförmig zugespitzt. Pflanze glänzend, goldgrün. Beblätterung der Stengel und Aeste kaum halb so breit als bei der typischen Form. Blätter nicht oder ganz unmerklich querwellig mit den Spitzen gegen die Unterseite zurückgekrümmt, sehr convex; in der Form (ausgebreitet) ganz, wie bei der typischen JV. elegans, ebenso im Zellnetz. Alle Pflanzen des reichen Materiales sind (^ und vielleicht darauf die eigenthüm- liche Verzweigung zurückzuführen. Madeira: Ribeira frio, Levada do Furado in Lorbeerwäldern, circa 900 m. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 200 d). Anmerkung: Höchst wahrscheinlich ist Neckera elegans Jur. identisch mit N. intermedia Brid. ; letztere ist aber nach Paris, Ind. bryol. p. 851 monöcisch und nach Mitten in Godman, Nat. bist, of the Azores p. 305 ist N. elegans Jur. = N. intermedia Brid. sed dioica! Da nun unsere Pflanze zweifellos diöcisch ist, so bezeichne ich sie hier mit dem sicheren Namen als iV. elegans. Es ist übrigens nicht unwahrscheinUch. dass die Angabe „monöcisch" für N. intermedia einfach unrichtig ist. Die als N. intermedia in meinem Herbar vorfindhchen Pflanzen, und zwar: Madeira, Ribeiro frio 1*1800 Igt. Fritze — und Madeira: 1895 Igt. Binstead sind beide diöcisch! Wenn dies auch bei dem Bridel- schen Originalexemplar der Fall sein sollte (was zu verrauthen ist), so müsste unsere Species allerdings als N. intermedia bezeichnet werden. Es ist möglich, dass die oben beschriebene Var. laevifolia identisch ist mit Neckera intermedia var. laevigata Schrap. in Mandon, PI. Mad. Nr. 31. Diese Pflanze habe ich leider nicht gesehen, sie ist jedoch nirgends beschrieben und daher hat der Name kein Prioritätsrecht. — Die Angaben von Neckera crispa von den Atlantantischen Inseln dürften sich wohl sicher auch auf N. elegans beziehen, die dieser europäischen Art täuschend ähnlich ist ; ich habe N. crispa von den atlant. Inseln noch nicht gesehen. 62. Pterogonium gracile (L.) Sw. — Teneriffa: An Abhängen bei Laguna, circa 700 — 800 m; ster. gemeinsam mit Tornabenia und Anaptychia leucomela. 10. VI. 1900 (sine Nr.). 63. Sciaromium spinosum (Mitt.) Par. (= Echinodium Madei- rense Jur.) — Madeira: In der Schlucht „Furada do Lamaceiros", ca. 900 m; ster. mit Thamninm alopecurum. 1. V. 19(X) (Exs. Mad. Nr. 214). 124 64. Homalothecium Mandoni Mitt. (= H. sericeum var. meridionale Schmp. in Mandon, PI. Mad.) — Insel Porto Santo bei Madeira, an Felsen; ster. 10. V. 1900 (sine Nr.). Anmerkung: Diese Pflanze dürfte doch wohl kaum von ge- wissen mediterranen Formen des sehr variableu H. sericeum (L.) Br. eur. verschieden sein. Die von Mitten hervorgehobenen Unter- schiede sind durchaus nicht so deutlich, wie man nach der Beschrei- bung erwarten würde. Ein Original-Exemplar aus dem Mandon'schen Exsiccatenwerke besitze ich und habe dasselbe verglichen. 65. Isothecium Bornmülleri Schfl'n. n. sp. — Diese schöne Pflanze steht in allen anatomischen Details dem Is. myosu- roides äusserst uahe, umso auffallender ist sie durch die fast (oder mehr als) doppelte Grösse aller Theile verschieden. Die folgende vergleichende Beschreibung wird die Aufstellung dieser Pflanze als neue Species genügend rechtfertigen (in den Klammern sind die analogen Masse von Isoth. myosuroides beigefügt). Aufrechte Sprosse ausgezeichnet bäumchenartig verzweigt, 5— 6 cm hoch (Is. myos. 2 — 3 cm), bisweilen ist dieser bäumchenartige Wuchs dadurch etwas beeinträchtigt, dass die Zweige mehr weniger peitsehenartig ver- längert sind. Stengelquerschnitt breit eUiptisch, 0*5mm(7.s. myos. 0*3 mm); Centralstrang gut begrenzt. Steugelblätter sparrig ab- stehend, Astblätter mehr anhegend, grösser als bei Is. myosur. und allmähg gespitzt. Zellen auffallend enger, aber von gleicher Länge wie bei Is. myosur. Inflor. diöcisch. Perichaetialbl. spreizend, grösser, sonst aber ganz ähnhch. Seta doppelt so lang, 25 bis 30 mm lang, 0*25 mm dick (7s. myos. 10—15 mm lang, 017 mm dick). Urne gross, deutlicher geneigt und deutlichgekrümmt, 2 "75 mm lang, 1'25 mm dick (Is. myos. 1*5 mm lang, 0*9 mm dick.) Peristom ähnlich, aber grösser, Zähne 0'7mra lang, an der Basis 0*15 mm breit (Is.myos. 0*5 mm undO'l mm). CiHen des inneren Peristoms vollständig, zu je 3 (Is. myos. meist vollständig, 2 — 3), Deckel kurz geschnäbelt. Sporen etwas ungleich, grösser, bis 22 (i (Is. myos. bis 19 ft). Teneriifa: In den Lorbeerwäldern bei „Las Mercedes" in grosser Menge, doch nicht reichlich fruch- tend, 700—800 m. 1. VL 1900 (Exs. Oan. Nr. 215). Anmerkung: Wenn man Isothecium myosuroides heber zur Gattung Eurhynchium stellen will, wie das bisweilen geschieht und wogegen sich nichts einwenden lässt, so müsste unsere Pflanze natürlich auch als Eurhynchium ßornmidleri bezeichnet werden. Isothecium myosuroides ist aus der Flora der Atlantischen Inseln angegeben worden, doch vermuthe ich, dass sich diese Angaben auf Is. Bornmülleri beziehen dürften. 66. Eurhynchium meridionale (Schmp.) De Not. — Teneriffa : In Lorbeerwäldern bei „Las Mercedes"; ster. 1. VL 1900 (Exs. Can. Nr. 209). 67. Eurhynchium Stochesii (Turn.) Br. eur. — Madeira: Pico Grande, 1200—1400 m; ster. mit Nechera elegans. 19. IV. 1900 (sine Nr.). 1^0 68. Scleropodium cacspitosuni (Wils.) Br. eur. — Madeira: Funchal, im Curralinlio, 650 m; ster. 22. III. 1900 (Exs. Mad. Nr. 235). Anmerkung: Diese Species ist neu für die Flora der Atlantischen Inseln! 69. Scleropodium ülecehrum (Schwgr.) Schmp. — Gran Canaria : „Las Palmas" bei Tafira, 300—400 ra; ster. 14. V. 1900 (Exs. Cau. Nr. 208). — Madeira: Funchal, im Curralinho, 700 m; ster. 27. III. 1900 (sine Nr.). 70. Scleropodium purum (L.) Limp. — Madeira : Encumiada do Sao Vicente, 1000 m; ster. 19. lY. 1900 (Exs. Mad. Nr. 211). 71. Thamnium alopeciirum (L.) Br. eur. — Madeira: Furada do Lamaceiros in einer Schlucht, circa 900 m; c. fr. 1. V. 1900 (Exs. Mad. Nr. 213). 72. Hypnum Canariense (Mitt.) Dix. et Jam. (:= Stereodon Canariensis Mitt.) — Madeira: Eibeiro frio, circa 900 m; 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 207). 73. Hypnum cupressiforme L. var. ericetorum Br. eur. — Madeira: In Wäldern bei Encumiada, Sao Vicente, 1000— 1100 m; ster. 19. IV. 1900 (sine Nr.). — Tenerilfa: In den Lorbeerwäldern „Agua Garcia", circa 700 m; ster. 4. VI. 1900 (Exs. Oan. Nr. 210). Anmerkung: Diese Form ist bisher noch nicht von den Atlantischen Inseln bekannt gewesen. 74. Hypnum nncinulatum Jur. — Madeira: Eibeiro frio, 900 m; ster. 14. IV. 1900 (Exs. Mad. Nr. 206). 75. Hylocomium squarrosum (L.) Br. eur. — Madeira: Zwischen Poizo und Furado auf der Hochebene, circa 1200 m; ster. 1. V. 1900 (Exe. Mad. Nr. 212). Beiträge zur Flora des Eisenburger Comitats. Von Dr. A. Waisbecker in Köszeg (Güns). In einer schon mehrfach durehgesuchten Gegend lässt sich durch beharrhches Nachsuchen immerhin noch manches Neue von lloristischem Interesse auffinden; Brachäcker, verlassene Steinbrüche und Waldschläge bieten hiezu stets gute Fundgruben ; besondere in letzteren findet man unerwartet manche Pflanzenspecies, welche in der Umgegend bis dahin nicht gesehen wurde, noch häufiger aber finden sich da mehr minder erhebhche Variationen bekannter Species. üeber die Ergebnisse meiner Forschungen in den -Jahren 1899 und 1900 in einer solchen von mir und Anderen viel durch- suchten Gegend Ungarns, welche zum grossen Theile der Grenze Niederösterreichs nahe liegt, will ich in Folgendem berichten, Athyrium filix femina Eoth h) f. acuminatum m. — Die Wedel an der Spitze, besonders aber die Segmente erster Ordnung, lang und fein zugespitzt. Es ist dies eine Unterform der var. multi- dentatum Doli, mit grossen, bis 1*5 m hohen und 40 cm breiten Wedeln. — Wächst in schattigen Wäldern in Hämor. Oesterr. botan. Zeitschrift. 4. Heft. 1901. 10 126 Aspidium Braunli Spenn. h) f. j^seudolohatuin ni. — Die Wedel zeigen aünähernd den Habitus des Ä. lobatam Sw,, die Primär-Segmente sind weniger horizontal, sondern etwas aufrecht abstehend und länger zugespitzt als bei der typischen Form; die Secundär-Segmente lockerer gestellt und besonders im oberen Theil des Wedels am Grund schief gestutzt und zur Spindel schief ge- stellt. — Diese Form erinnert wohl an das Ä. lohatum genuinnm. ist jedoch von diesem durch die reichlichen, allmälig und lang zu- gespitzten Spreuschuppen des Stieles und der Rhachis, ferner durch die stumpfen Ohrlappen ihrer See. -Segmente leicht zu trennen. Von A. lobatiforme m. {A. lobatum X Braunii) (Oesterr. botanische Zeitschr. 1899, pag. 65) ist diese Form vor Allem durch gut ent- wickelte Sori und Sporen, dann auch durch die nach unten all- mälig verschmälerten Blattspreiten und die am Grund weniger schief gestutzten See. -Segmente gut zu unterscheiden. — c) f. microlohuni m. mit kleinen See. -Segmenten. Im Gegensatz zur f. macrolohiim m. (Oesterr. botan. Zeitschr. 1899, pag. 65 pro varietate) kommen sonst gar nicht schwache Stöcke des A. Braunii mit 30 — 50 cm hohen Wedeln vor, deren fertile Sec.-Segmente, in der Mitte sowohl der Blattspreite als der Prim. -Segmente gemessen, blos 3—5 mm breit und 5 — 7 mm lang sind, somit nicht nur von dem f. wacrolobum, sondern auch von den Sec.-Segmenten der typischen Form an Grösse bedeutend abweichen, d) f. erosum m. Hie und da kommen auch an typischen Stöcken einzelne Wedel mit gabelspaltiger Spitze vor. — Die genannten Formen kommen mit der typischen zusammen in schattiger Buchenwaldung im quelligen Göszbachthal in Hamor vor. A.'ßlix mas Sw. h) var. undulatum m. — Die Wedel 80 — 125 cm hoch, der Stiel und die Rhachis reichlich mit grossen braunen, am Grund schwärzlichen Spreuschuppen besetzt. Die Seg- mente erster Ordnung etwa 16 cm lang, allmälig zugespitzt; die Sec.-Segmente rechtwinkelig abstehend, wenig nach vorne geneigt, länglich, etwa 6 mm breit und 16 mm lang, vorne gestutzt, am Grunde verschmelzend, die Spindel der Prim. -Segmente daher ge- flügelt. Der Rand der Sec.-Segmente wenig und seicht gesägt, zum Theil auch ganzrandig, überdies wellig hin- und hergebogen oder zurückgeworfen. Das erste untere See. -Segment hat am Grunde gewöhnlich einen mehr minder entwickelten, der Rhachis zuge- kehrten ohrartigen Lappen. Die Sori sind mittelgross; die In- dusien derb häutig, massig gewölbt, den Sorus von unten nicht umfassend, zur Reifezeit nicht zweilappig reissend. — Diese Form steht der var. paleaceum Moore durch ihren Habitus, besonders aber durch die reichlichen, am Grunde schwärzlichen Spreuschuppen des Stieles und der Rhachis sehr nahe, ist aber durch die Be- schaffenheit des Indusiums davon getrennt. Die von mir 1. c. pag. 66 als A. f. mas var. paleaceum angeführten Pflanzen ge- hören hieher. — Wächst in vielen kräftigen Stöcken im schattigen, quelligen Göszbachthal in Hamor. A. spinulosum Sw. h) var. elevatum AI. Br. Waldthal in Haraor. — c) var. glandulosum Milde. Baehrand in Hämor. A. düatatum. Sw. h) var. ohlongiim Milde -kommt in zwei Formen vor: a. f. latisectum m. Die Blattspreite dreimal fiederschnittig. die Segmente dritter Ordnung fiederspaltig. mit breiten Abschnitten. ß. f. angustisectum m. Die Spreite vierfach fiederschnittig, die Abschnitte dritter und vierter Ordnung lineal länglich, schmal. — Beide Formen wachsen zahlreich an schattigen, quelligen Stellen im Göszbachthal in Hamor. Setaria verticillata L. h) f. rohusta A. Br. {Gramina Hun- garica ab A. de Degen ed. Nr. 7 ; Fanicum vertiUatum L. IL robustum Aschers, et Gräbn. Synops. pag. 75; Set. vert.f.majortn. in schedis). — Weingärten in Köszeg. Aira capiUaris Host. var. ambiqua De Not. — Kommt in den Waldschlägen von Szerdahely zweijährig vor; im ersten Jahre bildet es blos kleine, dichte, feine, rundhche Rasen, von welchen erst im Juni des zweiten Jahres blühende Halme in grosser An- zahl emporschiessen, die Grundblätter sterben dabei ab und mit der Fruchtreife dann auch die Halme. Der von diesen Pflanzen entnommene Samen, im Frühjahr in meinem Garten angebaut, brachte ebenso im ersten Jahr die kleinen Rasen, im zweiten dann die büschelweise emporwachsenden Halme. Mdicji altissima L. Mehrere Stöcke mit 1 m hohen Halmen und strohgelben Aehrchen am grasigen Rand eines Feldweges in Köszeg; wahrscheinlich verwildert. Glyceria spectabilis M. et Koch. Kommt in dieser Gegend in zwei Formen vor: a) f. laxiftora rti. Die Rispe sammt Aesten und Zweigen verlängert, bis 45 cm lang, erscheint dadurch und auch weil die Aehrchen, wie dies bei Gräsern ge- wöhnhch der Fall ist, an der Spitze der Rispe und Zweige weniger- blütig sind, lockerblütig. Wächst so in Wassergräben und in einem Teich in Tömörd. b) f. densifiora m. Die Rispe sammt Aesten verkürzt, 18 — 25 cm lang, gedrungen, die Aehrchen auch an der Spitze der Rispe und Zweige mehrblütig, die Rispe erscheint da- durch viel dichtblütiger als bei voriger. — In Wassergräben in Szombathely und im benachbarten Oomitat, in Csepreg. Festuca rubra L. b) subvar. grandiflora Hack., c) subvar. glaucescejis Hack., d) subvar. juncea Hack. Sämmtliche in Wald- schlägen in Köszeg. F. elatior L. b) f. colorata m, Aehrchen blos 4 — 6blütig, dunkelviolett gefärbt. An grasigen Stellen in Vörösvagäs. 750 m s. m. Bromus steriUs L. b) f. hirsutior ni. Blätter sammt Scheiden und auch die Aehrchen dicht behaart; überdies die Rispe sammt Aesten kürzer, die Aehrchen blos 5 — 7blütig, die Granne etwa so lang als die untere Blütenspelze; dem Habitus nach steht es dem B. tecfornm L. nahe. — Auf alten Mauern in Köszeg. 10* Carex caespitosa L. h) var. Weishecheri Kük. (Allg. bot. Zeit. VIL pag. 53). — Nasse Wiesen in Köszeg. C. Fritschii m. (Verhandl. der zool.-botan. Gesellschaft in Wieu, Bd. 44.) Kommt aucli in Waldschlägen des benachbarten Oedeuburger Ooraitats in Klastrom und Kethely vor. G. polyrrhisa Wallr. Aendert ähnlich wie die verwandte C. verna Chaix vielfach ab. h) f. hrevifolia m. Die Blätter schmal und nicht so lang wie die Halme; die Wurzel ist jedoch dichtrasig ohne Ausläufer, dadurch wird diese Form von den ihr ähnlichen Varietäten der C. verna und auch von der C. interjecta m. (C. verna X polyrrhiza) (Oest. botan. Zeitschr. 1896, pag. 431) ge- schieden, c) f. diandrostachya m. Mit zwei männlichen Aehren an der Spitze der Halme, d) f. refracta m. Der Halm unter der männlichen Aehre winkelig zurückgebogen, e) f. hasigyna rti. Die unterste weibliche Aehre vom Grund auf gestielt. — Die ge- nannten Formen kommen in Gesellschaft der typischen Form in einem Waldschlag in Köszeg vor. C ornithopoda Willd. In einem etwa 500 — 600 m s. m. ge- legenen Waldschlag in Gyöngyösfö in zahlreichen grossen Exemplaren. Veratrum album L. var. Lobelianum Bernh. Quellige Stelleu in Velem. Scilla hifolia L. Waldrand in Särvür. Orchls maculata L. b) f. longibracteata Schur. Grasige, quellige Stellen in Üveghuta a. H. Herminium monorchis B. Braun. Am Satzenriegel 500 m s. m. in Eohoncz; etwa 50 Exemplare an einer Stelle. Stratiotes aZoir?es L.Wassergräben in Csönge (leg. et com. Piers). Sparganium erectum L. b) var. neglectum Beeby. Wasser- gräben in Köszeg. c) var. microcarpum Gel. Bach in Doroszlo. Abies excelsa Poir. b) var. viminalis Casp. in Vagod und in Gyöngyösfö; Wälder bildend. — c) var. erythrocarpa Purk. in Köszeg. Alnus viridis D. 0. b) var. grandifolia G. Beck in Vörösvagäs. Atriplex patula L. b) f. angustifolia Sw. Wegränder in Köszeg. Stenactis bellidiflora A. Br. Waldschlag in Hämor. Bellis perennis L. b) var. pygmaea Schur. Brachäcker in Köszeg. — c) var. caulescens Eochebr. Ackerrain in ßendek. Erigeron canadensis L. b) var. divaricatus ni. Der Stengel wird etwa 20—25 cm hoch und ist vom Grund auf verästelt; die unteren vielfach verzweigten, reichbltitigen Aeste aufrecht abstehend, steigen beinahe in ein Niveau mit den oberen, ebenfalls sehr reich- blutigen Aesten ; die Pflanze erhält dadurch eine verkehrt pyrami- dale Form, somit einen ganz anderen Habitus wie die typische Form. — Wächst in grosser Menge auf Brachäckern in Güns. Matricaria inodora L. {Chrysanthemum inodorum L. ; Chamaemeliim inodorum Vis.). An Rainen, auf Brachäckern in Köszeg, ziemlich selten. Chrysanthemum tenuifolium Kit. In Saaten oft als lästiges Unkraut, dann auf Brachäckern und Rainen; sehr häufig und zahl- 129 reich in Czak, Doroszlo, Velem, Köszeg, Lukacshaza, Leka und noch weiter verbreitet, — Wurde von mir und Anderen vielfach mit voriger vervrechselt ; der kleine, krönchenförmige Kelchsaum (Pappus;, dann die schwärzlichen Achenen der Matrkaria ino- dora L. (Neilreich Diagnosen, pag. 70, 71) fehlen jedoch bei Ch. tenuifolium Kit. — Aendert ab. h) f. discoideuni m. ohne Strahlblüten, c) f. chloranthuni m. Die Strahlblüten grünfärbig. Beide Formen mit der typischen in Saaten in Guus. eil. leucantJiemiim L. b) var. macrophyllum ni. Die Stengel 40—70 cm hoch, eiuköpfig oder in 2 bis mehr einküpfige Aeste getheilt, sammt den Blättern reichlich mit krausen Haaren besetzt; die Blätter verkehrt eiförmig-lanzettlich, bis 13 cm lang und 3 cm breit; Köpfchen 5 — 6 cm gross im Durchmesser; sowohl die Rand- als die inneren Blüten mit einem häutigen, bis 1 mm laug vorragenden, krönchenförmigen Kelchsaum (Pappus) versehen, dessen oberer Rand kerbig oder, wie besonders an den Strahlblüten, lappig ist. — Waldrand und verlassene Steinbrüche in Köszeg (Güns). Cirsium eriopJiorum Scop. Buschige, steinige Stellen in Kupfalva. C. palustre Scop. h) var. angustisectuni m. — Die Blätter lauzettlich, fiederspaltig, die 2 — 4 cm langen Abschnitte vorn noch einmal tief fiederspaltig. überdies dornig gezähnt; die Fieder- abschnitte schmal lineal. — Waldschlag in Velem. C. erisithales Scop. b) var. subdecurrens ni. — Die Stengel- blätter mit geöhreltem Grund umfassend sitzend, überdies kurz, etwa 1 — 2 cm lang, herablaufend angewachsen. — Waldrand in Güns. C. suberisWiales G. Beck (C. erisithales X oleraceum). 4 bis 5 Köpfchen an kurzen, mit deckblattartigen kleinen Blättchen ver- sehenen Stielen am Ende des Stengels gehäuft; die Blätter weichen von denen des C. erisithales nicht ab. — Waldrand in Güns. Tragopogon major Jacq. Weingartenrain in Doroszlo. Lactuca scariola L. b) f. integrifolia Bisch. — In Szombathely. Asperula cynanchica L. b) var. elongata Stev. Waldschlag in Hamor. Glechoma hederacea L. b) var. heterophylla Op. Waldschlag in Güns. Lycopsis arvensis L. b) var. macrocalyx m. (Oesterr. botan. Zeitschr. 1897, pag. 6). Ackerrain in Bernstein, und zwar mit aus- dauernder, mehrere kräftige Stengel treibender Wurzel. Symphyttim tuberosum L. a) f. latifolinm G. Beck. Wälder in Bernstein. — b) f. longifolium G. Beck. Wälder in Güns. S. ZahlbrucJcneri G. Beck (S. ofßcinale X tuberosum). In Bernstein. Hyoscyamus niger L. b) var. agrestis Kit. Brachäcker in Güns. Verbascum phlomoides L. b) var. nemorosum Schrad. Wald- schläge in Velem. V. Brockmülleri Ruhm. ( V. phlomoides X nigrum). Bachrand in Güns. F. Schiedeanum Koch ( F. nigrum X lychnitis). Bachrand in Güns. 130 Odontites venia Bell, b) var. intercedens m. (Oesterr. botan. Zeitschr. 1899, pag. 439) wurde von mir 1899 in Rog-gen- und Weizensaaten auch in Bernstein und Kalteneck in grosser Anzahl gefunden, kommt demnach in den Gramineen-Saaten des ganzen Bernsteiner Gebirgszuges in der Höhe von 700 — 800 ms. m. vor; in Wiesen oder anderen Grasplätzen habe ich diese Pflanze, ob- wohl ich sie dort gesucht habe, ebensowenig gefunden, wie auch in Saaten am Fusse dieses Gebirgszuges nicht. — Am 27. Juni 1899 fand ich die 0. verna Bell. var. intercedens m. in Redlschlag in be- ginnender, auf den Feldern von Bernstein in voller Blüte, theilweiso schon mit Fruchtbildung. Nachdem in dieser Gegend die Roggeu- ernte gewöhnlich erst mit 18. — 20. Juli beginnt, ist sie unzweifel- haft den praeaestivalen Formen der Gattung Odontites zuzuzählen. Silaus Intescens Bernh. (S. pratensis Bess.). Auf einer Wiese in Güns. Thalictrum minus L. h) var. roridiim Wallr. (Th. montanum Wallr. var. roridnm; Th. glaucescens Willd.). In Felsenspalten am Satzenriegel in Rohoncz. Th. collinnm Wallr. {Th. coUmum Wallr. et Th. glaucescens Waisb. in Köszeg es v. Flor. 1891, pag. 46, non Willd. ; Th. glau- cescens W\\\d. in Borbas Vasm. Flor. 1887. pag. 241. pro parte). An steinigen, buschigen Stellen in Osömöte, Köszeg, Rohoncz. Hepatica triloba Chaix. Waldrand in Sotony. in der Nähe des Herpenyö. Ranunculus sceleratus L. In Vörosvagäs 700 m s. m. Cardamine hirsuta L. Bachufer in Rendek, Waldschlag in Gyöngyösfö. Dentaria enneaphyllos L. h) f. polyantha et c) f. remotifolia G. Beck. Waldschlag in Bernstein. D. hiilbifera L. b) f. i^ilosa m. Stengel und Blattstiele zerstreut abstehend behaart; die gesammelten Exemplare hatten in wenigen Blattwinkeln Zwiebeln und waren weissblütig. Waldschlag in Bernstein. Hesperis matronalis L. Grabenraud in Güns ; wahrscheinlich verwildert. Thlaspi alpestre L. In Velem und Vörösvagas; an letzterem Fundorte in der Höhe von 750 m s. m. mit violetten Blütenblättern. Viola mirabllis L. b) f. acaidis D. C. ? mit fruchtbringenden Grundblüten und auch im Mai stengellos. Waldrand in Röt, Rendek. F. tristicha ni. ( F. mirabilis X silvestris) (Oesterr. botan. Zeitschr. 1895, pag. 144). Am 21. April 1893 fand ich in einem Wald- sehlag in Güns, in Gesellschaft von F. mirabilis L. F. silvestris Kit. und der etwas entfernteren F. Riviniana Reichb. drei reich- blühende Stöcke dieser Hybride, welche ich l. c. kurz charakterisiert habe ; nachdem der dort gebrauchte Nachsatz „sonst weicht sie von der F. mirabilis X silvestris Bog. nicht ab" nicht ganz zu- treffend ist. gebe ich hier nun die vollständige Diagnose: Aus dem oberwärts mit braunen Schuppen besetzten Wurzelstock steigen I 131 langgestielte Blätter und im Frühjahr etwa 10 cm lange, beblätterte und abstehend behaarte Stengel empor. Die Behaarung, wenn auch nicht reichlich, ist sichtlich dreizeilig geordnet, nämlich vom Eücken des Blattstieles herabsteigend eine behaarte Zeile, wie dies auch bei F. mirahilis der Fall ist. dann an den vom vorderen Rande der Nebenblätter am Stengel herablaufenden beiden Leisten je eine Zeile. Die Behaarung fehlt im unteren Theile der Stengel meist ganz, auch ist die dreizeilige Anordnung der abstehenden Härchen nicht an allen Stengeln gleich deutlich, an manchen nur durch einige Härchen angedeutet, an anderen jedoch ganz evident. Die Blätter sind breit herzförmig, kurz zugespitzt, zerstreut behaart, in der Jugend dütenförmig eingerollt. Die Nebenblätter eilanzettlich, lang zugespitzt, kurz fransig und am Rand fein gewimpert. Die Blüten, stets von stengelständigen Blattwinkeln aufsteigend, sind schwach aber deutlich wohlriechend, blassviolett, gross, die Sporn- blätter 19 mm lang, der Sporn die Kelchanhängsel mehr als doppelt überragend, dick, stumpf, weisslich. — Die V. tristicJia m. steht durch ihre breit herzförmigen, kurz zugespitzten Blätter, ferner durch die Behaarung des Stengels und den dicken, stumpfen, weisslichen Sporn der V. LJechtritziana Borb. ( V. mirahilis X liiviniana) der Beschreibung nach scheinbar näher als der F. Bo(jenhard'iana Gremli ( F. mirahilis X silvestris) ; diese jetzt ge- nannten Merkmale sind jedoch durchwegs mehr minder auch Kenn- zeichen der F. mirahilis, weisen daher nur auf die vorwiegende Einwirkung der einen Stammart, nämlich der F. mirahilis hin, und es liegt gar kein Grund vor, als zweite Stammart nicht die am Fundort der Hybride näher gestandene V. silvestris, sondern die entfernter gewesene F. Riviniana anzunehmen. F. Bogenhardiana Gremli ( F. mirahilis X silvestris Bog.). In demselben Waldschlag, wo ich die Exemplare der F. tristicha m. gefunden habe, nur von deren Fundort entfernt, fand ich eine andere Hybride der F. mirahilis mit F. silvestris, aber nur ein Stück, welche von der F. tristicha durch sehr spärliche, nicht drei- zeilige Behaarung der Stengel und violett überlaufenen Sporn der Blüten abweicht. — In meinen Garten versetzt, treibt dieser mit braunen Schuppen besetzte Wurzelstock alljährhch 12 — 15 etwa 20 — 30 cm hohe, kahle oder sehr spärlich behaarte Stengel, mit breit herzförmigen, in der Jugend eingerollten Blättern und 1 — 2 blassvioletten, schwach wohlriechenden Blüten, mit langem, dickem, stumpfem, blassviolett überlaufenem Sporn; bringt aber nie Kapseln. — Am 2. October 1899 kam ausnahmsweise als zweites Blühen eine vollständige Blüte zur Entwicklung. Polygala chamaehuxus L. h) var. purpurea Neilr. (v. rlio- doptera Ball.). Waldrand in Bernstein. Fotentilla permixta m. (P. ruhens X ylandulifera) (Oesterr. bot. Zeitschr. 1897, pag. 8). Wächst in grosser Menge in einem Waldschlag in Bernstein. Der 1. c. gegebenen Diagnose ist bei- zufügen, beziehungsweise diese dahin zu modificieren, dass an den 132 zuletzt gesammelten Exemplaren die Blätter meist fünf-, selten siebenzählig sind; ferner haben die Blumenblätter am Grund einen deutlich ausgeprägten orangegelben Fleck, welcher auf die Ein- wirkung der in der Nähe zahlreich wachsenden F. serpeiühii Borb. hinweist, denn die Fetalen der letzteren, wie ich dies in der Oest. bot. Zeitschr. 1897, pag. 9 angegeben habe, tragen am Grunde stets einen exquisiten orangegelben Fleck. Wegen dieser Färbung der Fetalen habe ich die P. permixUi beim Sammeln der P. j^seudo- serpentini m. (P serpentini X glandulifera 1. c. pag. 9) beigelegt und erst später davon abgeschieden. Kleinere Arbeiten des pflanzenphysiologischen Institutes der k. k. Wiener Universität. XXXI. Zur Anatomie des Blattes tou SaHseviei'a und ül)er die Sanseylerafaser. Von H. Greilach, cand. phil. Mit 1 Textfigur. Zwei Gründe haben mich bestimmt, meine Beobachtungen über den im Titel genannten Gegenstand zu veröffentlichen : Einige Eigenthümlichkeiten im Baue des Blattes der Sansevicra und die leider sehr mangelhafte Kunde über die Morphologie der Sansevierafaser , welche als tropische Textilwaare von immer grösserer Wichtigkeit wird. Es wurde diese Faser bereits von V. HöhneP) und später etwas eingehender von A. Frey er-) unter- sucht, jedoch ohne dass auf die Beziehung der technischen Faser zu den Gefässbündeln des Blattes gebührend Rücksicht genommen worden wäre. Wohl bildet Freyer einen Querschnitt der Faser ab. aber in einer sehr unvollkommenen Weise. In diesem Querschnitte findet sich ein lufterfüllter Hohlraum vor, dessen Entstehung nicht weiter erläutert wird. Es ist aber nach meinen weiter unten folgenden Untersuchungen nicht zweifelhaft, dass dieser Hohlraum dem ge- schrumpften Fhloem des Blattgefässbüudels sein Entstehen verdankt. Zur Untersuchung gelangten ausser der Faser ^) noch Weingeist- präparate der Blätter von S. Ceylanica, ruficina, longiflora und Guineensis. Nur aus den vollständigen Blattquerschnitten war die Mannigfaltigkeit im anatomischen Baue der einzelnen, auch nur von einer und derselben Species stammenden Fasern zu erklären. Der Querschnitt zeigt ein grosszelliges parenchymatisches Grundgewebe, in dem die Gefässbündel und deren ßeductiousproducte eingebettet 1) Fr. V. Höhnet: „Die Miiiroskopie der technisch verwendeten Faser- stoffe", Wien 1887, 52. 2) A. Preyer: „Die Sansevierafaser". Beihefte zum Tropenpflanzer (1900J, Bd. I, Nr. 1, S. 18 ff. 3) Die zur Untersuchung benützte Sansevierafaser stammte aus dem Berliner botanischen Museum und wurde Herrn Prof. Hofrath Wiesner von Herrn Geheimrath Prof. Engler in Berlin zur Verfügung gestellt. 133 I* sind. Die Oberhaut zeigt ausser den auf Ober- und Unterseite auf- tretenden Spaltöffnungen keine weiteren Eigenthümliehkeiteu. Das Mesophyll ist dadurch merkwürdig, dass einzelne parenchymatische Elemente schraubig bis netzartig verdickt erscheinen. (Fig. P^.) Auch finden sich vereinzelt Poren in den Membranen des Grund- gewebes vor. (Fig. P^) Was nun die speeifisch mechanischen Elemente und die Gefössbündel im Blatte selbst anbelangt, so bestehen letztere in kräftigeren Strängen aus einem Mestom. dessen Phloem stets der Peripherie zugewandt und mit einem Bast- belege versehen erscheint. Diese ^^,— / Gefässbündel er- fahren, nament- lich gegen den Blattrand hin, eine merkwürdige Re- duction. Nicht nur, dass diesel- ben bis auf iso- herte Bastbündel reduciert erschei- nen (wie dies ja ^ auch an vielen monocotylen Sten- geln, z. B. bei Cyperus Papyrus, in den Blättern von Agave ameri- cana und vielen , anderen zu beob- ^ M achten ist), son- dern die ßeduc- tion der bereits ge- fässbüudelfreien Baststränge geht schliesslich so weit,dass nur noch einzelne Bast- iiellen od. kleinere ^. Gruppen von 2-4 , ^ , , Figurerklärung: Rncfyallan iihrio- ^ = ^^^*^' P''' = PWoem, X = Xylem, B = Bastzelle, msizeiien uorig _ßi _ß2 == reducierte Bastbündel, P = Parenchymzelle, bleiben, (r ig. i>, pi = eine solche mit netzartiger Membranverdickung, B^, B^.) P2 ^ Poren in der Membran. Vergrösserung 110. Letztere werden im Längsschnitte stets durch schraubig ge- stellte Tüpfel charakterisiert. In obenstehender Figur ^) sind diese 1) Dieselbe stammt aus dem im Erscheinen begriffenen 2. Bande der „Eohstoffe des Pflanzenreiches" von Wiesner und wurde von Herrn Hofrath Prof. Wiesner dem Verfasser bereitwilligst zur Verfügung gestellt. ^ ,. .,, oTudien über den Milchsaff und Schleimsaff der Pflanzen. Von Prof. Dr. Hans Molisch, Vorstand des pflanzenphysiologischen Institutes der deutschen Universität Prag. Mit 33 Holzschnitten im Text. 1901. Preis: 4 Mark. "Die l^eizleifung und reizleifenden Strukturen bei den Pflanzen. Von Dr. B. Nemeo, Privatdocent der Botanik an der k. k. böhmischen Universität in Prag. Mit 3 Tafeln und 10 Abbildungen im Text. 1901. Preis: 7 Mark. NB. Dieser Nummer ist ein Prospect der Verlagsbuchhandlung Paul Parey in Berlin SW. beigegeben. ÖSTERREICHISCHE Herausgegeben und redigirt von Dr. Richard R. v. Wettstein, Professor an der k. Ic. Universität in Wien. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. LI. Jahrgang, N"- 5. Wien, Mai 1901. Neue Gräser. Beschrieben von E. Hackel (St. Polten), i) Tribus : Andropogoneae, 1. Ischaemuni Goebelii Hack. Perenne. Oulmi ascendentes, graciles, ramosi, glaberriiui; vaginae inferiores raraoruin vi a culmo solutae, summa arcta, glabrae; ligiila membranacea, truncata, 1— 2 mm lg., glabra; laminae lanceo- luto -lineares , basi attenuatae, setaceo-aeuminatae, planae , ad 12 cm \g., 2 — 4 mm lt., virides, laeves (etiam raargine), pilis con- spersae v. giabrescentes, tenuinerves. Racerai in apice eiilrai ra- morumque solitarii v. bini, erecti, subgraciles, 4 — 5 cm lg., rhacheos crassiusculae artieuli spicula sessili V4 breviores, acute trigoni, non nisi angulo exteriore ciliati, ciliis albis rigidiusculis suberectis arti- culo cire, 3-plo brevioribus, basi haud excisi, apice ciliolati. Spiculae sessiles cum callo obtuso vix 1 mm longo pilis aequilongis stipato circ. 5 mm lg., lineari-oblongae, asymmetricae, obtusae. pallide viri- dulae, superne violascentes: gluma I marginibus auguste implicata, flexuris infra apieem alato-marginatis unde gluma quasi truncata evadit, intus et superne 7-nervis, nervis reticulatis, laevis, in 7-2 inferiore versus tlexuras iiodulis 1 — 2 indistinctis notata. flexuris intus minute puberulis; IL 1="^ aequans, ovata. acuta, mutica, dorso minute puberula; IIL P"" aequans, hyalina, lineari-lanceolata, glabra, paleam aequilongam, floremque cf v. rarius 9 fovens; gluma IV. quam II Vs brevior, ovato-oblonga, ad V2 usque bifida, lobis aeutiusculis, glabra, aristam exserens in Y3 inferiore orientem. perfectam. ad 10 mm lg., colurana castanea glabra, quam subula laxe torta parum breviore. Spiculae pedicellatae sessilibus parum breviores, pedicello quam articulus plus duplo v. triplo breviore ei simili fultae, ceterum sessilibus similes nisi gluma IV ex ipso apice breviter aristata. Ceylon: in humidis prope Colombo leg. Goebel. 1) Die Original-Exemplare sämmtlicher hier beschriebener Arten sind in meinem Herbar vorhanden. Oesterr. botan. Zeitschrift. 5. Heft. 1901. 12 150 Die vorliegende Art habe ich nach cultivirten Exemplaren besehrieben, welche im Warmhause (Aquarium) des Münchener botanischen Gartens aus Samen, die Herr Professor Dr. Goebel aus Ceylon mitgebracht hatte, erzogen wurden. Dieselbe zeigt in ihren Blütentheilen einen auffallenden Grad von Variabilität. Die Aehrehen- trauben (Seheinähren) stehen bald einzeln an den Halmspitzen, bald zu 2; die sitzenden Aehrchen haben nicht selten 2 Zwitter- blüten (statt einer ichostegii rusciformis. 18. V. 1899 (It. Anat. III. Nr. 3615-). 37. Hypniim commutatam Hed. — Phrygia: Akscheher, Sultan- dagh, 1400 m; ster. parce inter Fhüonotis calcarea var. seriati- folia. 25. VI. 1899 (It. Anat. III. Nr. 3614"). 38. Hypnum cupressiforme (L.). — Caucasus: ad Noworossiisk, in collibus, ca. 50 m ; ster. 20. III. 1899 (It. Anat. III. 3606 et 3607 p. p.). Die perennen Arten der Gattung Gentiana aus der Section Cyclostigma. Mit besonderer Berücksichtigung der Verbreitung der Arten in der österreichisch- ungariscben Monarchie. Von Marie Soltokovic (Wien). (Mit 2 Tafeln [III u. IV] und 2 Karten). Durch Kusnezow^) wurde in den letzten Jahren die Gattung Gentiana einer monographischen Bearbeitung unterzogen, bei der es sich naturgemäss in Anbetracht des Arteureichthums dieser Gattung zunächst um eine Klarstellung der Artengruppen und der wichtigsten Artentypen handelt. Durch Wettstein"'^), .lakowatz^), ßonniger*) wurden dann einzelne Artengruppen eingehender monographisch durchgearbeitet und bezüglich der Ausgliederung von Formen, der Verbreitung derselben und ihres entwicklungs- 1) Trav. de Soc. des Nat. St. Petersbg. Vol. XXIV. 1894. — Acta horti Petropol. Tom. XV. fasc. 1. et 2. (1896-1898). 2) Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus der Section Endo- tricha Froel. und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang von Dr. E. v. Wettstein. In Denkschriften der Wiener Akademie der Wissenschaften, 64. Band. 1896. — Die nordamerikanischen Arten der Gattung Gentiana aus der Section Endotricha. Oest. bot. Zeitschrift. 1900. 3) Die Arten der Gattung Gentiana Section Thylacites Ren. und ihr entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang von cand. phil. A. Jakowatz. Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Band 108, Abth. I. 1899. 4) Vergl. C. Ronniger in Verhandig. der zoolog.-botan. Gesellschaft, Wien. XLXX. S. 1, und in Dörfler J. Schedae ad herb. norm. Cent. XXXVIII. p. 247—26:3. 162 geschichtlichen Zusammenhanges soweit als möglich klargestellt. Ich versuchte es, im Anschlüsse an diese Arbeiten die im Titel dieser Abhandlung genannte Gruppe in analoger Weise einer Klar- stellung zuzuführen. Es ist allgemein bekannt, dass die Arten dieser Gruppe bisher systematisch durchaus nicht klargestellt waren, ob- wohl in jüngster Zeit durch die Arbeiten G. Beck's^) und J. Kerner's^) werthvolle Beiträge zur Kenntnis dieser Artengruppe geliefert wurden. Was den Vorgang bei meinen Untersuchungen anbelangt, so trachtete ich zunächst auf Grund eines möglichst reichen Materiales zu einer unbefangenen Unterscheidung derjenigen Typen, die füglich als Arten bezeichnet werden könnten, und ihrer Verbreitung zu gelangen. Der specielle Theil dieser Abhandlung ist der ausführ- lichen Behandlung dieser Arten gewidmet. Bei der Aneinander- reihung der Beschreibung der einzelnen Arten nahm ich auf die morphologische Aehnlicbkeit der Arten untereinander und auf die sich mir unwillkürlich aufdrängenden, ihre Verwandtschaft betreffen- den Erkenntnisse Eücksicht. In einem getrennten Abschnitte trachtete ich schliesslich, die theoretischen Anschauungen, zu welchen mich die Beschäftigung mit dieser Artengruppe brachte, klarzulegen. Da mir naturgemäss das Materiale nicht aus allen in Betracht kommen- den Gebieten in gleichem Reichthume zur Verfügung stand, war ich bestrebt, die Verbreitung der Arten speciell für das Gebiet der österreichisch-ungarischen Monarchie möglichst genau festzustellen, während ich für die anderen Floreugebiete die Verbreitung nur summarisch angegeben habe. Dieser Vorgang ist sachlich auch in sofern gerechtfertigt, als gerade die geographische Verbreitung der betreffenden Arten im Bereiche der österreichisch-ungarischen Monarchie die interessantesten Verhältnisse darbietet. Es stand mir für meine Arbeiten das Materiale aus folgenden Herbarien zur Ver- fügung: 1. Herbarium der k. k. Universität in Wien. 2. Herbarium A. Kern er in Wien. 3. Herbarium der botanischen Abtheilung des k. k. natur- historischen Hofmuseums in Wien (Leiter: Gustos A. Zahl- br uckner). 4. Herbarium des botanischen Museums in Florenz. 5. Herbarium der Universität in Ooimbra. 6. Herbarium Dr. E. de Halacsy in Wien. 7. Herbarium Dr. A. v. Hayek in Wien. Für die Erlaubnis der Benützung dieser Herbarien bitte ich hiermit die Leiter, respective Besitzer der betreffenden Sammlungen meinen Dank entgegennehmen zu wollen. 1) Flora von Südbosnien und der angrenzenden Hercegoyina, I-III. 1886 — 1887. S. 130 und IX. S. 25. 1898. 2) Gentiana verna und Gentiatia aestiva (Schm.) E. et Schult. Von J. Kerner. Oest. bot. Zeitschrift XLIX. Jahrg. (1899). 163 Angaben über Synonyme, Abbildungen, Exsiccaten habe ich nur dann gebracht, wenn ich selbst die betreffenden Bücherstellen nachgeschlagen, respective die betreffenden Herbarexemplare ge- sehen habe. Die vorliegende Arbeit wurde von mir unter Anleitung und theilweiser Mithilfe des Herrn Prof. R. v. Wett stein ausgeführt, welchem ich nicht nur hiefür, sondern auch für die Erlaubnis der Benützung, respective für die Vermittlung aller für die Arbeit noth- wendigen Behelfe zu Dank verpflichtet bin. I. Dio IV iclitig ereil Merkmale, welche den i)ereiiiieii Arten der Section Cyclostignia aus der Grattnug: Gentiana Jie- meinsain sind. Die zu der hier bearbeiteten Gruppe zählenden Pflanzen sind kleine, perennierende Kräuter, welche eine Höhe von 3 bis höchstens 15 cm erreichen. Ausser den blühenden Stengeln findet man bei allen Arten der Gattung Innovationssprosse, die normaler Weise in einem folgenden Jahre zur Blüte gelangen können. Die Höhe dieser beträgt 72 — ^ ^'^■ Nachdem die in Betracht gezogenen Pflanzen in Bezug aut die Ausbildung der Blätter und der Narbenlappen am meisten dif- ferieren, werden die diesbezüglichen eingehenderen Angaben in der Bestimmungstabelle und in der Beschreibung der einzelnen Arten angeführt werden. Die Blätter sind bei allen Arten stiellos. Bei Gentiana Bavarica sind sie nach unten hin oft derart verschmälert, dass sie scheinbar gestielt sind. Der Kelch ist bei allen Arten geflügelt und fünfzähnig. Die Zähne sind unter einander gleich lang und spitz. Die Buchten der Kelchzähne sind spitzwinkelig bei einigen, abgerundet bei anderen Arten. Die Breite der Kelchflügel, sowie die Form der Kelchbuchten und die bei einzelnen Arten vorkommende Verbreiterung des Kelches und seiner Flügel um die Mitte derselben scheinen mir bei den einzelnen Arten, respective bei einzelnen Exemplaren einer Art in einem gewissen Zusammenhang mit der Form und Beschaff"enheit des Blattes zu stehen. Die Entstehung der Kelchflügel dürfte nach den von mir ge- machten Wahrnehmungen nicht bei allen Arten auf dieselbe Weise vor sich gegangen sein. Ich fand bei Gentiana angnlosa und den ihr nahestehenden Arten an der Unterseite der Blätter die Mittel- rippe flügelartig hervortretend. Bei Gentiana Tergestina und den ihr sehr ähnlichen unter den Formen der Gentiana verna tritt der Mittelnerv nicht in der oben bezeichneten Weise hervor; ich fand 164 aber obere Stengelblätter, deren Rand umgebogen war und am Buge wie eingezogen erschien. Ich konnte darüber hauptsächlich wegen mangelnden Materiales keine abschliessenden Untersuchungen an- stellen, erwähne aber diese Beobachtungen, weil sie vielleicht zu weiteren Untersuchungen über den Gegenstand, dort, wo sie an lebenden Pflanzen gemacht werden können, Anregung geben. Auch das Vorhandensein eines dünnen, farblosen Häutchens in den Kelch- buchten der Gentiana angulosa und Gcntiana Pontica^), welches ich bei Gentiana Tergestina nicht fand, steht möglicherweise mit der Verschiedenheit der Kelchkantenbildung im Zusammenhange. Die Blumenkrone entspricht in Bezug auf ihre Form bei allen Arten dem Begriffe „stieltellerförmig". Sie besteht aus einer den Kelch überragenden, anscheinend gleich weiten Eöhre, welche oben in eine kreisförmige fünftheilige Verbreiterung übergeht. Die fünf Zipfel dieser sind abgerundet oder spitz, ganzrandig oder fein gesägt. Zwischen je zwei Zipfeln befinden sich zwei mehr oder weniger spitze, denfünfgiossenBluraenkronenblättern an Gestaltund Farbe gleichende Zähnchen. An deren äusseren, gegen die grossen Zipfel der Blumen- krone gewendeten Rändern beginnt eine in das Innere der Blumen- kronenröhre verlaufende, nach unten schmäler werdende, weiss ge- färbte Falte, so dass die Blumenkronenröhre eigentlich nur scheinbar gleich weit, in Folge dieser Faltung sich nach oben hin allmäUg erweitert, also trichterförmig ist. Der Fruchtknoten ist etwa fünf- bis zehnmal so lang als breit und besitzt dort, wo er an den Blütenstiel ansetzt, eine bei den einzelnen Arten mehr oder weniger deutlich hervortretende ring- förmige Verbreiterung. .Jedes der zwei Fruchtblätter verschmälert sieh nach oben hin allmälig und bildet den 3 — 12 mm langen Griffel, welcher sich oben zu einer trichter- bis scheibenförmigen Narbe erweitert. Dieser Form der Narbe wegen wurden die hieher gehörigen Pflanzen zuerst von Grisebach, später von Kusnezow mit dem Namen Cyclostigma belegt. Bei allen Arten sind zwei solche Narben vorhanden, liegen aber so dicht an einander, dass sie bei flüchtiger Betrachtung für eine augesehen werden könnten. Der Rand der Narbe ist in für die einzelnen Arten charakteristischer Weise in mehr oder weniger regelmässige, mit Papillen besetzte Lappen aufgelöst. Die Filamente der fünf der Kronenröhre angewachsenen Staubgefässe entspringen beiläufig der Mitte derselben und sind bei 3 — 7 mm, die Antheren bei 2 — 5 mm lang. Die Antheren springen nach aussen auf. Die Stengel sind einblütig, die Blütenstiele grundständig. Von Gentiana angulosa, G. Tergestina und G. verna sah ich auch Exera- 1) Ueber das Vorkommea einer derartigen Membran bei anderen als dsn hier genannten Arten der Gruppe vgl. G. Nevadensis. 165 plare. bei welchen einer Blattrosette zwei bis vier blühende Stengel entsprangen. Die Farbe der Blüten ist bei allen Arten tief blau. Bei allen Arten kommen gelegentlich Exemplare mit weissen Corollen vor, welche zuweilen einen Stich in's Gelbliehe aufweisen.') Der Same aller Arten ist ellipsoidisch, im trockenen Zustande erscheint er, bei Yergrösserung betrachtet, netzig-grubig. Die perennen Arten der Section Cyclostigma gehören fast ausschliesslich der alpinen und subalpinen Region an, nur Gentiana venia findet sieh auch in der Ebene. Nach A. Kern er,-) Knuth,^) Low,*) Hermann Müller*^) besitzen unter den Arten der Gattung Gentiana diejenigen der Section Cyclostigma den ausgebildetsten Typus der Blumenkrone, welcher ausschliesslich der Bestäubung durch Schmetterlinge und andere langrüsselige Insecten angepasst ist. Die Gestalt der Kronen- röhre in Verbindung mit der oben besprochenen Ausbildung der Narbe schützt die Blüten einerseits vor dem Besuche anderer In- secten als der genannten und befördert denjenigen der letzteren, indem in Folge der Verbreiterung der Narbe der Kronenschlund derart ver- schlossen wird, dass nur der dünne Rüssel der Schmetterlinge und anderer langrüsseliger Insecten eindringen kann, um den am Grunde des Fruchtknotens ausgeschiedenen Honig zu erreichen. Nach den Beobachtungen von H. Müller (Alpen) '^) und Mac Leod (Pyre- näen)^) ist Macroglossa stellatarum, der Taubenschwanz, einer der fleissigsten Besucher unserer Enziane. Ich fand, dass in längere Papillen ausgehende Narbenränder bei den auf höheren Standorten und in nördlicheren Breiten vor- kommenden Arten der Section Cyclostigma eigenthümlich sind. Daraus glaube ich schliessen zu dürfen, dass diese Einrichtung dem umso sichereren Festhalten des Pollens dient, weil die Befruchtung durch Insecten in diesen Gegenden relativ seltener und auf eine kürzere Zeitperiode beschränkt ist. Auch die Ermöglichung der Auto- gamie könnte dadurch bezweckt werden, indem durch die Wölbung der Narbenlappen nach aufwärts eine Senkung, und somit An- näherung der Papillen an die Antheren erreicht wird. 1) Vgl. darüber auch die Mittheilungen Eichenfeld's und Fritsch's in Verh. d. zool.-bot. Ges. XL VII. S. 113 u. 114. 2) Schutzmittel der Blüten gegen unberufene Gäste. 1879. S. 9, 45, 51, 58. — Pflanzenleben, IL Band. S. 193, 204, 214, 215, 300, 310. 3) Handb. d. Blütenbiologie. 1898/9. IL Band. 2. Theil, S. 72, 75, 79. *) Blütenbiologische Floristik. 1894. S. 23, 25, 26, 48, 62, 67, 76. °) Alpenblumen, ihre Befruchtung durch Insecten und ihre Anpassungen an dieselben. Leipzig 1881. S. 337—342; 348—349. 6) H. Müller, 1. c. i 7) Low, 1. c. S. 67. OesteiT. botan. Zeitschrift. 5. Heft. 1901. 13 Wo: 3r ^ _^ Ä ^- ^ 'S: ^ •=? ^^ * ~ ^ ~ - IC ~ ^^^ K £L i r"^^ i sc ^ "T" -3: — _— ~Ä ^% S - s»- =■ s- — "tt — ^^ ^-^:=. ~ SE £■ ^.— :z. -f^ ^. ^ * _ — x: = s ~r ~^ =_~ ^ ^■^^ Il==— ^ - =^ KiT 111. Hcspn'cliimn «h'r chi/cliUMi Aricii. 1. O, angillostt^ Marsch, a l>icl). V\. Taiiric-i 'anc 1. |.. I!»7 ( ISOS). IVt oboiirdisrlic TIumI der IMlaii/ci saiiiiiil dci" Hliitr ist 1 lOciii hui'li. Hoi der Kniclitroitc verlün^ert sich der IJIdtoiisticl hodo.utiuid. Die blüt.oiilos(Mi Sprosse sind l)is li ein hoch. Am (iniiuh> dor ShMi^cl hihlcii die HlütlcM' Rosotten. .JcdtM- Hhittrosotto oiils|irin^t «mm IMiittMistciiiifl, sehen koninien zwei oder drei aus einer liosette hervor. Die Hliilter einer liosetle sind ver- schieden gross, die (irosseniint(Mschicdt^ aber nicht so l)edent,(Mid wie bei Cr. verna und (i. Terged'nia. Die Hlütter sind spatelig, diu lungeren oft fast Mneal ; in beiden Fällen sind sie aber an» oberen Ende abgerundet. Der Rand der Hhlttor ist gar nicht papill('>s oder gleichniüssig mit kurzim (lachen l*a|tillen besetzt. Die längsten Hlätt(>r der Ivosetten sind 1— ."} cm lang. Die Läng(> der Hlütter beträgt im Allgemeinen das Zwei- bis h(')chstens Vierfache der Breite. l)ie stengelständigen Hlätlcu", von welchen ein Itis drei Paare vorhanden sind, siiul den Kosettenblättern gleich gestaltet, aber kleiner. Auf der Unterseite sind sie längs der Mitt«^lrippe 1— ß mm breit geflügelt. Aucb an den Rosettenblätt(>rn ist die Mittelrippe ziemlich stark nnd tritt auf der Unterseite der !>lätter aulfalltMid erhaben hervor. Der Kelch ist nuinchmal zum 'flieil violett. Kr ist 1'/,, — iJ cm lang. Die Fliigel desselben sind in der Mitte verbreitert; an der breitesten Stelle bei 5 mm breit. Die Kelehzäline sind 7 mm bis 1 cm lang, am Kande wenig papillös. Die Buchten der Kelchzähne sind stumpf. Der Fruchtknoten ist nicht gestielt und 2'/„ — iJ cm lang. Der (ürifTel ist ö — S mm lang. Der Narbenrand geht in kogf^l- förmige, meist abgerundete oder abgestutzte Enden aus. welche in ziemlich regelmässigen Abständen mit kurzen Papillen besetzt sind. Wichtigste Synonymik: G. angulosa, Don, Syst. of gard. and bot. IV. p. IUI (1837) pr. [). — Schult. Syst. veg. VI. p. 15ü (1820) pr. \k (t. angulosa, forma typicu, Beck, Fl. v. Südbosn. III. S. 130 (1886—1887). G. venia ß alata, Boi ssier, Fl. Orient. Vol. IV. S. 73 (1879) pr. p. G. ver)ia y alata, Griseb., Gen. et spee. Gent. p. 263 (1839) pr. p. G. venia a) angulosa, Kusnezow, Trav. de Soc. des Nat. St. Petersbg. Vol. XXIV (1894) p. 313. pr. p. (r. verna y angulosa, Wahlenbg., FI. carp. p. 74, Nr. 246. (1814) pr. p. Exsiccaten: Kareliu et Kiriloff, Plant, exs. Nr. 324. — K olenati, Fl. Transcauc. Nr. 2011. — Sintenis, Iter orient. 1892. Nr. 4003 pr. p. Abbildungen: Marsch, a Bieb. Cent. Tal". 47. — Vgl. Tat'. III. Fig. 5; Taf. IV. Fig. 1. (t eographische Verbreitung: Gebirge von Centralasien bis zum Kaukasus. 18* 168 Von mir untersuchte Exemplare: Caucasus (Busch, Steven, ßadcle, Smirnoff), — Kaepes Dagh. Prov. Karabagh (Kolenati). — Persia bor. (Szovits) Schlucht Syrlitan (lg. ?). — Songarei (Karelin et Kiriloff). — Songarei. Maralschachu (Schrenk). — Lazistan bei Djimil (Balansa)*). — Altai (Gebier, Meyer, Besser, Ledebour et Mardofkin). — Dahurien (Tur- czaninow). Tarbagatei (Schrenk). — Tarbagatei. Tsehecharak Assu (Karelin et Kiriloff). — Werschmudinsk (Turczaninow). — Mongoliabor. Kosegol (lg. ?). — Paphlagonia. Wilajet Kastam- buli. Tossia. (Sintenis). Die Benennung der Pflanze hatte zur Folge, dass dieser Name theilweise auf Gentiana venia übertragen wurde, indem die von M. B. angegebenen Standorte unberücksichtigt gelassen oder ohne- weiters jenen der G. verna beigesellt vpurden. Zum ersten Male findet sich diese Vermengung bei Wahlenberg.-) Dieser stellt in seiner Fl. carp. G. angnlosa als G. verna y G. angulosa unter Gentiana verna und fügt den kaukasischen Standorten M. B.'s Stand- orte aus den Karpathen hinzu. Später wurde die Breite der Kelch- flügel zumeist als Unterscheidungsmerkmal angesehen, und da dieses Merkmal nicht constant, sondern bei beiden Arten sehr variabel ist, wurde G. verna mit G. angulosa fast allgemein verwechselt. Die G. verna der Karpathen und jene von den Standorten in Böhmen, sowie die aus dem Gesenke zeigt zwar Annäherung an G. angulosa, ist aber doch nicht dieselbe Pflanze. Von G. Tergestina ist G. an- gulosa, wie aus der Beschreibung dieser Arten ersichtlich, fast leichter zu unterscheiden als von G. verna. Von G. verna unter- scheidet sich G. angulosa insbesonders durch die stumpfen, dünn- häutigen und daher an Herbarexeraplaren stets runzeligen Blätter. Da ich von G. angulosa kein reichliches Materiale sah, kann ich über die Variabilität der Art nichts aussagen. 2. Cr. I*ontica, Solt. spec. nov. Der oberirdische Theil der Pflanze sammt der Blüte wird 3—6 cm, die nicht blühenden Sprosse werden bis 2 cm hoch. Blatt rosetten, deren mittlere Blätter am grössten sind, finden sieh an blühenden und nicht blühenden Sprossen. Die Blütenstengel überragen die Blattrosetten an ihrem Grunde fast gar nicht oder um 1 — 5 cm. Die Blätter sind eiförmig, nach oben hin ver- schmälert, bis eilanzettlich. 1 — 2 cm lang, abgerundet oder etwas zugespitzt und am Bande viel stärker papillös als die der Gentiana angulosa. Die Breite der Blätter ist beiläufig ihrer halben Länge gleich. Die stengelständigen Blätter sind eilanzetthch und kleiner als die Rosettenblätter. An allen Blättern tritt insbesondere an der Unterseite der Mittelnerv sehr stark hervor. An einigen Exemplaren fand ich die oberen Stengelblätter längs desselben auf der Unterseite 1 — 2 mm breit geflügelt. Der Kelch ^) Uebergangsform zu G. Pontica. 2) Wahlenbg. Fl. carp. p. 74, Nr. 246 (1814). 169 ist oft zum Theil violett gefärbt und 2—2-5 cm lang. Die Breite der Kelehflügel beträgt um die Mitte derselben 2 — 3 mm. Die Kelch- zähne sind bei 05 cm laug und am Rande viel stärker papillös als die der Gentiana angulosa. Die Buchten der Kelchzähne sind stumpf, zwischen den aneinander stossenden Kelchzähnen ist ein dünnes, durchsichtiges Häutchen vorhanden. Der Fruchtknoten ist nicht gestielt, bei 2-5 mm, der Griffel bei 4 mm laug. Der Narbenrand geht in kurze, breite, mehr oder weniger kegelförmige Lappen aus, welche an der Spitze noch mehr abgerundet erscheinen als die der G. angulosa und mit kürzeren Papillen besetzt siud als bei dieser. Wichtigste Synonyme: G. verna, Ledebour, Fl. Rossica III. p. 60 (1846/1851) pr. p. 6r. verna y) obtusifolia, Boissier, Fl. orient. Yol. IV. p. 73 (1879). G. verna s) obtusifolia, Kusnezow. Trav. de Soc. des Nat. St. Petersbg. Vol. XXIV. p. 329 (1894) pr. p. G. verna cp) Tchichatschevi , Kusnezow, Trav. de Soc. des Nat. St. Petersbg. Vol. XXIV. p. 329 (1894). Hieher dürfte als Vorkommen mit gelben Blüten gehören: G. verna y) Oschtenica Kusnezow, Trav. de Soc. des Nat. etc. p. 327 = (jT. verna L. var. alata Griseb. floribus luteis, N, Alb off in Bull, de l'Herbier Boissier I. 1893, Nr. 5, p. 266. Exsiceaten: Aucher-Eloy, Herbier d' Orient Nr. 2424. — Kotschy, Plant. Pers. bor. 1843. Nr. 232. — Kotschy, Iter Cilicic, in Tauri alp. Bul- gar-Dagh. Nr. 35 a. - S i n t e n i s, Iter orient. 1890. Nr. 2096. — Born- müller, Iter Pers.-Turc. 1892—1893. Nr. 1545. — dto. Iter Anatoli- cum tert. Nr. 5299 (Uebergangsform zu G. Tergestina). — Sintenis, Iter Orient. 1894. Nr. 5626. — dto. Iter orient. 1892.' Nr. 4003 pr. p. Abbildungen: Taf. III. Fig. 11. — Taf. IV. Fig. 2. Geographische Verbreitung: In den Gebirgen Klein- asiens bis zum Kaukasus und bis Nordpersien im Osten, bis in den Balkan (Sipka) im Westen. Von mir untersuchte Exemplare: Pontus: Ciganadagh (Sintenis). Paphlagonia: Wilajet Kastarabuli (lg. ?). Tossia, Bejuk Ilkazdagh (H a u s s k n e c h t). Kaukasus (H o h e n a c k er). Tatschal prope Teheran (Kotschy). Kurdistan: ßiwandous in Mt. Helgurd (Born- müller). Armenia turcica: Szandschuk Gümüsehkane (Sintenis). Elbrus (Kotschy). Taurus, Meneuschyje supra Karh Boghas (Kot- schy). Bithynia. Olymp. (Bornmüller). Sipka Balkan (ürumoff). G. Pontica wurde bisher meistens für G. verna oder G. an- gulosa gehalten. Sie unterscheidet sich von beiden recht auffallend durch die kurzen, relativ breiten und stumpfen Blätter, welche ihr manchmal eine Aehnlichkeit mit G. hrachyphylla verleihen. Sie scheint östlich an das Verbreitungsgebiet der (t. angulosa zu stossen, westwärts grenzt sie an jenes der G. Tergestina, mit der sie durch Zwischenformen verbunden zu sein scheint. 170 Was die Benennung der Pflanze anbelangt, so habe ich mich aus folgenden Gründen für eine Neubenennung entschieden: Zweifel- los trifft auf die Pflanze der Name G. verna y ohtusifolia Boiss. 1. c. zu. Der Name G. ohtusifolia ist nicht anwendbar wegen G. ohtusifolia (Schm. 1793) Willd. Letzterer Name hat schon so viel Anlass zu Verwirrung gegeben^), dass er unmögHch wieder gebraucht werden kann. G. verna cp Tschichatschevi Kusn. dürfte unsere Pflanze bezeichnen, doch lässt sich dies auf Grund der Kusnezow'schen Beschreibung nicht mit Sicherheit entscheiden. Von der Anwendung dieses Namens sah ich hauptsächhch deshalb ab, weil Kusnezow dieselbe Pflanze, nämlich die von mir als G. Pontica bezeichnete, theilweise unter die von ihm mit G. verna s ohtusifolia benannte einbezog und somit die Beibehaltung eines dieser Namen umsomehr Unklarheit und Missverständnisse zur Folge haben würde. Mit G. verna y OscJitenica Kusn. dürfte eine gelb- blühende Form unserer Art gemeint sein, weshalb es zweckmässig sein wird, den Namen für die Bezeichnung dieser Form zu reser- vieren. 3. 6r. Nevade7isiSf Solt. sp. nov. Die Höhe der ganzen Pflanze sammt der Blüte beträgt 2*5 cm bis 5 cm, die der blütenlosen Sprosse bei 1 cm. Der Blütenstiel überragt die Blattrosetten gar nicht oder um 0'5 — 4 cm. Die Blätter sind eiförmig, am Rande papillös, bis 1 cm lang und bis 0'5 cm breit. Der Kelch ist bei 1 cm lang, die Zähne desselben sind bei 4 mm lang. Dieselben sind durch ein weissliches, nach obenhin geradlinig begrenztes Häutchen verbunden, wodurch die Kelchbuchten deutlich stumpf sind. Im Verhältnis zur Kelch- röhre sind die Kelchzähne kürzer als bei G. hrachyphylla und G. Favrati. Der Narbeurand endet in kegelförmige Zähne, welche oft in zwei oder drei kleinere gespalten sind. Die Zähne sind nicht papillös. Ob dieses Merkmal ein constantes ist, konnte ich wegen mangelnden Materials nicht entscheiden. Jedenfalls steht G. Nevadensis in Bezug auf die Narbenbildung der G. verna und den dieser ähnlichen Arten näher als der G. Bavarica und den Arten, welche dieser nahestehen. Wichtigste Synonyme: 6r. verna y alata, Willkomm et Lange, Prodrom. Flor. Hisp. IL p. 654 (1870) pr. p. G. verna, Boiss. Voyag. bot. d' Esp. p. 414 (1839) pr. p. E X s i c a t e n : Willkomm, It. I. Nr. 199 et 200. — Bourgeau, PI. d'Esp. 1290. ^) Vgl. Wettstein, Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus der Sect. Endotricha Froel. S. 22 des Sep.-Abdr. 171 Geographische Verbreitung: Spanien, Hochgebirgs- region der Sierra Nevada, 8000—10.000'. (lg. Willkomm, Funk, Bourgeau, Boissier). 6r. Nevadensis sieht habituell der G. hrachyphylla und G. Favrati am ähnlichsten, durch die geringe Dimension speciell der ersteren. Sie unterscheidet sich von den beiden durch die Blatt- form, vor Allem aber durch die deutlich stumpfe Kelehbucht. Die Kelchzähne sind deutlich durch eine weissliche, oben quer abgestutzte Membran verbunden. Durch dieses Merkmal nähert sich die Pflanze ein wenig der G. Bavarica, bei der sich dieses Merkmal auch ab und zu beobachten lässt. In den Kelch- buchten der G. angulosa, G. Pontica, G. hrachyphylla, G. Ter- glotiensis, G. Rostani, G. pumila findet sich zwar auch an manchen Exemplaren eine ähnliche Membran, dieselbe ist aber von anderer Beschaffenheit und fällt der geringen Dimensionen wegen weit weniger auf als bei G. Nevadensis. Dieses Merkmal konnte daher bei den genannten Arten nicht als charakteristisches angegeben werden. Während die Kelchmembran bei den genannten Arten als kaum 1 mm breiter, mitunter nach unten hin verschmälerter Saum die Kelehbucht umgibt und der Abrundung derselben folgt, ist die- selbe bei G. Nevadensis und G. Bavarica nicht nur breiter und länger, sondern auch besonders dadurch charakterisiert, dass es oben quer abgestutzt, also geradlinig begrenzt erscheint und ausser- dem bei G. Nevadensis die ganze Breite der Kelchbucht einnimmt. Durch die beiden letztgenannten Eigenschaften tritt die Kelch- membran bei G. Nevadensis besonders deutlich hervor und wird zu einem auffallenden und charakteristischen Merkmal dieser Pflanze. 4. G. brachyphyllaf Villars, Hist. des pl. de Dauph. IL p. 528 (1807). Die Höhe der ganzen Pflanze sammt der Blüte beträgt 3 — 6 cm, die der blütenlosen Sprosse bei 1 cm. Der Blütenstiel überragt die aus Blättern von nahezu gleicher Grösse bestehenden Blattrosetten gar nicht oder um 05 — 5 cm. Die Blätter sind rhombisch, also in der Mitte am breitesten, nach oben und unten hin verschmälert und kurz zugespitzt. Sie werden bis 1 cm lang und bis 0-5 cm breit. Der Rand derselben ist im oberen Drittel ziemlich stark papillös. Der Kelch wird 1 — l*5cmlang. Seine Zähne sind im Verhältnis zur Kelchröhre länger als die der G. Nevadensis. Sie sind 0'5 cm und darüber lang. Der Fruchtknoten ist bei 1 cm, der Griffel bei 0*5 cm lang. Der Narbenrand endet in kegelförmige, meist mit kurzen Papillen besetzte Zähne. Wichtigste Synonyme: Ericala verna Var. d) hrachyphylla, Don, Syst. of gard. and. bot. IV. p. 190 (1837) pr. jp. Gentiana hrachyphylla, Fritsch, Excursionsfl. f. Oest. S. 445 (1897) pr. p. — Gaudin, Fl. Helv. II. S. 283 (1828). - Gremli, Excursionsfl. f. d. Schweiz. 8. Aufl. S. 295 (1896) pr. p. — 172 Hausmann. Fl. v. Tirol. S. 591 (1852 j pr. p. — Koch, Synops. Fl. Germ. Ed. 1. p. 489 (1837) pr. p. — Maly. Enum. plant. Austr. p. 168 (1848) pr. p. ~ Nyman, Consp. p. 499 (1878/1882) pr. p. — Fächer und Jaborn, Fl. v. Kärnten. IL S. 230 (1884). — Reich enb-, Fl. Germ, et Helv. S. 6 (1854/55). — Schinz und Keller, Fl. d. Schweiz. S. 399 (190u) pr. p. - Sturm, Deutschlands Fl. Gentiana verna var. hrachyphylla , Dufts ehm., Fl. v. Ob.-Oest. III. S. 54 (1883) excl. Syn. — Griseb., Gen. et spec. Gent. p. 263 (1839) pr. p. — Kusnezow, Trav. de Soc. des Nat. St. Petersbg. Vol. XXIV. p. 327 (1894) pr. p. — Reich enb., Fl. germ. exe. p. 426 (1830/32) pr. p. — Reichenb., Ic. crit. Vol. IL S. 18 (1824). — Schult, Syst. veg. VI. p. 155 (1820) pr. p. — S auter, Fl. v. Salzbg. 2. Aufl. S. 73 (1879). Gentiana verna s ohtusifolia, Kusnezow, Trav. de Soc. des Nat. St. Petersbg. Vol. XXIV. p. 329 (1894) pr. p. Gentiana verna, Bertoloni, Fl. Ital. Vol. III. p. 88 (1837) pr. p. — Facchini (Hausmann), Fl. d. Süd. S. 28 (1855). — Par- iatore, Fl. Ital. Vol. VL p. 764 (1883) pr. p. — Schinz und Keller, Fl. der Schweiz. S. 399 (1900) pr. p. — Wahlenbg., Helv. p. 47 (1813) pr. p. Exsiccaten: Dörfler, Herb. norm. 3729. — Kerner, Fl. exs. Austr. - Hung. 2964. — Magnier. Fl. sei exs. Nr. 1496, — Reichenb.. Exs. Nr. 1017. — Schultz, Herb. norm. 3729. Abbilcluno:en : Barr. 103. Fig. II. — Reichenb. Icon. Fl. Germ, et Helv. Vol. XVII. Taf. MXLVIII. Fig. II. — Reichenb. Ic. crit. Vol. II. Taf. CXXIX. 249 als G. verna <)) hrachyphyUa. — Sturm. Deutschi. Flora V. 2. — Taf. III, Fig. 2; Taf. IV, Fig. 4. (Fortsetzung folgt.) Literatur - üebersicht '). März 1901. Adamovic L. Zimzeleni pojas Jadranskog Primora. Biljno- geografske studije. [Der immergrüne Gürtel der adriatischen Meeresküste. Pflanzengeographische Studie.] (Is Glasa Srpske Kraljewske Akademije. LÄL S. 125—183. 2 Karten.) 8°. ' Abhandlung in serbo-croatischer Sprache und cyrillischen Lettern. Borbäs V. von. Die Vegetation der Veterna-Hola. (üug. geogr. Gesellschaft. 1900.) S''. 11 S. 1 Abb. Deutsche Uebersetzung der in letzter Nummer erwähnten Abhandlung. Abgebildet ist Abies ellipsoconis Borb. n. sp. ! 1) Die „Literatur -Üebersicht" strebt Vollständigkeit nur mit Rücksicht auf jene Abhandlungen an, die entweder in Oesterreich-Üngarn er- scheinen oder sich auf die Flora dieses Gebietes direct oder indirect beziehen, ferner auf selbständige Werke des Auslandes. Zur Erzielung thun- lichster Vollständigkeit werden die Herren Autoren und Verleger um Einsendung von neu erschienenen Arbeiten oder wenigstens um eine Anzeige über solche liöflichst ersucht. Die Redaction. 173 — Nehany vadon termö festekfüvüng. (Különlenyomat a terraes- zettudomänyi közlöny LlX-ik putfüzeteböl. 8. 22 — 26.) 8°. Burgerstein A. Keimen Farnsporen bei Lichtabschluss? (Wiener illustr. Garten-Zeitung. XXVI. Bd. 3. Heft. S. 92 u. 93.) 8«. Hecke L. Eine Bacteriosis des Kohlrabi. (Zeitschrift für das land- wirthschaftliche Versuchswesen. 1901. 8 S. 1 Taf.) 8^ Heimerl A. Ueber die Bananengewächse. (Wiener illustr. Garten- Zeitung. XXVI. Bd. 3. Heft. S. 101—110.) 8". Linsbauer K. Zur Anatomie der Vegetationsorgane von Cansiope tetragona Don. (Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien. Mathem.-naturwissensch. Classe. CIX. Bd. S. 685 — 698. 2 Taf.) 8°. Lorenz, J. R. Ritter v. Liburnau sen. Zur Deutung der fossilen Fucoideen-Gattungen Taenidium und Gyrophyllites. (Denkschr. d. raathem.-naturw. Classe d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien. LXX. Bd. S. 523-583. 4 Taf. 21 Textfig.j 4°. Mitlacher W. Zur vergleichenden Anatomie einiger medicinisch verwendeter Meliaceen-Rinden. (Oesterr. Jahreshefte f. Pharmacie und verwandte Wissenszweige. 1900. 1. Heft. S. 43—57.) 8". Müller J. Ueber die Anatomie der Assimilations wurzeln von TaeniopJiylhim ZoUingeri. (Sitzungsber. d. kais. Akad. d. Wissen- schaften. Wien. Mathem.-naturw. Classe. Bd. CIX. S. 667—682 1 Taf.) 8". Murr J. Schicksale einer gewesenen Species. Galeopsis Murriana Borb. et Wettst. (AUgem. botanische Zeitschr. VII. Bd. Nr. 3. S. 46—49.) 8^ — Zur Chenopodmni-Frsige. IL Schluss. (Deutsche botan. Monats- schrift. XIX. Bd. Nr. 4. S. 49—54.) 8«. Inhaltsübel sieht: II. Ch. striatum Kra.s. X 02}ulifoUum Sahvad. 1. Ch. Tridentinmu Murr. S. Martiuo (Trient). 2. CJi. solitarium Murr. Trient. 3. Ch. Bernhnrgcnse Murr. Bernburg. — III. Die Formenreihe des Eassen- bastardes Ch. album L. typ. X striatum (Kras.). 1. Ch. striatiforme Murr. Innsbruck, Trient, Colmar. 2. Ch. interjectum Murr. Trient, Fliess im Ober- innthale. 3. Ch. pseiido-Borhasii Murr. Marburg, Linz, Brixen, Trient, Arco, Pergine, Bozen, Innsbruck. 4. Ch. per acutum Murr. Trient. 5. Ch. optdi- forme Murr. Posthof bei Linz. — IV. Ch. opulifolium Schrad. X ficifolium Sm. und Schlussbemerkungen zu Ch. striatum (Kras.) = Ch. JDiirerianum Murr. Frankfurt a. M. — In Fussnoten werden überdies neu aufgestellt: Ch. pseudo-ßcifoUum Murr, und Ch. Issleri Murr. Nemec B. Ueber die Wahrnehmung des Schwerkraftreizes bei den Pflanzen. (Pringsheim's Jahrb. f. wissenschaftl. Botanik. XXXVI. Bd. 1. Heft. S. 80-178. 36 Textfig.) 8^ — Ueber schuppenförmige Bildungen an den Wurzeln von Car- damineamara. (Sitzungsber. d. kgl. böhra. Gesellsch. d. Wissensch. Mathem.-naturwiss. Classe. 1901. Nr. VI. 14 S. 21 Textabb.) 8«. Ott E. Untersuchungen über den Chromatophorenbau der Süss- wasser-Diatomaceen und dessen Beziehungen zur Systematik. (Sitzungsber. d. kaiserl. Akad. d. Wissensch. Wien. Mathem.- naturwiss. Classe. CIX. Bd. S. 769—801. 6 Taf.) 8°. 174 Prowazek S. Beiträge zur Protoplasraaphysiologie. (Biolog. Oentral- blatt. XXI. Bd. Nr. 3 u. 5. S. 87—95 und S. 144—155.) 8«. S immer H. Vierter Bericht über die Kryptogamenflora der Kreuzeck- gruppe in Kärnten. (Allgem. botan. Zeitschr. VIT. Bd. Nr. 3. S. 41—43.) 8«. Neu: Cosmarium orthostrichum Lund var. Carniolica Schmidle; C. psexidoamoentim Wille var. Carniolica Schmidle; Polyedrium Simmeri Schmidle. Vilhelm J. ütvarne biologii raselin jihoceskych. (Vynato ze sborniku ceske spoleßnosti zeraevedne. 20 S.) 8°. Wettstein R. v. Handbuch der systematischen Botanik. I. Band. Wien. (F. Deuticke.) 201 S. 128 Abb. im Texte. 8^ Biechele M. Pharmakognosie in Verbindung mit specieller Botanik in tabellarischer Form. Mit Berücksichtigung des Arzneibuches für das Deutsche ßeich. IV. Ausgabe. Mit einem Anhange: Arzneistoffe aus dem Thierreiche und tabellarische Uebersicht des Blütenbaues der Phanerogamen. 2. Aufl. Halle a. S. (C. A. Kaemmerer & Co.) Gr. 8». 184 S. Bubani P. Flora Pyrenaea per ordines naturales gradatim digesta. Opus posthumum editum curante 0. Pen zig. Vol. III. Mediolani (ü. Hopelius). Gr. 8^ 432 S. Coincy A. de. Ecloga quinta plantarum Hispanicarum seu Icones stirpium elapsis annis per Hispanias lectarum ab auctore. Paris (Masson et Oie.) 4". 14 Taf. u. 36 S. Text. Eng 1er A. Die natürlichen PflanzenfamiHen. Leipzig (W. Engel- mann). 8°. Lieferung 207. Mitsei. Einleitung (Schluss) von W. Ruh 1 and. — Spliugnales von W. Euhland und C. Warnstorf. — Andreatales und Bnialcs (allgem. Theil und Archidiaceae, Anfang) von W. Euhland und V. F. Brotherus. Hallier H. Das proliferierende persönliche und das sachliche, con- servative Prioritätsprincip in der systematischen Ontologie. Ein Versuch zur Lösung der Nomenklaturfrage. (Naturw. Wochenschr. XVI. Bd. Nr. 12. S. 132—135.) Hesdörffer M. Die schönsten Stauden für die Schnittblumen- und Gartencultur. 48 Blumentafeln nach der Natur aquarelliert und in Farbendruck ausgeführt von W. Müller. Lfg. 6—9. Berlin (G. Schmidt). Gr. 8«. Vollständig in 12 Lfg. zu je 80 Pfg. Jackson B. D. A Glossary of Botanic. Terms with their Deri- vation and Accent. London (Duckworth & Co.). 8*^. XII. und 328 S. Kraenzlin F. Onlüdacearum genera et species. Vol. I. Fase. 15. Berlin (Mayer & Müller). 8». S. 897—960. Lindberg H. Enumeratio plantarum in Fennoscandia orientali sponte et subsponte nascentium. (Antagen af Helsingfors botaniska bytesförening.) 8". 80 S. Möller A. Phycomyceten und Ascomyceten. üntersuchuns^en aus BrasiHen. Jena (G. Fischer). 8». XII. und 320 S. 11 Taf. 2 Text- abbildg;. 175 Murbeck Sv. üeber das Yerbalten des Pollenschlauehes bei Alclii- milla arvensis (L.) Seop. und das Wesen der Cbalazogamie. (Lunds Universitets Arsskrift. Bd. 36. Afd. 2. Nr. 9. 18 S. 2 Taf.) 4". — Parthenogenetisehe Embryobildung in der Gattung Alchimilla. (Lunds Universitets Arsskrift. Bd. 36. Afd. 2. Nr. 7. 42 S. 6 Taf.) 4". — üeber den Bau und die Entwicklung von Dictyosiphon foeni- culaceus (Huds.) Grev. (Videnskabsselskabets Skrifter. Mathem.- naturvid. Klasse. 1900. Nr. 7.) 4^ 28 S. 1 Taf. Neu weil er E. Beiträge zur Kenntnis schweizerischer Torfmoore. Inaugural-Dissertation. Zürich (Zürcher u. Furrer). 8*^. 62 S. 2 Taf. Po und E. and Clements F. E. The Phytogeography of Nebraska. 1. General Survey. II. Ed. (Bot. Survey of Nebraska, ü. S. A.) S\ 442 S. 4 Karten. Rogers W. M. Handbook of British Rubi. London fDuckworth &Co.) 80. X und 112 S. Schumann K. Just's Botanischer Jahresbericht. XXVI. Jahrg. (1893). IL Abth. 3. Heft. Leipzig (Gebr. Borntraeger). 8". S. 321—480. Inhalt: Pflanzenkrankheiten. Befruchtungs- und Aussäuugs-Einrich- tungen. Pflanzengallen. Schädigungen der Pflanzenwelt durch Thiere. XXVIL Jahrg. (1899). 1. Abth. 2. Heft. S. 161—320. Inhalt: Algen. Moose Pflanzengeographie. Sernander R. Den Skandinaviska vegetationens spridningsbiologi. [„Zur Verbreitungsbiologie der skandinavischen Pflanzenwelt." Mit einem deutschen Resume.J Upsala. (Lundequistska Bokhandeln). 8". 460 S. 32 Fig. im Texte. Siim- Jens en J. Beiträge zur botanischen und pharmacognostischen Kenntnis von Hyoscyamus iiigerL. (Bibliotheca Botanica. Heft 51.) 4". 90 S. 6 Taf. Taschenberg 0. und Sorauer P. Schutz der Obstbäume gegen feindliche Thiere und gegen Krankheiten. Stuttgart (E. Ulmer). 8«. 238 S. 185 Abb. im Texte. Urban I. Symbolae Antillanae seu fundamenta fiorae Indiae oecidentalis. Vol. IL Fase. 1 u. 2. Berlin (Gebr. Borntraeger). 8". 336 S. Inhalt der beiden vorliegenden Fascikel: I. Urban: Bibliographia Indiae oecidentalis botanica. — C. B. Clarke: Cyperaceae. — I. Urban: Mantissa ad Cyperaceas Clarkeanas. — G. Lindau: Acanthaceae. — C. Mez: Lauraceae et Brovieliaceae novae. — I. Urban: Leguminosae novae vel minus cognitae. — R. Pilger: Arthrostylidinm. Wolf Th. Potentillen-Studien. I. Die sächsischen Potentillen und ihre Verbreitung besonders im Elbhügellande, mit Ausblicken auf die moderne Potentillenforschung. Dresden (W. Baensch). 8". 124 S. Abb. im Text. Wünsche 0. Anleitung zum Botanisieren imd zur Anlegung von Pflanzensammlungen. Nach dem gleichnamigen Buche von E. Sehmidlin vollständig neu bearbeitet. Vierte Auflage. Berlin (P. Parey). Kl. 8°. 384 S. 176 Akademien, Botanische Gesellschaften, Vereine, Congresse etc. Wiener Ibotauisclie Al)ende. Versammlung am 6. März 1901. — Vorsitzender Dr. A. Z a h 1 b r u c k n e r. Herr Priv.-Doc. Dr. E. Tschermak hält einen Vortrag über „Mendels Lehre von der Verschiedenwerthigkeit der Merkmale für die Vererbung." Die verhältnismässig wenigen im Dienste der Wissenschaft ausgeführten Bastardirungsversuehe. sowie die in gärtnerischer Praxis durch künstliche Kreuzung erzielten Resultate, deren Richtig- keit sehr häufig mangels exacter Methoden und Aufschreibungen zu bezweifeln ist, haben zu der ziemlich allgemein verbreiteten An- schauung geführt, dass ein bestimmtes Gesetz in Betreif der Ver- erbung der Merkmale bei Hybriden nicht bestehe, dass vielmehr utvberechenbare Unregelmässigkeit und Vielgestaltigkeit die Regel sei. Demgegenüber hatte der verstorbene Abt Gregor Mendel in Brunn auf Grund eines sehr ausgedehnten Versuchsmateriales an Erbsen und Bohnen bereits im Jahre 1866 den Nachweis erbracht, dass gewisse elterliche Merkmale an seinen Mischlingen eine gesetzraässige Verschiedenwerthigkeit für die Vererbung besassen. Mendels Abhandlungen blieben bis vor Jahresfrist unbeachtet. Ohne Kenntnis derselben wurden von De Vries an verschiedenen Bastar- den, von Correns und dem Vortragenden gleichfalls an Erbsen- und anderen Mischhngen das gesetzmässige Verhalten gewisser elterlicher Merkmale für die Vererbung constatiert und gelegentlich der Sammlung der einschlägigen Literatur die hochwichtigen Ab- handlungen von Gr. Mendel wieder anfgefunden. Eine rege Be- theiligung an der Lösung dieser schwierigen Fragen ist seither zu bemerken, doch dürfte nach der Ansicht des Vortragenden das verhältnismässig doch noch geringe Versuchsmaterial noch keine verallgemeinernden Schlussfolgerungen, noch keine speculative Aus- werthung gestatten und deshalb eine mehr phänomenologische Dar- stellung der Resultate mehr am Platze sein. Redner erörterte die von Mendel adoptierten Begriffe eines dominierenden und eines £xcessiven Merkmales an einigen Bei- spielen und fasst die Resultate der Mendel'schen Versuche in die drei Sätze zusammen: 1. Gewisse elterliche Merkmale kommen nur alternierend an den Hybriden zur Ausprägung (Satz von der gesetzraässigen Maasswerthigkeit der Merkmale). 2. Die Zahlen der Träger des dominierenden und des pxces- siven Merkmales liefern ein für jede Generation bestimmtes Ver- hältnis (Satz von der gesetzmässigen Mengen werthigkeit der Merkmale). 177 3. Die Träger des «xcessiven Merkmales stellen durchwegs, jene des dominierenden Merkmales nur in einem bestimmten Percent- satze saraenbeständige Formen dar, es tritt also eine gewisse Spaltung der Mischung ein (Satz von der gesetzmässigen Vererbun gs- werthigkeit oder Spaltung der Merkmale). Es kommen demnach im Sinne Mendels beim Studium von Kreuzungsproducten verschiedener Formen drei Punkte in Frage. In erster Linie die Maasswerthigkeit der beiden dasselbe Gebilde betreffenden Merkmale, d. h. ob nur das eine der beiden zur Aus- prägung gelangt oder beide zugleich. Mendel hat für die von ihm studierten Merkmale ein reines Alternieren angegeben. Der Vor- tragende betont, dass eine reine Ausprägung blos des einen der dominierenden elterlichen Merkmale blos für gewisse Merkmale gelte, dass aber bei anderen gewiss eine manifeste Merkmals- mischung vorkomme und illustriert solche Fälle an Bohnenhülsen und Bohnensamen. Ein künstlich erzeugter Bastard Fhaseolus vulgaris X Ph. multifloms zeigte besonders hinsichtlich der Blüten- farbe anscheinende Merkmalsmischung. Ob sich diese Mischungen nicht in späteren Generationen spalten, muss erst experimentell geprüft werden. Bezüglich des zweiten Punktes, des Problems der Mengen- werthigkeit, wurde bei Erbsen in üebereinstimmung mit Mendels Resultaten absolute Mengenwerthigkeit in der ersten, relative Mengen- werthigkeit, ausgedrückt durch das Verhältnis 3:1, in der zweiten Mischlingsgeneration constatiert. Redner gibt die schon von Mendel angeführte theoretische Erklärung für dieses Verhalten, hält aber eine Verallgemeinerung der Verhältniszahl von 3 : 1 mangels ge- nügenden Versuchsmateriales noch nicht für gerechtfertigt. Die Vererbungswerthigkeit oder Spaltung der Merkmale ergibt sich aus der Zusammenfassung der Mengenwerthigkeit in einer Folge von Generationen. Der bereits an mehreren Hybriden bestätigte Mendel'sche Satz, dass einerseits ein an Hybriden einmal auf- getretenes excessives Merkmal eonstant bleibt, anderseits ein Theil, aber auch nur ein Theil der Träger eines dominierenden Merk- males mit diesem samenbeständig wird, ist für die praktische Züchtung durch künsthche Kreuzung von besonderer Wichtigkeit. Directe praktische Bedeutung kommt natürlich erst den Versuchen von Kreuzung zweier oder vielmerkmalig verschiedener Sorten zu. Die rationelle Neuzüchtuüg von Rassen mittelst künstlicher Kreuzung setzt voraus: 1. das Gegebensein fixer Rassen; 2. die Kenntnis der Werthigkeit der in Betracht kommenden Merkmale; 3. die Ab- leitung eines Planes für die Auswahl der gewünschten Combina- tionen unter den Mischlingen. Die Mendel'schen Sätze erscheinen durch das Vorkommen von Merkmalmischung, von Mosaikbildungen (unreiner Spaltung) und durch das erhebliche Schwanken der Verhältniszahl 3 : 1 für die Spaltung, zum Mindesten in weniger umfangreichen Versuchs- 178 reiheu, beschränkt. Es ist ferner in gewissen Fällen ein charak- teristischer Einfluss bestimmter Paetoren auf die Werthigkeit der Merkmale zu erkennen. In erster Linie kommt das Geschlecht des sogenannten Ueber- trägers des betreffenden Merkmales in Betracht. In gewissen Fällen von Form- (und zum Theile Farben-) Verschiedenheit der Eltern- sorten zeigte nämlich jeder derselben relativ mehr Einfluss auf die Beschaffenheit (speciell Form) des Kreuzungsproductes wenn sie die Samenknospe, als wenn sie den Pollen lieferte. Ferner ist die Rasse, beziehungsweise Rassencombination in gewissen Fällen von Bedeutung. Redner zeigt au Beispielen, dass Merkmale, welche in der einen Combination absolute Maasswerthig- keit zeigten, sich in anderen Combinationen von blosser Prävalenz oder Mittelstellung erwiesen, dasselbe Merkmal war sogar in der einen Combination dominent, in einer anderen excessiv. Ausnahmen bezüglich der Spaltung in den aufeinanderfolgenden Generationen nach der Mendel'schen Regel kommen vor. (Bisher besonders an Bastarden constatiert.) Den Merkmalen kommt weiters nicht durchwegs eine selbst- ständige Werthigkeit zu. Die Spaltung kann entweder nach Einzel- merkmalen oder nach ganzen Merkmalsgruppen stattfinden. Eine weitere Complication der Werthigkeitslehre ist gegeben durch die Möglichkeit einer Verstärkung elterlicher Merkmale, so- wie durch das Auftreten neuer Merkmale. Redner demonstriert solche Verstärkungen an Erbsensaraen der ersten Mischhngs- geueration. an Hülsen von Bohnenmischlingen, sowie an Levkojen- samen. Ganz neue Merkmale, die bei den Elternformen fehlen, aber wohl im Bereiche der Spontanvariation der Elternspecies liegen oder wenigstens bei anderen Rassen derselben Species vorkommen, zeigten sich an den Samen von gewissen Bohnenmischlingen erster Generation. Es lässt also die Kreuzung unter Umständen eine bei der einen Elternform in potentia gegebene Gestaltungsweise in Erscheinung treten. Durch die angeführten Beschränkungen und Complicationen verliert nur das Mendel'sehe Schema seine Allgemeingiltigkeit, nicht aber seine classische Lehre von der Verschiedenwerthigkeit der Merkmale für die Vererbung ihre grosse Bedeutung für die Theorie wie für die praktische Pflanzenzüchtung. Hierauf besprach Herr Prof Dr. R. v. Wettstein das eben erschienene We^'k H. de Vries' „Die Mutationslehre". Er erörterte die Grundzüge der Mutationstheorie, besprach die Ver- dienste, welche sich speciell der Verfasser um den Ausbau dieser Theorie erworben hat, begründete aber eingehend, warum er die Mutationslehre als nicht ausreichend ansehen kann, um alle Er- scheinungen der Formneubildung im Pflanzenreiche zu erklären. Herr stud. phil. Genau macht sodann Mittheilung über einige noch nicht völlig abgeschlossene physiologische Beobachtungen, 179 die an der Aroidee Sauromatum giätatum Schott angestellt wurden. Die in neuerer Zeit in den Handel gebrachten Knollen dieser Pflanze treiben bekanntlich ohne Erde und ohne Befeuchtung. Auf diese Weise wurden zwei Knollen, von denen eine im Lichte, eine im Dunkeln cultiviert wurde, bis zur Entfaltung der Blüten gebracht. Von den beiden Pflanzen erreichte die im Lichte befindliche eine Höhe von 62 cm, die im Dunkeln cultivierte eine solche von 68 cm. während unter normalen Verhältnissen die Höhe etwas über 1 m betragen soll. Die Transpiration ging ganz regelmässig vor sich; sie stand stets im Einklänge mit der fortschreitenden Entwicklung einerseits und mit der Temperatur und dem Feuchtigkeitsgehalte der Luft andererseits. Das Maximum der täghchen Gewichtsabnahme betrug im Lichte 5-33 g, im Dunkeln blos 3*76 g; allerdings war hier auch der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ein viel höherer. Die im Ganzen abgegebene Wasserraenge betrug bei der erstereu Pflanze 21 '49%, bei letzterer in derselben Zeit \l'o\%. Die ganze auff'allende Entwicklungsweise der Pflanze erklärt sich durch den hohen Wassergehalt (beinahe 85%), sowie durch das reichliche Auftreten von schleimführenden Parenchymzellen in der Peripherie der Knolle, welche einen ausgiebigen Transpirations- schutz bewirken. Herr J. Dörfler demonstrierte eine sorgfältigst präparierte Collection endemischer Pflanzenarten der Insel Kreta. Dr. K. Lins bau er. Botauisclie Section des naturwissenschafüicheii Vereines für Steiermark in Graz. Versammlung am 20. Februar 1901. Herr Prof. F. ßeinitzer referierte ausführlich unter Vor- führung von Demonstrationsmaterial über die in der „Botanischen Zeitung" erschienene Arbeit von L. Jost: „Ueber einige Eigen- thümlichkeiten des Oambiums der Bäume. Hierauf theilte Herr K. P et rasch die Resultate seiner Beob- achtungen über die Keimung von Coelogyne cristata mit: Wie allgemein bekannt, gehören die Orchideen insgesamrat oder in der Mehrzahl zu jenen interessanten Gewächsen, die in Symbiose mit Wurzelpilzen leben, also in einem Verhältnisse gegen- seitiger Abhängigkeit zu diesen stehen. Das Bestreben, dieses Ab- hängigkeitsverhältnis in Bezug auf die Keimung zu erforschen, veranlasste mich, eine grössere Artenzahl von vorläufig nur tropischen Orchideen zu befruchten und mit dem gewonnenen Samen Anbau- versuche anzustellen. Nachdem mir diese Versuche bei fast allen Objecten miss- lungen waren, befruchtete ich im Anfange April 1899 zwei Blüten eines Exemplars von Coelogyne cristata wechselseitig. Die eine Frucht verkümmerte, die zweite war in ca. 8 Monaten zur vollen Grösse herangewachsen und reifte gegen Ende des Monates Juli 1900. 180 Die Kapsel enthielt ca. 9000 — 12.000 Samen, die sich unter dem Mikroskope als zu etwa 90^!^ gut entwickelt erwiesen. Am 3. August wurden in Töpfe mit verschiedenem Erdreich je ca. 600 Samen angebaut. Ein Topf enthielt sogenannte „Heideerde" von Deutsch-Lands- berg, einer Holzmulm, einer Ljcopodium-Fasererde und der vierte eine vom Plabutsch stammende, von Pilzhyphen durchwueherte, halbzersetzte Lauberde, in der sich Epipactis latifolia befunden hatte. Am 5. August waren in letzterem Topfe ca. 350 der Samen intensiv ergrünt. Sie zeigten unter dem Mikroskope noch keine Grössenzunahme, aber zahlreiche kleine Chlorophyllkörner, deren Farbstoff nur langsam von Alkohol extrahiert wurde. (Die in den übrigen drei Töpfen angebauten Samen waren unverändert geblieben und sind auch weiterhin nicht zur Keimung gelangt.) Ein Netzwerk äusserst zarter Pilzhyphen überzog die Erde und umgab die er- grünten Samen. Die Pilzhyphen zeigten jetzt und auch weiterhin keinerlei Ansatz zur Bildung von Fruchtkörpern. Nach ca. acht Tagen hatten sich die Keimlinge etwa um \'^ ihrer ursprünglichen Länge verlängert. Nunmehr begann die Samenhülle zu zerreissen und bald gänzlich unkenntlich zu werden. Innerhalb dieser acht Tage war noch eine grössere Anzahl von Samen gekeimt. Innerhalb von vier Wochen, vom Tage des Anbaues gerechnet, hatten die grösseren Keimlinge an ihrer ver- längerten Axe zahlreiche haarförmige Wurzeln gefctildet, zu denen Pilzhyphen hinwuchsen. Es gelang mir nicht, das Eindringen von Hyphen in die Keimpflanzen zu constatieren. Die zu diesem Zwecke mit Alkohol fixierten ca. 30 Exemplare zeigten wohl, wie die Fäden des Pilzes zur Axe und zu den Wurzeln hinliefen, der weitere Ver- lauf aber war nicht zu erkennen. Nach oben zu war die Axe stark verdickt, grün, während der bewurzelte Theil dünn, länglich und chlorophylllos war. Die am stärksten entwickelten Exemplare be- sassen bereits zwei aus einer Schichte von parenchymatischen Zellen bestehende Blätter von ungleicher Grösse. Etwa lYo Monate nach Beginn der Keimung starben die Mehrzahl der Keimhnge fast plötzlich ab; die Ursache dieses Ab- sterbens ist mir nicht bekannt. Ich vermuthete zuerst, vielleicht mit Unrecht, dass gewisse, zahlreich erscheinende blaugrüne Schleim- algen der Grund hierfür seien. Es blieben noch 15 Keimhnge übrig; von denen starben 14 innerhalb von zwei Wochen ab; der letzte hielt sich noch etwa einen halben Monat länger. Zur Bildung eines dritten Blattes gelangte er nicht. Im Anfange des September baute ich die übrigen Samen der- selben Pflanze an. Sie schienen bei mikroskopischer Betrachtung gegenüber den frischen Samen nicht verändert. Obwohl sie aus- schliesslich nur in von Orchideen stammendes Erdreich gesäet wurden, kamen sie doch nicht zur Keimung, was es mir wahr- scheinlich macht, dass die Keimfähigkeit dieser Samen nur von kurzer Dauer sei. 181 Der Versuch, den ich mit Coelogijne cristata angestellt habe, ist zwar weiterhin erfolglos geblieben; immerhin erhellt daraus, was auch von mehreren Seiten bestätigt wird, dass die Keimungsbeding- nisse der Orchideen mehr minder complicierter Natur seien, und die Samen derselben zwar unter gewissen Umständen zur Keimung gebracht werden können, das weitere Wachsthura der jungen Pflanzen aber an weitere Bedingungen geknüpft ist. Im Anschlüsse will ich nur noch erwähnen, dass die erwerbs- mässigen Züchter von Orchideen in Bezug auf Leichtigkeit des Keimens und der Möglichkeit des Fortkommens der Keimlinge die Erfahrung gemacht haben, dass Erdorchideen, z. B. üi/pripedilum, relativ am leichtesten keimen und sich zu blühbaren Pflanzen ent- wickeln, epiphjtische Orchideen aber grössere Schwierigkeiten bieten. In diesem Falle pflegen die Züchter die Samen direct auf Pflanzen derselben Art zu säen, da nur so es möglich sei, sie überhaupt zum Keimen zu bringen. Versammlung am G. März 1901. Diese Versammlung war vorläufigen Berathungen zum Zwecke einer planniässigen floristischen und pflanzengeogra- phischen Durchforschung des Landes Steiermark ge- widmet. Zunächst wurde vom Obmann der Section, Prof. K. Fritsch, die Eintheilung Steiermarks in eine Anzahl floristischer Bezirke (nach dem Muster der von Dalla Torre und Sarnthein in Tirol unterschiedenen) angeregt. Zum näheren Studium dieser Frage wurde eine Oommission eingesetzt, bestehend aus den Herren F. Eigel, K. Fritsch. F. Krasan und K. Prohaska. <3. Tcrsammliiiig Deutschor \atiir forsch er und Aerzto in Haiulmru-, Der unterzeichnete Vorstand der Abtheilung für Botanik gibt sieh die Ehre, die Herren Fachgenossen zu den Verhandlungen der Abtheilung während der 73. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in^ Hamburg, die vom 22, bis 28. September 1901 stattfinden wird, ergebenst einzuladen. Da den späteren Mittheilungen über die Versammlung, die Anfangs Juni zur Versendung gelangen, bereits ein vorläufiges Programm der Verhandlungen beigefügt werden soll, so bitten wir, Vorträge und Demonstrationen — namentlich solche, die hier grössere Vorbereitungen erfordern — wenn möglich bis zum 15. Mai bei dem mitunterzeichneten Professor Dr. E. Zacharias. Sophienterrasse 15a. anmelden zu wollen. Vorträge, die erst später, insbesondere erst kurz vor oder während der Versammlung angemeldet werden, können nur dann noch auf die Tagesordnung kommen, wenn hiefür nach Erledigung der früheren Anmeldungen Zeit bleibt; eine Gewähr hiefür kann daher nicht übernommen werden. Oesterr. botan. Zeitschrift. 5. lieft. 1901. 14 182 Die allgemeine Gruppierung der Verhandlungen soll so statt- finden, dass Zusammengehöriges thunlichst in derselben Sitzung zur Besprechung gelangt; im Uebrigen ist für die Reihenfolge der Vorträge die Zeit ihrer Anmeldung massgebend. Da auch auf der bevorstehenden Versammlung, wie seit meh- reren Jahren, wissenschaftliche Fragen von allgemeinerem Interesse soweit wie möglich in geraeinsamen Sitzungen mehrerer Abt h eilungen behandelt werden sollen, so bitten wir, uns Wünsche für derartige, von unserer Abtheilung zu veranlassende gemeinsame Sitzungen übermitteln zu wollen. Die Einführenden: Die Schriftführer: Prof. Dr. E. Zacharias. Dr. Voigt. Justus Schmidt. Dr. Klebahn. Botanische Sammlungen, Museen, Institute etc. Jahres -Katalog pro 1901 der Wiener Botanischen Tausch- anstalt. (J. Dörfler, III., Barichgasse 36, Wien.) Delectus plantarum exsiccatarum quas anno 1901 per- mutationi offert Hortus Botanicus Universitatis Jur-ijevensis. (Prof. N. J. Kusuezow, Botanischer Garten, Jurjew [Dorpat].) XXI. Katalog über getrocknete Pflanzen. (G. Treffer in Luttach, Post Sand. Tirol.) Soeben ist die I. Serie (Nr. 1—50) des Exsiccatenwerkes : V. Schiffner, „Hepaticae Europaeae exsiccatae" ausgegeben worden. Das gross angelegte, prächtig ausgestattete Exsiccatenwerk soll nicht nur ein vollkommen verlässhches Vergleichsmateriale bei Bestim- mungen und anatomischen oder entwicklungsgeschichtlichen Unter- suchungen bieten, sondern als Fundament dienen für eine zukünftige Monographie der europäischen Lebermoose. Der Herausgeber hat gleichzeitig (in Sitzungsb. des „Lotos", 1901, Heft III) „Kritische JBemerkungen über die europäischen Lebermoose mit Bezug auf die Exemplare des Exsiccatenwerkes: Hepaticae Europaeae exsiccatae" herausgegeben, welche jedem Satze der I. Serie in einem Separat- Abdrucke beigegeben sind und den Werth dieses Exsiccatenwerkes wesentlich erhöhen. — Mitarbeiter erhalten das Werk gratis, für Nichtmitarbeiter ist der Preis pro Serie 12 fl. =: 20 Mark. Personal-Nachrichten. Dr. A. Jakowatz wurde zum Assistenten am botanischen Museum und Garten der Universität Wien bestellt. Obergärtner Lajos Walz wurde zum Garteninspector des botanischen Gartens in Klausenburg (Kolozsvar) ernannt. 183 Gestorben sind: Der als Pflanzenmaler rühmlichst bekannte Künstler Wenzel Liepolt am 4. April 1901 in Wien im (30. Lebensjahre. Hofrath L. Lein er, der Mitherausgeber des Exsiceatenwerkes „Kryptogamen Badens", zu Oonstanz. Druckfehler-Berichtigungen. In Nr. 3 dieses Jahrganges dieser Zeitschrift ist zu setzen: statt richtig coronixfera coronifera Nielsen Nielsens Rhamens IVtamniis Band Bind Band Bind enc eue henholdsois henlioldsvis conorifcra coronifera Seite Zeile 90 12 von oben 90 22 von oben 90 26 von oben 12 90 von unten ohne Anm. 90 1 der Anm. 91 i von oben 91 9 von oben 91 3 von unten Li der vorigen Nummer dieser Zeitschrift wurde ein Ver- zeichnis der in der 33. und 34. Centurie der „Flora exsiccata Au stro-Hungarica" ausgebenen Pflanzen veröffentlicht. Auf der letzten Seite dieses Verzeichnisses (p. 145} haben sich folgende Irrthümer eingeschlichen : 3390 ist Hieracium rigidum Hartm. var. Idtifolitnn Lindbg. (nicht var. basifolium Lindbg.). 3391 ist Ifieraciwm, wnhellatuni L. Tirol, Trins (A. Kerner). Alle Nummern von 3391 {Hieracium barhatum Tausch) bis 3399 sind um 1 zu erhöhen, so dass Nr. 3392 {Hieracium barbatum Tausch und Nr. 3400 Tragopogon Tommasinii Schltz. ist. Inhalt der Mai-Nuiiinier: E. Hackel, Neue Gräser. S. 149. — 0. E Schulz, Zur geographischen Verbreitung des Melilütiis polonicus (L.) Desr. S. 154. — V. Schiffner, Einige Materialien zur Muosflüra des Orients. S. 156. — Marie Soltokovie, Die perennen Arten der Gattung Gentiuna aus der Section Ci/clostigma. S. 161. — Liteiatur-Uebersicht. S. 172. — Altademien, Kotanische Gesellschaften, Vereine, Congresse etc. S. 176. — Botanische Sammlungen, Museen, Institute etc. S. 182. — Personal-Nachrichten. S. 182. — Druckfehler-Berichtigungen. S. 183. Redacteur: Prof. Dr. R. r. Wettstein, Wien, 3/3, Eennweg 14. Verantwortlicher Redacteur: J. Dörfler, Wien, III., Barichgasse 36. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. Die „Oesterreichische botanische Zeitsohrift" erscheint am Ersten eines jeden Monates und kostet ganzjährig 16 Mark. Zu herabgesetzten Preisen sind noch folgende Jahrgänge der Zeitschrift zu haben: 1852/58 ä M. 2-—, 1860/62, 1864/69, 1871/92 ä M. 4- — , 1893/97 ä M. 10- — . Exemplare, die frei durch die Post expedirt werden sollen, sind mittelst Postanweisung directbei der Administration in Wien, L, Barbaragasse 2 (Firma Carl Gerold's Sohn), zupränumeriren. Einzelne Nummern, soweit noch vorrälhig, ä 2 Mark. Ankündigungen werden mit 30 Pfennigen für die durchlaufende Petitzeile berechnet. 14* 184 INSERATE. Verlag Ton OUSTAV FISCHER in Jena. Soeben erschien; f^^ ' ., ... Studien über den Milchsaft und Schleimsaft der "Pflanzen. Von Prof. Dr. Hans Molisch, Vorstand des pflanzenphysiologischen Institutes der deutschen Universität Prag. Mit 33 Holzschnitten im Text. 1901. Preis: 4 Mark. "Die l^eizleitung und peizleitenden Strukturen bei den "Pflanzen. Von Dr. B. Nemeo, Privatdocent der Botanik an der k. k. Itöhinischcn Universität in Prag. Mit 3 Tafeln und 10 Abbildungen im Text. 1901. Preis: 7 Mark. Verlag von ARTHUR FELIX in LEIPZIG. Untepsuchungeii aus dem Gesammtgebiete der Mykologie. Von Oscar Brefeld. Heft I : Mucor Mucedo, Chaetocladium Jonesii Piptocephalis Freseniana, Zygomyceten. Mit 6 Taf. In gr. 4. 1872. brosch. Preis: 11 Mk. Heft II: Die Entwickelungsgesehichte v. PenicilUum. Mit 8 Taf. In gr. 4. 1874. brosch. Preis: 15 Mk. Heft III: Basidiomyceten I. Mit 11 Taf. In gr. 4. 1877. brosch. Preis: 24 Mk. Heft IV : 1. Kulturraethoden zur Untersuchung der Pilze. 2. Bacillus sub- tilis. 3. Chaetocladium Fresenianum. 4. Pilobolus. 5. Murtierella Bostafinskii. 6. Entomuphtlwra radicans. 7. Feziza tuherosa und Peziza Sclerotioruvi. 8. Picnis sclerotivora. 9. Weitere Untersuchungen von verschiedenen Ascomyceten. 10. Bemerkungen zur vergleichenden Morphologie der Ascomyceten. 11. Zur vergleichenden Morphologie der Pilze. Mit 10 Taf. In gr. 4. 1881. brosch. Preis: 20 Mk. Heft V: Die Brandpilze I (Ustilagineen) mit besonderer Berücksichtigung der Brandkrankheiten des Getreides. 1. Die künstliche Kultur parasitischer Pilze. 2. Untersuchungen über die Brandpilze, Abhandlung I bis XXIII. 3. Der morpho- logische Werth der Hefen. Mit 13 Taf. In gr. 4. 1883. brosch. Preis: 25. Mk. Heft VI: Myxomj'ceten I (Schleimpilze): Polysphondylium violaceum u. Dictyostelium mucoroidcs. Entomophthoreen II : Conidioholus utriculosus und minor. Mit 5 Taf. In gr. 4. 1884. bro.sch. Preis: 10 Mk. Heft VII: Basidiomyceten IL Protohasidiomyceten. Die Untersuchungen sind ausgeführt im Königl. botanischen Institute in Münster i. W. mit Unter- stützung der Herren Dr. G Istvänffy u. Dr. OlavJohan -Olsen, Assistenten am botanischen Institute. Mit 11 Taf. In gr. 4. 1888. brosch. Preis: 28 Mk. Heft VIII: Basidiomyceten und die Begründung des natürlichen Systemes der Pilze. Die Untersuchungea sind ausgeführt im Kgl. botanischea Institute in Münster i. W. mit Unterstützung der Herren Dr. G. Istvänffy u. Dr. Olav Johan- Olsen, Assistenten am botanischen Institute. Mit 12 lithogr. Tafeln. In gr. 4. 1889. brosch. Preis: 38 Mk. NB. Dieser Nummer sind die Tafeln III und IV cSoltokovic) beigegeben. ÖSTERREICHISCHE BOTAilSCHE ZEITSCMIFT, Herausgegeben und redigirt von Dr. Richard R. v. Wettstein, Professor an der k. k. Universität in Wien. Verlag von Carl Gerold's Sohn in Wien. LI. Jahrgang, N»- 6. Wien, Juni 1901. A. V. Kerner's Beobachtungen über die Zeit des Oeffnens und Schliessens von Blüten. Aus hiiiterlassenen Aufzeichnungen zusammengestellt und mitgetheilt von A. Burjferstein (Wien). Als ich mich vor Jahren mit Untersuchungen des Einflusses äusserer Bedingungen auf die Apertur und Olausur der Perianthien beschäftigte, erhielt ich von Prof. v. Kern er in Form von Auf- schreibungen ein überaus reiches Beobachtungsmaterial aus dem Innsbrucker botanischen Garten , dessen Direction bekanntlich Kerner iu den Jahren 1860 — 1878 innehatte. Es bezog sich vor- nehmlich auf die Tagesstunden des Oeffnens und Schliessens der Blüten zahlreicher, im Freien cultivierter Pflanzen in verschiedenen Monaten. V. Kerner überliess mir damals auf meine Bitte jene Auf- zeichnungen zur Sichtung und eventuellen Veröffentlichung im An- schluss an meine Untersuchungen. Leider blieben die letzteren bis jetzt unvollendet. Mittlerweile hatte Kerner eine Anzahl dieser Beobachtungen, so z. B. die Stunden des Oefihens und Schhessens für eine Reihe von ephemeren Blüten — also eine Art Blumenuhr — im II. Bande seines „Pflanzenleben" mitgetheilt. Da meine Studien wahrscheinlich erst im nächsten Jahre ein druckfertiges Manuscript bilden werden, so entschloss ich mich, einstweilen die von Kerner in das „Pflanzenleben" nicht aufgenommenen Detailbeobachtungen mit einigen Zusätzen hier zu publicieren. Kern er notierte bei ca. 120 Pflanzen mit ephemeren oder periodisch -nyctitropischen Blüten in verschiedenen Jahreszeiten jedesmal während einer Anzahl von aufeinander folgenden Tagen die Zeit des Beginns der Oefifnung, dann die der vollen Anthese und endlich die des Geschlossenseins des Perianths, beziehungsweise des Blütenköpfchens. Die Arbeit vertheilte sich auf mehrere Jahre, und die Zahl der Einzelbeobachtungen geht in die Tausende. Ich habe nun aus den einzelnen Beobachtungsreihen die Mittelwerthe Oesterr. botan. Zeitschrift. 6. Heft. 1901. 15 186 — in Ganzen und Decimalen von Stunden — berechnet. Hier nur ein Beispiel: Veronica Bnxhaunni: 24. Sept. bis 8. Oct. (15 Tage). Zeit des Beginnes der Blütenapertur in Stunden (a. m.}: 11 "5, 11*5, 10-5, 10 5, 10-5, 10, 10, 10, 9-5. 9-5, 9-5, 10, 10, 9-5, 9-5. Daraus ergibt sich als Mittel 152 : 15 = 10 1, d. h. also die Blüten von Veronica JJuxbaumii beginnen sich in der Zeit Ende September bis Anfangs Oetober im Mittel um 10- 1 Uhr (10 Uhr 6 Min. Vorm.) zu öffnen. Von besonderem Interesse — und im „Pflanzenleben" nicht veröffentlicht — sind jene Zahlen, die sich auf die Zeit des Oeffnens und Schliessens des Perianthiums bei solchen Pflanzenarten beziehen, die zu verschiedenen .Jahreszeiten (Frühjahr, Sommer, Herbst) zur Untersuchung herangezogen wurden. Obwohl die Zahl der Beobachtungen, welche von verschiedenen Autoren über den „Schlaf der Blumen" veröffentlicht wurden — ich glaube die Literatur gut zu kennen — eine ziemlich grosse ist. so enthält dieselbe doch nur spärliche Angaben über den Beginn und die Dauer der Anthese bei Blüten derselben Pflanzenart in verschiedenen .Jahreszeiten. Nach Fritsch^j ist bei jenen Blumen, die sich schon in den frühen Morgenstunden öffnen, die „Dauer des Wachens" relativ kurz, während die Nachtblumen verhältnismässig am längsten offen bleiben. Roy er-) gibt an, dass Taraxacmn ofßcinale die Blütenköpfe im April zwischen 9—10 Uhr Vormittags öffnet und gegen 3 Uhr Nachmittags schliesst; im Sommer erfolge die Apertur zwischen 5 — 6 Uhr. die Clausur um 10 Uhr a. m. — Die Blüten von Mirahilis Jnlappa schliessen sich im Oetober nicht schon zeillich Morgens, sondern bisweilen erst im Laufe des Nachmittags. Ich theile nun die Kerner'schen Beobachtungen mit In der folgenden Zusammenstellung bedeutet: Col. I. Zeit der Beobachtung. „ II. Beginn des Oeffnens der Blüten. „ HL Stunde der vollständigen Expansion. „ IV. Zeit des Geschlossenseins. „ V. Dauer der Blütenöffnung. Es sei noch einmal bemerkt, dass die in Ganzen und, Deci- malen von Stunden angeführten Zahlen die aus einer grösseren Anzahl Einzelbeobachtungen berechneten Mittelwerthe darstellen. Die Stunden von Mittag bis Mitternacht sind durch Einschliessung in Klammern markiert. Campanulaceen, SpeciiJaria ( 1.'7. — 14./7. 7 4 S'O (7-1) 11-7 Specnhmi.A l.'/8. — 7./8. 7-6 8*5 (4-9) 9-3 ^) Resultate mehrjähriger Beobachtungen etc. Abh. d. kgl. böhm. Gesellsch. d. Wissenseh. Prag, 5. Folge. VII. Bd. 1851. 2) Essai sur le sommeil des plantes. Ann. sc. nat. Bot. 5. sär. IX. 1868. 187 AI sine rostrata Stellaria media . . 12./7. 24./9. 26./3. CaryophyUaceen, — 22./7. 7-4 8-5 — 8. 10. 6-1 7-6 — 13.4. 9-2 9-8 1. 7. —24. 7, 8-0 8-8 (8-9) (8-2) (5-2) (4-3) 13-5 13-5 8-0 8-3 Heliantliemiimi 12. /l. — 23 7. vulgare ..A 24./9. — 8/10 Cistaceen, 5 6 6-6 8-5 (9-0) (6-6) 15-4 11-2 Tradescantia virginica :.\ 12/7. 18. Conimelinaceen. —22./ 7. 5-8 7-0 9./8. 4-8 5-5 (4-0) (3-9) 10-2 11 1 Compositen. Bellis perennis. . . Calendula arvensis . . . Cichorium Intyhus Hieracium aurantiacum Hieracium Auricida . . Hieracium murorum . . Hieracium umhellatum H[/poc]iaeris macidata . Lactuca perennis . Lactuca sativa. . . . Lapsana communis Sonchus arvensis . . Sonchus oleraceus . 8 6 9 5 (5 6) 9- 11 2 11 8 (4 2) 5- 8 7 9 9 (5 0) 8- 11 11 9 (4 3) 5- 6 6 < (3 7) 9- 7 8 4 (6 0) ]1- 6 1 6 9 10 7 4- 6 3 8 4 (6 4) 12- 8 9 10 1 (5 9) 9- 6 4 7 2 11 2 4- 7 2 8 (3 1) 7- 6 1 7 9 (8 2) 14- 6 6 7 3 (12 1) 5- 6 3 8 4 (6 7) 12- 6 5 7 9 (7 2) 12- 6 4 8 7 (8 1) 13- 7 G 8 4 (4 6) 9- 7 8 6 (8 0) 13 5 8 7 (ö 1) 11- 7 4 8 7 (5 9) 10- 6 8 7 4 (l 1) 6- 8 1 9 1 (1 9) 5- 6 2 7 5 10 8 4- 7 2 7 9 11 8 4- 6 • < 7 5 11 9 5- 7 8 11 5 4- 7 7 6 (12 8) 5- 8 6 9 6 (3 2) G" 15^ 188 ( 26./3. — 13,/4. 8-5 9-4 (5 5) 9 Taraxacum 17./7. — 23./7. 6-5 7-5 (3 2) 8 7 ofßcinale . < 1./8. -16./8. 6-8 7-4 (4 4) 9 6 9./11 .—14/11. 107 11-8 (5 5) 6 8 Tragopogon .! 1./7. -24./7. 6-0 6-6 9 6 3 6 floccossus . 1./8. ~15./8. 6-8 7-8 (1-5) 6-7 Convolvulaceen Convolmilus .! 18./7. — 23./7. 7-0 8-0 (4 8) 9 8 arvensis . . 1./8. — 15./8. 7-3 8-1 (4 6) 9 3 Convolvulits 1./7. 1./8. — 24./7. — 16./8. 5-8 5-2 6-4 6-0 (6 (6 2) 4) 12 13 4 2 sepium . . •1 24./9. - 8./10. 6-6 7-7 (5 8) 11 2 Convolvulus siculus . . . •1 12./7. 1./8. 24./9. — 23,/7. — 16./8. — 8./10. 7-4 7 9-0 8-4 7-9 101 (4 (4 (5 6) 9) •6) 9 9 8 2 9 6 Convolvulus tricolor . . ' 12./7. 1./8. -23./7. — 16./8. 7-3 7-0 8-2 7-9 (6 (5 1) 6) 10 10 8 6 •1 24./9. — 8./10. 8-7 9-9 (5-9) 9-2 Cruciferen, Brassica j 24./9. — 8./10. 8-3 9-2 (8-6) 12-3 nigra .... .i 8./11 .— 12./11. 10-9 12-0 (5-4) 6-5 Diplotaxis j 24./9. — 8./10. 7-4 8-6 (6-8) 11 4 apula .( 9./11 .-12./11. 10-8 120 (4-3) 5-5 Lineen. Linum ( 12./7. -23./ 7. 5-5 6-5 8-3 — austriacun A 1./8. — 16./8. 50 5-7 — — Linum i 1./7. - 7./7. 6-0 6-8 — — grandifloruml 12./7. — 23./7. 5 2 7-9 (8-7) — Malvaceen. Hibiscus 1 1./8. — 16./8. 6-8 8-7 (12-6) 5-8 Trionum . .f 24./9. — 8./10. 8-0 9-2 (2-6) 6-6 Nyctaginaceen. Mirahilis j 1./8. -16./8. (5-1) (5-9) 12 1 7-0 Jalappa. . .1 24./9. — 8./10. (7-8) (8-9) 2-2 6-G Onagraceen. f)pM/i/7i pvn j 12./7. — 23./7. (6 -3) (7-1) (12-1) 17-8 \JOi(fUVito/ U/ • • •1 24./9. — 8./10. (3-8) (5-4) (2-4) 22- 6 189 Oxalis lasiandra . Oxalis strida Ärgern one mexicana. EschscJioltzia californica Fapaver alpinum Papaver Rhoeas .\ Portulaca oleracea . . . Portulaca grandiflora Anagallis arvensis Veronica Buxhaumii Oxalideen. 9 10 10 Papaveraceen, 12./7. 24./9. 1./7. 12./7. 1./7. 24/9. 1. 7. 2./9. -23./7. — 6./10. —24/7. — 23./7. — 24./7. — 8./ 10. — 15.'7. — 8. 10. •1 •9 •0 •5 •9 •5 •0 •6 JPortulacaceen. 9- 10- 8- 8' 10' 10-3 9-8 10-9 10-0 10-8 11-6 7-5 11-0 8-6 8-7 6-7 8-7 5-9 7-5 10 11 9 9 11 JPrhnulaceen, 1./7. — 24./7. 9-6 10-4 1./8. — 8.8. 8-8 9-8 Scrofulariaceen. 10/4. — 14./4. 9-0 9-9 2 12./7. — 23./7. 1./8. — 16./8. 24./9. — 8./10. 7-2 7-6 ö-o 10 1 11-2 (7 (8 (5 (4 (4 (5 •4) •1) •5) •0) •8) •9) (2-2) (3-8) 6-0 6-3 5-8 (4-6) (4-8) (5-3) (4-4) (4-6) (4-5) 10-1 11-3 7*7 7-3 6-8 7-4 (8 (5 4) 9) 14-3 8 (4 (8 1) 7) 8-1 13-2 (5 (7 8) 1) 11-9 11-6 (5 (7 9) 1) 12-3 12-5 4 4 10 9 7 •9 •9 •0 •9 '5 7-0 8-0 9-2 9-2 6-4 Datura ferox \ . ''.q Datura ( Stramoniuml Nlcandra pJiysaloides Solanaceen. — 23./7. — 16./8. — 23./7. — 16./8. -20./7. — 16./8. - 8./10. (5 (5 (5 (5 10 10 (0 •7) (6-2) 10- •4) (6 4) 8- •7) (6-5) 9- •4) (6-3) 8- •9 11-9 (5- •8 11-6 (3- ■7) (1-7) (4- 16-4 15-1 160 14-9 6-2 4-4 3-9 190 Vergleicht man die bezüglichen BlüteDerscheinungen einerseits im Juli-August, andererseits im September-October, so findet man, dass sich die Tagesblüten im Sommer früher öffnen als im Herbst mit Ausnahme von Tradescaittia, Alsine, Hicraciuni murorum und umbellatum, die Nachtblumen sieh hingegen im Sommer später öffnen als im Herbst mit Ausnahme von MirahiUs. — Der Blüten- schluss erfolgt im Sommer später als im Herbst mit Ausnahme von Hihiscus Trionum, Papaver alpinum und Bhoeas und fast allen Compositen. — Demgemäss ist die Dauer der offenen Blüte, bezw. des Blütenköpfchens im Sommer länger als im Herbst (mit Aus- nahme von Tradescantia, Hihiscus, Oenothera und den meisten Compositen. — Fast dieselbe Oeffnungsdauer in verschiedener Jahres- zeit zeigten Papaver alpinum und Rhoeas, Portulaca oleracea, Alsine rostrata und Lapsana. Die Erscheinung, dass im Allgemeinen (insbesondere bei Aus- schluss der Compositen) die Tagesanthese im Sommer länger anhält als im Herbst und im Frühjahr, steht gewiss in Beziehung zur Tagesdauer. Dies zeigen auch jene Pflanzen, deren Blüten in drei verschiedenen Jahreszeiten beobachtet wurden. üeber die Frage, ob das Licht oder die Wärme der Sonne die Causa movens sei, hat sich schon vor längerer Zeit H. Hoff- mann ^) dahin geäussert, dass das Licht nicht durch seine leuch- tende, sondern durch seine wärmende Kraft die Oeffnungsbewegung der Blüten veranlasst. Auch Kern er kam auf Grund einiger experimenteller Versuche mit Gentiana asdepiadea und G. rhaetica (vgl. Pfianzenleben, 2. Aufl., IL Bd., p. 197) zu dem Schluss, dass die Oeffnung durch innere Temperaturerhöhung der Blüten in Folge Umsatzes des absorbierten Lichtes in Wärme erfolgt. Dass die Blüten vieler Pflanzen ihre Oeffnungs- und Schlies- sungsbewegungen bei völligem Abschluss des Lichtes ausführen können, ist bekannt; dass jedoch die Blüten anderer Pflanzen bei der Oeffnungsbewegung des Lichtes nicht entrathen können, oder von diesem wenigstens beeinflusst werden, kann nicht geleugnet werden. So fand Kern er, dass das Aufblühen von Hemerocallis flava und Gentiana havarica durch Belichtung gefördert wird, und H. Hoff mann sah, dass sich die Blüten von Tolpis harhata unter dem Einflüsse des blauen Lichtes früher öffneten und später schlössen als unter dem Einfluss des rothen. Allerdings entbehren Hoff- tnanns Versuche der Exactheit, da die verwendeten farbigen, durch Oel transparent gemachten Papiere spectroskopisch nicht geprüft wurden. Auch das Verhalten der Nachtblumen deutet auf eine Be- ziehung der Blütenöffnung zum Lichte. Ueber die innere Ursache der Oeffnungs- und Schliessungs- bewegung sind verschiedene Meinungen ausgesprochen worden, die ich hier nur kurz berühren will. 1) Eecherches sur le sommeil des plantes. Ana. sc. nat. Bot. 3. ser. XIV. 1850. p. 310. 191 Meese') und Dutrochet-) suchten die Ursache des Oeffnens in einem gesteigerten Saftzufluss zu den Blüten. Nach Roy er steht das Oeffnen mit einer Zunahme, das Schliessen mit einer Ver- minderung des Turgors im Zusammenhange. Pfeffer^) hat sich auf Grund durchgeführter, sehr genauer Messungen in bestimmter Weise dahin ausgesprochen, dass die Nutationsbewegungen des Perianthes von Tulipa und Croctis Wachs- thumser scheinungen sind, indem Temperatursteigerung ein beschleunigtes Wachsthum der Innenseite, Teraperaturabfall aber ein beschleunigtes Wachsthum der Aussenseite hervorruft. Dabei vrerden aber stets die Zellen beider Seiten der Bewegungszone, jedoch in relativ verschieden ausgiebiger Weise durch die Tem- peraturschwaukungen afficiert. Demgegenüber glaubt Archangeli"*) nach eigenen Beob- achtungen annehmen zu müssen, dass bei Tulipa saxatilis der Mechanismus des Oeflfnens und des Schliessens durch die ungleiche Turgescenz der Zellen der beiden Laminarhälften der Perigon- blätter bedingt werde. Ich selbst bin auf Grund experimenteller Untersuchungen zu dem Resultate gekommen, dass das Oeffnen und Schliessen der Blüten bei Tulipa und Crocus auf vom Wachs- thum unabhängige Turgordifferenz, bezw. Turgorkrüm- raung zurückzuführen sei. — Auch Duchartre^) hat die Ansicht ausgesprochen, dass die Eröffnung des Perigons bei Crocus mit einer durch Transspiration bedingten Turgeseenzänderung der äusseren Zellschichten der Perigonblätter in Verbindung stehe. Dass bei verschiedenen Pflanzen das Oeffnen der Blüten nicht auf Wachsthum, sondern auf Turgoränderungen in Folge Trans- spiration beruht, hat Wiesner") gezeigt. Ein Wasserverlust der Blüten, der zu ihrer Apertur führt, kann entweder durch directe Wasserabgabe (Transspiration) oder durch Wasserentziehung seitens des Laubes (Rückleitung des Wassers von den Blüten zu den relativ stark transspirierenden Blättern) erfolgen. Ein Beispiel ist Anagaliis arvensis. Legt man (nach Wiesner) einen abgeschnittenen, mit Blättern und geschlossenen Blüten besetzten Spross dieser Pflanze in die Sonne, so wird das Laub welk, während gleichzeitig die Blüten sich öffnen. Damit vereinigt sich meine Beobachtung, dass Anagallisblüten im dunstgesättigten Raum sich nicht öffnen. 1) Experiences sur l'influence de la lumiere sur les plantes. Journal de physique. 1775. 2) Du reveil et du sommeil des plantes. Ann. sc. nat. Bot. 2. ser. VI. 1836. p. 177. 3) Untersuchungen über Oeffnen und Schliessen der Blüten. Physiolog. Untersuchungen. Leipzig, 1873. *) Sulla Tulipa saxatilis. Bulletino della soc. botan. ital. Firenze, 1894. 5) Influence de la temperature sur repanouissement des fleurs. Bull. soc. bot. de France. 30. Bd. C) Studien über das Welken von Blüten und Laubsprossen. Sitzb. d. k. Akad. d. Wissensch. Wien. 86. Bd. 1882. 192 Auch die Erscheinung, dass sich die Köpfchen vieler Cicho- riaceen im Hochsommer bei sonnenhellem Wetter oft schon in den späteren Vormittagsstunden schliessen, dürfte auf Turgescenzände- rungen beruhen und sich in folgender Weise erklären: des Morgens steigt in Folge geförderten Saft Zuflusses in die Blütenköpfchen der Turgor in der oberen (inneren) Laminarhälfte der Corollen stärker als in der unteren (äusseren); in Folge dessen erfolgt Ausbreitung des Köpfchens; dabei werden die Blätter des Hüllkelches passiv mit ausgebreitet. Sinkt in Folge der Transspiration in der Sonne der Turgor der Corollen überhaupt, jener der Oberseite insbesondere, so beginnen die passiv gedehnten Hüllblätter sich in Folge ihrer Elasticität aufzurichten und das Köpfchen schliesst sich. Dass die Ausbreitung des Involucrums bei den Cichoriaceen passiv erfolgt, hat schon Roy er beobachtet. Er sagt (1. c. p. 363): „Das Involucrum der Cichoriaceen breitet sich zu derselben Zeit aus wie die Blüten, aber diese Bewegung ist nicht activ. sondern resultiert nur aus dem Drucke der Blüten. In der That, wenn man während des Geöffnetseins die Ligulen bei einem Taraxacum, Hieracium, Sonchus etc. ausreisst, so gehen die Involucralblättchen bald zurück und nehmen die Stellung ein, die sie zur Schliessungs- zeit des Köpfchens hatten."^) Wie schon Eingangs bemerkt, fand Roy er, dass das Geöffnet- sein der Blütenköpfe vom Löwenzahn im Sommer um zwei Stunden länger dauert als im Frühjahr (April), und Ültmanns') beobachtete, dass bei Tragopoqon hrevirostre durch natürliche oder künstliche I5eschattung die Oeffnungsdauer verlängert wird. Bezugnehmend auf Roy er s Angabe sagt Oltmanns: „Der Umstand, dass die Pflanzen in weniger hellen Monaten zwei Stunden länger geöffnet sind als in den hellsten, dürfte vorläufig genügen zu der Vermuthung. dass Leontodon und Tragopogon im Wesentlichen übereinstimmen. Auch von anderen Compositen dürfte das gelten, und vielleicht finden sich bei genauer Untersuchung auch Arten aus anderen Familien, die sich analog verhalten." Dass sich thatsächlich nicht nur andere Compositen, sondern auch Vertreter anderer Familien so verhalten, hatte Kerner schon ca. 20 Jahre vor Oltmanns gefunden. Denn es betrug z. B. bei verschiedenen "Cichoriaceen die Dauer des Geöffnetseins der Blüten in Stunden (aus Kern er s Tabellen): Taraxacum officinaJe . . Juli 8 Tragopogon floccosus . Hieracium aurantiacum n Auricula . . n nmrorum. . V umbdlatuni. 7 August 9 '6 V 3*6 n 6*7 V 4-6 Sept.-Oct. 12-1 « 4-8 « 14-1 V 5'5 n 12-4 Aug. 12-7 V 13-7 ^) Diese Thatsache wurde später von Benecke für Taraxacum officinale bestätigt (Ber. Deutsch. Botan. Ges. II. Bd. 1884). 2) lieber das OelFnen und Schliessen der Blüten. Bot. Zeitg. 53. Jahrg. 1895. 193 Cichorhnn Intyhus . . . Aug. 9-1 Sept.-Oct. 11 -0 Sondms oJeraceiis . ... n 5 '8 n 6 "6 Beneckes Bemerkung, dass es interessant und lohnend wäre, die von ihm bei Taraxacum gemachte Beobachtung auf eine grössere Zahl von Corapositen auszudehnen, ist durch die Abhandlung von Beyer, die Benecke offenbar nicht gekannt hat, zum Theil gegen- standslos geworden. Eine weitere Beobachtungsreihe Kerners bezieht sich auf die Umwandlung ephemerer Blüten in mehrtägige oder in periodische. Ich führe für jeden dieser beiden Fälle ein Bei- spiel aus Kerners hinterlassenen Aufzeichnungen an. «) Die Blüten von Henterocallis flava sind im Sommer ephemer; sie öffnen sich Morgens und schliessen sich Abends. Bei einer erst Ende September blühenden Pflanze dauerte die Anthese zwei Tage und bei einem Ende October blühenden Exemplar blieb die Blüte drei bis vier Tage offen, ohne sich zu schliessen. h) Die Blüten von Hihiscus Trionuin sind im Sommer ephemer. Bei einem Exemplar dieser Pflanze, welches Kern er im Herbste be- obachtete, öffneten sich die Blüten am 24. September zum ersten Male, tags darauf zum zweiten Male und am 26. September zum dritten Male. Kerners Aufzeichnungen enthalten